Wenn Liebe zuschlägt

25 Jun 2014 Von Kommentare: 6 Heilung, Ratgeber

Geschlagene Frau und Erde

Ein absolutes Tabu-Thema. Man spricht nicht gerne darüber aus Scham, Angst, Hilflosigkeit oder einfach weil man denkt, es handelt sich um einen Einzelfall. Doch dem ist nicht so. Es ist weiter verbreitet als angenommen, die Dunkelziffer ist enorm. Wieso gibt es Gewalt innerhalb einer Partnerschaft? Was für Mechanismen sind hier am Werk?

Das Bild „Häusliche Gewalt“ von Silvia Cristini zeigt eine Frau, die Opfer von Gewalt wurde. Gleichzeitig symbolisiert dieses Bild Mutter Erde, welche durch uns Menschen ebenfalls Gewalt erleiden muss(te).

Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt, muss sich nicht, wie der Name sagt, immer innerhalb der eigenen vier Wände abspielen. Eine eheähnliche Gemeinschaft, ein Zusammenleben, ein Abhängigkeitsverhältnis, dies alles beinhaltet der Begriff ´Häuslich´. Kommt es innerhalb einer solchen Gemeinschaft zu massiv verbalen Auseinandersetzungen, welche in physische Gewalt gipfeln, ist der Straftatbestand erfüllt. Auch Kinder, welche ihre Eltern schlagen, fallen darunter, auch etwas, was an Häufigkeit zunimmt. Mittelerweile wurden die Gesetze verschärft, die Opfer werden besser betreut und geschützt, die Täter schneller dingfest gemacht. Doch all dem zum Trotz zeichnet sich da ein Verhalten ab, und zwar seitens der Opfer, was zu denken gibt und einer genaueren Sicht bedarf.

Nicht nur Frauen sind die Opfer

Oft sind es Frauen, die von ihren Partnern geschlagen werden. Manchmal geschieht dies aufgrund kultureller Hintergründe, zum Beispiel wenn eine Frau gechlagen wird weil sie nicht „spurt“ und die ihr aufgetragenen Arbeiten nicht zu Wünschen des Ehemannes erfüllt. In manchen Ländern ist dies beinahe normal und nicht mal ein Kavaliersdelikt. Dies gilt es zu bedenken, auch wenn es schwer fällt und unsere persönliche Vorstellungskraft von Frieden, Liebe und Fairness massiv übersteigt. Doch hier gilt der ziemlich abgedroschene Satz: Andere Länder, andere Sitten.

Es gibt auch Männer, welche Opfer sind. Auch Männer werden geschlagen von ihren Frauen, doch für den Mann ist die Schamgrenze wesentlich höher als für die Frau, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und dies der Polizei zu melden. Im Grunde genommen ist es auch unwichtig, wer nun Täter oder Opfer ist, vielmehr scheint mir wichtig, die Muster genauer zu durchleuchten, wieso es überhaupt zu solchen Konstellationen kommt. Wieso gibt es Gewalt innerhalb einer Partnerschaft? Was für Mechanismen sind hier am Werk?

Jedes Opfer findet den passenden Täter

Was sich provokativ anhört soll bewusst zum Denken anregen, denn dieser oben genannte Satz beinhaltet mehr Wahrheit als wir wohl ertragen können und wollen. Wenn wir davon ausgehen, dass wir immer den PartnerIn anziehen, den wir gerade zum Lernen brauchen und somit jetzt genau der Richtige für uns ist, stellt sich doch hier die Frage, was zeigt uns die Situation? Wieso schlägt mich mein Partner? Was strahle ich aus, dass ich als Angriffsfläche seiner Aggression diene? Zeige ich mich klein? Zeige ich mich zu hilflos? Bin ich abhängig von ihm? Kann ich ohne ihn nicht sein?

