Der Weg des Vertrauens

29 Dez 2013 Von Kommentare: 2 Bewusstsein, Spiritualität

Alpenpfad Vertrauen

Vertrauen ist etwas Mysteriöses, man kann es schwer definieren. Vertrauen ist die höchste Form und das tiefste Wesen der Liebe. Es ist nicht nur Glauben. Glauben ist meist emotional, sentimental, er ist geliehen von den Eltern oder von der Gesellschaft, in der man aufgewachsen ist. Die meisten Leute hängen aus Angst oder Gier (vielleicht nach einer Belohnung im Jenseits) einem Glauben an, nicht aber aus Liebe. Vertrauen kommt aus einem liebevollen Herzen. Das eigene Herzens-Wissen, die eigene Erfahrung, das eigene Wachstum führen zu immer mehr Vertrauen.

Vertrauen hat auch nichts mit Überzeugung zu tun. Überzeugung ist nur ein Trick des Verstandes, um Zweifel zu unterdrücken. Eine Überzeugung kann ich jederzeit ändern, in dem Fall gibt der Verstand seine Kontrolle nicht auf.

Vertrauen beginnt dort, wo ich die vielen Ausweichmanöver des Verstandes durchschaue und den Mut habe, mich einzulassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, auf ein „freundliches Universum“ zu vertrauen, welches dafür sorgt, hier alles zu haben und zu bekommen, was ich benötige. Vertrauen bedeutet auch die Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen. Das betrifft besonders die Beziehung zu anderen Menschen. Ich vertraue darauf, dass der andere die Situation nicht zu seinen Gunsten ausnutzt. Zwischenmenschliches Vertrauen beinhaltet Wärme, Zuneigung, Geborgenheit. Natürlich kann ich auch verletzt werden, dann entsteht oft Misstrauen, aber aus einem tieferen Blickwinkel heraus wurzelt auch diese Enttäuschung in meinem eigenen Wesen. An welcher Stelle trifft es mich und löst einen Schmerz in mir aus? Wenn ich mich das frage, kann ich vielleicht die Motive des anderen viel besser verstehen und vergeben.

Vertraue ich mir selbst?

Misstrauen, um sich vor raffinierten und unehrlichen Menschen zu schützen, kann gerechtfertigt sein, aber wenn es übertrieben verwendet wird, werde ich wenig zwischenmenschliche Beziehungen haben, die mehr als hohl oder oberflächlich sind. Ein oder zwei echte, wertvolle und starke freundschaftliche Beziehungen sind wesentliche Bestandteile meines Glücks. Wie will ich mir Freundschaften aufbauen, wenn ich jedem Menschen mit Misstrauen begegne? Wenn ich ein vertrauensvoller Mensch bin, ströme ich auch Vertrauen aus, es entwickelt sich eine bestimmte Atmosphäre, eine vertrauensvolle Stimmung, die das Beste in jedem Menschen erweckt.

Ich kann mich auf einen anderen Menschen nur in dem Maße einlassen, wie ich mich auf mich selbst einlassen kann. So hat Vertrauen in das Leben oder in andere Menschen immer etwas mit mir selbst zu tun. Ich sage etwas, nehme mir etwas vor, aber wenn ich das Wort, dass ich mir selbst gegeben habe, nicht einhalte, dann kann ich auch niemand anderem vertrauen. Er könnte ja ähnlich handeln! Ebenso betrifft es andere Lebensbereiche, wenn ich übertreibe, lüge, andere übervorteile, werde ich das auch immer bei meinen Mitmenschen befürchten.

Selbstvertrauen ist eines der wesentlichsten Eigenschaften im Leben. Das kann ich erreichen, wenn ich Dinge tue, von denen ich nicht sicher bin, ob ich sie auch wirklich ausführen kann, mich also immer neuen Herausforderungen stelle und meine Erfahrungen liebevoll und nicht abwertend betrachte, ganz egal, wie sie ausfallen.

