Der Weg des Buddha

09 Jul 2012 Von Kommentare: 7 Altes Wissen, Weisheiten

Buddha Statue Der Weg des Buddha

Viel Halbwissen und viele Legenden ranken sich um die Lehren des historischen Buddha, auch wird das, was seine Anhänger- wie in allen Religionen üblich, daraus gemacht haben, mit der reinen Lehre vermengt. Ich will hier einmal versuchen, die Grundpfeiler von Buddhas Lehre in sehr verkürzter Form darzustellen. Zunächst einmal seine Lebensgeschichte.:

Gautama, Siddharta Buddha wurde als ein indischer Prinz im Jahre 560 vor Christus geboren. Mit 16 Jahren heiratete er eine Prinzessin, die ihm einen Sohn , Rahula gebar. Bis zu seinem 29.Lebensjahr lebte er seinem Stande gemäß in dem Königreich seines Vaters. Doch eines Tages wurde er mit dem Problem des Elends, des Alterns, der Krankheit und des Todes konfrontiert , um diese Begebenheit ranken sich viele Legenden. Fakt ist, dass er von dem Moment an sein Leben aufs Radikalste veränderte, er verließ seine Familie, schloss sich einer Gruppe von Asketen, ernsthaften Gottsuchern an und versuchte bei ihnen eine Antwort auf seine drängenden Fragen nach dem Sinn allen Lebens zu finden.

Sechs Jahre lang lebte er entbehrungsreich und streng asketisch, versuchte, die Befreiung in der Überwindung seiner körperlichen Bedürfnisse zu erlangen, doch dann erkannte er, dass dieser Weg nirgend wohin führte und wandte sich davon ab. Er nahm wieder ausreichend Nahrung zu sich , begann, den „mittleren Pfad“, wie er es später nannte, zu beschreiten und erreichte schließlich durch ständige Meditation unter einem Bodhi-Baum sitzend, die volle Erleuchtung.

Die Erleuchtung ist eine Seins-Erfahrung, in der die Einheit mit dem göttlichen Urgrund, wie wir es formulieren würden- vollzogen wird, ein gedankenfreies Erleben, welches sämtliche karmischen Belastungen dahinschmelzen lässt. Ein Erleuchteter ist frei vom Kreislauf der Wiedergeburten, er kann aber aus Liebe zu den Menschen zur Erde zurückkommen, um sie auch den Weg der Befreiung zu lehren, – dann wird er Bodhisattva genannt. Es gibt viele Buddhas und Bodhisattvas, auch Jesus wird dazu gezählt. Ein Erleuchteter ist aber keineswegs ein Erlöser oder Heiland, er kann nur den Weg zeigen, gehen muss ihn jeder selbst.

Was den historischen Buddha von vielen anderen Erleuchteten unterscheidet, ist sein Entschluss, aus Mitgefühl mit allen Wesen 45 Jahre lang im südlichen Indien umherzuwandern und seine Erkenntnisse über den Weg zur Aufhebung des Leidens zu lehren. Im Gegensatz zu Jesus wurden seine Einsichten auch verstanden, er lehrte vor der damaligen geistigen Elite Indiens und ließ in seinen Reden durch viele Wiederholungen und genaue Ausführungen nichts unklar, noch heute nennt man ihn den größten Psychologen aller Zeiten.

Meditation ist einer der wichtigsten Punkte im Buddhismus, in ihr erkennt der Schüler in der achtsamen Atembeobachtung, der Körperbetrachtung und dem Nachsinnen über die drei Weisheiten des Buddha die Wahrheit von der Wurzel des Leidens im Durst oder Begehren. Begehren erschafft nach buddhistischer Lehre ständiges Umherirren zu immer neuen Sinnesobjekten und führt zum endlosen Kreis der Wiedergeburten. Der Begriff „Leiden“ sollte als ein unbefriedigender Zustand, der Verfall, Begehren, Unbeständigkeit, Wesenslosigkeit als Kern hat, verstanden werden.

