Indien Reise Teil 1

17 Feb 2013 Von Kommentare: Kommentare deaktiviert für Indien Reise Teil 1 Reisen, Sonstiges

Silvia Maria Engl München

Silvia Maria Engl aus München machte sich am 1.1.2013 auf eine lange Reise auf nach Indien. Vier Monate soll die Reise, die in Kerala begann und bis ins Himalaya führt, dauern. Silvia Engl möchte auf ihrer Mission Menschen, Organisationen und Waisenhäuser vor Ort aufsuchen und diese mit all ihren Möglichkeiten unterstützen. Aber auch der Weg ist das Ziel, also dort zu helfen, wo es sie hinführt und wo die Ärmsten der Armen zu Hause sind. Vor ihrer Reise kratzte sie jeden möglichen Euro zusammen, verkaufte ihr Auto, und bat Freunde und Bekannte um Spenden.

Ich werde dein Geld nicht „einfach so hergeben“, sondern möglichst die Dinge selbst anschaffen, um eine anderwertige Verwendung zu verhindern. Sollte eine Kuh gebraucht werden, bezahle ich die Kuh, anstatt das Risiko einzugehen, dass jemand das Geld versäuft (um ein anschauliches Extrembeispiel zu nehmen). Auch habe ich eine Organisation gefunden, die mir sehr zusagt. Ich werde aber selber hinreisen, mir die Einrichtungen ansehen und, sollte ich von der Seriösität überzeugt sein, auch hier für die Dinge bezahlen. […] Vom Müll anderer zu leben mag für uns unvorstellbar sein, aber es ist noch Realität auf unserem Planeten. Silvia Maria Engl

Indien Reise Teil 1 vom 24.1.2013

Am 1.1. (was für ein Datum, um etwas zu beginnen!) ging es also los von München nach Abu Dhabi. Nach einem glücklicherweise recht kurzen Aufenthalt kam die Flugreise, Teil 2 nach Trivandrum. Diese Stadt liegt im bekannten Bundesstaat Kerala. Bekannt, weil die Heimat des Ayurveda, das Reiseziel vieler Badetouristen und Kokosnüsse, Kokosnüsse, Kokosnüsse. Wenn ich heute an die Ankunft um 3:45 Uhr morgens denke, habe ich jetzt, in Bangalore sitzend, schon wieder das Gefühl, von einer Reise von irgendwann zu berichten. Wie viel ist seither schon wieder passiert!

Zunächst einmal holte uns der bestellte Fahrer ab, das war schon mal was. Also ab ins Hotel in Kovalam, das sah im Internet recht gut aus (zum Ankommen mal Mittelklasse, bevor es dann mehr basic werden würde). Ich weiß ja nicht, was die da fotografiert haben, aber viel Ähnlichkeit gab es ja nun nicht gerade. Das an sich wäre nicht schlimm gewesen, hätte es sich nicht um eine wahre Baustelle gehandelt. Wir (für die, die es nicht wissen: Die ersten sechs Wochen begleitet mich Dietmar auf meiner Reise, bevor ich dann alleine weitertigere) checkten also gegen fünf Uhr morgens ein, nachdem wir einmal um die halbe Welt geflogen waren. Dann (ich zitiere nun aus meinem Reisetagebuch) kam es wie folgt:

(…) Dann Auspacken meinerseits im Zimmer; erwies sich als Fehlleistung. Um 6:45h steht ein „Bekloppter“ [Handwerker] vor der Tür, will checken, ob unser Badezimmer defekt ist lässt sich von dem Satz „We are sleeping“ nicht aufhalten. Kommt rein, begeht das Badezimmer, zuckt mit den Schultern, geht wieder raus und schreit über den ganzen Gang, was er (nicht) gefunden hat im Zimmer. Dann Baulärm, bevor irgendwann das Telefon klingelt, unser Fahrer wäre da. Wir hatten aber keinen bestellt. Ich langsam wahnsinnig, zwei Nächte praktisch nicht geschlafen. Um acht Uhr, nach weiterem Baulärm und Rezeptionsgeklingel, meine Entscheidung, ein neues Zimmer zu suchen; werde fündig (…)

