Coming Out der Menschheit

19 Jan 2014 Von Kommentare: 9 Gesellschaft, Zeitgeschehen

Sonnenaktivitäten

Man müsste meinen, in unserer heutigen Zeit und in unserer zivilisierten Gesellschaft müsse man die sexuelle Orientierung eines Einzelnen nicht mehr thematisieren. Aber der Fußball tut sich schwer mit homosexuellen Spielern, denn jene Spieler verkörpern nach Meinung vieler Fans nicht die typischen Eigenschaften wie Männlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Stärke. Dass Toleranz nicht nur ein Problem des Fußballs, sondern unserer Gesellschaft ist, beweist die Tatsache, dass nach Veröffentlichung eines Artikels des Online-Magazins 20min.ch über das Coming Out von Thomas Hitzlsperger ca. 40% der Kommentare wegen Beleidigungen von der Redaktion gelöscht werden mussten. 40%! Das heißt nicht, dass 40% der Bevölkerung Homophobie hat (Angst vor Homosexuellen), denn „provoziert“ zum Kommentieren fühlen sich nun mal eher diejenigen Menschen, die etwas ablehnen, als Menschen, die etwas befürworten oder unterstützen. Ein bekanntes menscheneigenes Phänomen.

Die Ablehnung vom Andersdenkenden, vom Anderssein, vom Unbekannten treibt die Menschen seit jeher in Ablehnung, Hass und Kriege. Anerzogen von Eltern, Gesellschaft, sozialem Umfeld und Kultur ist dieses Verhalten klassisch dafür, wie sehr sich der Mensch von dem verleiten lässt, was er „eingeimpft“ bekommt, aber jederzeit von sich denkt, es wäre seine eigene Meinung. Laut Neurowissenschaft werden 95% unserer Gedanken von unserem vorprogrammierten Unterbewusstsein kontrolliert. Dieses Unterbewusstsein bildet sich zum größten Teil bis zum Alter von sechs Jahren!

„Der Mensch glaubt also an all die Informationen, die er durch stete Wiederholung erlebt oder gesehen hat. Das beginnt mit der frühkindlichen Prägung, wo sich Gedanken und Glaubenssätze durch die wiederholten Erlebnisse bilden und endet mit den immer selben Werbebotschaften. Aus dem Artikel „Gibt es eine allumfassende Wahrheit?“ von Mario Walz“

Gespeicherte Informationen

Es sind nicht nur die Informationen, die wir in unserem Leben verbal oder schriftlich von anderen Menschen erhalten, die uns zu dem machen lassen, war wir denken – und was wir sind. Die Angst vor dem „Andersartigen“, in diesem Fall vor Homosexuellen ist in der komplizierten Energieschicht der Erde mitsamt ihren Lebensformen fest verankert und umfasst auch die Gewohnheiten und Verhaltensweisen von Kulturen und Menschen. Wenn ein großer Teil der Menschheit eine bestimmte Meinung zu irgendetwas und – und hatte, auch wenn dies schon sehr lange her ist, so werden diese unsichtbaren Meinungen als Informationen, also als Überlieferungen gespeichert und weitergegeben. Das Energiefeld der Erde sammelt sämtliche Informationen, so werden alle Gedanken, Worte und Taten „un-löschbar“ gespeichert, was die Ursache für viele Ereignisse hat und unser gesamtes kollektives wie individuelles Leben beeinflusst. Was aber nicht bedeutet, dass diese nicht unumkehrbar gemacht werden können. Energie kann zwar nicht gelöscht, dafür aber verändert werden. Das ist ein Phänomen, was wir auch in ähnlicher Konzeption in den mittlerweile weitgehend anerkannten „Familienaufstellungen“ nach Hellinger so beobachten können.

Coming Out der MenschheitBeispielsweise hat eine Patientin starke Bindungsängste und weiß nicht, woher diese herrühren. Nach einer Familienaufstellung kommt heraus, dass die Großmutter „emotional“ vom Großvater verlassen worden ist. Dieser selbst hatte große psychische Probleme und war aufgrund Kriegsgefangenschaft ein emotionales Wrack. Diese Angst vor dem „emotionalen“ Verlassenwerden eines geliebten Menschen trägt die Patientin für die Großmutter mit sich weiter herum, da die Großmutter nie davon weg kam und den Schmerz nicht verarbeitet hat. Die Patientin bekam das Problem „vererbt“, für die Großmutter nicht wissend, und muss diese Blockade nun (für beide) aufarbeiten und loslassen, damit sie selbst keine Bindungsängste mehr hat. Die Patientin hat ihre Großeltern noch nie zu Lebenszeiten erlebt, sie verstarben beide sehr früh.

