Visionen 2012 Teil 6: „Schule der Freude“

19 Jun 2011 Von Kommentare: 6 Gesellschaft

Kinder, die aufgrund des großen Leistungsdrucks durch Schule und Eltern in ärztlicher Behandlung sind und Psychopharmaka verschrieben bekommen, sind derzeit keine Seltenheit mehr. Der Druck und die Angst, dem Schulkinder ausgesetzt sind, spiegelt dabei freilich nur unsere Gesellschaft wider, in der wir leben und die uns vormacht, „wie wir es zu etwas bringen“. Gute Noten sind Voraussetzung für einen guten Job. Der gute Job bringt uns neben Anerkennung den „wichtigen“ sozialen Status ein und sorgt für viel Geld. Mit Ellenbogen und Ergebnisorientierung wird in der Arbeitswelt gehandelt, was bei vielen Menschen dazu führt, dass sie Achtung und Respekt vor den Mitmenschen verlieren.

Die Pädagogik der Alten Zeit schrieb uns jetzigen Eltern (und Lehrern) vor, unseren Nachwuchs „autoritär“ zu erziehen. Dabei wird leider oft vergessen, dass daraus ein gewisser Druck entstehen kann. Druck erzeugt Gegendruck, der sich in vielfältiger Weise entladen kann. Hätten die Menschen das Bewusstsein darüber, dass unsere Kinder sich ihre Eltern vor langer Zeit selber ausgesucht haben, um bestimmte Erfahrungen zu sammeln, so würden sie viel liebe- und verständnisvoller mit ihren Kindern umgehen und versuchen zu vermeiden, Druck entstehen zu lassen. Würde sich die Gesellschaft daran erinnern, dass wir alle göttliche Wesen sind und aus der selben Quelle stammen, so würde Friede und Demut anstatt Krieg und Zerstörung auf der Erde herrschen. Wir alle haben einen Auftrag und den sollten wir nach besten Wissen und Gewissen erledigen. Oft ist intuitive Erziehung besser, als gut gemeinte pädagogische Ratschläge. Offen für beide Seiten zu sein unter Berücksichtigung für den Übertritt in die Neue Zeit und die Besinnung auf die Naturvölker, die im Einklang mit der Natur Erziehung vorlebten:

Erziehung zur Stille, zum Schweigen begann schon sehr früh. Wir lehrten unsere Kinder, still zu sitzen und Freude daran zu haben. Wir lehrten sie, ihre Sinne zu gebrauchen, die verschiedenen Gerüche aufzunehmen, zu schauen, wenn es allem Anschein nach nichts zu sehen gab, und aufmerksam zu horchen, wenn alles ganz ruhig schien. Luther Standing Bear, Dakota Indianer.

Was für Indianer u.a. normal ist, könnte unter vielen anderen Aspekten eine Vision und ein Traum für eine Erziehung und Schule in unserer westlichen Welt sein. Es ist an der Zeit, Visionen zu haben und sich die Welt so zu denken und zu wünschen, wie wir sie haben wollen. Der Traum, sich die ideale Schule auszudenken, in der unsere Kinder als spirituelle Wesen respektiert werden. Der Traum, in dem Kinder voller Freude in die Schule gehen und die Lehrer sich auf die Kinder freuen. Der Traum ist eine Schule, in der Bewusstheit, Freiheit, Respekt, Achtsamkeit, Freude und Liebe gelebt wird. Es ist die…

„SCHULE DER FREUDE“:

Die Schule der Freude gibt es bereits, befindet sich in Feldkirchen, Österreich, in der Nähe von Linz, und ist ein Ort für sinnvolles Lernen. Sie dient als Vorbereitung auf das Leben. Zum Lernen braucht es Freiräume, frei von Schulangst und viel Raum für Neugier, Begeisterung, Freundschaften und Spaß. Wegweisend für unsere Arbeit sind die Erkenntnisse von Emmi Pikler, Maria Montessori, Rebecca und Mauricio Wild. Die Basis, auf der wir arbeiten:

Freiheit
Die Kinder verdienen unseren vollen Repekt als Menschen. Deswegen soll es ihnen freigestellt sein, mit welchem Themen sie sich wann, mit wem und wie lange beschäftigen. Wir sind der Überzeugung, dass der Mensch aus eigenem Antrieb lernt. Wir glauben, dass Menschen zum Lernen keine Wertung und Motivation von außen brauchen.

Unsere BegleiterInnen und LehrerInnen legen Wert auf lebendige Beziehungen zu den Kindern, um emotionale, soziale sowie kognitive Lernprozesse zu sichern. Damit werden Kindern und Jugendlichen entwicklungsgemäße Erfahrungen und Lernimpulse ermöglicht. In der reichhaltigen und klar strukturierten Umgebung bewegen sich die Kinder frei. Was für eine Arbeit, mit wem, wie oft und wie lange sie arbeiten ist die freie Wahl der Kinder.

