Am Lauf der Zeit

11 Aug 2014 Von Kommentare: 11 Bewusstsein, Spiritualität

Junge Frau sitzt am Strand LOVE

„Ich habe ein Haus. Ich habe zwei Kinder. Mein Sohn studiert Medizin. Meine Tochter will mal Lehrerin werden, kein Problem für sie, ihre Schulnoten äusserst gut. Mein Mann, ja der, der ist ein hohes Tier und weitum bekannt und anerkannt. Wir sind gern gesehene Gäste, werden oft eingeladen und laden ebenso oft andere Menschen mit Rang und Namen ein. Wir sind wer.“ Was lösen solche Sätze in uns aus? Nicken wir anerkennend, gar ein wenig neidisch? Denken wir uns vielleicht sogar, dass wir es im Gegensatz zu dieser Person zu nichts gebracht haben? Fühlen wir uns gar klein, nichtig und irgendwie allein, zu nichts imstande, unfähig und ein Muster ohne Wert?

Aus, leer, vorbei

Je älter ich werde, desto unwichtiger wird mir, was andere von mir denken. Ebenso unwichtig ist es für mich, wer darstellen zu müssen, jemanden zu sein, irgendwo auf der besagten Liste der anerkannten Gesellschaft zu stehen. Wen interessiert das denn schon? Ruhm und Ehre sind doch bloss von kurzer Dauer, kleine Befriedigung für unser Ego, einmal Schulter klopfen, warmer Händedruck. Nichts weiter, so vergänglich, aus, leer, vorbei.

Authentisch sein

Heute weiss ich, dass es absolut unwichtig ist, was andere von mir denken. Ich muss nur jemanden etwas schuldig sein, mir selbst. Ich muss jederzeit in den Spiegel schauen und mein Gegenüber beherzt in die Arme schliessen können, Ja sagen, zu mir, Ja sagen, zu meiner Art, wie ich bin, was ich tue und wie ich mich in der Welt bewege. Ein Bewusstseinswandel ist notwendiger denn je. Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern viel mehr mit authentisch sein und Selbstliebe und Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen, denn:

Egoistisch sind wir nicht deshalb, weil wir uns selber zu sehr lieben, sondern weil wir uns zu wenig lieben. Wenn wir uns beispielsweise im tiefsten Innern ungeliebt fühlen, uns aber um dieses Gefühl nicht kümmern, weil wir es verdrängt haben, dann werden wir bedürftig, gierig, ja süchtig sein nach der Liebe anderer. Safi Nidiaye, Das Tao des Herzens

Wenn ich mich nicht selbst liebe, brauche ich wie im Eingang des Artikels beschrieben, solche Dinge, die ich dann nach Außen repräsentieren kann. Ich identifiziere mich dann voll und ganz mit diesen Dingen, sie geben mir Sinn und Halt, leiten mich, geben mir Wert und Beständigkeit. Und ich muss dies dann immer wieder erwähnen, denn ich benötige dies für mein Selbstbild. Es kommt dann so weit, dass ich meine Kinder, meinen Mann, mein Haus all dies als Rechtfertigungsgrund für mein Dasein auf der Welt benötige. Und ich brauche all dies, um mich selbst nicht zu verlieren. Meine Kinder und mein Mann, mein Haus, all dies dient mir als meine Wurzeln. Doch was ist, wenn kein Wasser mehr fliesst? Wer nährt dann meine Wurzeln? Spätestens dann, wenn alles bricht am Lauf der Zeit, wird man bemerken, dass man etwas ganz Entscheidendes vergessen hat bei der Aufzählung seiner Reichtümer am Eingang des Artikels. Sich selbst.

Beitragsbild: Fotolia.de

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11 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Leanie sagt:

    Danke, Silvia!
    Du sprichst mir aus dem All-Einen Herzen.