Gut. Das war nur der Auftakt zu meiner Lärmodyssee. Ich bin ja nun nicht zum ersten Mal hier, aber entweder, ich war letztes Mal weniger empfindlich oder die Inder haben nochmal ein paar Volt aufgedreht. Indien ist irgendwie eine einzige Baustelle. Macht aber nichts, denn die Dinge sind nun mal so, wie sie sind. Es ist nicht Indiens Aufgabe, sich zu ändern, sondern meine. Nach ca. 8 Tagen (laut, laut, überall laut!!!) kam ich endlich auf die naheliegende, glorreiche Idee, meine Glaubenssätze zum Thema Lärm zu integrieren und siehe da: Ich konnte endlich mal schlafen, ohne von Presslufthammern, bellenden Hunden in Innenhöfen oder Hupwettkonzerten wachgehalten zu werden. Man möge dabei mein grinsendes Gesicht sehen.

So kam es, dass wohl dank meiner inneren Entwicklung ich heute diese Mail aus dem ruhigsten Zimmer seit meiner Münchner Wohnung Ende Dezember schreiben kann. Das Fenster ist offen, draußen plätschert der Brunnen und ich habe letzte Nacht geschlafen wie ein Baby. Ja, das ist nur ein Thema. Indien ist eben Indien. Es kitzelt und zwickt dich genau da, wo deine Themen liegen und es ist an dir, das loszulassen. Wie immer halt. Hier kann man sich dem eben etwas geballter stellen, hihi.

Nach zwei Tagen Ankommen in Kovalam starteten wir eine fünftägige Keralarundreise, von der ich einen Großteil schon kannte. Macht aber nichts, denn es ist wunderschön. Also, nicht im europäischen Sinne. Auf meinen Fotos atemberaubend, in Echt dann auch. Nur oftmals anders. Kein Brief, kein Bild kann vermitteln, wie es hier….. riecht. Und es riecht überall, immer! Sogar dann, wenn man meint, in einem ruhigen, sauberen Hotelzimmer zu sein (wie jetzt eben), dann riecht es auch. Zum Beispiel nach einem Spray, den der Zimmerservice sprüht, damit es sauber riecht (und auch schöööön auf’s Bett, nah am Kopf, hurra). Ich bin mir sicher, dass dieser Spray alles an Chemikalien enthält, was man zur Zeit auf dem Markt herstellt. Zumindest sorgt es dafür, dass meine Nase zugeht.

Klingt alles furchtbar, ist es aber nicht, wenn man die Dinge so akzeptiert, wie sie nun mal einfach sind. Indien ist ein Dritteweltland, kein Spanien oder Frankreich. Wer pitoreske Bilder mit Taj Mahal und Tigern kennt, dazu von Gewürzmärkten und Sari tragenden Frauen und glaubt, dass das das echte Indien wäre und auch das weiter glauben will, der bleibt besser zuhause. Müll ohne Ende, viel, viel Armut, aber auch extremer Reichtum. Alles dicht an dicht. Ein Land mit über einer Milliarde Menschen, die alle ihren Platz haben, suchen oder sich nehmen. Und man selbst kann schauen, wie man sich hier einfügt. Indien ist wunderschön, Indien ist hässlich, Indien ist liebenswert, Indien ist grausam. Ich bin hier auf eigene Faust unterwegs und nicht mir einer Pauschalreise, die einem die Schattenseiten nach Möglichkeit erspart. Gleichzeitig ist es sehr, sehr intensiv und bietet einem wirklich alles. Vor allem tiefe Spiritualität, die es so in Europa einfach nicht gibt.

