Indien Reise Teil 3

14 Mrz 2013 Von Kommentare: Kommentare deaktiviert für Indien Reise Teil 3 Reisen, Sonstiges

Silvia Maria Engl München

Der 3. Teil der Indien-Reise von Silvia Maria Engl vom 14.3.2013:

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich am Ufer des Ganges, habe ein wunderbares Mittagessen von meinem Ashram im Bauch und genieße die geschätzten 26 Grad, die uns heute einen angenehmen, weniger heißen Tag bereiten. Der Wind weht mir ganz sacht und warm durch die Haare und ich nehme mir gerne die Zeit, euch einmal mehr zu berichten, was in meinem Leben so passiert. Schwupps, eben kommt mein kalter Lemon-Mint-Juice, was will ich mehr.

Meine letzte Mail war etwas schlapper (also ich, genau genommen), weil es das Ende meiner riesengroßen Tour durch Indien und ich nach diesen sechs Wochen tatsächlich etwas reisemüde war. Irgendwann musste ich dann aber doch mal gen Norden aufbrechen und so kam es, dass ich in den Zug Richtung Haridwar stieg, eine der heiligen Städte Indiens und auch Ausrichter der Kumbh Mela (alle zwölf Jahre). Von den heiligen Städten hatte ich zu diesem Zeitpunkt wahrlich schon genug. So buchte ich nur eine Nacht, um gleich am nächsten Tag weiterzureisen nach Rishikesh.

Pustekuchen. Ich blieb drei Nächte und lernte, aus der Vergangenheit nicht immer auf alles zu schließen. Auch wenn die Stadt keine Schönheit im westlichen Sinn ist, so fand ich doch Orte, an denen ich mich sehr wohl fühlte. Die Menschen waren unbeschreiblich nett und im örtlichen Pizza Hut (sehr klein, da eigentlich wohl für Takeaway gedacht) wurde ich von fünf strahlenden Menschen bedient, die sich darum rissen, mir meine Wünsche zu erfüllen. Mein Ausflug in die angepriesene Riesen-Mall war auch recht witzig, weil neben dem McDonald’s gerade mal fünf Geschäfte in dem Gigakomplex offen hatten (Neueröffnung drei Wochen vorher – bis das Ding fertig ist, wird’s wohl noch dauern, haha). Dafür amüsierte ich mich über mich, da ich zu dem Zeitpunkt allen Ernstes zum ersten Mal in meinem Leben das McDoof-Essen als „gesund“ bezeichnete. Nach zwei Wochen Durchfall (Nordindien ist eben Nordindien, da kann man noch so aufpassen) war ich dankbar dafür, mal was Festes essen zu können, das nicht gleich wieder alles noch schlimmer machen würde, weil sie ja Hygienestandards unterliegen. Siehste mal, es ist eben alles relativ, auch die Bezeichnung „gesundes Essen“. 😀

Hätte ich jedoch geahnt, wie wohl ich mich in Rishikesh fühlen würde, wäre ich wohl doch nur eine Nacht geblieben. Es war ein Stück nach Hause kommen, traumhaft. Berge, Wälder, das erste Mal wieder Natur (zumindest seit Goa), ohne dass es trotz Panorama stinken würde. Der Verkehr hier ist moderat (wenn man den Rest des Landes als Maßstab nimmt!) und das Klima genau mein Geschmack. Der Süden ist einfach zu schwül für mich. Im Ayurvadaunterricht bekam ich auch die Erklärung, Kapha-lastige Menschen mögen das einfach nicht. Alles klar.

Drei Tage lang genoss ich die Stadt in vollen Zügen und ging so viel spazieren wie schon lange, lange nicht mehr. Dann checkte ich im Ashram ein für meinen Teacher Training Course. Schließlich will ich ja eine prima Yogalehrerin werden. Allerdings gab es nicht, wie gedacht, ein Zimmer im Ashram selber, die haben dafür nämlich zu wenige. Stattdessen wird die große Masse an Schülern in umliegenden Guesthouses untergebracht. Enttäuschte mich das zu Beginn ein wenig, bin ich heute doch sehr froh über diese unerwartete Freiheit. Wir sind eine großartige Gruppe mit 23 Schülern von allen Kontinenten dieser Welt und haben einen zauberhaften, sehr, sehr kompetenten Lehrer. Das Essen ist sensationell gut und überhaupt… Ich bin sehr, sehr glücklich hier und genieße jeden Tag. Meine Seele atmet auf und auch wenn ich in diesem Leben zum ersten Mal in Rishikesh bin, so werde ich es sicher nicht zum letzten Mal sein.

Nach wochenlangem Desinteresse an Shopping überkam mich dann hier der Rappel. Wie das alles nach Deutschland kommen soll, ist noch ein Rätsel. Aber im Wundermachen bin ich ja gut, das wird schon. 🙂

Die Hälfte des Kurses ist nun auch schon wieder rum. Sonntag waren wir alle im Ganges baden, das war einfach nur toll. Feiner Sandstrand, tolle Naturkulisse und ein eiskalter Fluss sorgten für jede Menge guter Laune. Jedenfalls bin ich jetzt offiziell ohne Makel, nur mal, um das hier festzuhalten, hihi.

