Wirtz – Musik von Seele zu Seele

24 Apr 2014 Von Kommentare: 2 Medien, Spirituelle Musik

Daniel Wirtz

Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht aus was viele denken, sich aber selbst nicht eingestehen können. Die Abgründe der Seele ungeschminkt und ungefiltert, eingebettet in Musik. Daniel Wirtz, geb. 1975, ist mehr als ein Musiker heutiger Zeit. Denn er lässt teilhaben an seinem Gefühlsleben und, offen wie ein Scheunentor, in seine Seele blicken. In einer Welt, in der das Ego und der Erfolg über allem zu stehen scheinen, ist Wirtz fast wie eine natürliche Insel in einer künstlichen Welt.

Angefangen mit englischsprachigen Texten als Sänger einer Band, gründete der Frankfurter 2007 sein heutiges Solo-Projekt „Wirtz“ und machte seitdem deutschsprachige Rockmusik. Am ganzen Körper tättowiert, stets eine Kippe in der Hand, Baseballmütze, strähniges Haar, singt er so selten ehrlich davon, dass „man nicht auf den Wellen reiten kann ohne dabei nass zu werden“ oder „…einfach klar wird, warum die kleine Lüge die große Wahrheit kontrolliert, weil sie den Schmerz relativiert“.

In Songs wie „Keine Angst“ spricht er unverblümt das aus, was in ihm arbeitet und ihn fast auffrisst, denn er weiß, nur was man annimmt und akzeptiert dass es zu einem gehört, kann man transformieren: „Nimm mein Herz, mein Blut, mein Fleisch, mein Stolz und den ganzen andren Scheiß, zieh mich ab bis auf den Kern und tu dann so, als würd er dir gehören Lutsch mich leer, solang’s was gibt, tritt richtig rein, wenn ich am Boden lieg. … Beraub mich meiner letzten Kraft, nur zu du hast es fast geschafft, brich in meine Seele ein, randalier in ihr, als wäre sie dein Feind. Schütt mich zu mit deinem Mist und glaub dann noch, dass du das Opfer bist. (Keine Angst, Wirtz)

Daniel WirtzDoch die Texte erzählen weit mehr als nur von Liebeskummer. Es geht um tiefsitzende Ängste, die jeder Mensch kennt, aber auch um Hoffnungen, die es zu leben lohnt. Ehrliche, wahrhaftige und provokative Texte, die zum Denken anregen und nur von jemanden stammen können, der in manchen Phasen seines Lebens ganz tief unten war, den Meeresboden geküsst hat. Es sind Tagebücher und es ist Selbsttherapie. Tiefgang durch Texte, die teilweise unter die Gürtellinie gehen. Keine Selbstbeweihräucherung, sondern das ehrliche Eingeständnis und die Selbsterkenntnis, dass man nur Licht sehen kann, wenn man auch das Dunkel kennt.

„Toxisch ist der Strom der mich erfasst, es durchdringt mich seine negative Kraft. Der Modus dreht von Farbe auf schwarz/weiss, und ich denke einen subversiven Kreis. Keine Garantie – wenn die dunkle Kraft in mir, der Feind in meinem Kopf die Gedanken kontrolliert. Keine Garantie -System deaktiviert, wenn der Feind in meinem Kopf zum besten Freund mutiert. (Der Feind In Meinem Kopf, Wirtz).

Wirtz Unplugged

Anfang 2014 vollzog Daniel Wirtz nun eine musikalische Wandlung – oder ein zwischenzeitliches Experiment. 14 seiner Rocksongs nahm er im Studio als Unplugged-Versionen auf, mit Klavier, Akkustikgitarre und Violine. Die Unplugged-Songs haben musikalisch selbst für den jahrelangen Wirtz-Fan wenig mit den hauptsächlich rockigen Original-Versionen gemein.

„Wir haben die Musik immer als Transportmittel für Inhalte gesehen. Es ging uns immer darum, sprachlich so nah wie möglich an real Gefühltes oder real Erlebtes heranzukommen, so dass man denkt: Genau so fühlt es sich an! Genau so ist es! Es stellte sich schnell heraus, dass es da draussen ein paar Leute gab, die eben dies zu schätzen wussten. Diese Leute sind wohl “Schuld“ daran, dass wir weitergemacht haben, und wohl auch daran, dass es diese unplugged Platte nun tatsächlich gibt“. (Zitat: Wirtz)

Entstanden ist mit dem Album „WIRTZ unplugged“ ein musikalisches Meisterwerk – gefühlvoll und authentisch! Kürzlich wurde der Song „Scherben“ als Video veröffentlicht (siehe unten, sehr empfehlenswert!).

Empfehlung: „Wirtz Unplugged“ Audio-CD





Bilder: http://www.wirtzmusik.de

2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Frosch Frosch sagt:

    Ein Artikel mit Tiefgang, besten Dank Alex.

    Wie oft ballen wir die Faust in der Tasche, sprechen nicht aus, was wir fühlen, weil es sich vielleicht nicht gehört, und zerbrechen dann daran über kurz oder lang. Medizinisch nennt sich dies dann Herzinfarkt. Seelisch jedoch hielten wir dem Druck nicht stand, wir zerbrachen an Gefühlslosigkeit, Kälte und Härte. So zeigen sich dann auch die Herzgefässe, verkalkt, hart, zu und verschlossen. Doch wen interessiert‘s? Ein bisschen rumdoktern und weiter wie gehabt.

    Daniel Wirtz bricht mit seinen Texten ein Tabu. Das Video ‚Scherben‘ finde ich äusserst gut gelungen, zeigt es doch unmissverständlich auf, was tagtäglich ab geht in unserer Welt. Kinder werden in Schemen gepresst, damit sie später mal was Gescheites lernen können, damit sie mal wer sind, mal viel verdienen. Dann die obligate Heirat, Familie, Haus, Hund……“und irgendwann bemerkst du, dass du dich nur temporär bescheissen kannst…“

    Wirtz zeigt mit seinen Texten auf, dass man mutig seinen Weg gehen soll, ungeachtet was andere darüber denken, Wellen zu reiten und damit zu rechnen, dass man nass werden kann und auch wird…..und ….“durch Scherben zu geh’n, auch wenn es andere nicht versteh‘n…“

  2. 2
    Diana sagt:

    Wow,
    Das ist fühlbar schööön!

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