Burnout: Mit der Schaufel im Rucksack durchs Leben

12 Sep 2014 Von Kommentare: 5 Gesellschaft, Zeitgeschehen

Wegweiser in viele Richtungen

Es gab einst diese Werbung. Ein kleiner Junge in seinem knallgelben Regenmantel hob im dichten Passantenverkehr einen Regenwurm vom Asphalt auf und rettete ihn somit vor dem sicheren Trampeltod. In diesem Werbeclip ging es eigentlich um eine Brillenfirma. Aber die Kernbotschaft war unmissverständlich, dass unter all den gestressten Menschen, ein Kind in leuchtend gelber Kleidung einen Wurm entdeckt und ihn rettet. Und zwar ungeachtet, was die erwachsenen und gestressten Menschen um es herum machten. Es war ganz in seiner Welt vertieft, sah nur diesen Regenwurm und wollte ihm Gutes tun. Alles andere hatte es einfach ausgeblendet.

Das, was uns Erwachsenen fehlt, der Blick für das Wesentliche – und damit meine ich nicht Geld, Arbeit, Wohlstand -, hat dieser Junge (noch) nicht verloren. Die Liebe zum Nächsten. Und dieser Nächste muss nicht nur ein Mensch sein. Dieser Nächste kann ein Tier sein, eine Blume, ein Baum…

Die Schaufel fürs Grab

Das, was dieser Junge noch intuitiv in sich trägt, nämlich diese ungebrochene Liebe zu allem, wird ihm alsbald aufgrund unserer seit Jahren verankerten Erziehungsmuster abtrainiert. Ihm wird bald eingetrichtert, was gut und was schlecht ist, was er nicht darf und was er unbedingt sollte. Irgendwann weiss er genau, wenn er gute Noten heimbringt, kriegt er etwas Geld für seine Spardose. Wenn er hilft Papas Auto zu waschen, darf er am Abend diesen Actionfilm schauen und er wird lernen, immer zu allen freundlich und gut gesinnt zu sein. Was Ältere ihm auftragen, dies soll er befolgen, denn nur so wird er es in seinem Leben, in seiner Arbeitswelt, einmal weit bringen. Und weinen? Weinen darf ein Junge nie. Dies machen nur Mädchen. Mit diesem gut gefüllten Rucksack wird er in die weite Welt entlassen. Und der Junge denkt sich, ich bin gut vorbereitet, auf das, was kommen mag. Dass er in seinem Rucksack noch eine kleine Schaufel für sein eigens errichtetes Grab namens ‚Burn-out‘ mitträgt, weiss er noch nicht.

Und heute?

Dieser Junge im gelben Regenmantel ist heute ein erwachsener Mann. Gedankenverloren und wie fremdgesteuert hetzt er durch die Fussgängerzone, nervt sich ob all diesen Menschen. Seine Zeit ist knapp und minutiös verplant. Zwischendurch erledigt er noch diverse Anrufe, wird beinahe von einem Fahrzeug erfasst, da er bei Rot den Fussgängerstreifen überqueren wollte um Zeit zu sparen. Erst flüchtig und nebenbei, dann aber doch merklich, streift er einen Jungen, welcher alleine in der Fussgängerzone steht. Und ganz fein, aber doch so aufdringlich, merkt der Mann, wie sein Schuh etwas Glitschiges unter sich erdrückt. Nur kurz hebt er seinen Schuh um sich zu vergewissern. Und er sieht da nicht nur diesen toten Wurm an seinem Schuh hängen, nein, er sieht auch direkt in die enttäuschten und weit aufgerissenen Augen des Jungen, welcher eigentlich gerade eben diesen Wurm retten wollte.