Wie im individuellen, persönlichen Bereich, so verhält es sich auch im Kollektiv Menschheit. Jahrhunderte- und gar jahrtausendelang wurden (und werden immer noch) Andersdenkende abgelehnt und verachtet. Auch dies ist ein Grundprinzip des Menschen, hier kann jeder bei sich selbst anfangen. Warum gibt es Probleme zwischen einem Paar? Die meisten Probleme folgern aus der Tatsache, dass man oft nicht verstehen und akzeptieren kann, dass der Partner anders denkt und handelt, als man selbst. Man setzt voraus, dass andere Menschen, erst Recht der eigene Partner, genauso „tickt“ wie man selbst, so wie es in der Verliebtheitsphase ja meist der Fall ist. Genauso verhält es sich bei Problemen im Job. Das Mobbing ist ein Ventil für die Menschen, die nicht akzeptieren können, dass jemand anders ist, wie sie selbst – oder die ihnen vielleicht auf einer bestimmten Ebene überlegen sind?

Verwandlungsprozess im Informationszeitalter

Wenn man nüchtern und emotionslos darüber nachdenkt kämen die meisten Menschen zur Einsicht, dass jeder Mensch so sein kann wie er will, solange niemand anders zu Schaden kommt. Aber Homophobie (hier stellvertretend für jegliche Intoleranz gegenüber „Andersdenkenden“) hat sich seit Urzeiten in den Köpfen der Menschen festgesetzt, da diese sexuelle Orientierung nicht in das Weltbild (vor allem von Religionen) passte. Diese haben das Schwert geschwungen, um ihre Doktrin mit Gewalt zu verteidigen. Seit Jahrhunderten werden Homosexuelle weltweit diskriminiert und wie Schwerverbrecher behandelt. In Ländern wie Russland oder Nigeria gilt Homosexualität als Verbrechen. Und auch wir zivilisierten Mitteleuropäer tun uns anscheinend sehr schwer, Toleranz zu üben. Der Politik ist dies nicht gelungen. Was jahrhundertelang in die Köpfe der Menschen eingeimpft wurde, kann heutzutage, bei aller Liberalität, nicht von heute auf morgen geheilt werden. Es ist ein langer und behutsamer Weg und mutige Menschen wie Thomas Hitzlsperger sind Wahrheitsöffner und zugleich Pioniere für Heilung. Sie setzen Zeichen. Wir leben im Informationszeitalter und in einer Zeiten, in der alle Wahrheiten ans Tageslicht kommen. Ablehnung, Abgrenzung und Intoleranz kann sich aber nur dann verwandeln, wenn jeder bei sich selbst anfängt. Persönliches Wachstum findet meist erst dann statt, wenn etwas Gewohntes anders ist und auf einmal zu zerbrechen anfängt.

Bilder: Fotolia.de

9 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumos sagt:

    Ein guter, sinnvoller Artikel, lieber Alex!

    Intoleranz ist wirklich in unserer Gesellschaft noch weit verbreitet. „Tolerare“ heißt ja nicht nur ertragen, sondern auch ZULASSEN. Es geht darum, Eigenheiten, Angewohnheiten, Ansichten, anderes Verhalten , andere sexuelle Ausrichtungen und vieles mehr als gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen. Ich brauche sie ja nicht selbst zu leben, sollte sie aber bei anderen tolerieren.
    Grenzen gibt es nur, wenn es um das körperliche oder seelische Wohl anderer Menschen geht. Ich bin immer dann tolerant , wenn ich es zulassen kann, dass jeder Mensch seinen eigenen individuellen Weg geht, denn es ist sein Weg und ganz persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse stehen dahinter.

