Indien Reise Teil 5

15 Apr 2013 Von Kommentare: Kommentare deaktiviert für Indien Reise Teil 5 Reisen, Sonstiges

Silvia Maria Engl

Der 5. und letzte Teil der Indien-Reise von Silvia Maria Engl vom 15.4.2013

Ihr Lieben zuhause in Deutschland oder wo auch immer, es wird Zeit, meinen letzten Bericht aus Indien zu schicken. Wir haben Mitte April und die Dinge kamen letzlich anders als gedacht. Na, wär hätte das erwartet im flexibelsten Land der Welt? Ja, hier in Indien mag alles ein wenig chaotisch sein aus unserer Sicht. Tatsache ist aber, dass für jedes auch nur erdenkliche Problem die Inder sofort mindestens einen Lösungsvorschlag parat haben. Da, wo wir ewig grübeln und dem Problem viel Raum und Energie geben, weil es ja ganz anders ist, als man es ursprünglich mal wollte, wird hier nur mit den Schultern gezuckt und dann macht man es eben anders. So einfach kann das Leben sein.

Und mal ehrlich. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass diese vermeintliche (!) Chaostruppe hier eine Stadt für ca. 15 Millionen Menschen auf ein Brachland stellt, die an manchen Tagen sogar 30 Millionen beherbergt, und mir dann gesagt, dass das alles funktionieren würde, samt Stromanschlüssen und Veranstaltungen, ich hätte wohl schallend gelacht und „Nie!“ ausgerufen. Die Kumbh Mela hat mich dann eines Besseren belehrt.

Eigentlich (eines meiner Lieblingsworte hier) wollte ich um diese Zeit in Dharamsala, Exilheimat seiner Heiligkeit dem Dalai Lama, gewesen sein. Doch wir sind ja flexibel hier in Indien, wie bereits erwähnt. In meinem Fall hieß das: Am Abreisetag (15 Uhr: zur Bushaltestelle fahren) setzte aus bis heute unklaren Gründen um 14 Uhr spontan eine Durchfallwelle ein. Den Widerständen trotzdend schulterte ich mein Gepäck trotzdem auf und machte mich zusammen mit einer Bekannten auf den Weg. Vor Ort war ich dankbar, dass die Tankstelle, wo der Bus halten würde, wenigstens eine kleine indische Toilette hatte. Nix, ich stieg trotzdem ein. Busfahren heißt hier in der Regel: keine Toilette, enge Sitze, an den Buswänden Miniventiolatoren gegen die größte Hitze und der Wunsch, es möge wirklich nur die geplanten 15 Stunden dauern.

Wie gesagt, da ich die Vipassana Meditation machen wollte, war ich sehr entschlossen, dem Grummeln im Bauch zu trotzen. Dann aber fuhr der Bus nicht los. 5 Sitze waren überbucht (das hatte ich hier auch noch nicht erlebt) und jetzt gingen endlose Telefonate los und Diskussionen. Natürlich wollte niemand der 5 da bleiben und so weiter und so fort. Nach 45 Minuten des Schwitzens im Bus stand ich schließlich auf, sagte zu Emiliy, dass ich es als ein Zeichen nähme, verabschiedete mich, gab meinen Sitzplatz einem überraschten Israeli und holte meinen Rucksack wieder aus dem Kofferraum. Während der Rikshafahrt zurück in den Ashram überlegte ich, ob meine Winderstände gegen die tief gehende, zehntägige Schweigemeditation wirklich so heftig gewesen sein mochten, dass ich mir all das erschaffen hatte. Dann aber vergaß ich die Spekulationen für eine Weile, denn das Fieber und die heftigen Durchfälle samt Übelkeit, direkt mit einer gigantischen Baustelle neben meinem Kopf außerhalb der Mauer, brachten meinen Geist für eine Weile zum Schweigen. Am dritten Tag holten sie den Arzt (ich hätte nicht mehr hingehen können) und der war recht gechillt. Er verschrieb mir dann allerlei Zeug, von dem ich bis heute nicht weiß, was es alles so war („Can you tell me what this is?“ – „Listen, I am the doctor here. You don’t trust me?!“). Ob es half, keine Ahnung. Jedenfalls konnte ich dann ab dem zehnten Tag irgendwann wieder essen und es streckenweise auch bei mir behalten. Bis heute (Tag 19) ist das noch nicht so richtig geklärt und vorbei, aber ich fühle mich wieder kräftig und ansonsten auch wohl. Und weiß, dass ich in neun Tagen in den Flieger in das Land steige, das großartige Ärzte und noch großartigere Heilpraktiker hat! 😉 Alles ist gut, ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Irgendwie hat es hier zum gleichen Zeitpunkt sehr viele Leute erwischt, aber man kann nicht behaupten, dass wir alle verdorbenes Essen gegessen hätten, ich sogar ganz sicher nicht. Für mich fällt das alles unter „große Reinigungsprozesse“. Sogar im Fieber und mit den Krämpfen habe ich meinen Glauben nie verloren, dass es das Beste ist, was mir gerade passieren kann. Dieser tiefe Glaube gibt mir so viel Ruhe, so viel Kraft zu akzeptieren, was ist, dass nichts anderes wirklich eine Rolle spielt. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Tatsächlich fühlte ich mich an dem Tag, als ich zum ersten Mal wieder Yoga machte, absolut großartig, so…. rein, so klar. Biegsam, sauber… schwer zu beschreiben. Praktisch wie Colonhydrotherapie, nur kostenfrei (wenngleich nicht ganz so angenehm, aber was soll’s).