Spendenprojekt

Und was macht das Spendenprojekt? Jede Menge! Tatsache ist, dass ich mit der Wahl dieser Schule bei einer Gruppe Heiliger gelandet bin. Einer der Yogalehrer, der auch viel organisieren muss für uns, heißt Siddarth (ja, wie Buddha). Eines Abends kam ich mit ihm ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er aus einem armen Dorf bei Orissa weit, weit weg von Rishikesh kommt. Er ist bei unserem Swami, weil dieser im helfen wird, seinen Lebenstraum zu erfüllen, nämlich ein Waisenhaus mit Schule zu eröffnen. Man könnte es mit unseren Worten auch ein spirituelles Internat für arme Kinder nennen. Genau mein Traum, mein Wunsch! Siddarth erzählte, wie er als Schuljunge fast ertrunken wäre auf seinem weiten Nachhauseweg von der Schule und 1,5 km im Fluss trieb, bis ihn jemand rausfischte. Er beschloss, dass Gott ihn nicht umsonst am Leben gelassen haben sollte und fand in diesem Projekt seinen Lebenssinn. Als wäre es nicht genug, dass er im Ashram mangels Platz und Geld in unserer Yogahalle schläft (er hat kein eigenes Zimmer, für uns schwer vorstellbar) und sehr, sehr viel arbeitet ohne aktuelle Bezahlung (es soll ja alles in das Waisenhaus gehen), hat er geschworen, dass er erst heiraten wird, wenn sein Projekt umgesetzt ist. Heißt: Falls er es nicht schaffen sollte, wird er nie eine Familie gründen. Wer Indien nicht kennt, versteht vielleicht schwer, was das bedeutet. Hier ist es das absolute Lebensziel, (jung) zu heiraten und Kinder zu bekommen. Er sieht auch sehr gut aus, also kann man auch nicht behaupten, dass es mangels Interesse der Frauen an ihm wäre. Er aber hat sein Leben diesem höheren Zweck gewidmet aus Dankbarkeit für seine Rettung. Ich kann mich nur verneigen vor diesem großen Herzen. Ich weiß, wohin meine nächsten Spenden gehen werden. Vielleicht ist mein Geld ja nur ein Tropfen. Aber was ist der Ozean wenn nicht ein Heer aus Tropfen?

Unser Swami steht aber in nichts nach. Anfangs zwei Schüler, hat er nun jeden Monat um die 20 Gäste aus der ganzen Welt, die durchschnittlich 1300 US-Dollar zahlen für den Kurs (inkl. Essen, Unterbringung usw.). Für Indien ne Menge Geld, dachte ich mir anfangs. Ist es auch. Nur, dass er davon nichts für sich behält. Allein wegen meines Gesprächs mit ihm eines Abends, bei dem ich ihn fragte, ob er einen guten Verwendungszweck für das Spendengeld wüsste, kam das heraus. Er wäre viel zu bescheiden, um das laut zu erzählen, dafür ist er zu schüchtern und zurückhaltend. Er arbeitet Tag und Nacht, tut alles, was er kann, und die Früchte seiner Arbeit gibt er den Bedürftigen, von denen es ja wahrlich genug gibt.

Was also machen wir jetzt mit dem ganzen Geld, das noch da ist – und wir reden in Summe hier von jetzt immer noch 1000 Euro dank meines Autoerlöses und eurer Großherzigkeit!!! Nun, es wird ein großes Fest geben, zu dem Menschen eingeladen werden, die nichts haben, zum einen so genannte „Heilige Männer“, quasi wie vom Bettelorden. Und auch andere Leute, die nichts haben. Sie bekommen Essen und jeder eine Decke geschenkt. Und wir reden hier von einem Fest für ca. 1000 Leute, weil Swamiji auch noch was drauflegen will. Er meinte, sie hätten nicht einmal eine Decke, mit der sie sich zudecken könnten, wenn sie draußen schlafen.

Mein Herz war ein wenig hin- und hergerissen. Die Idee ist super, doch am nächsten Tag wären sie doch wieder hungrig, dachte ich mir. Dann aber wollte der Zufall es (hüstel), dass mir dieses Video in die Hände fiel:

http://www.cnn.com/2010/LIVING/11/02/krishnan.interview/index.html

„Someone cares!“ Ich denke, das sollte unsere Botschaft sein. Dass da jemand ist, den es sehr wohl interessiert, wie es einem geht. Dass es Menschen gibt, weit, weit weg, die sich wünschen, dass ihnen besser geht. Es ist Essen für einen Tag, aber das Futter für das Herz dabei ist sicher um ein Vielfaches größer.

Ich hoffe sehr, dass ihr damit einverstanden seid, ich habe es einfach mal vorausgesetzt. Ich werde auch kleine Filme drehen mit meiner Digicam und viele Bilder machen!!!! Ihr sollte ja sehen, was ihr Großartiges für Menschen tut, denen es an Materiellem mangelt im Gegensatz zu uns. Falls jemand das nicht wollen sollte, bitte bald Bescheid geben, dann setze ich das Geld anders ein so gut ich kann.

Falls jemand noch etwas beisteuern möchte, ist das herzlich willkommen!!!

Auch wird aus meinem Aufenthalt hier wohl noch etwas Größeres erwachsen. Nichts ist Zufall und so sehe ich in diesem Aufeinandertreffen eine große Chance, etwas wirklich Gutes zu tun in meinem Leben. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Mit viel Liebe, einem Herzen voller Freude und den besten Wünschen für euch
Alles Liebe
Eure Silvia Maria Engl

Beitragsbild: Fololia.de + Bild von Silvia Engl

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