Wahres Glück kennt keine Angst

01 Aug 2014 Von Kommentare: 9 Bewusstsein, Spiritualität

Esel

Glück ist ein Wort, das uns sehr oft vor die Nase gehalten wird – wie die Möhre einem Esel, der brav im Kreis gehen soll. Und wie besagter Esel traben wir unbeirrbar der Möhre hinterher, ohne zu erkennen, dass wir sie nie erreichen können. Auch die sogenannte „Glücksforschung“ fischt mit dem Versuch, „Glück“ erreichbar zu machen, im Trüben. Viele denken, Anerkennung und Ruhm bringe ein erfülltes, glückliches Leben. Andere glauben, es durch einen „wahren“ religiösen Glauben zu erreichen. Wieder andere sind überzeugt, dass Besitz sie dahin führt, andere glauben es durch Macht und Einfluss zu bekommen, die nächsten wollen durch „anderen helfen“ dahin kommen, und eine dominierende Mehrheit ist überzeugt, Partnerschaft und Familie sei der Schlüssel zum Glück.

Es gibt einen weit verbreiteten Glauben – auch unter vielen Spirituellen -, dass „jeder seines Glückes Schmied“ sei und jeder einen eigenen, individuellen Weg zum Glück hat. Fühl in dich hinein, heißt es, und dann tu, was du für richtig hältst – dann wirst du glücklich werden.

Was wir Glück nennen, ist eine Illusion

Wenn man sich die Biographien der Menschen, die behaupten, ihre individuellen Glücks-Glaubenssätze mit Erfolg umgesetzt zu haben, im Detail anschaut, findet man unter der Oberfläche und jenseits der öffentlichen Freudenmomente viel heimliches Leid. Denn diese vielen verschiedenen Ansätze haben eins gemeinsam: Sie sind nicht ohne Angst zu haben. Wahres Glück, wie ich es verstehe, ist aber ein Gefühl vollkommen frei von Angst, es ist nicht mal ein Gefühl, es ist ein Zustand. Falls Sie persönlich jemanden kennen, vom dem Sie annehmen, dass er durch das Erreichen von materiellen Zielen sein Glück gefunden hat, dann gehen Sie einmal zu ihm und fragen ihn: „Sind Sie wirklich glücklich?“ In der Regel werden Sie ein Zögern oder ein unentschlossenes „Na ja“ zur Antwort bekommen. Aber manchmal verteidigt sich so jemand auch trotzig: „Ja, ich bin glücklich.“ Haken Sie dann nach, worauf sich sein „Glück“ begründet und fragen Sie danach weiter: „Glückwunsch! Sie haben Geld auf der Bank, Erfolg im Job, eine hübsche Frau, zwei kleine Kinder, gute Freunde, sind sportlich und gesund… Aber angenommen, Sie würden Ihr Geld, Ihren Job, Ihre Familie verlieren und würden obendrein noch ernsthaft krank werden – wären Sie dann immer noch glücklich?“

Falls derjenige sich selbst gegenüber ehrlich sein kann, wird er diese Frage verneinen. Denn alles „Glück“, das sich auf Besitz, Menschen, erreichte Ziele oder Fähigkeiten stützt, ist nur mit Angst zu erkaufen: Angst vor dem Verlust all dieser „Glücksbringer“. Die Quelle unserer „Säulen des Glücks“ liegen alle im Außen. Wir denken: Mit dem neuen Partner werde ich endlich glücklich werden – und wenn wir ihn haben, nagt die permanente Furcht in uns, er könne uns verlassen oder gar sterben. Wir glauben, durch unseren Beruf Glück zu erfahren – und haben Angst, irgendwann im Job nicht mehr so erfolgreich zu sein oder gar den Job zu verlieren. Selbst mit dem Versuch, den ganzen Tag lang die Dinge positiv zu sehen, werden wir die Angst nicht los. Wir Menschen sind so an Angst, Sorgen, Gewissensbisse, Schuldgefühl, Kummer gewöhnt, dass wir das als normal ansehen. Hier und da erfreuen uns ein paar Erfolgserlebnisse – und schon proklamieren wir, dass wir glücklich sind. Wenn man aber deren Gedanken hörbar machen würde, würde man erkennen: Dieses Glück wollen wir lediglich nach außen „darstellen“, dahinter verbirgt sich eine unterschwellige tiefe Traurigkeit. Wir verwechseln kurze Momente von Hochgefühl mit echtem Glück.

GlückskäferWahres Glück durch den Glücksdurchbruch

Wahres Glück ist ohne Angst, ohne Schuldgefühle, ohne Konflikte, ohne Gewissensbisse ohne Verlustängste. Es ist ein dauerhafter Zustand, frei von materiellen Ursachen und äußeren Umständen; ein anhaltendes Gefühl von Frieden mit sich und der Welt, das Sie nie mehr verlässt. Wenn Sie dieses Glück erfahren, können Sie alles verlieren und werden immer noch sagen: „Ja, ich bin glücklich.“ Denn dieses Glück durchdringt alles und braucht nichts mehr von dieser Welt.