So, nun genug dieser unsauberen Themen. Doch, liebe Freunde, was soll ich sagen? Das ist Indien. Wohl in keinem anderen Reiseland unterhalten sich die Menschen aus den westlichen Ländern so viel über ihre Durchfälle und Verstopfungen wie hier. 😉 Tabuthemen aus unseren Ländern sind hier Smalltalkthema Nummer 1. Man tauscht Pillen aus, wünscht sich alles Gute für den Verdauungstrakt, empfiehlt Tees und Ärzte…. So was schweißt eben zusammen.

Kein Schatten, wo kein Licht wäre. Was hatte das nun aber alles für Folgen? Statt am 13.4. in den Ashram zurückzukehren und für nur zehn Tage den aktuellen Teacher Training Course in Meditation zu unterrichten, konnte ich (Befindlichkeiten hin oder her) ab Tag 1 als ihre Lehrerin fungieren und auch mein Angebot, bei aufkommenden emotionalen Schwankungen (SEHR wahrscheinlich hier bei diesen Tätigkeiten und den Energien Rishikeshs!) als Coach zur Seite zu stehen, wird gerne angenommen. Ich verblieb einfach in dem Vertrauen, dass das, was ich in der Vipassana erfahren hätte für mich, auch so zu mir kommen würde. Tat es auch, aber das führt jetzt wirklich zu weit hier. Jedenfalls bin ich somit nun offiziell Meditationslehrerin in einem indischen Ashram und ich liebe es! Es ist großartig, den Menschen auf diese Weise so viel geben zu dürfen. Und es ich auch großartig, dass ich meine Gaben anbieten kann, einfach so, ohne mir Gedanken zu machen über irgendwas. Ich bekomme dafür ein Zimmer, drei Mal täglich Essen und sogar meinen Arzt wollte unser Swami bezahlen, weil ich ja jetzt Teil der Familie bin. All das, was in Deutschland uns immer Sorgen bereitet („Wie bezahle ich die Miete? Woher kommt das Essen? Und meine Krankenversicherung?“), hat sich für mich hier in Luft aufgelöst. Ich kann machen, was ich will und liebe, und meine Grundbedürfnisse sind erfüllt. Paradiesisch!

Was macht denn nun unser Spendenprojekt?

Ich wollte ja alles in Ruhe auf mich zukommen lassen. Es kam dann auch. Worüber ich mich nicht gerade freue.

Direkt vor unserer Ashramtür sind seit Wochen (!) heftigste Bauarbeiten. Gerade jetzt, wo ich das tippe, ist es einmal mehr unsagbar laut. Glücklicherweise kann ich es einfach so hinnehmen, für viele hier ist es aber eine großartige Übung in „Annehmen, was ist!“ Das nur mal am Rande. Diese Baumaßnahme hatte einen jungen Ingenieur, der vor ein paar Wochen (ich hatte noch meine nix-Essen-Phase) die Idee hatte, runter an den Ganges zu gehen und dort ein Bad zu nehmen, wie es Hunderte hier täglich tun. Leider wählte er eine Stelle, die scheinbar einen der sehr gefährlichen Wirbel hatte. Er kam nie mehr zurück. Seine Freunde und Kollegen wurden Zeugen seines Verschwindens, vor ihren Augen.

