Ein Leben ohne Geld – die wahre Geschichte einer ehemaligen Lehrerin

05 Mrz 2010 Von Kommentare: 0 Gesellschaft, Zeitgeschehen

Leben Ohne Geld

Sie provoziert, sie gibt Denkanstöße, sie macht Mut, sie schreibt, sie lebt. Das alles ohne Geld. Seit 13 Jahren! Heidemarie Schwermer ist eine schillernde Persönlichkeit, die in Deutschland durch einem auf reiner Tauschbasis geführten Lebensstils bekannt wurde und die durch ihr eigenwilliges Leben einen gewissen Kultstatus errungen hat. Aus einem Experiment wurde Berufung. Durch ihre Lebensweise, keinen einzigen Euro-Cent zu besitzen macht die 67-Jährige Mut. Mut, die nicht nur Menschen, die am Existenzminimum leben, gut gebrauchen können. Angefangen hat ihre ungewöhnliche Karriere mit der Gründung des Tauschrings „Gib-und-Nimm“ 1994 in Dortmund. Die ehemalige Lehrerin, Motopädin und Psychotherapeutin wollte ohne den Umweg „Geld“ für ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen herstellen und die Diskrepanz zwischen Arm und Reich schmälern. Bei einem Tauschring geht es nicht nur um Wertschätzung und Anerkennung.

Jeder kann sich durch seine Fähigkeiten und Interessen selbst einbringen und wird wichtig für die Gesellschaft und die Gemeinschaft. Rasenmähen gegen Babysitten. Wände streichen gegen Obst ernten. Zwei Jahre später machte sie ihre Ideale vom miteinander Leben ohne Geld zur personifizierten Realität. So verschenkte sie fast ihr gesamtes Hab und Gut und beschloß für 12 Monate vollkommen auf Geld zu verzichten. Sie packte ihren Koffer und kam bei verschiedenen Freunden und Bekannten in ganz Deutschland unter, erledigte für sie den Haushalt, kaufte ein, half im Garten und bekam dafür kostenfrei Schlafmöglichkeiten und Nahrung. Aus den 12 Monaten wurden inzwischen 13 Jahre, denn immer mehr spürte und genoss sie das unbeschwerte Leben durch abnehmende Ängste und weniger Abhängigkeiten durch den Verzicht auf Geld.

„Täglich verhungern 100 000 Menschen, und auf der anderen Seite gibt es eine riesige Verschwendung. Lebensmittel werden ins Meer gekippt, um Preise stabil zu halten, Milliardäre bauen sich Swimmingpools in ihr Privatflugzeug, weil sie gar nicht mehr wissen, wohin mit dem ganzen Geld. Für mich ist diese Situation derart absurd, dass ich bei diesem Prozess nicht mehr mitwirken möchte und darum nach neuen Strukturen suche.“ – Heidemarie Schwermer

In einer Zeit totaler finanzieller Hörigkeit vor Banken und der Finanzindustrie könnte dies eine neue visionäre Lebensform darstellen, die sich jetzt schon immer größerer Beliebtheit erfreut. Zwar nicht durch die in gewisser Hinsicht extreme Lebensweise, wie sie Heidemarie Schwermer lebt, dafür aber zu beobachten durch die zunehmende Bereitschaft der Menschen zur Mitgliedschaft in Tauschringen und an aktiver Nachbarschaftshilfe in den jetzigen unsicheren Zeiten. Ihre kleine Rente und Gagen aus Fernsehauftritten verschenkt Heidemarie Schwermer übrigens an bedürftige Menschen. Sie ist Pionier und Vorbild in Zeiten des Raubtierkapitalismus.

Beitragsbild mit freundlicher Genehmigung von Heidemarie Schwermer

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