  2. 2
    Astrid sagt:

    Sehr schöner Artikel, indem ich mich total wiederfinde.
    In ähnlicher Form kann ich auch das „Geheimnis der Inspiration“empfehlen.
    Einfach schön, wenn wir erst einmal an diesen Punkt angekommen sind.
    Vielleicht ist das Schöne und das meine ich nicht im Außen sondern das Schöne das aus dem
    INNEREN kommt aus unserer eigenen Natur, verbunden mit der Natur und dem Schöpfer wie immer wir es nennen mögen.
    Da beginnt der Kontakt mit der inneren Freiheit, der Liebe zu uns selbst, der Kreativität die dann einfach fließen möchte.
    Ich bin an einem Friedhof aufgewachsen, d.h. unser Haus im Dorf befand sich nur ein paar Meter entfernt mit Blick zum Eingang der Kirche. Aber ich glaube wir kommen nicht herum uns auch mal freiwillig mit dem Schatten unseres Daseins, dem TOD zu beschäftigen. Leider wird dieser in unserer Gesellschaft fast durch diesen Jugendwahn ersetzt.
    Vielleicht wird ER uns deshalb so brutal im außen nochmal gespiegelt.
    Der TOD ist der große Bruder des Schlafes und im Tarot bedeutet er auch der Schnitter, der kommt wenn die ERNTE reif ist.
    Ich wünsche uns allen einen weiteren Reifeprozess ohne Angst, sondern mit FREUDE auf die Früchte der ERNTE.
    In der Natur muss jedes Jahr etwas sterben, um dann wieder aufzuwachen.

    Danke nochmal für diesen wunderschönen Artikel mit dem wunderschönen Bild dazu.

  3. 3

    Danke Leanie :-)

    @ Astrid.
    Herzlichen Dank für deine Gedanken. Du sprichst die Thematik Tod an. Ein sehr wichtiges Thema. Aber auch schwierig, mit vielen Ängsten behaftet, Verlust und Trauer. Ich habe mich oft gefragt, was genau macht uns traurig, wenn ein Mensch stirbt oder auch ein Tier, das uns nahe stand. Macht uns traurig, weil der Mensch nicht mehr an unserer Seite ist? Oder macht uns traurig, dass der Mensch sein Leben verloren hat?
    Meist macht es uns doch traurig, dass er nicht mehr an unserer Seite ist. Ich kam lange nicht mit dem Gedanken zurecht, aber so formuliert, ist es doch Egoismus. Wir sind meist traurig, weil WIR einen Menschen verloren haben, eine Lücke entstanden ist und dies mit sich bringt, dass es Änderungen in unserem Leben geben wird. Aber müsste es nicht eher um den Verstorbenen gehen? Und da glaube ich, oder bin ich sogar ziemlich sicher, dass es diesem sehr gut geht, er von Schmerz befreit ist, wieder Daheim ist, in welcher Form auch immer, aber er ist zurückgekehrt, dorthin, wo er herkam. Seine Mission ist erfüllt. Was zurückbleibt sind wir mit unserem Schmerz. Es wird so sein, wie du es schön beschreibst: wir müssen lernen, den Tod als Teil vom Leben zu sehen. Wenn wir den Tod immer von uns wegschieben, nehmen wir uns deswegen das Leben. Wenn ich aber weiss, dass der Tod allgegenwärtig ist, so kann ich auch das wahre Leben erfahren. Kein einfaches Thema. Aber wie du sagst, wichtig.
    Herzlichst Silvia

  4. 4
    Lumina sagt:

    Sehr schön , Dein Artikel, liebe Silvia!

    Du sprichst das Thema der Selbstachtung an. Die Selbstachtung aus materiellen und ebenso die aus gesellschaftlichen Gründen ( ich bin wertvoll, weil die anderen es mir sagen…) werden uns nicht reifen lassen, wie Du es schon beschreibst, denn sie beruhen nur auf dem Haben und dem äußeren Schein.

    Es kommt meines Erachtens darauf an, sich selbst zu schätzen, einfach, weil man existiert, weil man lebt. Eigentlich genügt das schon, um sich wertvoll zu fühlen. Ist aber für Menschen, die innere Verletzungen und alte Wunden in sich tragen, schwer erreichbar.

    Dann gibt es ja noch die psychologisch bedingte Selbstachtung. Da schätzt man seine Kreativität, seine Fähigkeit, das Beste aus allem zu machen, aus allen Schwierigkeiten wieder herauszukommen, seine Gelassenheit, Selbstbeherrschung und Freundlichkeit und vieles mehr.

