Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen

31 Okt 2014 Von Kommentare: 5 Bewusstsein, Spiritualität

Aus dem Flugzeug

Ein Satz, der nachdenklich stimmt? Oder zum Schmunzeln anregt? Wessen Worte sind es, die da so polarisieren? Sie stammen von Blaise Pascal, seines Zeichens ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph (1623-1662). Seine Worte erreichten mich tief in meinem Innern. Vielleicht liegt es daran, dass ich soeben an einer Beerdigung war, ganz überraschend ist ein Freund von uns gegangen, vielleicht liegt es aber auch an meiner eigenen Geschichte, die das Leben so schreibt, aber nicht wirklich immer in für mich lesbarer Schrift. Ab und an habe ich Mühe zu entziffern, was denn da so verschlüsselt niedergeschrieben steht in meinem Buch des Lebens.

Sind das meine Pläne? Sind dies meine Wege? Meine Wünsche? Wollte ich dies so? Habe ich dies so bestellt? Wurde der Vertrag zwischen Gott, dem Universum, der höheren Macht und mir so eingehalten wie wir es vereinbart haben – und wenn nein, wo kann man sich beschweren? Habe ich ein 14 tägiges Widerrufsrecht? Habe ich einen Anwalt von Amtes wegen? Und wer bezahlt die Kosten? Oder sind fehlgeleitete Pläne nicht mit irdischem Geld zu bezahlen? Hat Geld überhaupt eine Bedeutung? Man sagt, wenn man etwas langfristig plant, dass dann zu 95% alles anders kommt. Also, wieso planen?

Wir neigen dazu, alles bis ins letzte Detail zu planen, auszufeilen, millimetergenau, abzusichern, zu versichern (unsere Paradedisziplin), zu halten, einzugrenzen, festzumachen, vertraglich zu regeln (Ehe) und schustern uns somit einen starren Käfig mit unsichtbaren Gitterstäben und wundern uns dann, wenn wir an Spontaneität einbüßen. Wo ist das unbeschwerte Kind von damals geblieben, das neugierig aufs Leben ist, spielerisch und auch mal unvernünftig? Wo ist das Kind geblieben, welches so lange Draußen spielt, bis die Sonne untergeht und bestenfalls eine fürsorgliche Mutter es zum Abendessen ruft? Wo ist das unbeschwerte Kind geblieben, welches sich eins fühlte mit dem Wind, der Sonne, dem Regen und all den Kleinstlebewesen um es herum? Wo ist das Kind geblieben, welches kein Morgen kennt, weil es nur in der Gegenwart lebt?

Das Kind ist weg. An seiner Stelle steht nun ein erwachsener Mensch. Der hat ehrgeizige Pläne, Ziele, und Vorgaben, die er sich einst selbst auferlegt hat und die es zu erfüllen gilt! Und wenn diese Ziele und Pläne alle erfüllt sind, dann…..ja dann wird er glücklich sein. Dann wird alles anders sein. Dann wird er das Glück selbst verkörpern. Wenn er erst mal den Traumjob, Ehe, Haus und Kinder hat, dann wird er sich endlich zurücklehnen können und es geniessen können. Erst dann. Ohne Fleiß kein Preis, von nichts – kommt nichts.

Saugendes Riesenbaby

MohnblumeDieses immerwährende Hoffen und Planen auf bessere Zeiten lässt uns einerseits von uns selbst meilenweit entfernen und andererseits ist da ein Belohnungssystem im Gange, welches wir eigentlich von anderen Bereichen des Lebens bestens kennen. Ich nehme als Beispiel den Kaufrausch. Wenn ich erst das neue Smartphone habe, dann fühle ich mich besser. Wenn ich diesen tollen Wintermantel besitze, werde ich besser aussehen. Doch alles ist nur von kurzer Dauer. Das neue Smartphone wird ganz gezielt bald bereits ein altes Modell sein und dann ist es in den Augen des Rauschkonsumenten bereits nichts mehr wert. Gleiches mit der Mode. Was letzten Winter noch modern war, ist diesen Winter bereits out. Um sich weiterhin gut zu fühlen, muss alles wieder auf den neusten Stand gebracht werden. Dann sind wir befriedigt. So funktioniert unsere Wirtschaft. Und unsere Konsumgesellschaft läuft ihr wie ein saugendes Riesenbaby hinterher. Haben will – jetzt! Und längerfristig betrachtet geschieht dies auch mit unseren großen Plänen, dem Haus, der Familie, dem Job. Hat man dies erst alles erreicht, ist man befriedigt, doch leider nur für kurze Zeit. Bald will man mehr….

