Freeconomy – Die geldlose Gesellschaft

05 Mrz 2010 Von Kommentare: 3 Gesellschaft

Übmer dem Nebel scheint die Sonne

Eine Gesellschaft ohne Geld – das ist das Ziel des Wirtschaftswissenschaftlers und Gründers von Freeconomy, Marc Boyle aus Südwestengland. Werkzeuge und Geräte kostenlos ausleihen statt kaufen, Dienstleistungen in Anspruch nehmen ohne direkte Gegenleistung oder leerstehende Räume und Grundstücke nutzen ohne Miete zu bezahlen. Was sich liest wie ein Leben im Paradies ist bereits Wirklichkeit und kann von jedem sozial eingestellten Menschen gelebt werden. Während die meisten alternativen Wirtschaftsformen auf Tausch basieren, lebt Freeconomy ausschließlich vom „pay it forward-Prinzip“. Dem Vertrauen, dass derjenige, der „nimmt“, auch selbst irgendwann „gibt“. Wann, wie und wo ist jedem selbst überlassen. Darum gibt es auch keine Tauschgegenstände wie beispielsweise Geld, Zeitgutscheine, Quittungen oder ähnlichem.

„Heute stellt dir jemand seine Werkstatt zur Verfügung damit du deine Autoreifen wechseln kannst. Eine Woche später bittet dich ein anderer, ihm seinen kaputten Fahrradschlauch zu flicken. Jeder, der die Hilfe eines anderen in Anspruch nimmt, verspricht gleichzeitig, selbst seine eigenen Fähigkeiten in die Gemeinschaft mit einzubringen und einem anderen zu helfen.“ Durch ein Engagement bei der Freeconomy wird nicht nur der eigene Geldbeutel entlastet, sondern auch Umwelt und Ressourcen werden geschont und das soziale Miteinander und Gemeinschaftsdenken gefördert. Ein soziales Netzwerk soll entstehen und der Natur soll mit Achtung und Respekt begegnet werden.

Laut der Webseite von Freeconomy läßt sich als eine der Ursachen für die vielen Probleme wie z.B. Ausbeutung, Massentierproduktion, Kriege, Klimawandel oder verschmutzte Meere damit begründen, dass wir die direkten Auswirkungen unseres Konsums an Mensch, Tier und Umwelt nicht mehr sehen können. Wir sind viel zu weit von der Produktion unserer Konsumgüter entfernt um nachvollziehen zu können, wie groß Zerstörung und Leiden sind, die mit der Produktion und Verteilung unserer Güter einher gehen. Was uns so weit von unseren Gütern entfernt hat, ist Geld! Würden wir unser eigenes Essen anbauen, würden wir nicht ein Drittel davon wegwerfen, so wie es heute der Fall ist. Würden wir unsere eigenen Tische und Stühle bauen, würden wir sie nicht jedes Mal ausrangieren wenn wir unsere Inneneinrichtung ändern. Könnten wir das Kind sehen, das unter Aufsicht des Militärs in einem Ausbeuterbetrieb arbeitet, würden wir wahrscheinlich davon absehen die neue Hose zu kaufen. Könnten wir das Gesicht der Mutter im Irak sehen, die vor ihrem von einer Streubombe getötetem Kind weint, würden wir wahrscheinlich von dem am Wochenende geplanten Billigflug zurückschrecken, bei dem Tonnen von Öl verbraucht werden. Würden wir die riesigen Müllhalden sehen, hätten wir mehr Respekt für die Dinge, die wir haben und wirklich brauchen. Geld hat Familie, Freunde und die sozialen Gemeinschaften als Sicherheitsquelle Nr. 1 abgelöst!

Die sozialen Hintergründe von Freeconomy:

* Menschen helfen und Anderen die Gelegenheit geben, dass sie selbst helfen können.

* Fähigkeiten weitergeben, die man sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat und solche zu erlernen, für die man bislang kein Geld hatte – für den Fall dass man sie selbst einmal brauchen sollte

* Werkzeuge/Geräte an andere Menschen verleihen, damit für einen selbst auch alle möglichen Werkzeuge/Geräte verfügbar sind ohne dass man sie sich neu kaufen muss

* Freie oder selten genutzte Räume und Grundstücke entweder dazu nutzen, um wohltätige, ethisch gute und lokale Projekte zu unterstützen oder um es Ehrenamtlichen Mitarbeitern zu ermöglichen ihre gute Arbeit fortzusetzen.

* Menschen aus der Nachbarschaft und im Wohnort kennenlernen

* Wieder lernen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen

* Jemandem ein Abendessen zubereiten, der gestern noch ein Fremder war

* Der Gesellschaft wieder eine Seele geben

* Einfach jemandem helfen – nicht aus Profitgier – sondern weil’s Spaß macht!

Der Gründer Mark Boyle, der in der Nähe von Bath / Südwestengland wohnt, lebt die „geldlose Gesellschaft“ mit Perfektion und exzessiv indem er in einem Wohnwagen lebt, sein eigenes Gemüse anbaut, Bekleidung aus dem Müll trägt, solarbetriebenes Handy, Laptop und Dusche benutzt und sich bei Freeconomy engagiert.Bereits seit einem Jahr verzichtet der Wirtschaftswissenschaftler komplett auf Geld und fühlt sich seitdem glücklicher und zufriedener als je zuvor, obwohl er auf Pub-Besuche verzichten muß und seine einzigen Hobbies aus Wandern und Lagerfeuer bestehen. Nun plant er, ein Buch über seinen Lebensstil zu schreiben und mit dem Erlös ein Grundstück in Großbritannien zu erwerben, um eine geldlose Gemeinde zu gründen.

Über die offizielle Webseite von Freeconomy können Kontakte geknüpft werden. Es gibt bis jetzt 14220 Mitglieder in 118 Ländern, die 278960 Fähigkeiten, 53889 Werkzeuge und 220 Räume/Grundstücke zur Verfügung stellen. Es kostet nichts, Freeconomy beizutreten. Es wird keine Werbung betrieben, keine Spenden werden angenommen und über die Webseite wird kein Geld verdient.

Beitragsbild: Fotolia.de

3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    stein says:

    Das ist das biblische „gib so wird dir gegeben. Es funktioniert wenn man für unkreative menschen zehn stunden in der woche arbeitsleistung abfordert um in den genuss von allen gütern und dienstleistungen zu kommen. So werden viele unmotivierte menschen zwar nicht zur arbeit gezwungen aber motiviert um etwas zu geben. Von dieser seite aus würde dann auch „niedrige“ arbeiten erledigt werden. So könnten diese menschen ihre selbstachtung behalten. Und das nur beispielsweise bei zwei stunden arbeit am tag.

    Mit diesem kompromiss werden den gegenargumente für ein gib so wird dir gegeben weitgehend der boden weggezogen.

  2. 2
    Alexisorbas Alexisorbas says:

    Hallo Stein,
    für mich spiegelt die Freeconomy sogar ein neues Lebensmodell für eine Zeit nach dem Geld wieder. Jetzt mag es für die meisten Menschen völlig verrückt klingen, aber so ähnlich wird es kommen. Nicht in 5, aber vielleicht in 10 oder 20 Jahren…

    Herzliche Grüße

  3. 3
    Remo says:

    Liebe Neue Menschen
    Die die sich das vorstellen können, helfen mit das auch umzusetzen! nur mit den Gedanken daran! Danke dafür!
    Es geht „schneller“ als wir uns das vorstellen können 🙂
    Ich freue mich darauf, vom Herzen leben, in Frieden und voller Freude
    Herzlich
    Remo

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