Wie Achtsamkeit das Leben positiv beeinflussen kann

10 Okt 2014 Von Kommentare: 7 Meditation, Ratgeber

Wassertropfen auf einem Blatt

Nach 23 Jahren Autofahren ohne Verkehrsvergehen, abgesehen von ein paar Strafzetteln wegen Falschparkens, hat es mich nun erwischt. Mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von schätzungsweise 20 km/h wurde ich geblitzt, noch dazu im Ausland, in der schönen aber teuren Schweiz. Wenn es einen Ersten Platz auf den bescheuertsten und überraschendsten Gesichtsausdruck eines geblitzten Autofahrers geben würde, ich würde ihn 100%ig bekommen, denn ich sah mit gefühltem offenen Mund direkt hinein in die Kamera als mich der rote Laserstrahl traf. In Franken sagt man passenderweise, “Dou schauder wäi a Achala wenns blizd” („Da schaut er wie ein Eichhörnchen, wenn es blitzt.“). Im ersten Moment hab ich mich natürlich geärgert, über die Schweizer Behörden, die es auf einer harmlosen Bundestrasse kurz vor der deutschen Grenze, die man locker mit 100 km/h befahren kann, mutmaßlich auf deutsche Autofahrer abgesehen haben. Die ersten Gedankenblitze, die man unbewusst in Sekundenbruchteilen eben so wahrnimmt.

Dabei fahren auch sehr viele Schweizer ins Nachbarland und sind auf der selben Strecke unterwegs. Als ich mich damit abgefunden habe, dass mein Kontostand demnächst vermutlich unnötigerweise etwas schrumpfen wird, wurde mir natürlich schnell klar, dass die Schweizer keine Schuld an meiner Unaufmerksamkeit haben. Wäre ich aufmerksam gewesen, wäre mir die Geschwindigkeitsbegrenzung, obwohl die meisten anderen Autos in der Kolonne meiner Ansicht nach die selbe Geschwindigkeit auf dem Tacho haben mussten wie ich, sicherlich aufgefallen und ich hätte meine Fahrweise vorschriftsmäßig angepasst. Der Ärger manifestierte sich also zunächst im Außen und gab vorsichtshalber den „Anderen“ die Schuld. Und dass ich im weiteren Verlauf meiner Reise auch noch eine Stunde im Stau stand, gefühlt waren es ca. fünf Stunden…, sollte mir endgültig aufzeigen, dass es wiedermal an der Zeit ist, die eingefahrenen Lebensgewohnheiten zu überdenken.

Fuß und Geist: Runter vom Gaspedal

Denn gerade ein Mensch wie ich, der meistens bewusst durchs Leben geht (ich versuche es zumindest), hinterfragt jedes Vorkommnis, was von der „Norm“, dem normalen Alltag, etwas abweicht. Nichts im Leben geschieht durch Zufall. Alle Situationen im Leben, und wenn sie noch so traurig, schmerzhaft, komisch, abgefuckt oder beschissen sind, hat sich der Mensch selbst eingebrockt. In meinem Fall wollte mich das Leben wiedermal darauf aufmerksam machen, etwas langsamer und ruhiger durchs Leben zu gehen. Aller Hektik und allen Stress zum Trotz muss sich der Mensch hin und wieder selbst näher kommen und sich selbst spüren, sonst dreht er durch, oder er wird von den äußeren Umständen, die ich als die „Fügung des Universums“ bezeichne, „bestraft“. Es ist jedoch keine Strafe, sondern lediglich die Konsequenz auf das eigene Leben, zumindest in Teilbereichen davon.

Theoretisch hätte ich aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit auch einen Unfall bauen können, es wäre weitaus schlimmer gewesen. Das Universum und das Leben wies mich also auf die sanfte Weise darauf hin, meine Lebensweise zu überdenken. So kann ich auch für mich aus einem zunächst negativ empfundenen Schicksal ein positives Signal machen. Den Spieß sozusagen umdrehen, was mir Körper und Geist auf jeden Fall danken werden, denn nichts ist schlimmer für den Organismus als negative Emotionen, die man sich selbst (permanent) immer wieder einredet.

