Vom Zauber der Pflanzen und Kräuter: Gänseblümchen

02 Okt 2014 Von Kommentare: 2 Ratgeber, Vom Zauber der Pflanzen und Kräuter

Ganseblümchen

„Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich…“

Manch Blümchen musste für dieses Liebesorakel herhalten und wie oft waren wir verzweifelt, wenn das letzte Blütenblättchen „er liebt mich nicht“ ergab und wie überrascht waren wir doch, als wir von ‚ihm‘ am nächsten Tag einen Notizzettel in der Schule unter unserem Tisch vorfanden, worauf die vermeintlich einfachste Frage der Welt stand: „Willst du mit mir gehen? Ja – Nein – Vielleicht?“

Elfenschmuck

Ich selbst bastelte mir als Kind oft solche wundervolle Ketten aus Gänseblümchen (Bellis perennis). Indem man den feinen Stil mit dem Fingernagel der Länge nach durchbohrte, konnte man Blümchen um Blümchen aneinanderreihen bis man eine wundervolle Kette erhielt. Wenn sie so gross wie der Kopfumfang war, ergab es einen wunderbaren Elfenhaarschmuck oder aber in längerer Form eine Blumenkette. Ein Aberglaube besagt, dass wenn man die ersten drei Gänseblümchen des Frühlings isst, man dann das ganze Jahr verschont bleibt von Zahnschmerzen, Fieber und Augenbeschwerden. Ich glaube, das Gänseblümchen war das erste Blümchen, welches ich als Kind, zwar noch reichlich skeptisch, aber mit einer gesunden Portion Neugier gegessen und für gut befunden habe. Naja, ich dachte mir damals, was mein Meerschweinchen so lustvoll frisst, doch auch für mich nicht ungeniessbar ist.

1001 Name

Übrigens, ich glaube, kein Blümchen hat so viele verschiedene Namen und doch weiss jeder, um welches Blümchen es sich handelt, oder? Hier einige Namen: Matzelieschen (Nürnberg), Sommerrösslin (Erzgebirge), Märschblom (Altmark), Maneablüamli (Schweiz, Obertoggenburg), Geissgisseli (Schweiz, Aargau), Magdelief (Hamburg), Monatbleaml (Salzburg), Zytlosenkrut (Schweiz, Graubünden) und gefühlte hundert Namen mehr davon. (Quelle: Wikipedia)

Widerstandsfähig für sich selbst und für Mensch und Tier

Dieses niedlich kleinen weissen Blümchen mit dem gelben Köpfchen, die auf unseren Wiesen, an jeder Strassenecke, auf den schmalen Grünstreifen oder Verkehrsinsel gedeihen, sind eines der Blümchen, wo die meisten Kinder als erstes in Berührung kommen. Gänseblümchen sind besonders widerstandsfähig und wachsen einfach immer wieder nach, selbst wenn die Wiese regelmässig gemäht wird. Und dies fast ganzjährig. Und im letzten Winter konnte ich gar eines durch die Schneedecke lugen sehen. Und die ganz Frechen zwängen sich einfach wie der Löwenzahn durch den Asphalt und demonstrieren uns Menschen, dass die Natur eben doch stärker ist.

Dank seines grossen Vitamin-C Gehaltes, ist es in der Naturheilkunde bekannt als Mittel gegen Bronchialleiden, da es schleimlösend ist. Ebenfalls wird es gegen Nieren- und Leberleiden, Hautausschläge und Furunkel eingesetzt. In zerquetschter Form kann es auch gegen Verstauchungen und Prellungen dienen. Selbst gegen Menstruationsleiden soll es helfen, wenn man es als Tee zu sich nimmt. Das Blümchen kann man ganz essen, meist aber werden die Blüten verwendet. Aus den Blütenknospen kann man einen Kapernersatz herstellen. Mit dem Blüten kann man ganz prima einen Tee zubereiten, welcher gut bei Erkältungen ist. Natürlich dienen die schönen Blüten auch als essbare Dekoration in einem feinen Salat. Um satt davon zu werden, müsste man schon eine Menge Geduld und Sammelwut an den Tag legen, damit da eine ordentliche Menge zusammenkommt, meist aber werden sie eher als Beilage zu einem Hauptgericht verwendet. Übrigens passt das Gänseblümchen herrlich zu einem Löwenzahnsalat. Da man aus den Blütenknospen des Löwenzahns ebenfalls einen Kapernersatz machen kann, könnte man sogar ein Ensemble aus Gänseblümchen und Löwenzahnkapern herstellen, dies lieblich verpackt in ein Marmeladeglas und schön beschriftet, was gibt es für ein persönlicheres Geschenk für deine Liebsten?

Das Gänseblümchen. Ein feines Geschöpf, ganz klein und doch so gross.

Bild: Fotolia.de

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Leanie sagt:

    Liebe Silvia,

    auch ich hatte mir diesen Elfenschmuck gebastelt und das Gänseblümchen ist die Königin meiner Kindheit. Sie sieht aus wie eine kleine Sonne, die wie auf dem Bild unten, selbst den härtesten Asphalt durchbricht.
    Da passt die Werbung von irgendwas (Milka oder auch klopapier, weeß nich mehr): So stark kann weich sein.
    Deine Weise über diese Sonnenkönigin zu schreiben, gefällt mir so gut und berührt.
    Überhaupt schreibst du sehr zartfühlend.
    Ein blumiges Nächtle dir,
    Leanie

  2. 2
    Silvia Cristini / 2012spirit Silvia Cristini / 2012spirit sagt:

    Danke dir, Leanie. Was mich nachdenklich stimmt: als Kind hatte man eine völlig natürliche Beziehung zu diesem Blümchen, ja allgemein zur Natur. Und heute? Heute wachsen wohl Smartphones auf der Wiese. Es ist mir ein Anliegen, wieder vermehrt auf unsere schöne Natur aufmerksam zu machen.
    Sei lieb gegrüsst
    Silvia

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