Visionen 2012 Teil 2: Eine Gesellschaft ohne Geld

11 Aug 2010 Von Kommentare: 8 Wirtschaft & Politik, Zeitgeschehen

Im zweiten Teil der Reihe „Visionen 2012“, in der Ideen, Pioniere und Projekte für eine bessere Welt vorgestellt werden, möchte ich Euch diesmal eine bisher weitgehend unbekannte Form des sozialen Miteinanders näher bringen, die ich vor einiger Zeit schon einmal thematisiert habe. Es handelt sich um die Freeconomy!

Alles wird immer teurer, nicht erst seit der Einführung des Euro. Die aufgeblähte Finanzindustrie, der Verschuldungswahn der Staaten und ihrer Bevölkerung, und das legale Notendrucken der Banken (um nur einige Gründe zu nennen) machen alle Produkte und Dienstleistungen immer schneller immer teurer. Das Verhältnis der Geldmenge, die im Umlauf ist, hauptsächlich begründet durch Spekulationen, und den tatsächlich dahinter stehenden materiellen Gütern und Arbeitsleistungen ist völlig aus den Fugen geraten. Der Bürger hat keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, da Währungen staatlich verordnet sind und alternative Ersatzwährungen (wie z.B. der Chiemgauer) vom Euro gedeckt sein müssen.

(Erhöhte) Steuern müssen entrichtet werden, egal, wie teuer das Leben geworden ist. Sämtliche Weltwährungen gehen daher langsam aber sicher den Bach runter, allen voran der US-Dollar, das Britische Pfund, der Japanische Yen und der Euro. Es gibt keine einzige Währung auf der Welt, die schon seit immer gültig ist. Jede Währung endete irgendwann einmal mit einem Kollaps, d.h. mit einer Währungsreform, in der die Guthaben der Bevölkerung entwertet wurden vom Staat.

Um von sämtlichen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen und Konsequenzen weitgehend unabhängiger zu sein, sind Ersatzwährungen oder Regionalwährungen eine gute Alternative. Das Ziel für ein ausgewogenes, kommunikatives und faires Miteinander ist aber ein „Geben“, ohne das sofortige „Nehmen“ in Form von Ersatzwährungen für sich einzufordern. Während bei einem klassischen Tauschgeschäft jede Tätigkeit oder Leistung auch mit einer Tätigkeit oder Leistung (bzw. durch eine Tauschwährung oder Tauschquittung) bezahlt wird, steht bei der Freeconomy zu aller erst das „Geben“ im Fordergrund. Da alles, was wir an Energie aussenden, zu uns wieder zurück kommt, ist der Hintergrund der Freeconomy selbsterklärend. Statt einem Geldschein, gibt es „nur“ ein Versprechen. Es ist:

Eine Gesellschaft ohne Geld.

Werkzeuge und Geräte kostenlos ausleihen statt kaufen, Dienstleistungen in Anspruch nehmen ohne direkte Gegenleistung oder leerstehende Räume und Grundstücke nutzen ohne Miete zu bezahlen.

Was sich liest wie ein Leben im Paradies ist bereits Wirklichkeit und kann von jedem sozial eingestellten Menschen gelebt werden. Während die meisten alternativen Wirtschaftsformen auf Tausch basieren, lebt Freeconomy ausschließlich vom „pay it forward-Prinzip“. Dem Vertrauen, dass derjenige, der „nimmt“, auch selbst irgendwann „gibt“. Wann, wie und wo ist jedem selbst überlassen. Darum gibt es auch keine Tauschgegenstände wie beispielsweise Geld, Zeitgutscheine, Quittungen oder ähnlichem.

„Heute stellt dir jemand seine Werkstatt zur Verfügung damit du deine Autoreifen wechseln kannst. Eine Woche später bittet dich ein anderer, ihm seinen kaputten Fahrradschlauch zu flicken. Jeder, der die Hilfe eines anderen in Anspruch nimmt, verspricht gleichzeitig, selbst seine eigenen Fähigkeiten in die Gemeinschaft mit einzubringen und einem anderen zu helfen.“

Durch ein Engagement bei der Freeconomy wird nicht nur der eigene Geldbeutel entlastet, sondern auch Umwelt und Ressourcen werden geschont und das soziale Miteinander und Gemeinschaftsdenken gefördert. Ein soziales Netzwerk soll entstehen und der Natur soll mit Achtung und Respekt begegnet werden.