In der „Wahrheit vom Leiden “ wird das genauer beschrieben: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, mit Menschen, die man nicht liebt, vereint zu sein, ist Leiden oder von Lieben getrennt zu sein, ist Leiden, nicht erlangen, was man begehrt , ist Leiden.

In der Wahrheit von der Entstehung des Leidens wird der Durst, das Begehren, welches Wiedergeburt erzeugt, das Sinnesbegehren, das Begehren des Werdens und der Selbstvernichtung beschrieben. Die Wahrheit vom Vergehen des Leidens beinhaltet das Freiwerden oder sich Abwenden vom Durst, d.h. dem Begehren, welches den ewigen Kreislauf immer wieder in Gang setzt. Nachdem diese drei Wahrheiten als richtig erkannt wurden, zeigt der Buddha mit seinem „edlen achtfachen Pfad“ einen praktisch begehbaren Weg zur Überwindung des Leidens auf. Dieser Pfad ist das Kernstück von Buddhas Lehre, ich werde ihn am Schluss ausführlicher darstellen. Buddhas Lehre ist ein praktischer, gangbarer Weg, der keine starren Glaubenssätze, keine Sündenvorstellungen, daher auch keine Erzeugung von Schuldgefühlen zum Inhalt hat.

Es gibt im Buddhismus verschiedene Regeln, die aber als Wegweiser und Hilfen auf dem eigenen Weg aufzufassen sind. Es findet keine Verdammnis statt, es gibt nur heilsame und unheilsame Regungen, zwischen denen sich jeder Einzelne entscheiden kann. Rechtes Handeln soll auf Einsicht und nicht auf moralischen Dogmen begründet sein. Unheilsames Handeln verstößt aus Unwissenheit oder sogar wider besseres Wissen gegen die Daseinsgesetze, wodurch der Mensch in seiner Entwicklung zurückgeworfen wird und Schmerz erleidet. Wer von den inneren Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten des Daseins nichts weiß, wird sehr schwer den Weg aus dem Leiden finden. Vom Leiden freikommen will jeder, und seit undenklichen Zeiten haben die Menschen versucht, die Befreiung durch Gebete, Riten und Opfer , durch gesunde Lebensweise, richtiges Atmen, durch wissenschaftliche Forschung, durch Bewusstseinserweiterung oder Gesellschaftsveränderung zu erzwingen. Viele dieser Bemühungen sind keineswegs falsch oder nutzlos, doch im Kern nicht ausreichend, – dazu gibt es eine hübsche kleine Geschichte:

“ Stellen wir uns einmal einen Mann vor, dem sich bei der Arbeit ein böser Splitter tief ins Fleisch gebohrt hat. Nun kommen seine Freunde und geben ihm gute Ratschläge: Der erste sagt: „Bete zu Gott, er wird dir helfen“- der zweite: “ Ich weiß ein wirkungsvolles Hausmittel, das hilft immer“, – der dritte: „die Sonne heilt alle Wunden“, man muss einen keimfreien Verband anlegen“. Der fünfte empfiehlt Tabletten, der sechste dringt auf Beseitigung der Unfallquelle am Arbeitsplatz. Der verletzte Mann befolgt alle diese Ratschläge, aber die Wunde entzündet sich und schmerzt immer mehr. Schließlich zieht er einen guten Arzt zu Rate und erzählt ihm von seinen fehlgeschlagenen Behandlungsversuchen.
Da sagt der Arzt zu ihm: “ Lieber Freund, alle Ratschläge, die du befolgt hast, waren gut und nützlich, aber das Naheliegendste und Wichtigste habt ihr allesamt vergessen: man muss DEN SPLITTER HERAUSZIEHEN!“