Eine Art Flashback reißt ihn aus all seinen wirren Gedanken, wie ein Film gleitet sein ganzes Leben an ihm vorbei, bis er sich selbst wieder vor sich sieht als Junge, der ebenso einst einen Wurm retten wollte. Doch wo war der Junge von damals geblieben? Der Junge, der die Welt noch voller Mitgefühl und Liebe sah, der mit allem und jedem so tief verbunden war und sich eins fühlte mit der Natur? Der Junge, welcher weder Zeitgefühl besass noch eine Ahnung davon hatte, was es hiess, in der Arbeitswelt bestehen zu müssen? Wo war er verblieben? Tränen stiegen in seinen Augen hoch, in ihm, dem harten Businessman, er, der eisern ist, immer einsatzbereit und belastbar ohne Ende. Wo war dieser Junge geblieben? Mittlerweile laufen ihm Tränen übers ganze Gesicht. Es ist ihm egal, was andere jetzt von ihm denken, es ist ihm gleichgültig, wenn andere ihn sehen, wie er im Anzug auf einem Stein sietzt, mitten in einer Fussgängerzone mit diesem kleinen Jungen im gelben Regenmantel neben sich.

Kinderaugen

Der kleine Junge, der noch mit allem verbunden ist, nimmt den Mann an der Hand, setzte sich zu ihm und sprach: „Sei nicht traurig, der Wurm hat für dich sein Leben gelassen. Nimm die Botschaft, die er dir gegeben, mit in deinem Herzen und lerne wieder, die Welt mit Kinderaugen zu sehen.“

Beitragsbild: Gehvoran.com

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1

    Ich spreche hier ganz besonders meine noch rein empfindenden Geschwister auf der Erde an. Diese Welt ist nicht das Reich in das wir wieder gehen werden. Unser Reich ist die Heimat des reinen Geistes der Liebe. Die „Studierten“ sind von ihrer Wirklichkeit entrückt worden. Sie selbst haben sich damit ihrer feinsten natülichen inneren Empfindungen beraubt. Ich sage deshalb: Wenn Sie, die Masse der Menschen wissen will, wie sich ihr erzeugter Schmutz anfühlt um zu Verstehen, wenn das noch ginge – dann müssen sie diesen eigenen Schmutz noch einmal selbst Durchleben. Wenn du wissen möchtest wie sich ein Blatt fühlt, dann mußt du dieses Blatt werden, oder eine Blume oder ein Baum – es geht nicht anders.Sie werden auf ihrem zerstörten Planeten, in der niedrigsten Frequenz mit ihrem Hochmut unter sich selbst sein. Sie, die sich über die Natur Erhebenden, haben die Ureinwohner mit allem schändlichen was es nur gab, die Indianer verführt und bekämpft. Die Ureinwohner hatten durch ihre Naturverbundenheit und unverdorbene Liebe zur Natur, ein reines goßes geistiges Liebe-Empfinden und Herzenken als Jene, welche sich die „Studierten“ nennen. Gott kann man nie studieren, weil Er der Gott der Liebe nur im eigenen Inneren, dem Heiligen Graal zu finden ist. Es ist der Tempel den die Gegenspieler von Gott glaubten zerstören zu können um selbst Gott zu spielen. Was sie zerstörten schreit sie, selbst an. Sie sehen es genau und verleugnen damit sich selbst. Ihre eigenen Entscheidungen aber bedeuten ihre eigene Zerstörung ihrer geringen Energie, die in unendlichen „Zeiten“ ihr eigenes Erleiden ist. Energie kann gewandelt werden. So muß diese alte Energie ihrer falschen Gedankenwelt erst wieder transformiert werden, also gereinigt werden. Das kann dauern. Ein alter ehemaliger Atlanter Engel. Deine Liebe ist dein Schutz!

  2. 2
    Leanie sagt:

    Sehr schöne Geschichte. Sehr schöne Symbolik.
    Der Regenwurm steht ja auch für das, was am Boden bleibt, sich mit seinem direkten Umfeld beschäftigt. Bei kleinem Radius.
    Der Mensch kann den Adlerblick einnehmen wie auch die Regenwurmperspektive. Sein Radius und seine Möglichkeiten sind weiter. Der Wechsel zwischen beiden ist eine große Chance.
    Und der Regenwurm ist auch glitschig. Das, was wir nicht so gerne anfassen. Und genau das ist oft jedoch die Heilung: das anzuschauen, was unangenehm ist.
    Byron Katie z.B. lag eines Tages auf dem Boden unter ihrem Bett, Aug in Aug mit einer Kakerlake. Byron fand im Erfühlen dieses Wesens auch sich selbst wieder und erwachte.
    Bei vielen von uns ist es oft ein Erlebnis, was uns an das Kind in uns erinnert, was uns zum Aufwachen bringt, an unsere Kinderträume.
    Ich jedenfalls erinnerte mich an das, was ich als Kind erkannt und entschieden hatte.
    An meine Vision, wie wir es heute nennen.
    Ich brauchte offensichtlich den Zusammenbruch. Denn was ich bis dahin gelebt hatte, hatte nix mehr mit dieser Vision zu tun gehabt.
    Und heute, wenn ich mal nicht weiß, was ich weiter tun, wie ich entscheiden soll, erinnere ich mich an dieses Gefühl in meiner Kindheit und weiß wieder, was wirklich wichtig ist.
    Der Regenwurm, das scheinbar kleine, das kleine Glück. Viele kleine Glücke werden ganz schnell ein großes.

  3. 3
    Silvia Cristini Silvia Cristini sagt:

    @ Leanie und Roland

    Lieben Dank für eure Worte.
    In der Tat ist der Regenwurm ein schamanisches Krafttier. Oft wird er nicht beachtet, gar als störend empfunden. Doch wo er ist, ist auch das Land fruchtbar. Symbolisch zeigt er sich dir als dein Helfer. Er hilft dir, dich zu erneuern, Dinge zu wandeln und er hilft dir, aus festgefahrenen oder blockierten Situationen auszusteigen. Genau so tut er es mit der Erde, damit das Land wieder fruchtbar wird, wieder Neues entstehen kann. Er lockert die Erde, er bereitet die Erde vor. Die Geschichte mit Byron und der Kakerlake erinnert mich gerade an diesen Käfer, den ich am vergangenen Wochenende fasziniert beobachtet habe. Er haust in einem hohen Blumentopf vor meiner Tür. Ich sass in der Sonne und ich bemerkte, wie er aufgeregt hin und her marschierte. Dann entdeckte ich, dass er eine tote Spinne als Beute mit sich trug, fast so gross wie er selbst. Durch das Gewicht konnte er nicht mehr fliegen. Also wie kommt er in den Topf zu seinen Kindern, damit er sie versorgen konnte? Der Un-terteller des Topfes schien für ihn unüberwindbar. Ich schob ihm dann ein Stück Holz hin, welches genau so hoch war, wie der Unterteller, ich baute ihm also eine Brücke. Es verging keine 10 Sekunden, bis er aus seiner sicheren Ecke hervorkam und die Brücke erkannt hat und vertrauensvoll darüber gegangen ist und somit seine Beute in seinen Topf bringen konnte (senkrecht, überhängend). Ich war fasziniert, wie schnell der Käfer das realisiert hat. Und ich überlegte mir dann, wie oft reichen wir Menschen uns die Hände, bauen Brücken und doch wagen wir oft nicht, die helfende Hand anzunehmen oder die Brücke zu betreten, weil das Urvertrauen fehlt. Wir können unendlich viel von anderen lernen, sind sie noch so klein.

  4. 4
    Leanie sagt:

    Deine Geschichte mit dem Käfer, das hast du so süß beschrieben. Hautnah.
    Es erinnert mich wiederum, was ich gelesen hatte: Die Mama arbeitete im Garten während die kleine Tochter gaaanz lange gebückt über einem Grashalm hockte, bzw. auf der Wiese. Mama fragte irgendwann das Kind: „Was machst du eigentlich da?“
    Die Tochter (ganz ernsthaft): „Mama, ich schaue mir die Welt an.“
    Wir Menschen sind Brückenbauer, für uns selbst und das kleingroße Glück.
    Und manchmal ist eine Brücke ein Grashalm und dann vielleicht ein Regenwurm.
    Liebe Silvia,
    sonnige Gartentage und puren Genuß weiterhin,
    Leanie

  5. 5
    Steven Black sagt:

    WOW! Einfühlsam geschrieben ..
    Grüße,

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