Ho´oponopono: Der Turbo für Konfliktlösung

12 Nov 2014 Von Kommentare: 3 Heilung, Ratgeber

Lotusblume

Ho´oponopono ist die wohl wirkungsvollste Konfliktlösungsmethode, die je in einer Kultur erfunden wurde, schrieb Dr. E.W.Hartig 1970 in ihrem Buch »Nana I Ke Kumu« (hawaiianisch: »Schau zur Quelle«). Stell dir folgende Situation vor: Du hast dir an einem Sonntag vorgenommen, das neue Buch zu lesen, welches du dir erst gekauft hast. Kaum machst du es dir im Wohnzimmer gemütlich, fängt der Nachbar im Garten zu sägen und zu werkeln an und du kannst dich nicht auf das Buch konzentrieren. Du überlegst, ob du deinen Nachbarn darauf hinweisen sollst, dass heute Sonntag und somit lautes Arbeiten verboten ist oder ob du dein Buch notgedrungen an einem anderen Tag liest. Du könntest mit ihm sprechen um dann zu erfahren, dass er sein Dach aufgrund eines gerade entstandenen Schadens notdürftig repariert, damit es keine schlimmeren Auswirkungen an den Wänden gibt. Was auch immer du versuchst, im Außen zu verändern, wird es dir letztendlich keine wirkliche Verbesserung bringen, um dein Buch in aller Ruhe lesen zu können.

Du lenkst nur ab bzw. verschiebst „dein“ Problem. Im übertragenen Sinne ist bei diesem Beispiel der Lärm, den dein Nachbar „verbotenerweise“ produziert, dein eigener „Müll“, den du in dir trägst und der sich dir im Außen zeigt. Letztendlich ist es dein eigener Ärger und deine eigene Wut, die in dir hochkommt.

Hier kommt Ho´oponopono ins Spiel

1) Erkenne die Situation an, so wie sie ist 2) Verzeihe dem Nachbarn und dir selbst. 3) Liebe deinen Nachbarn (wie alle Lebewesen) und liebe dich selbst. 4) Bedanke dich bei einer höheren Macht, egal ob es für dich Gott, das Universum oder die Schöpfung ist. 5) Gebe das „Problem“ an die höhere Macht ab um es transformieren zu lassen.
In der Praxis sieht das folgendermaßen aus, immer wenn dich etwas stört oder belastet sage dir in Gedanken:

1) Es tut mir Leid
2) Ich verzeihe dir und ich verzeihe mir
3) Ich liebe dich und ich liebe mich
4) Danke für die Heilung
5) Danke für die Transformation

Alles hat zwei Seiten

Hooponopono ist ein altes hawaianisches Vergebungsritual, in dem davon ausgegangen wird (wie auch in sämtlichen spirituellen Konzepten), dass alles zwei Seiten hat, es keine Opfer und keine Täter sowie kein Gut und kein Böse gibt. Wo mehrere Menschen aufeinander treffen, gibt es immer irgendwelche Auseinandersetzungen. Der Mensch ist aufgrund seiner Erfahrungen und Erkenntnissen sowie Erziehung, Herkunft, Kultur etc. zu individuell, und das hat seine berechtigten Gründe. Dein Nachbar macht möglicherweise einen Fehler, aber einen ähnlichen Fehler hast du selbst auch schon mal gemacht, wenn du alles aus einer höheren Perspektive sehen könntest. Unsere Welt und uns selbst können wir nur dann heilen, wenn wir das, was uns begegnet, uneingeschränkt annehmen und es akzeptieren, dass es da ist. Ohne Liebe unseren Mitmenschen gegenüber und ohne Liebe uns selbst gegenüber kann es keinen Frieden in der Welt und keine Heilung in uns geben. Mit Dankbarkeit drücken wir unsere Demut vor dem Leben und der höheren Macht aus. Durch die abschließende Transformation lassen wir den Konflikt bzw. die inneren Probleme los (Loslassen).

Wo kommt Ho´oponopono her?