Laut der Webseite von Freeconomy läßt sich als eine der Ursachen für die vielen Probleme wie z.B. Ausbeutung, Massentierproduktion, Kriege, Klimawandel oder verschmutzte Meere damit begründen, dass wir die direkten Auswirkungen unseres Konsums an Mensch, Tier und Umwelt nicht mehr sehen können. Wir sind viel zu weit von der Produktion unserer Konsumgüter entfernt um nachvollziehen zu können, wie groß Zerstörung und Leiden sind, die mit der Produktion und Verteilung unserer Güter einher gehen.

Was uns so weit von unseren Gütern entfernt hat, ist Geld!

Würden wir unser eigenes Essen anbauen, würden wir nicht ein Drittel davon wegwerfen, so wie es heute der Fall ist. Würden wir unsere eigenen Tische und Stühle bauen, würden wir sie nicht jedes Mal ausrangieren wenn wir unsere Inneneinrichtung ändern. Könnten wir das Kind sehen, das unter Aufsicht des Militärs in einem Ausbeuterbetrieb arbeitet, würden wir wahrscheinlich davon absehen die neue Hose zu kaufen. Könnten wir das Gesicht der Mutter im Irak sehen, die vor ihrem von einer Streubombe getötetem Kind weint, würden wir wahrscheinlich von dem am Wochenende geplanten Billigflug zurückschrecken, bei dem Tonnen von Öl verbraucht werden. Würden wir die riesigen Müllhalden sehen, hätten wir mehr Respekt für die Dinge, die wir haben und wirklich brauchen.

Geld hat Familie, Freunde und die sozialen Gemeinschaften als Sicherheitsquelle Nr. 1 abgelöst!


Die sozialen Hintergründe von Freeconomy:

* Menschen helfen und Anderen die Gelegenheit geben, dass sie selbst helfen können.
* Fähigkeiten weitergeben, die man sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat und solche zu erlernen, für die man bislang kein Geld hatte – für den Fall dass man sie selbst einmal brauchen sollte
* Werkzeuge/Geräte an andere Menschen verleihen, damit für einen selbst auch alle möglichen Werkzeuge/Geräte verfügbar sind ohne dass man sie sich neu kaufen muss
* Freie oder selten genutzte Räume und Grundstücke entweder dazu nutzen, um wohltätige, ethisch gute und lokale Projekte zu unterstützen oder um es Ehrenamtlichen Mitarbeitern zu ermöglichen ihre gute Arbeit fortzusetzen.
* Menschen aus der Nachbarschaft und im Wohnort kennenlernen
* Wieder lernen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen
* Jemandem ein Abendessen zubereiten, der gestern noch ein Fremder war
* Der Gesellschaft wieder eine Seele geben
* Einfach jemandem helfen – nicht aus Profitgier – sondern weil’s Spaß macht!

Der Gründer Mark Boyle, der in der Nähe von Bath / Südwestengland wohnt, lebt die „geldlose Gesellschaft“ mit Perfektion und exzessiv indem er in einem Wohnwagen lebt, sein eigenes Gemüse anbaut, Bekleidung aus dem Müll trägt, solarbetriebenes Handy, Laptop und Dusche benutzt und sich bei Freeconomy engagiert. Bereits seit einem Jahr verzichtet der Wirtschaftswissenschaftler komplett auf Geld und fühlt sich seitdem glücklicher und zufriedener als je zuvor, obwohl er auf Pub-Besuche verzichten muß und seine einzigen Hobbies aus Wandern und Lagerfeuer bestehen. Nun plant er, ein Buch über seinen Lebensstil zu schreiben und mit dem Erlös ein Grundstück in Großbritannien zu erwerben, um eine geldlose Gemeinde zu gründen.

Über die offizielle Webseite von Freeconomy können Kontakte geknüpft werden. Es gibt bis jetzt 14220 Mitglieder in 118 Ländern, die 278960 Fähigkeiten, 53889 Werkzeuge und 220 Räume/Grundstücke zur Verfügung stellen. Es kostet nichts, Freeconomy beizutreten. Es wird keine Werbung betrieben, keine Spenden werden angenommen und über die Webseite wird kein Geld verdient.