Es ist gut so wie es ist

Irgendwie bin ich ganz glücklich, dass man nicht alles planen kann und das Leben unberechenbar ist. Denn es zwingt den ansonsten sehr bequemen Menschen dazu, aufzustehen und sich neu zu orientieren. Es befähigt ihn, auch in der hinterletzten Misere noch das Positive zu erkennen und er nimmt jede Herausforderung dankbar an, denn er weiss: nichts geschieht umsonst. Und wer noch bewusster ist, weiss, dass nichts ohne Grund geschieht und man vor allem immer irgendwie daran beteiligt ist, auch wenn man dies überhaupt nicht gerne wahrhaben möchte. Und manchmal sind es auch Muster und Prägungen, die wir mit auf den Weg bekommen haben und die wir je nach Wunsch, natürlich weitergeben können, auch wenn sie noch so sinnlos sind (diese Weitergabe ungeprüfter Muster ist eigentlich Standard und verantwortlich für einige Missstände in und ausserhalb von uns). Oder aber wir sehen es als Chance an, stellen uns den unliebsamen Schatten, sprich Ängsten, all den unbequemen in uns schlummernden Dingen und schlagen eigenmächtig eine neue Richtung ein. Ist dies nicht eine zauberhafte Vorstellung, dass wir unsere nachfolgende Generation plötzlich anders prägen könnten?

„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen“

Ein Satz, der Kraft gibt, weiterhin den Weg zu gehen. Dieser Satz zeigt auf, dass es für nichts im Leben Sicherheit gibt. Keine Versicherung kann garantieren, dass alles so eintreffen wird, wie wir es geplant haben. Wir können uns einen Hochsicherheitsbunker bauen, ja, aber auch da sind wir nicht sicher. Denn alles was starr ist, was nicht fliesst, ist dem langsamen Tode geweiht.
Für mich bedeutet der Satz von Blaise Pascal, dass es nichts bringt, langfristig zu planen, sondern dass es nur eines gibt, was zählt. Das Leben im Jetzt. Im Moment. In der Gegenwart. Die Vergangenheit ist nicht mehr und die Zukunft ist noch nicht. Aber wir haben die Möglichkeit jetzt zu sein. Wir haben die Möglichkeit jeden Moment neu zu erschaffen, so wie ein Künstler, der vor einer weissen Leinwand steht.

Ungeplant ans Leben heranzugehen hat nichts mit unsteter Lebensführung zu tun, nichts mit fahrig oder chaotisch sein. Es hat etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen in den Moment. Und dass jeder Moment eine Bandbreite von Möglichkeiten für uns offen hält. Das wichtigste ist, sich zu entscheiden. Für das Leben und den Moment. Wenn ich mich fallenlasse, mich vertrauensvoll dem Leben hingebe, wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, der alle uns bekannten Regeln aushebelt. Man kann lediglich noch staunen, was passiert, wenn man es einfach mit sich geschehen lässt.

„Über Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit. Die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und grossartige Pläne und das ist es, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet, dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält. Alle möglichen Dinge ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten. Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung. Sie ruft für jenen, der die Entscheidung getroffen hat, alle möglichen Vorkommnisse und Zusammenkünfte und stoffliche Hilfe hervor, von der kein Mensch sich hätte träumen lassen, dass sie auf diese Weise eintreffen würden. Was immer Du tun kannst, oder wovon Du träumst, Du könntest es tun: beginne damit.Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich. Beginne es jetzt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Bilder: Gehvoran.com

5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Sandra sagt:

    In Gedenken und Dankbarkeit an viele Bekannte und Unbekannte, die nichts unversucht ließen – uns hilfreich zu sein.

    Die Entwicklungsstufe (Phase) der natürlichen Sozialisierung der Menschheit ist eine Phase der Auseinandersetzung. Diese Auseinandersetzung basiert auf Glauben, Wissen, Gewißheit und Schutz für das Sein und ist beendet, wenn diese im Sein und Sein lassen mündet.
    Hat ein einzelner Mensch die Phase der Sozialisierung gemeistert, ist er der Entwicklungsstufe entwachsen und hat jedes Recht seiner Bestimmung gemäß zu wirken. Er kann und darf sich für ein Leben in bzw. für die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit entscheiden, diese neu begründen. Kühn ist es, dies zu tun.

  2. 2

    Erstmal zu erkennen, wie wichtig es ist eine Entscheidung oder besser gesagt eine Wahl zu treffen ist für viele Menschen ein Riesending. Veit Lindau sagt so schön:“ eine Entscheidung basiert auf dem, was wir bereits kennen, eine Wahl auf das, was wir uns wünschen, um auch neue Möglichkeiten zuzulasen.“ Deswegen finde ich Visionen auch superwichtig. Der Weg dahin, ist tatsächlich nicht wirklich planbar, aber die Richtung 😉 Dafür ist mir das Motiv meines Handelns sehr wichtig. Warum will ich das so und so? Danke für die Inspirationen und das Mitlachen und Staunen!

