Freiheit bedeutet: Sei du selbst

05 Feb 2014 Von Kommentare: 15 Bewusstsein, Spiritualität

Junge blonde Frau

Freiheit ist unser höchstes, menschliches Gut, das wird überall verkündet. Und es ist ja auch die Wahrheit. Aber bedeutet Freiheit nur Freiheit von äußerer Abhängigkeit, von äußeren Situationen, wie Arbeitsstellen oder Freiheit von Geldsorgen und der Möglichkeit, überall hin zu reisen? Ich denke nicht, es steckt noch mehr dahinter. Jedes Kind wird frei geboren, voller Entdeckerfreude und Enthusiasmus. Doch dann tritt die Konditionierung durch Elternhaus und Schule ein und plötzlich fühlt sich der Mensch nicht mehr frei, sondern abhängig und gefangen.

Die Antwort kommt von Innen

Die Freiheit des PHYSISCHEN, des Körpers kann jederzeit beschnitten werden und das geschieht auch in großem Umfang. Egal ob Andersdenkende ausgegrenzt, verhaftet werden, oder ob es sich um die mangelnde Gleichwertigkeit aller Lebewesen handelt, um die Verurteilung der Hautfarbe wegen oder des Geschlechts. Die PSYCHISCHE Freiheit ist schon etwas subtiler. Niemand ist wirklich frei, wenn er nach den Vorgaben der Eltern, der Gesellschaft lebt, mögen sie auch noch so vernünftig erscheinen. Der eigene Verstand übernimmt so vieles aus der Vergangenheit und macht es sich zu Eigen. Aber wo ist die eigene Intelligenz, das eigene Bewusstsein, erst einmal alles Vergangene in Frage zu stellen und selbst nach der Wahrheit zu suchen? Junge Menschen tun es noch, bevor auch sie in das Mühlrad der Gesellschaft geraten. Sobald das Kind oder der junge Mensch Fragen stellt, wird sein Kopf mit Antworten gefüllt, die alle falsch sind, weil sie nicht auf der eigenen Erfahrung beruhen.

Das ist Freiheit.

Die SPIRITUELLE Form von Freiheit besteht darin, zu wissen, dass man weder der Körper noch der Verstand ist, sondern reines, unbegrenztes Bewusstsein. In unserem tiefsten Inneren toben keine Emotionen, gibt es keine Beschränkungen, alles ist möglich. Aber das bedeutet immer auch VERANTWORTUNG. Man kann seine Verantwortung nicht an ein imaginäres Schicksal oder eine Bestimmung oder Karma abgeben, denn m.E. existiert so etwas gar nicht. Diese Vorstellungen versuchen einen nur darüber hinweg zu trösten, dass man seine Ziele nicht erreichen konnte.

Ohne für alles die Verantwortung zu übernehmen, kann niemand frei sein. Aber man darf den Begriff Verantwortung nicht mit Schuld oder Pflichtgefühl gleichsetzen, das wäre ein Irrtum. Verantwortung ist die Fähigkeit zu ANTWORTEN, Liebe z.B. ist eine Antwort. Wenn der andere ruft, ist man bereit, ansonsten mischt man sich nicht ein, überschreitet die Grenzen des anderen nicht. Verantwortung heißt, offen zu sein, bereit zu sein, zu antworten.

Die höchste Form der Freiheit entsteht aus wahlfreier Bewusstheit. Man wird ein Zeuge, ein Beobachter des Geschehens, bringt nicht den trennenden Verstand mit hinein in das Beobachtete und spaltet sich somit nicht auf. Man wird eins mit dem Beobachteten und aus diesem Einssein können sich das Wesen und die Wahrheit der Dinge entfalten. Dann ist man weder von irgendwelchen Bedingungen abhängig, noch davon, was man tut. Ein Mensch, der innerlich vollkommen frei ist, wird sich nicht mehr in dem Maße wie ein anderer danach sehnen, auch äußerlich frei zu sein, er akzeptiert das Leben aus einer höheren Sicht so, wie es sich zeigt. Im Grunde kann man überall frei sein, sogar in einem Gefängnis, hat nicht Nelson Mandela es gerade bewiesen,- und überall unfrei, wenn der Verstand rebelliert.

Frau meditiert in den Bergen bei SonnenaufgangFreiheit ist die höchste Erfahrung im Leben und aus dieser Freiheit heraus entsteht Liebe und Mitgefühl. Wenn zwei unabhängige freie Menschen, die die Verantwortung für sich übernommen haben und von Selbstliebe erfüllt sind, sich begegnen, entsteht etwas ganz Besonderes, keiner überträgt etwas auf den anderen, es entsteht keine sogenannte „Beziehung“, diese Liebe verlangt nicht, dass der andere so oder so ist oder sich auf bestimmte Art und Weise verhält, sie gibt einfach und fließt über.