Diese Art von Glück gibt ist es tatsächlich. Die meisten Menschen wissen aber nichts davon. Es gibt derzeit schätzungsweise 10- bis 20.000 Menschen auf der Erde, die diesen „Glücksdurchbruch“ erlebt haben. Es ist der Moment, wenn der Mensch seine wahre Natur erkennt. Andere Namen dafür sind Erleuchtung, Erwachen, Realisierung, das Reich Gottes. Wenn Sie es erfahren, dann wissen Sie ohne Zweifel und für immer, wer Sie wirklich sind. Und dieses Glück erreicht man niemals, indem man „das anstrebt, was man für richtig hält.“

Beim Glücksdurchbruch erleben Sie die Welt wie ein Zweijähriges, das noch keine Konzepte kennt und nichts und niemanden beurteilt. Sie sind einfach. Nur dass Sie, im Gegensatz zum Zweijährigen, im Glücksdurchbruch sich dieses Zustands bewusst sind. Die Welt ist plötzlich das Paradies, ohne dass sich die Welt verändern musste. Nur Ihr Inneres hat sich geändert. Der Glücksdurchbruch ist das Erkennen, dass die Welt in Wahrheit eine unbedeutende Illusion ist, ebenso wie unsere „Identität“. Er ist der End- und Zielpunkt unserer menschlichen Erfahrung.

© Matthias Pöhm Juli 2014 / 2012Spirit

Bilder: Jürgen Schiller Garcia / „What’s up, Dude?“ Flickr creative commons 2.0 (Beitragsbild Esel),
marfis75 Martin Fisch Flickr creative commons 2.0 (Bild „Käfer“) „four points

Buchtipp „Nichts muss sich ändern“ von Matthias Pöhm:

9 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumina sagt:

    Das ist ein sehr guter Artikel, auch eine wundervolle Beschreibung der Erleuchtung oder des Erwachens. Und wirklich dauerhaft glückselig sein kann nur ein Erleuchteter , da bin ich derselben Ansicht. Aber annähern kann man sich auch vorher schon, indem man dem Verstand nicht solche Wichtigkeit zuweist, sondern mehr achtsames Beobachten übt. Zwischen Glück und Verstand gibt es nämlich keine Verbindung, eins schließt das andere aus.

    Liebe Grüße von Lumina

  2. 2
    Frosch Frosch sagt:

    Ich finde den Esel auf dem Bild so zauberhaft, dass mir nur schon sein Anblick ein Glücksgefühl vermittelt 🙂

  3. 3
    Robin Schreier sagt:

    „Die Lösung für das Leid der Erde“ wird Jesus Christus sein, wenn er bald wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten. Lies die Bibel und rede du heute mit Jesus, damit er heute dein persönlicher Retter wird.

  4. 4
    Frosch Frosch sagt:

    @ Robin Schreier
    Ich lese die Bibel und ich sage dir etwas, was du vermutlich nicht mögen wirst: Jesus ist bereits da, er lebt da…und zwar in jedem von uns. Warte nicht auf etwas, was von aussen kommen soll, es ist bereits alles da. Die Kirche hielt und hält so all ihre Schäfchen fest im Griff, sodass sie unfähig sind, selbst zu handeln. Jeder von uns ist göttlich. Jeder von uns ist einzigartig. Und niemand von uns ist besser, höher, leuchtender, auch nicht Jesus. Dies wollte er uns vermitteln in der Bibel, verstanden haben es aber leider die wenigsten.

  5. 5
  6. 6
    Leanie sagt:

    Mein erstes Erlebnis dieser Glückszustandsart war, als ich mich in tiefster Trauer befand.
    Ich war quasi willentlich „mitgestorben“ mit meinem Liebsten Freund. Und mitten drin, kurz nach seinem Tod, vermittelte er-ES mir diesen Zustand, völlige Freiheit, tiefster Frieden, ich war alles gleichzeitig, der Bach in meiner Nähe, das Wasser, der singende Vogel, die Luft, die sich selbst atmet.
    Ich sah auf und in alles und war es doch selbst. Auch auf „meine“ Vergangenheit und Arbeitsstelle etc. (mich plagte zu der Zeit die Frage, daß ich diesen Job nicht mehr machen will) und da wußte ich:
    Es ist gleich, was mir geschieht oder je geschehen ist, was zählt ist, wie ich damit umgehe, nicht was ich erreiche, sondern, was ich daraus erkenne und mache.
    Die Worte können es nicht korrekt wiedergeben jedoch so in etwa.
    Meine große Liebe habe ich inzwischen auch (wieder-)gefunden und dabei viele Ängste durchlebt und transformiert.
    Einer sagte mal, wenn du vor deinem größten Geschenk im Leben stehst, kann Angst aufkommen, denn die Seele spürt,
    daß da was großes geschieht und „große Geschenke bringen große Herausforderungen“. Die Seele spürt, es muß dafür etwas losgelassen werden. Dieses „Etwas“ sind zumeist alte Muster und Ängste, die auftauchen um endlich gehen zu dürfen.
    Du sagtest, sie sind nicht ohne Angst zu haben, und so erlebte ich es.
    Wo die Angst ist, geht es lang.
    Und dieser Mut wird so unendlich reich beschenkt.
    Alles was bleibt ist Liebe und alle Angst möchte -ähnlich wie beim Versteckenspielen der Kinder- jetzt wirklich gerne gesehen werden, sie hat schon blaue Flecken von Rumhocken und warten auf unsere Erlösung“.
    Wir hatten es einst versprochen, sie wieder auszulösen.
    Es lohnt sich allemal!
    Alles Liebe,
    Leanie

  7. 7
    Frosch Frosch sagt:

    @ Leanie
    DAS ist so wunderschön geschrieben. Danke fürs Teilen deiner Gedanken.

  8. 8
    Leanie sagt:

    Du lieber Frosch, bin gerad gerührt.
    Froschkuß für dich

  9. 9
    Chris sagt:

    Ein toller Artikel – vielen Dank.
    Der Weg zum Glück ist dunkel, und wenn mich das Glück nicht an die Hand nimmt und mir den rechten Weg zeigt, werde ich es nie erfahren (oder eben nur temporär) 🙁

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