Eine Love-Story bis zum Ende

13 Aug 2014 Von Kommentare: 5 Allgemein, Sonstiges

Verliebtes älteres Pärchen auf der Parkbank

Die Geschichte des alten Ehepaares, das nahezu gemeinsam im Abstand von lediglich 15 Stunden starb, berührt die Menschen. Als Jugendliche lernten sich Helene und Kenneth Felumlee aus Nashport/Ohio kennen, waren 70 Jahre lang verheiratet und so sehr miteinander verbunden, dass ihre Tochter Linda Cody sagte: „Wir wussten, wenn einer geht, würde der andere auch gehen […] Zum Frühstück hielten sie jeden Morgen Händchen. Sie haben sich bis zum Ende sehr geliebt.“ (Quelle: The Zanesville Times Recorder). Warum diese rührende Geschichte in sämtlichen Online-Medien zu lesen war und die Herzen der Menschen berührt, lässt sich wohl damit zu erklären, dass sich kaum noch Menschen solch eine nahe Partnerschaft vorstellen können – die Sehnsucht danach aber sehr groß zu sein scheint.

Bei sogenannten Beziehungsproblemen sucht man entweder das Weite oder lässt die Beziehung verkümmern, aus Angst sich öffnen zu müssen und bloßgestellt zu werden. Helene und Kenneth Felumlee hatten diese Angst nicht und wurden dafür vom Schicksal belohnt. Sie hielten noch Händchen, als sie beide im Sterbebett lagen. Ihnen blieb die Trauer um den verstorbenen Partner nahezu erspart, weil sie sich beide gegenseitig und dem Leben bedingungslos vertrauten.

Sich Hingeben und vertrauen

Partner spiegeln uns die eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten wider, wie sonst kein Mensch. Noch weit mehr als Eltern und Kinder. Da in unserer Leistungsgesellschaft „Härte“ mehr gefördert wird als „Sanftheit“, verlernen die meisten Menschen ihre Gefühle wahrzunehmen und Schwächen als solche zu erkennen und zu akzeptieren. Selbst in der Spiritualität wird in allen möglichen Konzepten immer wieder darauf verwiesen, dass wir alleine auf die Welt kommen, und auch alleine die Welt verlassen. Innerliche Stärke lernen und sich abgrenzen, wenn es notwendig ist. Von Selbstliebe wird gesprochen, da wir letztendlich auf uns alleine gestellt sind. Prinzipiell ist das richtig. Zudem sollte jeder Mensch einen bestimmten Lebensabschnitt mit sich alleine verbringen, um zu sich selbst zu finden. Dies führt zu Wachstum. Aber in den 40, 50 oder 60 Jahren, die übrig bleiben, ist da ein menschliches Bedürfnis, einen Menschen an seiner Seite zu haben, der uns liebt und den wir lieben. Sich fallen lassen und loslassen. Beiderseitige und bedingungslose Liebe, ohne unbewusste Bedingungen an den PartnerIn zu stellen und ohne die Selbstliebe zu vernachlässigen. Dies ist nur möglich, wenn wir unsere unsichtbaren Mauern einreißen. Selbst wenn wir bereits verletzt wurden und offene Wunden tragen, es lohnt sich.

couple in tender momentDie Liebe, selbst wenn sie enttäuscht wird, ist die stärkste Kraft und findet früher oder später zu uns zurück. Wenn der Verstand jedoch alle misslungenen Ex-Beziehungen hervorkramt und mit all seiner Macht stark sein will, wird das nicht funktionieren.

Liebe kann nur fliesen wenn auch wieder Sanftheit da sein darf, es ermöglicht Geborgenheit, Vertrauen und inneren Frieden. Dies mit einem geliebten Menschen teilen dürfen, ist das größte Geschenk des Himmels, welches uns Menschen widerfahren kann. Letztendlich tragen wir alle dieses Geschenk in uns selbst, wir müssen nur den Schalter wieder finden. Helene und Kenneth Felumlee haben den Schalter gefunden – und sich selbst.