Nun erfuhr ich weiterhin, dass er, dieser junge Mann, der einzige Verdiener in seiner Familie war. Zurück bleiben die verzweifelte Mutter und Schwester und ein Vater, der mit Krebs im Sterben liegt. Hier in Indien kann so etwas der Untergang sein und ist es auch für viele Familien. Das Mädchen soll das College bald beenden, nun aber fehlt es an Geld. Zudem haben sie momentan nichts, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. Das System hier macht nach wie vor die Frauen völlig abhängig von ihren Männern und in manchen ländlichen Gegenden soll es auch noch die Witwenverbrennung geben, bei der die hinterbliebenen Frauen ihren Männern durch das Feuer in den Tod folgen, da sie ohne Mann ohnehin nicht überleben könnten und sie außerdem als Witwen wertlose Verzehrer der Gesellschaft sind. Dass kleine Mädchen immer noch umgebracht werden nach der Geburt, ist sogar ganz sicher.

Ich ließ ein wenig Zeit verstreichen, doch immer wieder kamen mir diese zwei Frauen in den Kopf. Sie wollten nicht weichen. Das Gefühl, dass hier unsere Unterstützung gefragt wäre, gerade, um einer jungen Frau die nötige Ausbildung zu gewährleisten, um anders als ihre Mutter ein Stück weit unabhängiger zu sein, wurde immer stärker. Ich sprach daher eines Morgens, nachdem das Gefühl, hier helfen zu wollen, so stark war, unseren Engel Sidharth an. Der nickte nur betroffen und meinte, dass diese Familie wirklich Hilfe bräuchte. Erst jetzt erfuhr ich von dem kranken, im Sterben liegenden Vater. Sidharth telefonierte mit einem seiner Freunde, der wiederum eng mit der Familie befreundet ist. Er kam umgehend in den Ashram und erzählte uns ein wenig mehr. Sein Gesicht war sehr ernst dabei und immer wieder kamen wir zu dem Ergebnis, dass sie dringend Unterstützung bräuchten. Später sprachen wir mit unserem Swami darüber. Die Tatsache, dass die Familie 200 km entfernt lebt, brachte ihn zu dem Kommentar, dass es doch genügend Hilfsbedürftige hier gäbe. Warum ich mich genau für diese Familie einsetzen würde, wollte er wissen. Berechtigte Frage.

Genau das aber ist es, was ich gelernt habe hier.

Dieses Land ist so voll mit Armut, dass du nie anfangen könntest zu helfen, weil es an jeder Ecke noch Ärmere und noch Hilfsbedürftigere gibt. Was also tun? Ich bin mir sicher, dass wir alle geführt sind. Warum war ich da an dem Tag, als der junge Mann verunglückte? Warum berührte es mich so tief? Warum ließ mich der Gedanke nicht mehr los? Das alles hat einen Grund. Wir, unsere Spendergruppe, wir allein können nicht die Welt retten, oder anders: Wir brauchen das auch nicht zu tun. Aber wir können helfen, wenn uns Notfälle begegnen. Meines Erachtens nach ist dies einer der Fälle. Und zwar nicht, indem wir Bargeld geben, sondern ein paar schmerzstillende Mittel für den Lungenkrebs verseuchten Vater zu besorgen; um dem Mädchen die Collegeausbildung zu ermöglichen; der Mutter vielleicht eine Nähmaschine zu kaufen und Stoffe, damit sie Geld verdienen kann, wohl zum ersten Mal in ihrem Leben. Ich hoffe sehr, dass ihr damit einverstanden seid.

Desweiteren erzählte mir Sidharth von einem Waisenjungen aus seinem Dorf, der Unterstützung braucht bei den Kosten für die Schule. Sidharth ist der junge Mann, 24 Jahre, der hier seit Jahren Tag und Nacht arbeitet, um das Geld zu verdienen, um in seiner Heimat Odhissa ein Waisenhaus im Sinne einer Gurukula zu eröffnen. Ich für mich persönlich habe entschieden, dass ich dieses Projekt unterstützen will, und zwar nicht nur finanziell, sondern mit anderen Fähigkeiten, die ich Sidharth anbieten kann. Ja, ihr seid zuhause und für euch ist er ein Name. Aber ich sage euch, mit all meiner Spürigkeit, die ich für Menschen wahrlich habe, dass ich bisher wohl kaum einem Menschen begegnet bin auf dieser Welt, der so nett, so aufrichtig, so ehrlich, so rein ist wie Sidharth. Wenn jemand wissen wollen würde, was ein Erdengel ist, ich würde auf ihn verweisen. Ihn hier kennen gelernt zu haben und mit ihm hier seit Wochen zusammen zu leben, ist ein großes Geschenk, sehr inspirierend. Sidharth würde ich alles, alles, was ich besitze, blind anvertrauen in dem Wissen, er würde es mit seinem Leben verteidigen, wenn es sein müsste. Ich übertreibe? Nein, wirklich nicht. Es gibt sie, diese wunderbaren Menschen, diese Diamanten auf unserer Welt. Und allein durch ihr Hiersein unterstützen sie uns enorm. Er selber würde das alles völlig beschämt ablehnen, mich vermutlich bitten, das um Himmels Willen nicht über ihn zu schreiben. Aber er kann es ja nicht lesen. 😉