    Diese Form der Selbstachtung und Selbstliebe kann von jedem Menschen im Laufe seines Lebens kultiviert werden und wird dann auch nicht so schnell zusammenbrechen.

    Liebe Grüße von Lumina

  5. 5
    Chris sagt:

    Silvia, ein berührender Artikel, der die Sprache des Herzens spricht.

    Manchmal sitze ich in der Stadt in einem Café und beobachte die Menschen, die durch die Stadt laufen. Wie kleine Kinder, die hastig von A nach B laufen, arbeiten, um sich Dinge zu kaufen, die ihr ganzes System oder ihre Art zu leben rechtfertigen. Aber das hält doch nur für eine kurze Zeit an. Dann haben sie den Wunsch, etwas anderes zu besitzen oder zu erreichen.

    Und dann fange ich an zu lächeln, weil ich denke, dass es ein niemals endendes bzw glücklich machendes Spiel ist. Wahres Glück finden wir doch nur in uns selbst und in der Liebe und Beziehung zu anderen Menschen. Ein warmes und schönes Gefühl von Geborgenheit, dass niemals durch materielle Errungenschaften oder Funktionen in höheren Berufen gefühlt werden kann (höchstens zeitweise). Ich glaube, echte Anerkennung erhalten wir nur, wenn wir authentisch sind und mit uns selbst im Reinen sind.

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel

  6. 6
    Silvia / 2012spirit Silvia / 2012spirit sagt:

    Herzlichen Dank für eure Zeilen.
    @ Lumina: Zitat:…“Ist aber für Menschen, die innere Verletzungen und alte Wunden in sich tragen, schwer erreichbar….“
    Manchmal aber vielleicht sogar dadurch eher erreichbar, so denke ich. Wenn man erstmal richtig verletzt wurde, merkt man, dass man sich auf niemanden verlassen kann, so entwickelt man nicht dann vielleicht sogar diese innere Stärke, dieses Wissen, dass man Frieden und Geborgenheit nur bei sich selbst findet…..

    @ Chris: Ja, das mache ich auch ab und an, im Café sitzen und beobachten wie es im ‚Ameisenhaufen‘ namens Welt zu und her geht. Und dann bin ich richtig glücklich über meine feine Tasse Kaffee und die Welt ist voll in Ordnung.

  7. 7
    Lumina sagt:

    Liebe Silvia ! Zu Nr. 6

    Wenn diese Menschen die Wunden und Verletzungen noch in sich TRAGEN, wie ich schrieb, wird es ihnen sicher auch nicht möglich sein, sich selbst zu vertrauen, sich selbst zu lieben und eine gesunde Selbstachtung aufzubauen.

    Deine Worte beziehen sich m.E. auf Menschen, die all das als negativ und grausam Empfundene bereits transformiert haben. Sie haben dann die Verantwortung übernommen und fühlen sich nicht mehr als Opfer.

    Das ist wohl eher selten, wenn ich nur an all die depressiven, verbitterten und seelisch gestörten Menschen in unserer Gesellschaft denke.

    Zitat: „..merkt man, dass man sich auf niemanden verlassen kann“… Das sehe ich eher als ein Mangeldenken an und wenn ich das meine, dann werde ich mich meiner Ansicht nach auch selbst nicht davon ausnehmen.

    Liebe Grüße von Lumina

  8. 8
    Silvia / 2012spirit Silvia / 2012spirit sagt:

    @ Lumina
    Zitat:…“Wenn diese Menschen die Wunden und Verletzungen noch in sich TRAGEN, wie ich schrieb, wird es ihnen sicher auch nicht möglich sein, sich selbst zu vertrauen, sich selbst zu lieben und eine gesunde Selbstachtung aufzubauen….“

    Kann man so oder so sehen. Ich glaube, dass man sehr wohl eine Selbstachtung aufbauen kann, aber erst, wenn man wirklich am Boden war und da niemand mehr war, der geholfen hat. Man wird sozusagen total auf sich selbst zurückgeworfen. Nullpunkt. Und dann kann man wie Phoenix aus der Asche auferstehen. Man stirbt, um wieder neu geboren zu werden und entdeckt seine eigene Kraft. Und ab diesem Punkt, du schreibst es schön, wird das Opferdasein aufgeben.