Links:
– Freeconomy
– Chiemgauer (Ersatzwährung)
– Regiogeld / Offzielle Webseite für Tauschwährungen in Deutschland
– WIR Bank Schweiz / älteste Ersatzwährung in Europa

Beitragsbild: Fotolia.de

8 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Guido Vobig says:

    Hallo Alexisorbas,

    vielleicht sollten wir mal ein gemeinsames Buch schreiben 🙂 Auch dieser Artikel von Dir passt mal wieder hervorragend in das Gesamtgefüge hinein und verdeutlicht wie gut das Leben, vor allem der Mensch, in der Lage ist für Ordnung zu sorgen und zwar aus der zunehmenden Unordnung heraus. Geld ist, wie auch Angst, ein wirkungsvolles Werkzeug der Unordnung. Zu erkennen an wissenschaftlichen Projekten und Produkten, die Unmengen an Geld verschlingen, ohne das Leben weiterzubringen, sei es als Forschung in der Medizin oder z.B.CERN. Je mehr Geld etwas verschlingt, desto weiter entfernt es sich vom energetischen Fluss, der ALLEM zugrunde liegt. Ein Leben Richtung Geldverzicht ist ein Schritt in die Ordnung … genau wie die Wiederkehr des Goldes in der Finanzwelt. Gold ist mit dem Leben in Resonanz, daher auch der Name GOLD-DNA für mein Internetprojekt.
    Warum sind BIO-Produkte teurer als konventionelles Obst und Gemüse, erst recht wenn es DEMETER-Produkte sind ? Weil BIO mehr Ordnung enthält und man als Lebewesen sich diese Ordnung im wahrsten Sinne des Wortes teuer erkaufen muss, um die entsprechende Unordnung des Geldes mit entsprechender Ordnung zu kompensieren. Das ist der Sinn des Lebens … Abbau der Unordnung, Umwandlung in Ordnung und anschließende Optimierung.
    Bin gespannt auf Deinen nächsten Artikel. Das Leben ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es immer weniger so scheint … aber während der Expansion ist das logisch.

    Gruß Guido
    http://www.gold-dna.de

  2. 2
    Alexisorbas Alexisorbas says:

    Hallo Guido,
    danke für deinen Kommentar. Es gibt soviele potentielle Themen, die man an dieser Stelle beschreiben könnte. Freie Energie (Tesla), Naturprodukte, Naturkosmetik, Verpackungsmüll etc.
    Durch den Austausch und dem Interesse mehreren aufgeschlossenen und positiv gestimmten Menschen können wir auch was erreichen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Herzliche Grüße
    Alexisorbas

  3. 3
    Alexisorbas Alexisorbas says:

    Und das mit dem gemeinsamen Buch behalten wir im Auge 😉

  4. 4
    Guido Vobig says:

    Uups, jetzt ist doch ein Doppeleintrag draus geworden. Sorry. Technik ist manchmal auch so ein schwer zähmbares Ungetüm der Unordnung.

    Gruß Guido

  5. 5
    alex m says:

    2012 weltuntergang oder globaler winter warum nicht, damit man wieder von vorne anfangen kann, weil gerade in den nachrichten kamm steuer erhöhung steht bevor, da stellt man sich die frage: WER GIBT DENEN DAS RECHT ÜBER UNS ZU HERRSCHEN oder ihre gesetze zuerfinden, sind die etwa die könige haben sie die erde oder die menschheit erschaffen? nein wozu treffen die die entscheidungen für uns. was für säcke sind die politiker und die die über normalen menschen stehen.
    ps lena ist hässlichen und kann weder singen noch tanzen

  6. 6
    Clara says:

    Alexisorbas!