Es gibt viele Wege, das Dasein leichter, schöner, bequemlicher zu machen und durch gesunde und maßvolle Lebensweise das Leiden zu verringern. Aber der Weg des Buddhas ist deshalb so einzigartig, weil er das Leiden an der Wurzel packt, vollständig ausrodet, den Splitter endgültig herauszieht.
Und was ist der Splitter? UNWISSENHEIT über die Gesetze des Daseins, Unwissenheit über die Bedingungen der Leidensentstehung und Auslöschung. Dem setzte der Buddha seinen „edlen achtfachen Pfad“ entgegen. Buddha lehrte, dass der Grad der Weisheit eines Menschen immer daran festzustellen ist,, wie viel Menschlichkeit er erlangt hat. „Grenzenlose Mitfreude“ – „Grenzenloses Mitgefühl und „Grenzenloser Gleichmut“ ( nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit!) sind Voraussetzungen zum Begehen des buddhistischen Weges.

Daher ist der Buddhismus eine der tolerantesten Religionen der Erde ohne irgendwelche Verfolgung Andersdenkender. Im Buddhismus gibt es keinen Gottesbegriff, Gott wird aber auch nicht geleugnet. Buddha hat sich niemals irgendwelchen Spekulationen hingegeben, sein Anliegen war, einen gangbaren Weg zur Selbsterfahrung aufzuzeigen. Zwar gibt es im Buddhismus auch Himmel-und Höllenreiche, die jedoch als Bewusstseinsebenen aufzufassen sind. Nichts davon ist ewig, alles dem Wandel unterworfen.

Für Menschen, die beschlossen haben, nach Buddhas Lehre zu leben, gibt es fünf Grundforderungen, die ein aufwärtsführendes Leben begünstigen:

1. Abstandnehmen vom Töten
2. Das Enthalten von Nicht-Gegebenem,
3. Verzicht auf ausschweifendes sexuelles Leben
4. Enthalten jeglicher Lüge
5. Enthaltung aller berauschenden Getränke und Drogen, weil sie das klare Urteilsvermögen trüben.

Der Weg zur Erleuchtung ist eine Frage der inneren Reife Nach verschiedenen Lebenserfahrungen sieht jeder Mensch – reif geworden für eine neue Stufe, seine bisherige Handlungsweise als unzureichend an und strebt nach Vervollkommnung. Dabei kann ihm der „edle achtfache Pfad“ eine große Hilfe sein: Hier liste ich die einzelnen Punkte des Pfades mit einigen Erläuterungen auf :

Der edle Achtfache Pfad des Buddha:

1. Rechte Erkenntnis
Erkenntnis der Wahrheit des Leidens, der Entstehung und des Vergehens des Leidens.

2. Rechte Gesinnung
Die Gesinnung des Freiseins von Begierde, vom Übelwollen und die Gesinnung, keinem Wesen Übles zu bereiten.

3. Rechte Rede:
Verzicht auf Lüge, Verleumdung, rohe Rede, eitles Geschwätz

4. Rechte Tat:
Unterlassen von Töten, Stehlen, unkeuschem Lebenswandel

5. Rechter Lebenserwerb:
Verzicht auf alle Berufe, die anderen Leiden bescheren oder deren Leben gefährden, z.B. Schlachten , Jagen, Verkauf von berauschenden Getränken, Handel mit Giften und Waffen, Sklavenhandel oder ähnlichem…

6. Rechte Anstrengung:
a. noch nicht vorhandene unheilvolle Zustände nicht entstehen zu lassen
b. vorhandene unheilvolle Zustände zu vertreiben.
c. noch nicht vorhandene heilvolle Zustände zu erwecken
d. schon vorhandene heilvolle Zustände zu erhalten.

7. Rechte Achtsamkeit
Die rechte Achtsamkeit durchdringt alle anderen Glieder des achtfachen Pfades, ihr kommt eine Schlüsselrolle zu. Man sollte eifrig, klarbesonnen in der Betrachtung des Körpers, der Empfindung, des Denkens und der Erscheinungen verweilen und in diesem Leben Begehren und Kummer zu überwinden versuchen.