Beitragsbild: Candida.Performa / Flickr Creative Commons 2.0 / „It’s all about love“

5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Frosch Frosch sagt:

    Diese Geschichte mit diesem Ehepaar hat mich auch berührt und auch mein Herz erwärmt, denn wer wünscht sich dies nicht? Ob es an der schnelllebigen Zeit liegt, dass es dies heute immer weniger gibt? Oder aber stumpft man immer mehr ab, lässt keine tiefen Gefühle mehr zu, vielleicht aus Angst, verletzt zu werden? Oder aber ist es deshalb, weil der Partner womöglich hinter unsere Kulisse sieht und wir uns über kurz oder lang öffnen und die Maske ablegen müssen, wollen wir eine tiefe Partnerschaft eingehen? Manche lassen sich nicht gerne in die Karten (Schatten) schauen und flüchten vorher. Andere mögen nur den Anfangsrausch, der jede Beziehung (Bio-Logisch) mit sich bringt und somit immer wieder der erneute Kick, was aber nichts mit Liebe zu tun hat, denn, so unromantisch wie es klingen mag, es handelt sich lediglich um ein Bindungshormon namens Oxytocin, welches uns zwecks Arterhaltung in Rauschzustände versetzt. Das Wissen darum, relativiert vielleicht einiges und lässt uns danach, wenn der Rausch abflacht, eher in die Tiefe gehen. Viele glauben auch, dass wenn mal erst die Euphorie des Beginns verflogen ist, dann die Partnerschaft vorbei ist und tot. Dabei fängt erst dann die Partnerschaft richtig an. Erst dann gehts richtig in die Tiefe. Und wenn man vielleicht diesen Punkt erreicht hat und darüber hinaus geht, vielleicht wird erst dann sichtbar, was lange im verborgenen lag.
    Danke für diesen Artikel, Alex.
    Sonnengrüsse in den Regentag, Frosch

  2. 2
    Lumina sagt:

    Zitat: „…Liebe kann nur fliessen wenn auch wieder Sanftheit da sein darf, es ermöglicht Geborgenheit, Vertrauen und inneren Frieden….“

    Das ist ein schöner Satz, lieber Alex – und ich kann ihn voll und ganz in meiner nunmehr 44 jährigen glücklichen Ehe bestätigen.

    Im Grunde beginnt alles bei einem selbst.
    Je mehr ich mich selbst lieben kann, desto mehr werde ich geliebt und kann auch andere Menschen lieben. Wenn ich mir selbst nicht vertraue, vertraue ich auch auch dem Partner nicht.

    Doch ich finde, für eine glückliche Beziehung muss ich auch allein mit mir glücklich sein können, meine eigenen Hobbys und Interessen haben, mich selbst weiter entwickeln und auch kein noch so geliebter und liebender Partner kann die Menschheitsfrage : „Wer bin ich“ für mich beantworten. Das kann nur ich allein, indem ich in meine eigene Tiefe eintauche.
    Andere Menschen oder der Partner können mein Glück vergrößern, keine Frage, – aber erst einmal muss ich es in mir selbst finden. Erst dann kann m.E. eine sogenannte „Wesensbeziehung“, einer Beziehung von Ganzheit zu Ganzheit, wie sie sicher bei dem alten Ehepaar bestanden hat, gelingen.

    Liebe Grüße von Lumina

  3. 3

    Wir sind 54 Jahre verheiratet,ich wünsche mir auch so sterben zu dürfen. Gott sei dank.

  4. 4

    @ Frosch & Lumina,
    danke für eure schöne Kommentare! 🙂

    @ Lumina & Christel,
    ich habe Hochachtung und großen Respekt vor euren langen und glücklichen Ehen, so liest sich das zumindest. Ich wünsche euch viele weitere schöne Jahre mit Euren Ehepartnern. So viele Jahre Ehe werde ich wohl nicht mehr schaffen, aber das Fundament ist endlich gelegt 😉

  5. 5
    Lumina sagt:

    Zitat: “ … So viele Jahre Ehe werde ich wohl nicht mehr schaffen ………“….

    Warum nicht, dann bist Du doch erst Anfang 80, das sollte doch zu schaffen sein, haha ! 🙂

    Das Geheimnis einer langjährigen glücklichen Ehe besteht m.E. darin, dass beide Partner sich selbst immer weiter entwickeln , an vielem interessiert sind, einander gegenseitig befruchten , neue gemeinsame Ideen haben und sie auch verwirklichen und immer Achtung und Respekt voreinander haben. Dann bleibt die Liebe erhalten und wird sich von Jahr zu Jahr in einer unbegrenzteren Weise verstärken.
    Alles Liebe von Lumina

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