Frei sein bedeutet FÜR etwas zu sein, nicht GEGEN etwas zu sein

Viele Menschen befürchten ein Chaos bei völliger Freiheit, sie verwechseln Freiheit mit Zügellosigkeit. Doch weder Kontrolle, noch Zügellosigkeit, der andere Pol der Kontrolle, sind gemeint, auch nicht unbedingt Unabhängigkeit. Auch ein unabhängiger Mensch kann im Inneren völlig unfrei denken und handeln. Es kommt überhaupt nicht darauf an, frei VON ETWAS zu sein, viel wichtiger ist die Freiheit FÜR ETWAS. Wir sollten ein Schöpfer werden, kreativ, etwas Neues erschaffen, uns selbst verwandeln, denn das ist unsere Aufgabe in diesem Leben. Das muss nicht unbedingt nur Kunst sein, Schreiben, Tanzen oder Meditieren. Es gibt so viele Möglichkeiten des Ausdrucks. Und in diesem schöpferischen Ausdruck sind wir jederzeit frei und selbstbestimmt.

Unsere Erde ist etwas Wunderschönes, aber noch ist sie in den falschen Händen. Dagegen zu kämpfen ist eine Falle. Wenn wir das tun werden wir nur noch tiefer hineinverstrickt. Politische Tyrannen kommen und gehen und man kann niemals sicher sein, dass nach einem Sturz nicht gleich der nächste an die Macht kommt. Das haben wir schon oft erleben können. Noch scheint der Mensch Gesetze, Regierungen, Armee und Polizei zu brauchen, um sein inneres Chaos zu kontrollieren. Diese Institutionen wollen ihre Interessen natürlich nicht freiwillig aufgeben. Wenn man beginnt, gegen sie zu kämpfen, würde man von ihnen zerstört werden. Der einzige Weg ist meiner Erfahrung nach in aller Stille das eigene Bewusstsein zu entwickeln, denn das lässt sich auch mit Gewalt nicht verhindern. Aus dieser darin gewonnenen Freiheit wird unser Handeln kraftvoll und zielgerichtet hervorgehen.

Wenn wir unser inneres Wesen transformieren und uns selbst verändern, werden wir feststellen, dass wir aus dem Gefängnis befreit sind, welches nur durch unser inneres Chaos entstanden ist. Wir sind fähig, die Welt zu verändern, aber nicht durch Kampf, sondern indem wir sogenannte „Aussteiger“ werden. Die alten Strukturen unseres Verstandes müssen sich auflösen indem wir unser Bewusstsein dafür schärfen und sie als Illusion erkennen. Alles, was wir dafür in der Hand haben, ist die Gegenwart, der gegenwärtige Augenblick, denn die Zukunft besteht nur aus der Vorstellung und die Vergangenheit aus der Erinnerung. Und es ist unabdinglich, den starken Wunsch nach innerer Freiheit in uns zu verspüren. Frei von der Vergangenheit, frei von der Zukunft zu sein und frei von Vorstellungen, von Wünschen und Begierden, das ist wahre spirituelle Freiheit, die einzige Form, die uns wirklich eine andere Dimension erleben lässt.

Liebe Grüße von Lumina

Bilder: Fotolia.de)

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15 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Michael sagt:

    Hallo Lumina, dass was du hier verfasst hast, findet ein starkes Echo in meiner Seele. Es ist so wahr und so einfach und doch so schwer umzusetzen. Du hast mich sehr tief „berührt“ und mich komplett aus meinem Alltag geholt. Vielen Dank, Michael

  2. 2
    Lumina sagt:

    LIeber Michael!
    Das freut mich aber, mir wird ganz warm ums Herz! Danke!
    Liebe Grüße von Lumina

  3. 3
    Silvia sagt:

    Liebe Lumina
    Wiedermal schön geschrieben. Danke.
    ‚Tagore‘ in deinem Artikel geht den Weg des Herzens.
    Und dies ist genau der Punkt. Selbstliebe ist das Fundament. Ich muss mich zuerst selbst lieben und annehmen, wie ich bin. Daraus resultiert das Erkennen meines Selbst. Wer bin ich? Wenn ich dies begreife, bin und werde ich immer weniger manipulierbar durch die Masse. Das Herz lernt zu unterscheiden, was wichtig und was weniger wichtig ist. Man ist nicht mehr das berühmte Fähnchen im Wind, das mit jeder Böe herumgerissen wird. Man lernt zu prüfen, was stimmig ist und was weniger. Man vertraut sich selbst…mehr und mehr..und gelangt so allmählich zur inneren Freiheit. Und wie innen – so aussen 😉
    Schönen Tag euch, Silvia

  4. 4

    Liebe Lumina,
    danke für deinen interessanten Artikel!
    Er regt sehr zum Nachdenken an! 🙂

    LG, Marina

  5. 5
    George sagt:

    Schön geschrieben , Lumina.