Nach der Rundreise ließen wir uns in Ammas Ashram absetzen. Großartig! Auch hier war ich zum zweiten und sicherlich nicht letzten Mal. Dieses Mal war sie selber nicht da. Macht aber nichts, denn ihre Energie war überall spürbar und erlebbar. Auch Dietmar, der sie noch nicht persönlich getroffen hat, hatte mehrfach Kontakt mit ihr. Wer Amma nicht kennt, sollte man im Internet nachlesen, www.amritapuri.org. Alleine über sie könnte ich viel schreiben. In Kürze: Ich habe sie erlebt und ich zweifle sie nicht an, im Gegenteil. Diese Frau, oder vielmehr: das Wesen, das sich in Form einer Frau zeigt, ist für mich wirklich so etwas wie der weibliche Jesus von 2013. Was sie tut, wie sie lebt, sucht seinesgleichen. Und ein Zitat über sie gibt es wohl am besten wieder: Sie ist die verkörperte Liebe Gottes. Großartig. Über meine Zeit im Ashram schreibe ich einen Artikel für ein Magazin (mehr darüber ein anderes Mal). Nein, ich bin jetzt nicht in ein Wesen mutiert, das seinem Guru nachhängt und die Wohnung voller Bilder und Schreine haben wird. Doch ich finde Amma großartig, inspirierend und sie ist ein echter Segen für die Menschheit! Ihre Stiftung „Embrace the World“ ist die erfolgreichste nichtstaatliche Hilfsorganisation weltweit. Aufgrund des riesigen ehrenamtlichen Engagements der Menschen, die sie verehren und ihr helfen wollen, beläuft sich der Abzug für Verwaltungskosten bei ihr auf gerade mal 3-4%!!!! Die Vereinten Nationen liegen vergleichsweise bei ca. 70%!! Also, nachlesen, schlau machen, selber ein Bild machen. Im Herbst wird sie wohl wieder auf Deutschlandtour gehen (München, Mannheim, Berlin). Vielleicht stellt ihr euch ja auch mal stundenlang an, um eine Umarmung von ihr zu bekommen. Klingt verrückt, lohnt sich aber. Wer es ausprobiert, dem ist in jedem Fall ein Erlebnis garantiert.

Drei Tage wollten wir bleiben, zehn sind wir geblieben. Ashram heißt: kleines, karges Zimmer, sehr basic Dusche, Toilette und schlafen auf dünnen, harten Matratzen auf dem Boden. Erste Gebebtsmöglichkeit um 4:45 Uhr. Geführte Meditationen (hier wunderbarerweise direkt am Strand) morgens und abends, dazwischen nach Lust und Angebot Workshops und, für jeden praktisch mehr oder minder verpflichtend, „Seva“, der selbstlose Dienst am Nächsten. Heißt: zwei Stunden ohne Bezahlung im Ashram arbeiten. Bei mir war das mal Küchenbodensaubermachen, mal Kompostieren (Essensreste mit frischem Kuhding und Holzspänen per Hand vermischen, yummy!) und Wäsche abhängen (das wiederum war etwas angenehmer). Eine Zeit, die mir half, in Indien richtig anzukommen und Zeit für mich zu finden. Seither bin ich auch wirklich „da“.

Bangalore ist jetzt Zwischenstop. Heute waren wir beim Palmblattleser (ich zum zweiten Mal, Dietmar hatte Premiere) und auch darüber wird es einen Artikel geben. Morgen geht es dann mit einem Nachtbus weiter nach Goa. Tagsüber gehen wir noch in den Nationalpark, der hier ums Eck ist.

Man erlebt hier wirklich viele verrückte Sachen. Ich bin sehr, sehr glücklich, hier zu sein und bereue keine meiner Entscheidungen, die mich letztlich hierher geführt haben. Alles ist gut so, wie es ist und ich liebe mein Leben! Auch die Gegensätze hier, die sich z.B. in meinen Unterkünften ausdrücken. Ich mag es einfach, alles mitzumachen, von der spartanischen Unterkunft bishin zum sehr angenehmen Luxus. Weder möchte ich das eine immer haben müssen noch brauche ich das andere. Aber ich bin frei, immer wieder auf’s Neue zu wählen, jeden Tag. Genau so ist das Leben, nicht wahr?

Meine Handflächen, die mir seit ca. 1,5 Jahren ein wenig Geduld abverlangen, sind nun in ayurvedischer Behandlung. Dafür schleppe ich Medizin für 2 Monate mit mir rum, und das als Rucksacktourist. Das bedeutet einige Kilo mehr. Aber wenn’s hilft, soll es mir recht sein.

PS.: Es ist irre und ich liebe es!

Meine erste (private) Spende ging an ein Waisenhaus in Kerala, das eben auf reiner Privatinitiative gebaut wird und dem noch das Dach und einige andere Dinge mehr fehlen. Drücken wir den Engeln, die so 50 Kindern ein neues Zuhause bieten wollen, fest die Daumen! Ich durfte diese tapfere Frau letztes Mal kennen lernen und wünsche mir, dass noch viel mehr Menschen so engagiert für ihre Herzensanliegen kämpfen!!!

Beitragsbild: Fololia.de + Bild von Silvia Engl

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