Im Alltag einen Gang oder mehrere Gänge runter zu schalten gelingt z.B. indem man sämtliche noch so belanglosen Tätigkeiten bewusst und achtsam durchführt, sich ganz auf das einlässt, was man gerade macht. Da werden selbst monotones Autofahren, Staubsaugen oder die Arbeit an einer Excel-Tabelle zur Meditation, ohne großen Aufwand, und ohne großes Vorwissen. Ohne Gedanken an gestern, an morgen, was war, was noch zu tun ist etc.

Kind mit Mond in der HandFür die Zweifler sei gesagt, dass eine Ent-schleunigung des Alltags und bewusstes Tun keineswegs automatisch langsameres Arbeiten und geringeres Arbeitspensum zur Folge haben, ob privat oder beruflich. Wenn man der Auffassung ist, man hat keine Zeit, so hat man auch keine Zeit. Das Universum reagiert lediglich – und sorgt dafür, dass sich unsere ureigenen meist unnötigen und dümmlichen Glaubenssätze materialisieren und diese somit zwingend eintreten müssen. Wer kennt nicht jene Menschen, die der Auffassung sind, das Leben sei hart oder alle wären ungerecht zu ihnen? Wie sieht deren Leben und ihr Gesichtsausdruck aus? Davon abgesehen bewirkt konzentriertes und achtsames Arbeiten weniger Fehler, und damit weniger Zeitaufwand für die Beseitigung der Fehler, aber mehr Zeit für das eigentliche Tun und ist somit produktiver!

Achtsamkeit üben

Den eingeprägten unnötigen Verhaltensweisen und Glaubenssätzen entgegenwirken kann man durch regelmäßige Meditation oder achtsames Ausführen von sämtlichen Tätigkeiten. Gemeint ist damit nicht, um bei o.g. Beispiel zu bleiben, Meditation während des Autofahrens, sondern das „Sich Konzentrieren“ auf die Straße, die anderen Verkehrsteilnehmer wahrnehmen und respektieren, das bewusste Gefühl wie die Hände das Lenkrad umfassen, wie man mit dem Fuß auf das Gaspedal steigt etc. Etwas mehr Spaß machen Achtsamkeitsübungen beim Spazierengehen oder beim Essen: zu danken dass es für einen bereit steht, es zu riechen, zu schmecken, darauf zu kauen, es im Mund zergehen zu lassen, gut zerkaut hinunter zu schlucken. Nebenbei wird der Genuss-Sinn trainiert und man schmeckt Nuancen von Aromen, die man vormals nicht wahrgenommen hat, weil die eigene Nahrungsaufnahme sonst eher an die Fütterung von Schweinen erinnerte, als an genussvolles und damit gesundes Essen.

Wer nicht weiß was ich meine, braucht nur Kinder beim Spielen beobachten.

Der Bußgeldbescheid aus der Schweiz ist noch nicht da. Zwischenzeitlich versuche ich mit Einsicht und guten Gedanken, positivem Denken, Licht und Liebe beim Universum noch ein bisschen was rauszuholen, bin doch sonst ein netter Kerl 😉 Ich hoffe, das Universum reagiert mit Milde und lässt die knallharten Zahlen, Fakten und mein äußerst bescheuertes und hässliches Beweisfoto irgendwo im Nirwana verschwinden. Grüezi!

Bilder: Fotolia.de

DVD-Tipp: Grandioser Kultfilm mit Nick Nolte über Achtsamkeit, Schicksal und Glück

7 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Kim Lardenda sagt:

    Lieber Alex
    Schöner Artikel. Als Ermittlerin kann ich dir berichten, dass es sich hierbei nicht um ein „Vergehen“ handelt, sondern lediglich um eine „Übertretung“. Diese beiden Dinge unterscheiden sich im Strafmass. Bei ersterem könnest du unter Umständen im Gefängnis landen, bei zweiterem käumlich. Wobei sie im Gefängnis einen solch guten Engel wie dich, durchaus gebrauchen könnten 😉
    Spass beiseite. Selbst ich als Ermittlerin habe schon oft die Staatskasse unterstützt (man gönnt sich ja sonst nix). Und ich habe da keine Vergünstigung deswegen! Im Gegenteil! Aber ich mache es jeweils wie du: mich selbst hinterfragen, wo ich denn nun wieder mit meinen Gedanken gewesen bin oder aber in welchem Punkt ich mein Leben entschleunigen muss (im Falle von Geschwindigkeitsüberschreitungen), oder aber im Sinne vom „Falschparken“, wo bin ich fehl am Platz? Bin ich noch am richtigen Ort in meinem Leben? Das ist ja das Wunderbare am Leben, es gibt uns ständig Zeichen…diese zu entschlüsseln ist ein richtiges Abenteuer. 🙂
    Liebe Grüsse, Kim
    http://www.gehvoran.com/2014/07/kim-lardenda-die-spirituelle-ermittlerin/

