Indien Reise Teil 4

26 Mrz 2013 Von Kommentare: Kommentare deaktiviert für Indien Reise Teil 4 Reisen, Sonstiges

Silvia Maria Engl München

Der 4. Teil der Indien-Reise von Silvia Maria Engl vom 24.3.2013:

Was für ein Tag!!!! Heute waren wir unterwegs, um Decken und Essen zu verteilen. Was für ein Wahnsinn… Aber eines nach dem anderen.
Zunächst einmal möchte ich mich mit offenem Herzen bedanken für eure großes Vertrauen, das ihr mir entgegenbringt. Die Antwortmails auf meine Rückfrage trieben mir tatsächlich ein wenig Wasser in die Augen. Danke, danke, danke!!!

Ich ging in aller Ruhe noch einmal in mich, um zu SPÜREN, was das Richtige wäre. So entschied ich mich dafür, und ich war und bin damit im völlig Reinen, die Summe von 10000 Rs (ca. 140 Euro) beizusteuern und den Rest für andere Projekte zu behalten. Wer diese Teilnahme nicht so gut findet, kann sich vorstellen, dass sein/ihr Geld dafür nicht verwendet wurde. Ich habe nun erfahren, dass nicht weit von hier ein Waisenhaus ist. Da werde ich in jedem Fall reinschauen und checken, ob dort etwas nötig ist. Dann werde ich auch ganz am Schluss in Delhi noch ein Slumprojekt besichtigen, das sicherlich auch Unterstützung für nachhaltige Dinge gut gebrauchen kann. Danke nochmals, dass ihr mir so vertraut, das ist ein irre tolles Gefühl, es ehrt mich sehr!!! In mir brennt der Wunsch, es dementsprechend auch wirklich nicht enttäuschen zu wollen.

Jedenfalls habe ich auch hier bei meinen Kursteilnehmern gesammelt. Insgesamt kamen wir so auf über 18000 Rupies, für die Decken gekauft wurden. Meine Güte! Heute Morgen nach dem Frühstück brachen wir auf zum „Herzen“ Rishikeshs, wo viele, viele Arme sich aufhalten, weil dort viele Pilger ein Bad im Ganges nehmen. Pilger sind bekanntermaßen spendierfreudiger zwecks guten Karmas, darum sammeln sich die Bedürftige auch dort. Ich schicke euch mal ein paar Fotos (sorry, kann sie nicht komprimieren, darum kommen sie in einer extra Mail).

Erkenntnis 1: Eine Decke kann ein sehr, sehr hohes Gut sein. Die Menschen dort schossen regelrecht zu unserer Gruppe.
Erkenntnis 2: Friedliche Menschen können zu Furien werden, sobald sie die Chance bekommen, etwas Materielles zu erhalten, das ihnen bisher gefehlt hat. Ich habe heute Menschen kämpfen sehen, eine Frau sogar beißen. Es wurde auch geschlagen und die Deckenverteiler waren teils nahe an einer Panik, als sie umringt waren von Deckenkampfwütigen. Puh. Irgendwie machte es mir klar, was auch bei uns abläuft. Gibt es nichts, worum man sich streiten kann, ist es friedlich. Sobald es aber etwas gibt, das man bekommen, anhäufen, verteidigen usw. kann, dann geht es los. Bei uns nennt man das dann wohl Ellbogenmentalität…

Später in Haridwar, einer der ganz heiligen Städte Indiens, nahm ich mein zweites Bad im Ganges, bevor wir dann Essen verteilten. Auch hierzu Bilder. Es gibt auch welche von mir, da schicke ich gern beim nächsten Mal eins mit. Aber ich konnte mich ja selber schlecht fotografieren dabei. Auch hier war es wieder schwierig, eine Schlange zu machen und das Ganze gesittet ablaufen zu lassen. Ich bin ja nun 3 Monate hier, mich wundert es nicht mehr. Und trotzdem… Hier ist so viel Bedarf, dass selbst riesige Summen wie im Nirvana zu verschwinden scheinen. Von daher war ich sehr froh, mich so entschieden zu haben. Es war richtig, dass wir gemeinsam geholfen haben, ihr, meine Kurskollegen und ich, und gleichzeitig stärkt es meinen Wunsch, in Nachhaltiges zu investieren.

Höhepunkt des Staunens war aber, was passiert, wenn ein Swami unterwegs ist. Die Farbe seiner Kleidung verrät seinen Status sofort, wie bei uns ein Priestergewand. Swami Sudhir hatte, wohlweislich, viele, viele 10 Rupie Scheine in der Tasche. So verteilte er und verteilte und verteilte… Gegen Schluss aber ballte sich eine ganze Horde Bettler um ihn, die einer lauter als der andere schrieen, dass sie noch nichts bekommen hätten. Die Mimik in seinem Gesicht verriet, dass selbst er nun langsam keinen Ausweg mehr sah, als sie anfingen, ihn zu umzingeln und zu schubsen und zu bedrängen. Die Lösung: Er fasste in seine Tasche und warf in hohem Bogen alle Zehner, die er noch hatte, in die Luft! Schade, dass es kein Video davon gibt. Die gierige Meute stürzte sich auf die fliegenden Scheine. Und er… hatte seine Ruhe! Wieder durch das Beobachten dieser Szene so klar, so deutlich: Bist du frei von Besitz, bist du frei von Sorgen!

Etwas platt sitze ich nun im Ashram, um euch gleich davon zu berichten. Ich umarme euch und hoffe, ihr freut euch ein wenig über das Gute, das ihr heute tun konntet. Sobald ich mehr über das Waisenhaus weiß, werdet ihr es erfahren.

HERZlich aus Rishikesh von eurer frisch gebackenen Yogalehrerin
Silvi

Beitragsbild: Fololia.de + Bild von Silvia Engl

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