    Zu meinem eigenen Zitat: “..merkt man, dass man sich auf niemanden verlassen kann”…
    Empfinde ich nicht als Mangeldenken. Es ist wunderschön, wenn man sich auf jemanden verlassen DARF, dies ist ein wahres Geschenk. Dies darf aber nie als Selbstverständlichket abgetan werden. Man gibt dann unbewusst seine Verantwortung ab, und erhofft sich immer etwas vom anderen. Ob dies nun Gott ist, oder das rettende Raumschiff, oder der Partner….. Was aber geschieht, wenn Gott, das Raumschiff oder der Partner nicht da ist, wenn man ihn braucht? Wie reagiere ich dann? Werde ich auf ihn wütend? (Aufgrund einer Erwartungshaltung?) Im Beispiel von Gott: wie oft wird er für all die Dinge verantwortlich gemacht, wo nicht gut laufen? Dies tun wir nur, weil wir Verantwortung abgegeben haben.
    Ein komplexes Thema, welches gut und gerne einen Artikel füllen könnte 🙂
    Liebe Grüsse Silvia

  9. 9
    Lumina sagt:

    Liebe Silvia!

    So wie Du das „Sich-Verlassen-auf-einen-anderen“ beschrieben hast, sehe ich es im Grunde auch. Da handelt es sich ja dann um eine Abhängigkeit.

    Ich meinte eigentlich dieses permanente Misstrauen, was man den Mitmenschen oder dem Göttlichen, dem Schicksal, oder wem auch immer entgegenbringt , nämlich aus dieser Verletztheit heraus. Das bezeichnete ich als Mangeldenken.

    Zitat: … Wenn man erstmal richtig verletzt wurde, merkt man, dass man sich auf niemanden verlassen kann, so entwickelt man nicht dann vielleicht sogar diese innere Stärke, dieses Wissen, dass man Frieden und Geborgenheit nur bei sich selbst findet….“

    Vertrauen, dass ALLES richtig und sinnvoll im eigenen Leben ist ( weil wir es der Erfahrung wegen im Jenseits selbst gewählt haben) , führt einen ja direkt zu uns selbst , zu unserem eigenen göttlichen Kern zurück, wie Du schon erwähnt hast.

    Liebe Grüße von Lumina

  10. 10
    Astrid sagt:

    Danke Silvia,
    wunderbar was dieser schöne Artikel so bewirkt.
    Diese LEERE von der du schreibst, kommt auch in der Mathematik vor. Es ist die NULL.
    Auch im Tarot gibt es die Null und das ist der Narr.
    Diese LEERE, NULLPUNKT, Auszeit kann und muss vielleicht mit in das Leben integriert werden.
    Dadurch können wir einen anderen Weggefährten als die Angst kennenlernen und das ist der MUT.
    Was ich nur noch nicht verstehe ist warum wir in der westlichen Welt diese LEERE mit Armut betiteln.
    Soll uns dieser angebliche Wohlstand im Außen vom MUT abhalten unseren eigenen WEG zu finden???
    Mögen unsere AHNEN uns weiterhin wohlgesonnen zur Seite stehen auch wenn wir sie nicht sehen .
    Doch für sensible ist dieser Hauch oder die Nähe von unsichtbaren Wesen spürbar.
    Insbesondere Kinder bevor sie mit dem Verstand beginnen besitzen diese Gabe mit unsichtbaren Wesen in eine WELT
    einzutauchen,die nur mit dem Herzen zu erreichen ist.

    Es gibt noch viel zu heilen in dieser WELT

  11. 11
    Silvia / 2012spirit Silvia / 2012spirit sagt:

    Liebe Astrid
    Zitat: …..“Was ich nur noch nicht verstehe ist warum wir in der westlichen Welt diese LEERE mit Armut betiteln.
    Soll uns dieser angebliche Wohlstand im Außen vom MUT abhalten unseren eigenen WEG zu finden???….“
    Gute Frage!
    Sicher ist, dass wir bewusst durch alles mögliche im Aussen abgelenkt werden, damit wir ja nicht nach innen gehen und unsere Kraft entdecken…..
    Herzlichst, Silvia

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