    Nach dem Prinzip der Resonanz bin ich deshalb intolerant, weil ich mit dem Thema, um das es bei meiner Intoleranz geht, selbst noch ganz viel zu tun habe… Was stört mich an dem anderen, was bewirkt er in mir, warum bringt er eine Saite in mir zum schwingen? Im Bereich der Homosexualität könnte es sich vielleicht um ein verstecktes Problem mit der andersgeschlechtlichen Seite in mir selbst handeln. Verdränge ich die weibliche/männliche Seite in mir? Erscheint sie mir als minderwertig?
    Insofern geht es eigentlich, – wie mit allem,- immer um Selbsterkenntnis und Selbsterforschung.

    Liebe Grüße von Lumos

  2. 2
    Silvia sagt:

    Lieber Alex, liebe Lumos
    Weise Worte. Und dann gibt es doch auch noch diese Feststellung: „Wenn du mit dem Finger auf andere Menschen zeigst, zeigen drei Finger auf dich selbst.“ Alles was mich im Aussen stört, sind ungelöste Anteile und Konflikte in mir selbst. Aber Hinschauen schmerzt, ist unangenehm und unbequem. Also Abbau des unguten Gefühls im Aussen, irgendwo findet sich immer ein Blitzableiter….und da muss es nicht mal um Homosexualität gehen…eine passende Thematik findet sich alleweil um seinen Frust abzubauen. Der Weg führt wie immer nach innen…. 1. Punkt: sich selbst erkennen: wer bin ich? 2. Punkt: sich bewusst machen, dass meine Prägungen und Muster zwar gegeben sind, aber sich in freier Wahl verändern lassen. Ich habe stets die Wahl, mich selbst zu ändern, mich neu zu erschaffen. 3. Punkt: seine eigene Meinung bilden, authentisch sein. Egal was andere gut oder schlecht finden. Ein Original sein.

    Passendes Zitat: „Was du bist hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast.“

    Eine wundervolle Woche euch, Silvia

    (Aldous Huxley)

  3. 3
    Lumos sagt:

    LIebe Silvia,
    vielleicht könnte man zu dem Huxley Zitat noch ergänzen:
    „Was du bist“…, hängt auch von deinem selbstgeschaffenen Lebensplan ab. Was du im Laufe der Wiedergeburten noch nicht akzeptiert , erfahren und angenommen hast, wird dir immer und immer wieder als Lernaufgabe im Außen gespiegelt werden. Dinge, die schon im eigenen Wesen integriert wurden, können keine Verurteilung mehr hervorrufen, denn die Seele weiß bereits …
    Liebe Grüße von Lumos

  4. 4
    Lumos sagt:

    Zum Thema „Homosexualität“ habe ich bei P`taah ( Jani King, P`taah, Botschaften des Lichts, Weisheit von den Pleiaden , Bd. 1 Ansata Verlag – jetzt bei Robert Betz neu aufgelegt) noch etwas gefunden:

    „Frage: Wenn wir also für jedes Leben auswählen, ob wir als Mann oder Frau kommen wollen, warum gibt es dann Homosexuelle oder Lesbierinnen? Warum inkarnieren sie dann nicht gleich zu Mann oder Frau?

    P`taah: Dafür gibt es viele Gründe. Wie wir schon gesagt haben, sind die Menschen eigentlich bisexuell, um der Liebe auf der physischen Ebene einen erweiterten Ausdruck zu ermöglichen, egal zu welchem Geschlecht. Nun, wir wissen, dass diese Gedanken nicht populär sind und große Vorurteile gegenüber den Homosexuellen bestehen. Wie auch immer, man muss auch Folgendes bedenken: Es gibt auch Situationen, wo es fast ein kleines Durcheinander gibt. Wir meinen in dieser physischen Verkörperung bei den sogenannten Chromosomen. Meistens wird jemand auf Grund eines Traumas homosexuell. Wir sprechen nicht von einem sexuellen Ausdruck, wenn wir sagen, dass ihr auf der Seelenebene kein Geschlecht habt. Dort wird Homosexualität einfach nicht verurteilt. Doch die Menschen bekennen sich trotzdem zum einen oder anderen, obwohl sie doch in Wirklichkeit Liebe und Freude physisch bei beiden Geschlechtern ausdrücken könnten. Seht, Sexualität ist nicht nur im Sinne der Fortpflanzung gemeint. Das war nur eine weitere Methode, um die Menschheit zu versklaven…………….. usw. “

    Ich fand das sehr interessant, weil viele Betroffene sich vielleicht fragen werden , warum es diese gleichgeschlechtliche Orientierung gibt.