Was den „schlagenden“ Partner betrifft stellt sich die Frage, was ihn so aggressiv werden lässt. Welche Gefühle sind in ihm ungelebt und aufgestaut. Welche Gefühle in ihm lassen ihn wie einen Vulkan explodieren? Wieso verliert er die Kontrolle über sich? Wieso zeigt er kurz darauf Reue und fällt alsbald wieder in dasselbe Muster (Gewaltspirale)? Was können beide Parteien von einander lernen? Vergessen wir nicht: keiner spiegelt uns besser als unser Partner.

Make pwace not war cristini artDoch diese Fragen scheinen utopisch, wenn man sich erst einmal in dieser schmerzhaften Situation befindet. Oft wird ein Verhalten beobachtet welches für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist, für den oder die Betroffene aber logische Quintessenz, will er oder sie nicht untergehen. Man klammert sich an jedem noch so kleinen Strohhalm fest, will das Verlassenwerden unter allen Umständen vermeiden.

Man nimmt Schläge in Kauf

Angst, ohne den Partner nicht existieren zu können. Angst, mittellos zu werden. Angst, sich alleine zu fühlen. Angst, nie mehr einen Partner zu finden. Dies alles sind Gründe, um beim Partner zu bleiben. Trotz der Schläge. Man nimmt Gewalt und Demütigung also bewußt hin. Wie erwähnt, für Außenstehende und nicht Betroffene unvorstellbar, jedoch für das Opfer in diesem Moment die einzige Rettung. Lieber bleibt man in einer schmerzhaften, dafür aber vermeintlich sicheren Umgebung, als auszubrechen und neu anzufangen. Solange man in dieser Opferrolle ausharrt, ziehen wir das an, was wir zum Lernen brauchen. Und so findet im Sinne vom Resonanzgesetz jedes Opfer seinen Täter. Denn solange man Opfer ist, stehen für Täter die Türen offen.

Das Leben fordert uns auf

Das Leben fordert das „Opfer“ in dieser Situation auf, für sich selbst einzustehen. Es geht auch hier unmissverständlich um das Thema Nr. Eins in der Spiritualität: um die Selbstliebe. Schätze ich mich wirklich selbst, wenn ich mich schlagen lasse? Bin ich mir selbst nur so wenig Wert, dass ich meinem Partner das Recht gebe, dass er über mich psychisch und körperlich verfügen darf? Was sehe ich, wenn ich in den Spiegel blicke? Ist es eine lebensbejahende Person, welche mich anschaut, oder aber ist es eine Person, die Angst und Schmerz in den Augen trägt? Gibt es da noch einen Funken in meinen Augen, welcher ein Feuer entzünden lässt? Ein Feuer, welches für Befreiung steht? Ein Feuer, welches uns aufstehen lässt, egal wie aussichtslos eine Situation erscheint?

„Je länger die Gewalt andauert, desto mehr verliert die Frau ihr Selbstbewusstsein, sie fühlt sich entwertet, empfindet Scham und fühlt sich an der Situation schuldig. Hinzu kommt häufig eine ökonomische und soziale Abhängigkeit vom Partner – welche von diesem unter Umständen gezielt aufgebaut wurde -, die die Frau dazu treibt, immer wieder zum Gewalttäter zurück zu kehren. Besonders zugespitzt ist diese Abhängigkeit bei Frauen mit Kindern, ohne berufliche Ausbildung oder bei Ausländerinnen ohne eigenes soziales Netz. Diese Rückkehr zum Täter stösst ihrerseits auf Unverständnis in der Umgebung, welche unter Umständen helfend beigestanden hat. Zudem schämt sich die Frau gleichzeitig selber auch dafür, dass sie zum schlagenden Partner zurück kehrt, und wagt noch weniger, bei erneuter Gewalt Hilfe zu holen… (Gabriella Matefi, lic. iur., Advokatin und Mediatorin, Vormundschaftsbehörde, Aarau www.gabriella-matefi.ch)“