    In der Tat, die Theorie erweist sich seht oft als Hindernis für die Freiheit, da sie Schranken davor aufbaut.

    Freiheit ist der unbeschreibliche , jener erhabene Zustand, der das Bewusstsein in sich schwingen lässt. Es ist der Zustand , in welchem die Theorie der Freiheit praktisch, faktisch erlebt wird. Und dies wohnt jenseits dem Verstande und der Theorie.

  6. 6
    George sagt:

    Die Wirklichkeit ist Einheit, Unzertrennlichkeit.

    Wer sie trennt, hat nur zu leiden.

  7. 7
    George sagt:

    Du bist stets das, was du zu sein gedenkst.
    Du bist stets das, was du fühlst.

    Was du zu sein denkst und fühlst, das bist du- und auch das bekommst du es auch .

    Der Blick, wodurch du dich siehst, ist der Blick, wodurch du alles siehst.

  8. 8
    George sagt:

    Zeit und Raum sind die Gefäße , die aus dem Verstand gegossen sind.

  9. 9

    Jenseits jeder Grenze liegt die Freiheit … wenn die Freiheit dem Wohle des Lebens als Ganzes dient. Ist dieses nicht der Fall, müssen Grenzen solange wie nötig bestehen bleiben bis möglich wird, was durch die Grenzen unmöglich erschien:

    http://faszinationmensch.com/2014/02/10/vom-bewusstsein-des-sterbens-und-der-bewusstwerdung-des-sterbenlassens/

    Liebe Grüße

  10. 10
    George sagt:

    Freiwilliger oder gezwungener Freiheitsentzug KANN dieselbe Wirkung haben – FREIHEITSDURST-, doch der Weg dahin KANN AUCH unterschiedlich empfunden. Alles relativ. Es gibt Generalgesetze , worauf alle Universen „gebaut „sind. Doch drin wohnen Individualitäten,die, obwohl Aspekte des Einen, immer individuell die Einheit wahrnehmen und meist nacheinander.

    Wenn Freiheit nur gewünscht wird, geträumt , ohne sich auf den Weg zu ihr zu machen, ist alles überflüssig.

  11. 11

    Aloha liebe Lumina!
    Mich beeindruckt es immer wieder wie du die Wahrheit, die ich auch kenne, in Texte wandelst. Diese Kunst beherrscht du ausgezeichnet. DANKE!!!!!
    Dieser Beitrag hilft mir auf meinem Weg zu bleiben und stärkt meine Überzeugung von Freiheit. 🙂

  12. 12
    Lumina sagt:

    Danke für Dein Lob, lieber Markus!
    Freiheit ist auch ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt. Meist wird sie nur im Äußeren gesehen, doch eigentlich beginnt sie immer im eigenen Inneren und bewirkt dann die ersehnte Veränderung im Außen. Das bewusst zu machen war mein Anliegen.
    Liebe Grüße von Lumina

  13. 13
    Lumina sagt:

    Gerade habe ich ein großartiges Interview mit Prof.Dr. Gerald Hüther zum Thema „Innere Freiheit“ gefunden, es lohnt sich, es zu lesen:

    Zitat : „…..Ich halte mich vielmehr deshalb für privilegiert, weil ich es geschafft habe, mich von einigen ungünstigen Vorstellungen und Überzeugungen zu verabschieden, die ich von anderen Menschen übernommen hatte. Und deshalb bin ich in der Lage, frei zu entscheiden, wie ich leben will.Erst heute kann ich erkennen, wie viele Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe, durch von anderen übernommene Vorstellungen bestimmt worden sind, die mir gesagt hatten, worauf es im Leben ankommt. Das waren also in Wirklichkeit gar keine freien Entscheidungen von mir….“

    http://stevenblack.wordpress.com/

    Liebe Grüße von Lumina

  14. 14
    Silvia sagt:

    Liebe Lumina
    Ja, sehr schön! Bringt es auf den Punkt. Wir übernehmen oft ‚Gefühle und Vorstellungen‘ von anderen und meinen, es seien unsere eigenen. Ab und an verlieren wir deswegen Energie und wissen nicht warum. Ab und an ist es von Vorteil unser ‚Programm‘ neu zu starten…..
    Liebe Grüsse und die ‚volle Freiheit‘, Silvia

  15. 15
    muktananda13 sagt:

    FREIHEIT BEDEUTET SEI DAS SELBST, OHNE DAS „DU“.

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