    Ich denke das solche Pläne gut sind und das sie der Gesellschaft und eigentlich auch der gesamten Menschheit helfen würde, wenn man einige Faktoren beachtet:
    1) Menschen ändern sich nicht gerne. Geld hat in unserer Gesellschaft eine große Macht, wenn man das Geld also einfach so „rauswerfen“ würde, würde unsere Gesellschaft erst einmal zusammenbrechen (davon mal abgesehen das es Gleichzeitig auf der ganzen Welt stattfinden müsste, damit die internationale Wirtschaft nicht von Deutschland abgekoppelt wird und die Menschen sozusagen ohne Essen dastehen würden).
    2) Auch wenn es nach außen nicht mehr so aussieht haben doch die mit dem meisten Geld mehr macht als die ohne. Die Reichen würden (teilweise – es gibt immer Ausnahmen) sich dagegenstellen und würden, sollte es wirklich durchgezogen werden, eine eigene Währung einführen die wieder viel Macht hätte.
    3) … (ich könnte noch lange so weiterschreiben)

    Ich weiß das unsere Gesellschaft dringend Hilfe durch solche Pläne braucht, aber sie müssen gut durchplant werden und in mehreren Schritten durchgeführt werden, aber vor allem muss die Gesellschaft diese Situation akzeptieren.

    Clara

    Ps: Wäre cool wenn du deine Meinung zu dem Kommentar schreibst 😀

  7. 7
    Alexisorbas says:

    Liebe Clara,
    momentan ist es schwierig und wohl eher eine Vision. Aber die Menschheit braucht Visionen. Man sieht doch, was gerade mit dem Euro passiert. Vor 6 Monaten hat man in der BILD noch nichts gelesen, dass GR aus den Euro raus soll oder dass DE evtl. zur DM zurückkehrt.

    Die Erde wird mit kosmischen Energien, auch duch Sonnenwinde, momentan gerade zu bombardiert, was ein zunehmendes Erwachen der Menschheit zur Folge hat. Die Menschen werden spiritueller und finden sich zunehmend nicht mehr mit Illusionen ab, die ihnen vorgespielt werden.

    Die Menschen finden ihr Herz, der Verstand wird abgelöst. Die Zeit vergeht immer schneller und viele kommen einfach nicht mehr damit klar. Deshalb auch so viel Chaos in Gesellschaft,Wirtschaft, Politik etc.

    D.h. was jetzt, in diesem Moment unglaublich klingt, ist in 6 Monaten vielleicht ganz „normal“.

    Herzliche Grüße
    Alex

  8. 8
    Thorsten says:

    Eine Gesellschaft ohne Geld

    Ich bin der festen Überzeugung das der Kapitalismus zum scheitern verurteilt ist. Es kann kein stetiges Wachstum geben. Deshalb muss es der Anspruch der Menschheit sein eine bessere Gesellschaft zu formen in der es keine Armut und kein Reichtum mehr gibt.

    Ich hatte einen Traum. Einen Traum in dem die Menschheit kein Geld benutzt. In dieser Gesellschaftsform gibt es keine Kriege mehr und das persönliche Wohlbefinden eines jedem einzelnen ist mit dem jetzigen nicht zu vergleichen.

    Ich stelle mir vor das ein jeder genau das weiter macht was er gerade macht. Nur das am Monatsende kein Gehalt auf irgendein Bankkonto eingeht. Dafür hätte man im Gegenzug kostenlosen Zugang zu allen verfügbaren Waren und Dienstleistungen.

    Die Regierung stellt keine “finanziellen Haushaltsplanungen” mehr auf sondern erstellt und steuert Bedarfslisten für Gütern und Dienstleistungen die für die gesamte Befölkerung benötigt werden. Sie sorgt dafür das ausreichende Produktionsstätten betrieben werden. Das Ziel dieser Regierung ist die Arbeitslosenquote so hoch wie möglich zu halten. Denn nur wenn ein Land eine hohe Arbeitslosenquote hat und es dem Volk an nichts mangelt kann man von Wohlstand reden.

    Jeder hat uneingeschränkten Zuganz zu Bildung, Medizinischer Versorgung ect. Alles was man dafür machen muss ist, auf Geld als Zahlmittel zu verzichten. Jeder gibt und jeder nimmt. Nur nicht Zug um Zug.

    Ich bin der festen Überzeugung das so eine Gesellschaftsform funktionieren würde – ohne das man sich die Sachen die man zum leben braucht von der “Mülldeponie” holen müsste.

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie uns! (Kommentare, die sich nicht auf das Thema beziehen, werden gelöscht)

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