Keine Person, welche geschlagen wird, muss – zumindest in unserer Kultur – länger beim Partner ausharren. Die verschärften Gesetze greifen hier, sie können im ersten Moment helfen, aus der Situation auszusteigen, wieder Land zu gewinnen. Doch das A und O ist, an sich selbst arbeiten zu wollen. Und zwar Opfer wie auch Täter. Einen Schritt zurückzustehen und die Situation aus einer Distanz zu betrachten, sich zu fragen, was mich in diese Situation gebracht hat, was mir das Leben sagen will und ob ich gewillt bin, diese Lernaufgabe anzunehmen. Viel zu oft aber findet man nicht die Kraft dazu, ändert nichts an seinem Muster. Und so kommt es, dass sich alles nochmals wiederholt auf der Bühne unseres Lebens. Daher: Ändern wir uns zuerst selbst, unsere Muster, unsere Verhaltensweisen – dann ändert sich unser Umfeld.

Bilder: Silvia Cristini

Buchtipp:

6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lara Croft sagt:

    Dacht‘ im ersten Moment, was hat dieser Beitrag mit Spiritualität zu tun. Mir fehlte Licht und Liebe, die so weit verbreitete und geliebte Wohlfühlspiritualität à la Bärchen Kuschelweich. Dann wurde mir bewusst, dass zu oft und im Allgemeinen, auch bei anderen Themen, weggeschaut wird. Hinsehen schmerzt generell. Es gibt Leute, die behaupten, dass es weder Krieg noch anderes Hässliches gibt auf Erden. Doch dies ist Flucht, Flucht vor all den Dingen, die da passieren. Flucht vor sich selbst – denn alles da draussen, ob Krieg oder was auch immer, hat sehr wohl etwas mit uns zu tun. Wie kann man dies verhindern?
    Bin froh, dass ich nie in der Lage war und sein werde wie diese Menschen im Artikel….oder? Zumindest hoffe ich, dass es mir nie passiert und wenn doch, ich die Kraft hätte, mich selbst nicht zu verlieren….
    LC

  2. 2
    Murmeltier sagt:

    Kann jeder von sich behaupten ihm/ihr sei noch nie die Hand ausgerutscht, nach Provokation, im jugendlichen Leichtsinn, bei der Frau, vielleicht bei den Kindern? Oder zumindest kurz einen Impuls gespürt, dies tun zu wollen. Wo ist die Hemmschwelle? Bei der Fussball-WM hat ein Spieler seinem Gegenspieler in die Schulter gebissen, nichtmal aus Reflex, sondern so beabsichtigt. Ein Ventil, eine Entladung. Wir Menschen sind alle nur gezähmte Tiere.

    @ Lara Croft,
    du hast Recht, die Licht-, Liebe-, Wohlfühlspiritualitätsnummer zieht halt besser als Themen, die Schattenseiten aufzeigen.

  3. 3
    Lumina sagt:

    Zitat Murmeltier : „…Wir Menschen sind alle nur gezähmte Tiere…..“

    Sehr viele Menschen sind nur oberflächlich zivilisiert, nur in der äußersten Schicht. Man braucht nur ein bisschen daran zu kratzen – eine Provokation auszusprechen und schon kommt ein wildes Tier hervor. Gerade jetzt kann man es an den Gesichtern im Fußball oft beobachten.
    Überall herrscht Gewalt, manchmal ganz subtil,- Dominanzstreben, der Wille, um jeden Preis zu siegen, im Häuslichen, beim Militär…… Die Menschen bringen sich gegenseitig um und leben das Gesetz des Dschungels.
    Im Grunde sind die Schlagenden zu bedauern. Sie haben nie gelernt, ihre Energie kreativ zu nutzen und setzen sie destruktiv ein. Ein kreativer Mensch kann nicht gewalttätig sein, weil sich seine Energie zum Schöpferischen hinbewegt.
    Doch hier ist sie fehlgeleitet, aus welchem Grunde auch immer.
    Doch es ist wahr, auch der Geschlagene hat viel zu lernen, vor allem muss er sein Opfergefühl aufgeben und Selbstachtung erlangen. Täter und Opfer bedingen einander, doch wenn einer von beiden sich davon löst- NEIN sagt, ist das nicht einfach nur eine Verweigerung, sondern es gibt demjenigen auch die nötige Kraft, aus dieser entwürdigenden Situation auszusteigen.
    Liebe Grüße von Lumina

