Yoga – der Weg ins Innere

27 Sep 2014 Von Kommentare: 4 Meditation, Ratgeber

Frau im Wald Yoga

Vielleicht waren es einst meine Rückenschmerzen, die mich bewogen, etwas für mich zu tun, vielleicht aber war es auch ein Ruf, dem ich folgte. Lange Zeit probierte ich alle möglichen Sportarten aus, doch keine schien mir richtig passend für mich, bei keiner fühlte ich mich angekommen. Ich suchte etwas, was Körper, Geist und Seele verbindet. Etwas, was mich stiller werden lässt, etwas, was meine Muskeln wieder weicher werden lässt und etwas, was mich beweglicher macht, im Körper wie auch im Geiste. Und so kam ich per Zufall zum Yoga. Zufälle gibt es ja bekanntlich nicht. Schon vom ersten Yogakurs an bemerkte ich, wie ich nach den 90 Minuten völlig aufgeladen und gleichzeitig entspannt war. Zuvor noch abgespannt und müde, war ich danach klar und energievoll. Fortan wurde diese Yogalektion zu meinem persönlichen Abend, einfach Zeit, nur für mich.

Muskelentspannung nach Jacobson und Autosuggestion

Ich möchte hier nicht beschreiben, was am besten ist, welche Übungen besonders wirksam sind, nein, denn alles hat sein Gutes und viele Vorteile. Ich möchte gerne beschreiben, wie ich so meine 90ig minütige Yogastunde erlebe. Mir gefällt sehr, dass man zu Beginn, um den stressigen Alltag hinter sich zu lassen, eine progressive Muskelentspannung nach Jacobson durchführt, die einen wirklich den Alltag vergessen lässt. Seine Muskeln gezielt anspannen und wieder entspannen und genau da hinein fühlen, wie es sich anfühlt, zuerst die Schwere zu spüren, dann die Leichtigkeit.

Man spricht sozusagen im Stillen zu sich selbst, wiederholt sich dreimal, in dem man zum Beispiel sagt: „ich entspanne meine Füsse….“ Dadurch, dass man bewusst zu sich spricht, konzentriert man sich automatisch nur auf das gesagte und Fremdgedanken können gar nicht auftreten. Selten war ich danach so tiefenentspannt und man kommt schon in Versuchung, einfach die Augen geschlossen zu halten und ins Land der Träume abzutauchen. Doch nichts da. Man wird sanft aus der Tiefenentspannung geholt und man setzt sich in den Lotus-Sitz. Wichtig dabei, absolut gerade zu sitzen, so als zöge uns jemand an einem Seil, welches an unserem Scheitel befestigt ist, gen Himmel hoch. Die Schultern dabei nicht hochziehen, denn wir neigen dazu, alle wie Schildkröten herumzuwandeln, indem wir die Schultern hochziehen um uns zu schützen. Doch dies gibt lediglich verkürzte und schmerzhafte Halsmuskeln. Manchmal folgt nun eine Kurzmeditation, oft mit schöner Klangschalenmusik im Hintergrund. Jedem Ton gilt es in Gedanken nachzufolgen, somit verhindert man, dass man abdriftet und plötzlich wieder im Büro bei der Arbeit ist. Ich erlebe in diesem Stadium der Entspannung die Töne jeglicher Musik viel intensiver, ich filtere fast jedes Instrument in Gedanken heraus und verfolge den Ton jedes einzelnen Instruments bis zu seinem Verklingen. Übrigens eine wundervolle Meditationsart. Wenn man zum Beispiel ein Musikstück hört und dann versucht, jedes Instrument, jeder Klang, jede Stimme zu sondern, zu filtern, es einzeln anzuhören. Man hat dann das Gefühl, man taucht ein in das Musikstück.

Was bei einer Yogastunde meistens folgt, sind Atemübungen. Wir atmen ja meist viel zu oberflächlich. Oberflächliches atmen aber, ist nicht wirklich gesund, einerseits, weil der Sauerstoffaustauch zu gering ist und andererseits, weil es zur Übersäuerung des Körpers führt. Tiefes atmen also, hilft dem Körper sich zu entsäuern. Atem ist Leben. Wichtig ist, dass wir beim Atmen den Bauch nicht einziehen. Viel zu oft laufen wir mit eingezogenem Bauch herum, weil es womöglich hübscher aussieht, aber wir tun uns keinen Gefallen damit. Atemübungen gibt es verschiedene. Bauchatmung, Wechselatmung…. Ich bemerkte erst dann, wie falsch ich immer geatmet habe und es immer noch oft tue, wenn ich mich wieder ausserhalb der Yogastunde befinde. Doch ich versuche es immer mehr zur Alltagsatmung zu machen.