8. Rechtes Gesammeltsein
Es gibt sehr viele buddhistische Meditationsanweisungen, zwei davon lauten:
* Meditation über die 4 Unermesslichkeiten: Allgüte, Allerbarmen, Mitfreude, Gleichmut
* Meditation über die drei Grundübel des Menschen:
– Gier- Sammelbegriff für Habsucht, Besitzwille, Aneignungstrieb…
– Hass, Reizbarkeit, Erregung, Abwehr gegen Menschen, Missgunst, Argwohn, Neid
– Verblendung: Dinge zu verfälschen, ihnen Eigenschaften, die sie nicht besitzen, zuzuschreiben, sie umzufärben.

Das Ziel eines Buddhisten ist das „Nirvana“ – im Westen oft als Leere oder Auslöschen verkannt. In Buddhas Lehre stellt es einen Zustand dar, der das leidvolle, unbeständige Dasein endgültig beendet und den Menschen vom Rad der ewigen Wiedergeburt befreit. Am Ende seines Weges angelangt, „fließt der Geist des Erleuchteten in vollkommener Sammlung in den uferlosen Ozean unendlicher Seligkeit“, wie es heißt. Doch auch wenn ein Buddhist in diesem Dasein das höchste Ziel, Nirvana noch nicht erreichen kann, wird ihm auf allen Stufen zu seiner Verwirklichung Glück und Segen zuteil. Es heißt, der Weg des Buddha ist glückbringend am Anfang, in der Mitte und am Ende.

Mögen alle Wesen glücklich sein!

In Liebe, Lumos

7 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    LUMOS says:

    Lieber Ziggy, lieber Guido,

    durch das Einfügen meines Buddhakopfes , was nachträglich etwas schwierig war, musste ich meinen Artikel noch einmal kopieren und dadurch sind eure beiden Kommentare „im Nirvana“ verschwunden. Tut mir leid….
    Eure Lumos

  2. 2
    christian5 says:

    Liebe Lumos, ich habe die beiden Kommentare noch, füge sie deshalb einfach mal hier ein, hoffe das ist OK 🙂

    +++++++
    Ursprünglicher Kommentar von ziggy:

    Dazu der passende TV-TIPP:

    Heute 21.10 SERVUS TV: DER WEG DES BUDDHA

    http://www.tvprogramm24.com/2012-07-08/servustv/21_10.html

    +++++++
    Ursprünglicher Kommentar von http://www.gold-dna.de:

    Danke Lumos, für diese verständliche Zusammenfassung. Der mittlere Weg ist der Goldene Schnitt, der aus der Harmonie von Symmetrie und Asymmetrie hervorgeht.

    Gruß Guido

  3. 3
    LUMOS says:

    Ja, prima, danke, lieber Christian!
    Übrigens ist der Buddhakopf ein wundervolles Andenken an meinen Vater. Er hat ihn selbst aus Zement geformt.
    Liebe Grüße von LUMOS

  4. 4
    Meike says:

    Schön beschrieben und zusammengefasst – danke fürs Teilen.
    Liebe Grüße,
    Meike

  5. 5
    christian5 says:

    Da Buddha auf meinem Weg nie ein Thema war, ist es schön einmal sehr komprimiert von seiner „Lehre“, seinem Denken, zu lesen. Mein Bild ist jetzt ein ganzes Stück kompletter als vorher, wo ich im Prinzip nur einige Zitate und viele „kontroverse“ Meinungen anderer kannte…

    Danke dafür! 🙂

  6. 6
    hana says:

    die inhalte konnten mich nie wirklich fesseln – aber sein „bild“. ich hab einige bilöder u skulpturen bei mir zu haus – wenn ich sie anseh, fühl ich großen frieden u glück in mir.

  7. 7
    Celina says:

    Ein wunderbarer Artikel und er ist rund. 😉

    Liebe Grüße

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