Das Leiterspiel „Moksha Patamu“

29 Apr 2014 Von Kommentare: 2 Altes Wissen, Weisheiten

Moksha Patamu Das Leiterspiel

Unser Leben verläuft wie das allseits bekannte Leiterspiel. Jeder kann mitspielen, jeder versteht es. Und so kam es, dass ich im Netz erforschte, was es eigentlich mit diesem Leiterspiel auf sich hatte und stellte erstaunt fest, dass dieses Spiel einen religiösen Charakter hat. Sein Ursprungsname war Moksha Patamu . Das Spiel dient zur Meditation über die Möglichkeit, ins Nirvana zu gelangen, indem man über Tugenden schneller aufsteigt und mit Lastern zurücksinkt. Dies erstaunt mich. Denn irgendwie verläuft doch näher betrachtet unser Leben wie eben genau dieses allseits so beliebte Brettspiel, welches jeder ziemlich unbewusst in seiner Kindheit spielte. Ob es damals schon ein kleiner Weckruf war, bewusster zu werden?

Wir können absolut gut unterwegs sein, immer die Sechs Würfeln, das Gefühl haben, die Welt in der Tasche zu haben, einen Home-Run hinlegen. Und sobald man das Gefühl hat, der Gewinner zu sein, über allem stehend, würfelt man die falsche Zahl und man wird vom Leben gezwungen, wieder eine Stufe runterzugehen, wieder hinabzusteigen, wieder an den Anfang zu gehen, an den Punkt Null und wieder von vorne zu beginnen. Man könnte auch sagen, Hochmut kommt vor dem Fall. Immer dann, wenn alles wie geschmiert läuft, kommt garantiert eine Situation, die einen in die Knie zu zwingen versucht. Wie oft haben wir die Kraft, die Würfel erneut in die Hand zu nehmen? Wie oft haben wir die Kraft aufzustehen? Wie lange hegen wir Hoffnung und ab wann begeben wir uns in die Opferrolle, in die Rolle des ewigen Verlierers? Steigen wir aus beim Spiel oder versuchen wir erneut, nach Hause zu gelangen, ins Ziel?

Irgendwann bemerkt man, dass sich im Leben eines Jeden alles irgendwie wiederholt. Anders verpackt, nicht immer gleich aussehend, aber unter dem Strich, präsentieren sich uns immer wieder die gleichen Dinge. Manchmal kommen die sich wiederholenden Situationen gut getarnt daher, manchmal in Form einer vermeintlich vertrauenswürdigen Person. Manchmal lockt uns auch ein Gewinn oder ein toller Job in die Falle des Wiederholens. Und wir tappen in diese Falle, so als hätten wir keine andere Wahl, so als könnten wir diese Falle nicht umgehen.

Dazu eine schöne Geschichte:

Baum kreutzt GehwegIch gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren.
… Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder hinauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich falle schon wieder hinein…
aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld.
Ich komme auch sofort wieder heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch.
Ich gehe darum herum.
Ich gehe eine andere Straße.

(Sogyal Rinpoche)

Diese Geschichte soll aufzeigen, dass wir nicht machtlos sind. Und dass wir jederzeit selbst entscheiden können, wie unser Leben verläuft. Wir können immer wieder in dieses Loch fallen, uns bemitleiden, dass wir schon wieder verloren haben, schon wieder bei Null anfangen müssen. Wir können uns aber auch fragen, was dies alles soll. Wir können anfangen zu hinterfragen, wieso uns dies erneut passiert. Und genau mit dieser Frage, fangen wir an, Verantwortung für uns und unser Leben zu übernehmen. Wir können sicher sein, dass jede an uns herangetragene Situation uns etwas sagen möchte, eine tiefere Botschaft enthält. Und dass sich diese Situation immer und immer wiederholt in unserem Leben, einfach getarnt durch andere Figuren, andere Situationen, bedeutet nichts anderes, als dass wir mit uns selbst noch eine Rechnung offen haben. Und solange wir diese Rechnung nicht bezahlen, häuft sich der Schuldenberg, bis er uns erdrückt. Wir können dann wählen, ob wir lieber kniend durchs Leben gehen oder beschwingt und frei.

Es obliegt an uns. Würfeln wir die Sechs, gehen wir beschwingt voran! Legen wir einen Home-Run hin. Immer im Wissen, dass wir fallen können, wieder anfangen müssen, dies aber nicht als Niederlage ansehen sondern als Gewinn, als Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Bilder: Gehvoran.com

DVD-Empfehlung

2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumina sagt:

    Ein schöner, tiefsinniger Artikel, liebe Silvia ! Auch die Geschichte von dem „tiefen Loch“ mochte ich schon immer . Sehr weise Worte!
    Machtlos sind wir wirklich nicht, auch wenn es manchmal so aussieht, denn die verschiedenen Situationen kommen meist plötzlich von außen auf uns zu, oft sind sie Wiederholungen, wie Du schreibst, manchmal auch neuerer Art, aber immer haben sie einen tieferen Sinn , den man nicht gleich erkennen kann: schwere Krankheiten , wirtschaftliche Schwierigkeiten, Trennungen, Unfälle , finanzielle Verluste und vieles mehr.
    Im nachhinein erweisen sich solche „Prüfungen“ dann sogar als ein wahrer Segen, aber zuerst sind sie eine harte Schule.
    Unsere Macht besteht darin, immer wählen zu können, WIE wir etwas aufnehmen, ob wir uns dagegen wehren, jammern, uns als ein Opfer fühlen ( = Leid ) oder es annehmen. Annehmen bedeutet ja nicht zu resignieren, das wird oft verwechselt . Erst einmal annehmen, auf ein „freundliches Universum“ und den Sinn hinter allem vertrauen, Kraft schöpfen und dann eine ungeliebte Situation versuchen zu verändern. Leicht ist das oft nicht, doch ich finde, es ist der einzige Weg, innerlich zu wachsen.
    Liebe Grüße von Lumina

  2. 2
    Veronika sagt:

    Hallo!
    Ein schönes Sprichwort: „Es ist nicht wichtig, wie es dir geht, sondern wie du damit umgehst!“
    -Verfasser unbekannt-
    Herzliche Grüße, Veronika

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie uns! (Kommentare, die sich nicht auf das Thema beziehen, werden gelöscht)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.