Inuit tanzt traditionellIn vielen alten Kulturen geht man davon aus, dass persönliches Fehlverhalten Krankheiten auslösen kann. Hooponopono ist eine Art Reinigung. Auf Hawai war Hooponopono ursprünglich, und das ist es dort auch heute noch, eine Art „Familienkonferenz“, was bedeutet, dass sich die Familienmitglieder trafen und miteinander sprachen. Bezogen auf unsere westliche Welt kaum noch vorstellbar, dass alle an einen Tisch sitzen und miteinander sprechen. Noch weniger vorstellbar wenn man in viele Unternehmen sieht, in der die Kollegen zwar über-, aber nicht miteinander sprechen. Hooponopono ist also im traditionellen Sinne lediglich ein Austausch von Menschen, um Harmonie (wieder) herzustellen und eventuelle Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Bei konkreten Problemen und Verstößen in den hawaianischen Gemeinschaften leitete ein Haku, der über natürliche Autorität verfügte, die Versammlung. Jeder kam zu Wort und erhielt dabei einen Sprechstab. Währenddessen einer sprach mussten alle anderen still zuhören. Nach der Versammlung sprach der Haku ein Gebet, bei dem jeder in der Stille in sich gehen konnte und am Schluss bedingungslos den anderen, wie sich selbst vergeben konnte. Je nach Konflikt wurden nach dem Ritual gemeinsame Vereinbarungen getroffen. Später wurde oft gegessen getanzt und gefeiert. Es symbolisierte, dass Vergangenes nun vorbei ist und man sich in der Gegenwart befindet, alles wieder bei Null anfängt.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das hawaianische Vergebungsritual im Westen in eine einfache und wirkungsvolle Selbstheilungsmethode umgewandelt.

Die unfassbare Heilungsgeschichte des Dr. Len in der psychiatrischen Abteilung eines Gefängnisses

Im Buch »Zero Limits«, dass er gemeinsam mit Dr. Joe Vitale geschrieben hatte, berichtet der Arzt Dr. Ihaleakala Hew Len von der Heilung einer nahezu ganzen Abteilung schwer psychisch gestörter Krimineller zwischen 1983 und 1987 – ohne diese jemals persönlich kennengelernt zu haben!

Ein ehemaliger Kollege hatte Dr. Len angerufen und gefragt, ob er im Gefängnis in Kaneohe (Hawai) aushelfen könne. Die psychiatrische Abteilung des Gefängnisses wurde als die Hölle bezeichnet, denn obwohl die Patienten durch Handschellen oder Psychopharmaka ruhiggestellt waren, gab es regelmäßig gewaltsame Übergriffe. Das Wach- und Pflegepersonal sowie die Therapeuten blieben im Durchschnitt drei Wochen und meldeten sich dann krank. Man war überfordert und brauchte dringend Unterstützung. Jede Hilfe war willkommen, und so wurde vereinbart, dass Dr. Len die Krankenberichte der Patienten in seinem Büro studieren sollte. Dort arbeitete er in der Stille mit einer Methode, die er kennengelernt hatte, an seiner Reinigung: Ho´oponopono. Dr. Len fragte sich bei jedem Patienten, mit dessen Krankenbericht er sich befasste: »Was ist in mir, dass es so etwas in meiner Welt gibt? Was ist in mir, dass mein Bruder (er nannte den Namen des Insassen) so etwas tat?« Er ging in sich, befragte sein Herz, und jedes Mal, wenn er in sich eine Resonanz zur Krankheit oder zum Verhalten eines Patienten gefunden hatte, sagte er: »Es tut mir leid. Ich verzeihe dir. Ich liebe dich.« Er erkannte alles »Hässliche« in sich an und übergab dieses ein einem weiteren Schritt dem Göttlichen. Schließlich dankte er Gott für die Umwandlung. Täglich, über mehrere Stunden, Tage, Wochen, Monate arbeitete er so alle destruktiven Gefühle, Emotionen und Anteile auf, die ihn mit den Gefangenen verbanden. Nach einer Zeit veränderte sich die Atmosphäre in der psychiatrischen Abteilung mehr und mehr. Die Angestellten kamen plötzlich gerne zur Arbeit. Erstmals wurden wieder therapeutische Gespräche mit den Patienten möglich, nach acht Monaten gab es keine Handschellen mehr und nach etwa dreieinhalb Jahren konnten 28 von insgesamt 30 Insassen aus der Psychiatrie entlassen werden. Dr. Len erklärt, er habe nur sich selbst gereinigt und keinen Kontakt mit den Patienten gehabt. Quelle: Das Wunder der Vergebung von Ulrich Duprée

Das moderne, abgeleitete Hooponopono kann angewendet werden in persönlichen Krisen, Familie, Ehe, Beruf, bei Krankheit und zwischenmenschlichen Problemen.