Es gibt ein Zitat, welches ich immer für sehr dumm gehalten habe: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Das ist eine Mentalität, die aus Angst und Gier geboren wird. Mit Liebe und Vertrauen hat das nichts zu tun.

Loslassen

Ein großes Stück unserer späteren Vertrauensfähigkeit, ganz besonders, was das Urvertrauen betrifft, wurzelt in der Kindheit. Kinder, deren Liebesbedürfnisse in frühester Jugend nicht ausreichend gestillt wurden, haben oft viele Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie sind häufig unfähig, sich vertrauensvoll in eine Beziehung fallen zu lassen. Für sie bedeutet es eine härtere Lebensaufgabe, ihr Vertrauen zu festigen. Aber es ist auch für sie möglich, wenn sie bewusst ihre schmerzvollen Erfahrungen verarbeiten und sich nicht in einer Opfermentalität verlieren. Dann wächst ihr Vertrauen wieder und auch sie können sich wieder einlassen in den Prozess des Lebens und Lernens.

Zum Loslassen von Menschen, Dingen und letztendlich dem irdischen Leben gehört sehr viel Vertrauen, vertrauen, dass alles seinen richtigen Weg geht, dass es etwas „Höheres“ gibt, dass ich nicht allein bin. Festhalten bedeutet Enge und Angst und schneidet mich von jeder Lebendigkeit ab.

Wenn ich genügend Vertrauen in meine eigene Realität, in meine Fähigkeit zu lernen und zu wachsen habe und weiß, dass ich jederzeit für mich einstehen kann, gelange ich eines Tages dahin, im tiefsten Inneren zu fühlen, dass ich unsterblich und tatsächlich grenzenlos bin. Das ist wahre Spiritualität und Vertrauen ist der Weg.

In Liebe, Lumos

Beitragsbild: Gehvoran.com

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Silvia sagt:

    Liebe Lumos
    Schöner Beitrag, danke. Mit dem Vertrauen ist es wie mit der Liebe. Wenn ich mir selbst vertrauen kann, kann ich auch anderen vertrauen und habe vertrauen ins grössere Ganze. Wenn ich mich selbst lieben kann, kann ich auch andere lieben und kann diese Gegenliebe auch annehmen und in mein Herz lassen. Wir müssen ins unserem innersten das säen, was wachsen möchte. Alles beginnt in uns und endet in uns.Wir sind Teil vom Ganzen und das Ganze ist Teil von uns. Liebe Grüsse Silvia

  2. 2
    Lumos sagt:

    Liebe Silvia!
    Ja, so sehe ich es auch, das hast Du wunderschön ausgedrückt.
    Das Leben ist einfach perfekt, alles geschieht im richtigen Augenblick. Wenn ich ein Ziel setze, dann aber loslasse, fällt es mir immer leichter, das zu tun, von dem ich weiß, dass es das „Richtige“ für mich ist, dass ich „richtig“ handele, die „richtigen Entscheidungen“ treffe und ich kann mich entspannen- und einfach VERTRAUEN. Im tiefsten Inneren kann ich immer spüren, was richtig und wichtig für mich ist. Das habe ich oft erlebt. So viele Begegnungen, Erlebnisse und Umstände sind dann ohne eigenes Zutun auf mich zugekommen, wenn ich loslassen konnte. Umgekehrt , wenn ich verbissen etwas zu erreichen vesuchte, wurde es ein ewiger, anstrengender Kampf und führte zu keinem befriedigenden Ergebnis.
    Im Grunde ist es so einfach – Hingabe an das Ganze- und doch oft so schwer zu erreichen. Angst, mich hinzugeben und Angst loszulassen trennen mich dann von einem glücklichen Leben. All die sinnlosen Tätigkeiten wegzulassen und meine Energie dafür zu verwenden, meine Angst vor der Wildheit und Unberechenbarkeit des Lebens zu überwinden, würde alles zum Besten wenden. Und wie überwinde ich Angst? Indem ich mehr liebe und vertraue…. Damit schließt sich dann der Kreis…
    Liebe Grüße von Lumos

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