Demokratie und Mitbestimmung
Die freie Schule soll ein Ort sein, an dem Kinder ihren schulischen Alltag mitgestalten, wo sie lernen, ihre Anliegen vorzubringen und wo sie Verantwortung für die Regeln und deren Einhaltung übernehmen. Demokratische Mitbestimmung soll zu Selbstverantwortung und Kritikfähigkeit führen.

Altersmischung und Integration
Die Gruppe ist altersgemischt und für Kinder mit und ohne spezielle Bedürfnisse

Schöpferisches Tun
Das schöpferische Tun sehen wir dem geistigen und intellektuellen Lernen gleichgestellt.

Ganzheitlichkeit
Die Ganzheit des Menschen soll entsprochen werden. Allen Bedürfnissen der einzelnen Entwicklungsstufen soll durch bereitgestellte Angebote entsprochen werden. Ein Lernen mit allen Sinnen wird in einem so vorbereiteten Lernumfeld ermöglicht.

Ökologie und Mitmenschlichkeit
Wir sehen den Menschen als Teil seiner Umwelt, von und mit der er lebt. Sein Tun und Handeln soll diesem Grundgedanken entsprechen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Kinder im sozialen und umweltbewussten Lernen zu begleiten. Kinder, deren „innere Natur“ Achtung erfahren hat, begegnen auch der äußeren Natur mit Achtsamkeit.

Lernen ohne Beurteilung und Wertung von außen
In unserer Schule gibt es kein Zeugnis. Die Entwicklung der Kinder wird jedoch beobachtet und protokolliert und dient als Grundlage für Elterngespräche. Der Verein übernimmt die Verantwortung dafür, das Kind auf seinen individuellen Werdegang nach der Pflichtschulzeit vorzubereiten.
(Ermöglichen des Hauptschulabschlusses, Übertritt in eine weiterbildende Schule, Berufslehre)

Lernen an der Wirklichkeit
Unser Grundgdanke ist das Lernen fürs Leben. Deswegen ist es uns wichtig, dass wir das Leben in die Schule holen. Dies soll durch Besuche von Eltern oder Spezialisten/Innen, die uns ihr Wissen zur Verfügung stellen, gewährleistet werden. Andererseits sollen unsere Schüler immer die Möglichkeit haben, hinaus zu gehen und an der Wirklichkeit zu lernen. (Exkursionen)

Rechte
Mit unserem Verhalten und unserer Haltung als Erwachsene wollen wir es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, selbstbestimmtes Lernen zu leben und sich möglichst gut ihrem inneren Entwicklungsplan gemäß zu entfalten. Unserer pädagogischen Überzeugung nach haben Kinder und Jugendliche

• Recht auf Individualität und Einzigartigkeit
• Recht auf ein individuelles Entwicklungstempo
• Recht auf liebe-, würde- und respektvolle Begleitung
• Recht auf eine vorbereitete Umgebung ohne aktiven Gefahren
• Recht auf geeignete Grenzen
• Recht auf eigene Meinung, eigene Entscheidungen, eigene Erfahrungen und eigene Erfolge und Misserfolge
• Recht auf Konflikte und Widerstand
• Recht auf Emotionalität: das auszudrücken, was und wie man sich fühlt
• Recht auf Schutz der Privat- und Intimsphäre
• Recht auf freie Wahl der sozialen Kontakte und Aktivitäten
• Recht auf Tragen und Übernehmen von Verantwortung, angepasst an Alter und Entwicklungsstand
• Recht auf Bildung
• Recht darauf, sich und sein Leben selbst zu strukturieren (Tagesstruktur, Kleidung, Arbeitsumgebung usw.)

Diese Rechte sind nicht als starre Forderungen zu verstehen, sondern als Aufforderung zur laufenden Auseinandersetzung und Weiterentwicklung unserer pädagogischen Praxis.

Unser Ziel sind Menschen, die als Erwachsene in der Lage sind
• integer und selbstbestimmt zu denken und zu handeln
• eigenverantwortlich zu leben
• schöpferisch aktiv zu sein und zu leben
• sozial kompetent zu sein
• sich selbst und andere als gleichwertig zu betrachten und zu behandeln
• teamfähig zu sein
• ihr Können und Wissen zum Wohle aller einzusetzen
• Lernen als lebenslangen Prozess zu verstehen, der nicht mit der Schulzeit endet

Link: www.schulederfreude.at

Beitragsbild: Fotolia.de (+ Schrift)

6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    im Licht says:

    Danke für den Artikel, lieber Alex.