Bilder: „Lotusblüte“ von Peter Schenk / Gehvoran.com (Beitragsbild), Fotolia.de (Krieger/Indigener)

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumina sagt:

    Eine sehr schöne Darstellung der Huna-Lehre und ich kann diese Deutung voll und ganz annehmen.
    Bisher hatte ich immer meine Schwierigkeiten mit dem Wort Vergebung, denn erstens war es für mich sehr christlich besetzt, hatte immer den Gegenpol der Schuld ( warum wäre sonst etwas zu vergeben, wenn keine „Schuld“ bestünde, bei sich oder bei anderen? )

    Aus einer umfassenderen Sicht hat m.E. niemand einem überhaupt etwas „angetan“, denn wir haben alles , was uns begegnet, in diesem oder einem früheren Leben selbst erschaffen oder miterschaffen, unsere gesamte Realität, um spirituell zu wachsen. Ich habe jedenfalls nie das Gefühl gehabt, jemandem, oder auch mir etwas ( im christlichen Sinne) „vergeben“ zu müssen.

    Obwohl ich das nach wie vor richtig finde, habe ich doch erkannt, dass es mehrere Ebenen des Verstehens gibt. Für mich hat Vergebung vor allem etwas mit Bewusstwerdung und Akzeptanz zu tun. So wird es im Artikel ja auch beschrieben. Vergebung bedeutet, auf Groll zu verzichten und so das Leid loszulassen. Nichtvergeben geschieht immer durch den Verstand, das falsche Ego, das nicht ohne Zwietracht und Konflikt überleben kann. Der Groll verfolgt gar keine andere Absicht, als das falsche Selbstgefühl zu stärken und Vergebung sehe ich inzwischen als Fähigkeit, dem Leben keinen Widerstand zu bieten, es durch sich hindurchfließen zu lassen und alles, was kommt, als sinnvoll anzunehmen.

    Die Geschichte über Dr. Len finde ich wundervoll, so viel kann übertragene Liebe bewirken.

    LIebe Grüße von Lumina

  2. 2
    Sven sagt:

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!

    Vergebung findet letztendlich immer im INNEN statt. Gedanken, Urteile und Reaktionen ziegen uns die Punkte, mit denen wir noch hadern, mit denen wir noch nicht im Einklang sind.

    Vergebung bedeutet Annahme, bedeutet Selbstliebe und zeigt ihre Wirkung in der gelebten Liebe zu allen Menschen, die dir täglich auf deinem Weg begegnen. Egal, was sie auch gerade zeigen.

    Alles, was dir gespiegelt wird, fordert dich auf über dich selbst nachzudenken.
    In dem du deine eigenen Projektionen im Anderen erkennst, kannst du lernen dich selbst anzunehmen, an dir zu arbeiten und dir selbst zu vergeben.

    Sobald du dir aufrichtigen Herzens vergeben kannst, erlöst du gleichzeitig die Verhaltensmuster deiner Projektion in deinem Gegenüber auf.
    Das ist das wunderbare an Vergebung. Sie bedeutet aber auch „loslassen“, sie ist der Fluss der Liebe. Denn wahre Vergebung ist bedingungslos.

    Alex, ich möchte dir noch für dein Buch (Transformation der Zeit) danken, welches ich vor ca. 2 Jahren gelesen habe.
    Ich finde es ganz toll, in welcher Weise ihr euch bei 2012Spirit mit dem Thema Bewusstsein beschäftigt, ohne dabei ständig in die dualen Fallen dieser Zeit zu geraten.
    Annahme ohne Anhaftung an eine einseitige Haltung bedeutet ganzheitliche Heilung des kollektiven Bewusstseins.

    Vielen Dank! Sven

  3. 3

    Liebe Lumina,
    ich denke, dass das Wort Vergebung nur deshalb so einen negativen Touch hat, weil wir es hauptsächlich aus dem Christentum kennen. Dabei gibt es das in, ich denke, allen Kulturen und Religionen. Das Besondere bei Hoóponopo ist, dass es wertfrei eingesetzt wird, mit dem tiefen Wissen, dass unser „Feind“ ein Teil von uns ist, wir aus der selben Quelle stammen.

    Lieber Sven,
    danke für deine liebevollen und weisen Worte, besser hätte man es nicht beschreiben können.
    Und Herzlichen Dank für dein „Lob“ für mein Buch wie für 2012Spirit. Ehrlich gesagt fällt es auch mir oft sehr schwer, nicht in die dualen Zwickmühlen zu geraten, sprich: andere zu verurteilen oder zu bewerten. Das beweist mir dann immer wieder, dass ich voll und ganz Mensch bin und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe, was auch gut so ist 🙂 Und manchmal tappe ich dann hinein, that´s life! 😉

    Herzliche Grüße
    Alex

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