  3. 3
    Silvia Cristini / 2012Spirit Silvia Cristini / 2012Spirit sagt:

    Lieben Dank für eure Kommentare.
    Bezüglich Entwicklungsstufen, welche Sandra beschreibt, möchte ich gerne auf die Graves-Level verweisen.
    Graves-Level, dies ist ein hochkomplexes Thema, und wäre vielleicht mal einen separaten Artikel wert. Die Graves-Level sind eigentlich eine Weiterentwicklung der Maslow-Pyramide, die besagt, dass erst die Grundbedürfnisse gesichert werden müssen. Gemäss C.W. Graves durchlebt der Mensch seiner Situation angepasst Entwicklungsstufen. Seine Erklärung dazu:

    „In jeder Stufe der menschlichen Existenz ist der erwachsene Mensch auf der Suche nach dem heiligen Gral, der Art, wie er zu leben, wünscht. Auf der ersten Stufe sucht er nach automatischer körperlicher Befriedigung (1). Auf der zweiten Stufe sucht er eine sichere Art zu leben (2), und dies ist gefolgt, als nächstes, von der Suche nach Heldentum, Macht und Ruhm (3), einer Suche nach höchstem Frieden (4), einer Suche nach materieller Zufriedenheit (5), einer Suche nach liebevollen Beziehungen (6), einer Suche nach Selbstachtung (7) und einer Suche nach Frieden in einer unverständlichen Welt (8). Und wenn er merkt, dass er diesen Frieden nicht findet, wird er sich auf die Suche der neunten Stufe machen.”
    (C.W. Graves, übers. http://www.clarewgraves.com)

    Die meisten Menschen befinden sich zwischen Stufe 4 und 6. Eine schwindend Anzahl Menschen befinden sich bei Stufe 8 und mehr. Weiters ist interessant, dass die Stufen 1-6 immer nur die Meinung ihrer Stufe vertreten können und wollen. Also Stufe 6 wird nicht für die Meinung von 4 sein. Dies erklärt ab und an die politischen Diskussionen, welche nie zu einem Ergebnis führen. Erst ab der Stufe 7 ist es möglich, sich wie ein Delphin durch alle Stufen hindurchzubewegen. Menschen der Stufe 7 haben zum Besipiel Verständnis für das Anliegen der Menschen in Stufe 3. (Wir sind alle eins….)
    Ein hochkomplexes Thema, aber irgendwie scheint es für mich eine Erklärung zu sein, für gewisse Umstände, die da herrschen auf unserem Planeten. Wichtig zu erwähnen: Jede Stufe hat ihre Berechtigung. Selbsterklärend also fast, dass zum Beispiel ein Team von 5ern alle zusammen Grosses vollbringen könnten, anstelle einem durchmischten Team, wo es 4,5,6er hat, das führt kaum zu Resultaten. Im Wissen darum, kann man auch innerhalb einer Firma sein Team voranbringen…..
    Zum Nachforschen im Netz: Spiral Dynamics oder Graves-Level.
    Schönes Weekend
    Silvia

  4. 4
    Lumina sagt:

    Sehr interessant, die Graves Levels! Wäre wirklich mal einen Artikel von Dir wert, liebe Silvia.
    Katalogisierungen der menschlichen Entwicklung gibt es ja viele, allerdings sind die Übergänge oft auch fließend, was die Einteilung nicht einfach macht.
    Ein wenig erinnert es mich an die „Seelenalter“ mit der Einteilung in die Baby-Kinder-Teenager, reife und alte Seele.
    http://www.gehvoran.com/2012/09/die-seelenalter/

    LG von Lumina
    .

  5. 5
    nicolina sagt:

    Das ist lustig… gerade heue Nachmittag hatte ich ein Gesräch mit meine Freund. Wir saßen draußen im Garten und ich merke immer mehr, das mich diese Welt nicht zufrieden stellen kann.. Ich bin auf der Suche.. aber in einem Lügenkonstrukt aufgewachsen zu sein, festzustellen, dass nichts so ist wie es ist und dann nach der Wahrheit suchen ist so schwer. Denn selbst wenn du sie gefunden hast, sind so viele noch garnicht auf dem Weg. Und keiner versteht, wonach ich suche… nicht einmal ich..
    Ich möchte Frieden, Einklang, und eine Ebene, auf der es nur ein Gesetz gibt, verstanden und gelebt wird: du kannst alles tun, aber nur so, wie du keinem anderen schadest… würde so ein Gesetz nicht reichen, um uns alle in Harmonie leben zu lassen??? Ich glaube danach suche ich…
    ….das muss wohl Stufe neun sein…
    Ich Grüße alle die auf dem Weg sind und die, die sich aufmachen…
    Herzlichst Nicolina

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