    Es ist einfach schön zu sehen, dass sich in mehr und mehr Bereichen unseres Lebens die Wirklichkeitsvisionen (@ Johanna: 🙂 eine bessere Begriffsdefinition fiel mir gerade nicht ein…) Raum verschaffen.

    Hätte ich ein Kleinkind, wäre das die absolut wünschenswerte Alternative zum bestehenden Schulsystem für mein Kind!!!
    Wir dürfen gespannt sein, was sich da in nächster Zeit noch so alles offenbahrt…

    In Liebe

  2. 2
    Helmut says:

    Hallo zusammen,
    wie heißt es oben doch: Was für Indianer u.a. normal ist, könnte unter vielen anderen Aspekten eine Vision und ein Traum für eine Erziehung und Schule in unserer westlichen Welt sein. Es ist an der Zeit, Visionen zu haben und sich die Welt so zu denken und zu wünschen, wie wir sie haben wollen. Der Traum, sich die ideale Schule auszudenken, in der unsere Kinder als spirituelle Wesen respektiert werden. Der Traum, in dem Kinder voller Freude in die Schule gehen und die Lehrer sich auf die Kinder freuen. Der Traum ist eine Schule, in der Bewusstheit, Freiheit, Respekt, Achtsamkeit, Freude und Liebe gelebt wird. Es ist die…
    Genau diese Visionen und Wünsche aus dem Herzen zu visualisieren, die Göttlichkeit unser aller wieder zu spüren, zu fühlen und im Bewusstsein “ auszu-senden“ um wieder in Balance und Harmonie zu kommen mit allem was existiert. Im Beispiel oben angefangen, wie im kleinen so im großen, wie oben so unten,
    Imagine von John Lennon hatte auch diese Vision!
    Lg an alle Helmut

  3. 3
    Kevin says:

    Hi all,

    wenn das so umgesetzt werden kann, wie es vorgestellt wird, dann finde ich das großartig!

  4. 4
    Magdalena says:

    Holger Strohm zu Fukushima – neues Video

    http://bewusst.tv/2011/06/holger-strohm-zu-fukushima/

  5. 5
    Monja says:

    Hallo Alex, danke für diesen Artikel!
    Es ist schon eigenartig, dass all diese „normalen“ einfachen Dinge „geschrieben“ werden müssen!!

    Und auch ich werde weiter an diesem (meinen) Traum festhalten…In meiner Familie ist all das, was du schreibst Alltag und wird gelebt. Oft wurde ich belächelt, wenn ich voll Begeisterung (inspiriert durch Bücher) vom Leben der Ur-Völker erzählte und gefragt, wie lange ich denn bei den Indianern, Indios… gelebt hätte? 🙂 …*

    Meine zwei Kleinen haben bis zur Schule noch etwas Zeit,…im Moment ist die Kita aktuell und schau her, jetzt wurde dass, was ich schon vor einem Jahr leidenschaftlich 😉 angesprochen habe umgesetzt: die Kita als „offenen“ Raum!
    Die Kita stellte es jetzt vor als ganz neues?! 😉 Konzept?
    Und ich sehe für mich selbst, am Anfang ist der (mein) Traum, die (meine) Idee.

    Schulen zur Auswahl gibt es endlich auch, wenn hier im Umkreis im Moment auch „nur“ die Neue Evangelische Schule nah an dem, wie im Artikel beschrieben, Unterricht gestaltet.
    Wichtig wäre zu sagen, Eltern sollten nah am Schulgeschehen beteiligt sein! Und aktiv mitwirken. Ihren Kindern zuhören und das Gespräch mit Lehrern suchen.

    Unsere Kinder haben sich uns, als Eltern, nicht ohne Grund ausgesucht!!! Das! sollten wir nie vergessen.

    in Liebe und Licht
    sonnige Grüsse

  6. 6

    Es führt oft zu Schwierigkeiten, wenn Eltern ihr Universum in das ihrer Kinder integrieren wollen. Die Ansicht der Welt mt den Augen der Eltern unterscheidet sich grundlegend von der Sicht der Kinder:
    http://www.gold-dna.de/ziel18.html

    Schulen werden von Erwachsenen gemacht, mit Inhalten, die Erwachsene für wichtig halten … Reibungspunkte sind vorprogrammiert. Dass es immer mehr Gegenstimmen gibt und Alternativen zum bestehenden Schulsystem aufkommen, zeugt wieder einmal mehr von den Veränderungen, die direkt vor uns liegen. Die Probleme des aktuellen Schulsystems spiegeln die Zunahme der Unordnung wieder … es ist, wie alles andere auch, ein Abbild energetischer Prozesse. Gegenstimmen sind die Saat für die Optimierung, denn erst nach Alternativen zu suchen, wenn die Unordnungszunahme abklingt, macht keinen Sinn.

    Gruß Guido

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