Sonnengruß oder Sonnengebet

Achtsamkeit, Stress abbauenUnd wer nun denkt, dass so eine Stunde ja zum Einschlafen ist, hat weit gefehlt. Denn nun geht’s zum Sonnengruß. Der Sonnengruß (Sanskrit: Surya Namaskar) ist eine bekannte Yogaübung und wohl Bestandteil jedes Yogakurses. Diese Übung besteht aus 12 Körperübungen, welche dynamisch aneinandergereiht mehrmals wiederholt wird. Diese Übung hat einen Sinn. Sie bringt den Kreislauf richtig schön in Schwung und wer sie zu schnell macht, oder sich übernimmt, weil die Kondition noch nicht so ausgeprägt ist, könnte ein wenig Schwindel erleiden. Was ich am Sonnengebet besonders liebe ist, dass ich mich danach beweglicher denn je fühle. Denn durch diese Übung wird der Körper erst mal richtig geschmeidig gemacht. Ich wollte es zu Beginn nicht glauben, aber meine Rückenschmerzen waren bereits nach der dritten Yogastunde verschwunden. Gleiche Erfolge konnte ich von anderen Teilnehmerinnen vernehmen. Ein wunderbares Gefühl.

Kobra, Krieger, Heuschrecke, Krähe

Danach folgen diverse Yogastellungen. Viele Übungen sind gut fürs Gleichgewicht. Der Baum, der Tänzer, der Krieger, der Schulterstand, der Kopfstand. Viele sind für die Kräftigung der Muskulatur ausgerichtet. Der Pflug, die Brücke, Schildkröte, Bogen, Kobra, Heuschrecke. Mit der Krähe bin ich bis heute nicht klargekommen. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue begeistert, was mir all diese Übungen bieten. Ich fühle mich danach einfach topfit und entspannt und irgendwie bringt es mich jedes Mal mir selbst und meinem Körper näher. Es ist einfach wundervoll, sich selbst etwas Gutes zu tun.

Wer spricht denn da?

Am Ende dann folgt ein Abschlussmantra. Dieses wird gechantet. Und am Anfang dachte ich, das lerne ich nie! Doch dann passierte etwas Faszinierendes. Ich bemerke, wenn ich nicht daran herum studiere, welches Wort denn nun kommt, dass es einfach redet, einfach singt. Ich erlebte mich plötzlich als meinen eigenen Beobachter, ich saß wie neben mir und ich wusste noch bevor meine Yogalehrerin das Wort chantete, welches nun kam. Ich bemerkte, wenn ich aufhöre zu denken, dass es einfach macht. Etwas in mir weiß also noch bevor ich denke, was als nächstes passiert. Dieses Etwas hat uns schon oft das Leben gerettet, nämlich dann, wenn wir instinktiv in der Not gehandelt haben (z.B. das Steuer in letzter Sekunde herumgerissen haben, als uns fast ein anderes Fahrzeug frontal erfassen wollte).

Bilder:
Beitragsbild „Frau beim Yoga“ Matthew Ragan flickr „Stickney Brook Yoga 57 creative commons 2.0„), Bild Unten Buddha: Fotolia.de

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumina sagt:

    Das ist ja eine wundervolle Yogastunde, die Du da schilderst ,liebe Silvia! Ich habe es auch einmal versucht, die Stunde war aber lange nicht so intensiv. Und auch für mich etwas schwierig, denn – wie sagt man lustigerweise heute : „Ich habe Knie“ :D.
    So mache ich jetzt „Lachyoga“, was auch eine wundervolle Wirkung hat – hinterher fühlt man sich wie neugeboren.
    Liebe Grüße von Lumina

  2. 2
    Silvia Cristini / 2012spirit Silvia Cristini / 2012spirit sagt:

    Liebe Lumina
    Ja, es gibt verschiedene Arten von Yogastunden. Ich war einst mal in einem Kurs, da liess man die Hälfte der Meditationen weg, auch keine Mantras…. und ich fühlte mich danach, als hätte ich nichts getan. Aber vielleicht war ich damals auch noch nicht bereit….
    Dein Lachyoga, darüber habe ich schon viel gelesen und auch mal was im TV gesehen. Aber was macht man da genau?
    Schönen Sonntag dir und liebe Grüsse
    Silvia

  3. 3
    Lumina sagt:

    Liebe Silvia !