Heute werde ich mal die Abrechnung machen, alles addieren und subtrahieren, und dann schauen, wie viel Geld genau wir noch haben. Sofern ihr einverstanden seid, geht ein großer Teil an Investitionen für diese beiden Frauen, ein anderer Teil an den Waisenjungen, damit er weiter in die Schule gehen kann, und falls dann was übrig ist, fahre ich einen Tag früher nach Delhi und unterstütze das Slumprojekt, dem ich begegnet bin. Bitte, falls ihr andere Wünsche habt, dann lasst es mich wissen. Einem bettelnden Kind auf der Straße aber Bargeld zu geben, davon wird hier immer wieder abgeraten. So grausam es klingen mag, aber das macht alles nur noch schlimmer. Letztlich haben die Kinder nie was davon, sie müssen es ohnehin nur abgeben. Und Banden setzten auch gezielt Kinder und Verkrüpelte ein, weil die bekanntlich mehr Geld machen. Das möchte ich keinesfalls unterstützen.

Wenn ich binnen drei Tagen nichts höre von euch Einzelnen, werte ich das mal als Zustimmung. Ansonsten gilt nach wie vor: Es ist (auch) euer Geld! Veto, wenn euch der Plan nicht gefällt, dafür informiere ich euch ja auch.

Ich habe euch alle sehr, sehr lieb, wie gut oder weniger gut wir uns auch persönlich kennen mögen. Jeder und jede Einzene von euch ist wundervoll und ich bedanke mich nochmals für eure Unterstützung und eure Vertrauen! Zumal ich wegen des grottigen Internets bisher keine Fotos schicken konnte. Heute aber versuche ich, online ein kleines Album anzulegen und euch später dann den Link zu schicken. Falls es wieder dauern sollte, bitte ich um Nachsicht. Ist eben Indien.

Ach, und noch was. Durch einen „Zufall“ habe ich heute Morgen entdeckt, dass einer von euch diese Mails seit Monaten ins Internet gestellt hat. Ich war völlig baff, konnte aber letztlich nicht anders, als es einfach hinzunehmen. Erstens ist es nun eh seit 3,5 Monaten online, zweitens hat es seinen Grund, dass ich es (erst) heute gesehen habe. Lieber A., kein Protest/keine Beschwerde von meiner Seite, nur großes Staunen. Wenn ich das nur alles so sehe und lese, klingt das hier alles so seltsam heroisch, was es aber gar nicht ist. Ich hatte und habe eine großartige Zeit hier und bin einfach nur offen für alle(s), was und wer mir begegnet. Menschen zu unterstützen ist für mich das Sinnvollste, was wir hier auf der Erde machen können, gleich nach „Sich selbst wieder lieben lernen“. Ihr alle ermöglicht doch erst, dass ich in die Augen dieser Menschen blicken und sagen kann: „Wir werden euch helfen!“

Dafür muss man nicht einmal nach Indien fahren. Wir alle haben Gaben, Fähigkeiten. Und sie dann und wann einmal ohne Geld zur Verfügung zu stellen, kann unglaublich befriedigend sein. Ein Gefühl, das ich uns allen wünsche, auf beiden Seiten. Denn es ist auch wunderbar, wenn einem geholfen wird, Dankbarkeit erfüllt mein Herz, wenn ich nur daran denke, wie sich hier alle um mich gekümmert haben, als ich so krank war! Nachdem ich, auch hier in Indien, endlich mein uraltes Muster loslassen konnte, keine Hilfe annehmen zu können und zu wollen (ich verdiente das ja nicht, sagte diese Stimme tief in mir drinnen), war das eine großartige Erfahrung, die ich trotz allen Fiebers und der Krämpfe nicht würde missen wollen. Ich bin nun offen für die Liebe und Fürsorge anderer und bin gleichzeitig keineswegs abhängig von ihr. Wieder ein Stück freier, wieder ein Stück mehr Ich. Und damit gleichzeitig ein Stück weit weniger Ich. Ihr versteht.