  4. 4
    Silvia sagt:

    Lieben Dank für eure Kommentare.
    Zitat Murmeltier : “…Wir Menschen sind alle nur gezähmte Tiere…..”
    Zitat Lumina: „…..Überall herrscht Gewalt, manchmal ganz subtil,- Dominanzstreben, der Wille, um jeden Preis zu siegen, im Häuslichen, beim Militär…… Die Menschen bringen sich gegenseitig um und leben das Gesetz des Dschungels…….“

    Ja,..und alles was gezähmt ist und unterdrückt wird und nicht mehr seiner wahren Natur entspricht, bricht jetzt. Angestaute Gefühle wollen ans Tageslicht, wollen gelebt werden. Und dies kann unter Umständen ganz bizarre und unkontrollierte Formen annehmen. Ob dies in der Kirche geschieht in einem Nebenraum, im Kinderzimmer oder zwischen Partnern oder beim Fussballspiel: es sind alles Auswüchse von verdrängten Gefühlen, die aus etwelchen Gründen nicht gelebt werden konnten oder durften und selbige suchen sich dann über diverse – zum Teil fatale Kanäle, – ihren Weg in die Freiheit.
    Zumindest für kurze Zeit, bevor es wieder in Gefangenschaft geht.

  5. 5
    Siegelbruch sagt:

    Wer sich zu frei fühlt der geht zur Domina, die ist dann als einfühlsame Täterin für ihn da. Und im Zuge des Spiels der Sexualität halten sich auch viele heutzutage Sklavinnen oder Sklaven, diese lieben es nämlich, sind sie unter den gefühlten Schlägen ihres Herrn bzw. ihrer Herrin endlich einmal die Braven. Der Mensch sucht sehr angestrengt die Strafe, ganz gezielt unter dem Motto: „Damit ich geistig klärend erwache und nicht mehr länger schlafe.“
    Geht ihr also nicht gern körperlich und geistig krachen, so solltet ihr über diese Seite hier erwachen: http://upvs.wordpress.com/

    Siegelbruch

  6. 6
    einfachnursein sagt:

    Wer???? bei GOTT nochmal …wer? „impft“ uns ein, dass wir schuldig sind, ja sogar schuldig auf die Welt kommen! Warum sucht der Mensch nach Strafe? Wer sagt uns, dass wir als Sünder auf die Welt kommen? Wer sagt uns das? Die katholische Kirche?, die Bibel (falsch interpretiert)? Wer ?
    GOTT IST !
    Was NICHT IST, ist Schuld und Sünde!
    Was IST, ist LIEBE und Vergebung…Liebe dich selbst, wie deinen Nächsten.
    Yehuda Berg „Die Macht der Kabalah“, danke!
    Zur Zeit bewege ich mich durch:
    Gary Renard „Die Illusion des Universums“…

    Danke für das Thema…und immer wieder hinsehen und sprecht für die, die nicht reden können! Liebe deinen nächsten Nachbarn, wie dich selbst auch wenn es unangenehme Folgen hat, schaut nicht weg!
    Mir selbst wurde das Auto aufgebrochen und demoliert, beim nächsten die Radbolzen gelöst, Ventile lose gedreht. Weil ich nicht weg geschaut habe…es ging immer wieder um Kindesmißhandlung…vielleicht bin ich jetzt vom Thema weg…GOTT IST

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