    Ja, es kommt wirklich sehr viel auf den Yoga-Lehrer oder die Yoga-Lehrerin an. Bei meinem Versuch von 3-4 Kursusbesuchen handelte es sich eher um eine Art Gymnastik ( noch dazu sehr anstrengend! ) mit einer Entspannungsübung am Schluss. Mehr nicht. Das muss bei Dir ganz anders sein.

    Lachyoga basiert auch auf dem Grundprinzip von Spannung und Entspannung, wie die progressive Muskelentspannung, von der Du berichtet hast, Silvia . Lachen ist demnach Spannung, Atmen ist Entspannung. Und die richtige Atmung ist ganz wichtig im Lachyoga.
    Es gibt so viele positive Aspekte, dass man sie kaum aufzählen kann. Lachen stimuliert das Immunsystem,erweitert die Blutgefäße, senkt den Blutdruck. Es hilft bei Depressionen, Angst und psychosomatischen Erkrankungen. Lachen ist im Grunde Meditation, da beim Lachen kein bewusster Denkprozess möglich ist….. und noch vieles mehr! Es verbindet die Teilnehmer liebevoll miteinander.

    Wir fangen meist mit einer kleinen Geschichte oder einem Sinngedicht an, welche die Leiterin vorliest. Dann bilden wir einen Kreis, laufen auseinander und suchen uns einen anderen Teilnehmer aus der Gruppe, geben ihm die Hand , schauen ihm solange wie möglich in die Augen und lachen ihn herzlich an. Nach ein paar Sekunden wird der Partner gewechselt. Das schafft gleich zu Anfang eine positive Stimmung.

    Danach kommen die Übungen: ( noch viele mehr und immer wechselnd)

    –Ho-Ho Ha-Ha- Kreisel, wobei beide Hände mit denen unserer Nachbarn zusammengeschlagen werden.
    —Kauderwelsch-Lachen ( Gibberisch) = sich unterhalten über ein Thema mit lebhaften Gesten – aber unverständlichem Kauderwelsch, was
    naturgemäß auch sehr zum Lachen anregt.
    — Milchshake-Lachen = Lachcoctail zusammen mixen und den Inhalt lachend in uns hineinschütten.
    —-Löwenlachen = Bei weit geöffnetem Mund streckt man die Zunge weit heraus , faucht wie ein Löwe und lacht dann hähähä..
    —-Aufsteigendes Lachen = Wir stehen alle im Kreis und nehmen etwas Anlauf, dann stürmen wir mit Aeheheh in die Mitte des
    Raumes, heben dabei die Arme hoch und lachen laut heraus…
    Es gibt noch etliche Übungen mehr, aber dann zum Schluss kommt der „Lachstern“:
    Wir stellen uns vor, dass wir Käfer auf einem Baum bei starkem Wind sind. Wir können uns nicht mehr festhalten und fallen langsam
    zu Boden, auf den Rücken, Kopf an Kopf mit den anderen Teilnehmern. Dann mit allen Vieren Strampeln und natürlich regt das das
    Lachen enorm an. Es brandet immer wieder auf, bis alle total erschöpft sind.

    Wenn alles ruhig ist, innen und außen, gibt es ( noch im Liegen Kopf an Kopf) eine wunderschöne geführte Meditation und evtl. noch eine Atemübung davor. Dann noch einige Minuten völlige Stille und die 90 Minuten sind beendet.

    Wie ich schon schrieb, fühlen wir uns noch lange danach so harmonisch und friedlich und ausgeglichen, es ist einfach wundervoll! Auch kann man nach einer Lachyogastunde herrlich schlafen.
    Falls jemand denkt, dass er schwer aus dem Stehgreif lachen kann, es ist in solch einer Gruppe völlig unmöglich, NICHT ins Lachen zu kommen. Vielleicht hört es sich am Anfang noch etwas gezwungen an, aber dann sprudelt es ununterbrochen. Ich kann es nur jedem empfehlen, inzwischen gibt es ja schon viele Kurse und Gruppen dafür.

    Liebe Grüße von Lumina

  4. 4
    Silvia Cristini / 2012spirit Silvia Cristini / 2012spirit sagt:

    Liebe Lumina. Herzlichen Dank für den wirklich hautnahen Beschrieb, musste schon beim Lesen etwas lachen 🙂
    Liebe Grüsse und einen schönen Abend, Silvia

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