Nach Indien kommt man meist, weil man etwas sucht, das man zuhause nicht zu finden glaubt, ob man das nun bewusst tut oder nicht. Mir war nicht einmal klar, was genau ich hier suchte, doch ich habe sehr viel gefunden. Großartige Menschen, zauberhafte neue Ideen, wunderschöne und grausige Bilder. Ich habe erfahren, dass man krank sein kann und trotzdem überlebt, auch wenn man nur eine indische Toilette hat (diese Stehlöcher im Boden). Weil viele es überleben, wenn sie nicht mal das, geschweige denn einen Arzt haben. Ich habe Altes hinter mir gelassen und fliege nun mit leichtem Gepäck nach Hause. Mag der Rucksack auf den Schultern auch einiges wiegen, so bleiben doch viele Lasten, die ich auf ihnen trug, hier zurück. Verwandelt in Liebe und Vertrauen, werden sie mich von nun an begleiten und all die Menschen, denen ich begegne. Ich habe unendlich viele „junge“ Menschen getroffen, die hier reisen, weil sie Zeit haben. Zeit, weil sie ihre sicheren Jobs gekündigt hatten, weil es einfach nicht mehr stimmte. In Deutschland ist das immer noch das „Spinnt der?! Dieser sichere Arbeitsplatz bei Siemens / HUK Coburg / ….“ Und das doch in der heutigen Zeit! Ich habe gesehen, dass Australier und Amerikaner da irgendwie entspannter sind und einmal mehr erlebt, dass Drama eben nicht gleich Drama ist; dass ein und dasselbe an zwei verschiedenen Orten, in zwei verschiedenen Kulturen, Glück oder auch Unglück sein kann und das allein vom Auge des (sozial und kulturell geprägten) Betrachters abhängt. Ich habe unzählige Menschen gesehen, die nichts besitzen und doch so viel mehr haben als wir: ein Lächeln auf den Lippen und ein offenes Herz. Ich sehe, wie stark der Glaube an eine göttliche Kraft macht, ob man sich nun Shiva, Jesus oder Buddha verehrt. Und ich sehe, was passiert, wenn die Menschen erkennen, zumindest erahnen, dass diese Kraft nicht in einem Tempel zu finden ist, sondern im größten Tempel, den es gibt: in uns selbst.

Ich liebe euch mit all meinem Herzen und bin dankbar dafür, dass es euch gibt. Ihr seid ein Teil meiner Welt, einer Welt, in der es Kriege und Grausames nur noch am Rande gibt, als aufploppende Meldung im Internet, wenn ich meine Emails checken will. In meiner Welt haben die Menschen, denen ich begegne, Hoffnung, sie haben Träume und wollen diese nicht länger aufschieben; ihr sehe mutige Menschen, die ihren Weg gehen und Menschen, die begreifen, dass Materielles ein Teil unserer Welt ist, aber eben nicht die ganze Welt. Ich sitze täglich neben Menschen, die ihr ganzes Sein der Hilfe und Unterstützung Hilfsbedürftiger widmen, voller Hingabe und Liebe, und das inspiriert ungemein. Ich habe Tränen in meinen Augen, wenn ich das schreibe, weil es mich unendlich tief berührt und weil ich euch das schreiben darf ich und weiß, dass es euch erreichen wird, nicht nur in euren Köpfen.

Das Wiedersehen mit jedem und jeder Einzelnen/r von euch wird mir ein Freudenfest! Von daher will ich aus den letzten 9 Tagen das Meiste machen und mich dann auf meine Rückkehr freuen. Es ist absolut nichts Verwerfliches daran, dass es hier Elend gibt, während ich in München in einem Biergarten sitzen und die saubere Luft genießen werde. Weil ich tief in mir weiß, dass alles, alles, so, wie es ist, perfekt ist.
Wozu dann noch helfen, könnte man fragen. Zurecht. Wozu dann das alles? Weil es das Richtige ist, seinem Herzen zu folgen, der göttlichen Stimme in uns, die uns in jeder Sekunde untrüglich einflüstert, was der beste nächste Schritt für uns ist. Das kann ein Hilfsprojekt sein oder eben auch ein Stück leckeren Kuchen mit Freunden zu genießen.

Möget ihr glücklich sein! Möget ihr in jedem Moment frei von Verletzungen sein! Möget ihr euch geliebt fühlen! Möget ihr frei von Leid sein!

Beitragsbild: Fololia.de + Bild von Silvia Engl

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