  2. 2
  3. 3
    Alex Miller / 2012Spirit Alex Miller / 2012Spirit sagt:

    Liebe Kim,
    wusste ich´s doch dass ich dich auf den Plan rufe 😉

    Lieber Ingo,
    danke für deine Hinweise. Ich glaube jedoch, wenn ich das studiere, ich mich nur wieder im Außen befinde. Letztendlich bewirke ich eine Veränderung des Bewusstseins, bei mir und in der Welt nur, wenn ich mich selbst verändere – bzw. wie ich´s im dem Beitrag beschrieben habe, durch Achtsamkeit und Bewußtheit.
    Dennoch – interessante Infos.

    Herzliche Grüße
    Alex

  4. 4
    Leanie sagt:

    Lieber Alex,
    dein Artikel hat mich laut lachen lassen. Mein letztes Knöllchen, bevor ich mein Auto weggab, hat die Firmenkasse ziemlich bereichert, ich hatte mein rotes Schätzken vergessen, rechtzeitig umzuparken bei Straßensperrung. Kam gerad noch dazu, als
    sie es abschleppen wollten. Mußte dennoch den vollen Preis zahlen. Nun, es abholen am anderen Ende der Stadt mit Bus und Bahn wäre blöder gewesen. Ich brauchte fast 1 Jahr, um das abzustottern… Da gleichzeitig eine saftige Stromnachzahlung gekommen war, brachte es mich ganz schön zum Weinen. Na, geschafft und dazugelernt.
    Dein Beitrag ist so rund und wie du dies zum Anlaß nimmst, dein Leben zu justieren in punkto Entschleunigung um dann am Ende wieder so schön humorvoll daherzukommen, das ist schon allein schriftstellerisch sehr schön.
    Ein Beitrag der viele Facetten kunstvoll vereint, wie ich finde.
    Ich wünsch dir ganz viel MIlde, die du hoffentlich auch dir selbst zukommen läßt, jedenfalls häßlich kann das Foto gar nicht sein :-).
    Danke für diesen köstlichen Text

  5. 5
    Alex Miller / 2012Spirit Alex Miller / 2012Spirit sagt:

    Liebe Leanie,
    freut mich, dass du durch meinen Beitrag Lachen konntest.
    Herz berührt, gut so, Auftrag erfüllt 🙂

    Herzliche Grüße
    Alex

  6. 6
    Brigitte sagt:

    Lieber Alex,
    jetzt lese ich zum zweiten mal deinen Bericht und ich muß schmunzeln. Vor ein paar Tagen wurde ich nämlich auch geblitzt. Auch ich weiß noch nicht wie teuer es wird. Ich weiß gar nicht , ob es an der Achtsamkeit gefehlt hat. Ich glaube bei mir war es einfach reine Lebensfreude. Jetzt wo ich dies schreibe, kommt bei mir wieder dieses absulut lustvolle Gefühl der Freude die ich an diesem Morgen verspürt habe. Ich war einfach gut drauf die Sonne schien und ich hatte total schwungvolle Musik im Auto an. Es ging mir gut ich hab gesungen, es hat geblitzt… und ich hab weitergesungen. Was solls? Das kann uns doch nicht die Freude am Leben nehmen. Es war halt nur ein Blitz und kein Einschlag .;-)
    liebe Grüße
    Brigitte

  7. 7
    Alex Miller / 2012Spirit Alex Miller / 2012Spirit sagt:

    Liebe Brigitte,
    der Blitz war also deine persönliche Disco-Lichtorgel zur schwungvollen Musik! Klasse! 😉
    Schön, wenn man über sich lachen kann, und nicht nicht alles so ernst nimmt:)

    Herzliche Grüße
    Alex

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