    Nochmals liebe Grüße von Lumos

  5. 5
    Lumina sagt:

    Etwas Off-Topic…
    Soeben habe ich mich umbenannt. Aus LUMOS wurde LUMINA, s. unten rechts.
    Lumos hört sich irgendwie so männlich an, ich hatte 2011 diesen Namen gewählt, weil Harry Potter immer dann, wenn er mit seinem Zauberstab ein Licht anzünden wollte, „LUMOS“ rief. Das ist wahrscheinlich den wenigsten bekannt …
    Die Entwicklung eines Lebens steht ja niemals still, – und dazu passt dann wieder ein neuer Name, haha ! Es lebe die Veränderung !
    Alles Liebe von Lumina

  6. 6
    Silvia sagt:

    Danke für dein Coming Out, Lumina inkl. Foto …schön dich zu sehen 🙂
    Liebe Grüsse, Silvia

  7. 7
    EuroTanic sagt:

    Ich empfinde es als intolerant, dass die Homophilen meine Homophobie als gesellschaftlich „nicht normal“ deklarieren. Unglaublich.

  8. 8
    Sakis sagt:

    Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da haben gerade Schwule und Lesben gegen das herrschende, unterdrückende System aufbegehrt, gegen die Bevormundung von Staat und Kirche und das ganze kleinbürgerliche Spiessertum. Das hatte mich als Hetero mit ihnen verbunden. Sie waren sicher eine wichtige innovative Kraft, um verkrustete Strukturen aufzubrechen und die Freiheit des individuellen Ausdrucks zu vergrössern.
    Doch jetzt, wo sie weitestgehend gesellschaftliche Anerkennung erreicht haben, wollen sie sich in den von Staat und Kirche errichteten Strukturen etablieren, den Strukturen von denen sie sich einst so heftig frei machen wollten: Sie sind zu Spiessern aller Spiesser mutiert und die letzten, die einen echten Wandel im Sinn haben!

    Da Schwule, Lesben und Bisexuelle zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehören wie Heteros auch, habe ich auch mit ihnen viele ehrliche Gespräche, vor allem mit Männern (Männergespräche könnte man sagen) bei denen traumatisierende Kindheitserfahrungen und Konflikte mit der Mutter zur Sprache kommen, die bis in die Gegenwart wirksam sind, P´taah-Zitat: “ Meistens wird jemand auf Grund eines Traumas homosexuell.“ Wenn solche elementaren Themen nicht aufgearbeitet werden reagiert die kindliche psychische Logik mit Hass auf die Mutter und in der Folge auf die gesamte Weiblichkeit, was natürlich nicht von vorne herein eingestanden werden kann.
    Ich will nicht gleich behaupten, daß das auf alle Schwulen zutrifft, aber durchwegs auf alle, die ich zum Teil seit Jahrzehnten persönlich gut kenne.

  9. 9
    Lumina sagt:

    @ EuroTanic
    Zitat: …“ Ich empfinde es als intolerant, dass die Homophilen meine Homophobie als gesellschaftlich “nicht normal” deklarieren. Unglaublich…“

    Tun sie das? Sind diese beiden Gruppen nicht schwer abzugrenzen? Deine Äußerung bedarf irgendwie einer weiteren Erläuterung Deinerseits…..

    Homophilie = Homophilie ist alles von der schwärmerischen Verehrung des gleichen Geschlechts über gemeinsame Zärtlichkeiten bis hin zum Geschlechtsverkehr. Eigentlich bedeutet das Wort nicht mehr als die Liebe zum gleichen (Geschlecht) Der Begriff wird selten gebraucht…“
    Quelle: http://www.enzyklo.de/Begriff/Homophilie

    Und nun :
    Homophobie:
    Homophobie gleich, Angst, Phobie, bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit.[ Der Begriff Homophobie weist auf Angst als Ursache des ablehnenden Verhaltens (siehe dazu unten Ursachen von Homophobie). Angst ist ein anerkanntes Erklärungsmodell für das aggressive-ablehnende Verhalten nicht nur Jugendlicher, sondern auch Erwachsener gegenüber Homosexuellen, und zwar nicht Angst vor diesen Personen, sondern eine tiefsitzende, oft unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen“…
    Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie

    LG von Lumina

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