Wie Gewohnheit unseren Geist versklavt

04 Nov 2014 Von Kommentare: 4 Bewusstsein, Spiritualität

Radfahrer in der Luft

Die meisten Erwachsenen blicken auf eine Kindheit zurück, in der sie so erzogen wurden, dass sie sich bedankten, wenn sie etwas geschenkt bekamen. Damals als Kind war es z.B. das Stück Gelbwurst beim Metzger oder die Breze beim Bäcker. Anstand, Wertschätzung und Respekt. Sich für materielle Dinge zu bedanken, damit kommt man meistens auch heute noch klar, wenngleich selbst das für manche eine kaum überwindbare Hürde darzustellen scheint. Wie aber steht es mit Dingen, die wir Tag für Tag wie selbstverständlich bekommen, wir aber weder sehen noch anfassen können?

Wer bedankt sich denn heute als Erwachsener bei der netten Bäckereiverkäuferin für ihre Freundlichkeit, ihr sympathisches Lächeln und das nettes Gespräch, in das sie uns verwickelt und dass sie uns hinterher einen schönen Tag wünscht? Oder wer bedankt sich bei der Bedienung für die außerordentliche Aufmerksamkeit im Lieblingscafe?

Ganz nüchtern und ökonomisch in kapitalistischen Zeiten betrachtet könnte man dagegenhalten, dass das Lächeln im Preis für die Brötchen, das Brot oder dem Kaffee mit inbegriffen sei. Eine unfreundliche Bedienung würde vielleicht mittelfristig ihren Job verlieren, das kann gut sein. Aber kann man das wirklich so einfach über einen Kamm scheren? Außerdem wollen wir ja kein kapitalistisches System mehr, sondern ein friedliches Miteinander, wo jeder Mensch das einbringen darf was er kann und ihm Freude bereitet, basierend auf einem wertschätzendem Energieaustausch, dass allen Beteiligten zugute kommt. Nebenbei bemerkt werden meiner Meinung nach freundliche Bedienungen und Servicekräfte immer rarer, vielleicht liegt es auch an der schlechten Bezahlung. Um aber wieder zum Thema Dankbarkeit und Gewohnheit zurückzukommen:

Darf´s ein bischen Dankbarkeit sein? Oder lieber ein Stück Gelbwurst?

Die meisten Menschen nehmen das Lächeln, die freundliche Art und den zuvorkommenden Service als selbstverständlich hin, ohne sich dafür, und für nichts anderes, einfach mal zu bedanken, Danke zu sagen. Danke für die Freundlichkeit. Danke für die Aufmerksamkeit. Danke für das Lächeln. Danke für den Service. Danke für den Menschen. Es fällt oft erst dann auf, wenn die freundliche Verkäuferin oder die aufmerksame Bedienung plötzlich nicht mehr da ist, weil sie vielleicht woanders hinzieht mit ihrem Mann, oder sie den Job wechselt. Wenn sie (natürlich kann es auch ein „er“ sein…), die einst viele nette Worte, viel nettes Lächeln und viel Wärme gegeben hat, nun nicht mehr da ist, fühlt es sich im ersten Moment an, als würde einem etwas genommen. Was für viele Jahre vollkommen selbstverständlich war, ist nun zu Ende, aus, vorbei. „Was kommt denn danach? Es kann nur schlechter werden“- so die ersten Impulse. Dabei wurde einem möglicherweise eine lange Zeit sehr viel gegeben, was man zwar wahrgenommen, aber verbal oder auch nonverbal nach Aussen kaum erwidert hat. Man lächelte vielleicht kurz zurück und wünschte auch einen schönen Tag. Aber in der Hektik des Alltags jagte man schnell in den nächsten Laden, um die Einkäufe so schnell wie möglich zu verrichten. Oder stürzte sich schnell ins Auto oder in die U-Bahn, um pünktlich in die Arbeit zu kommen.

UntersbergUnsere Umwelt und unsere unmittelbaren sozialen Kontakte haben wir dabei selten wirklich in Dankbarkeit erwidert. Haben wir uns mal bedankt bei jemanden, weil er/sie so ist, wie er/sie ist? Oder auch weil er/sie einfach nur DA ist?

„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, sagte einst Gustav Freytag, deutscher Schriftsteller (1816-1895)

Wie Recht er doch hat. Alles ist Gewohnheit. Wenngleich Tiere intelligenter sind als Menschen, sieht man sich unseren Planeten Erde an…

Lebensumstände, die wir erst dann schätzen, wenn wir sie aufgeben müssen. Liebe Menschen, die wir erst dann vermissen, wenn sie nicht mehr da sind. Der Job, der uns gutes Geld eingebracht hat und den wir erst dann mögen, wenn wir Hartz4 erhalten. Und die eigene Gesundheit, die wir erst dann bemerken und den eigenen Körper, dem wir erst dann unsere volle Aufmerksamkeit schenken, wenn wir krank geworden sind.

Der Prozess des Bewusstseinswandel fängt meist erst dann an, wenn sich etwas um uns herum verändert und wir gezwungen werden, uns zu hinerfragen. Es verändert sich oft erst dann etwas an der inneren Einstellung der Menschen, wenn etwas nicht mehr so ist wie es einmal war. Eingefahrene Denkweisen müssen dann ausbrechen, ob sie wollen oder nicht. Dann wacht der Mensch aus seinem Tiefschlaf auf und bemerkt, was er einst gehabt hat, an einem anderen Menschen, an seinem gesunden Körper, seinem Job oder dem Partner. Was wäre, wenn wir keine Bäckereiverkäuferin mehr hätten, keinen Chef im Büro, keinen geliebten Partner neben uns im Bett, keine Heizung im Wohnzimmer, kein Trinkwasser aus dem Wasserhahn, kein Dach über dem Kopf?

Wir denken dann: „Schade. Hätte ich doch mal Danke gesagt“.

Bilder: Fotolia.de

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Frosch Frosch sagt:

    Hi Alex – wichtiges Thema!
    Zitat:“Wenngleich Tiere intelligenter sind als Menschen, sieht man sich unseren Planeten Erde an… “
    Tiere haben uns etwas Entscheidendes voraus: sie haben nicht die Fähigkeit bekommen, in der Art zu denken wie wir. Sie leben ganz im Moment und leben total instinktiv. Wir aber tun Folgendes: wenn wir am Morgen aufstehen, sind wir gedanklich bereits beim Kaffee machen, wenn wir bei der schönen Bäckerin sind, bereits gedanklich im Büro. Wir befinden uns also immer in der Zukunft. Würden wir aber im Moment sein, so würde uns vielleicht die feine Geste der Bäckerin auffallen, ihr Lächeln, ihre Art zu sein und wir könnten zu ihr in Kontakt treten. Man sagt, ein Danke, ein Lächeln, kann die Welt verändern.
    Sonnengruss Frosch

  2. 2

    Danke Alex für dein tun.
    LG Franz

  3. 3
    Lumina sagt:

    Ein schöner Artikel!
    Um Dankbarkeit in sein Leben hineinzubringen, könnte man P`taahs Morning Song morgens unter der Dusche ( weil Wasser Informationen weiterleitet….. ) bewusst, langsam und liebevoll vor sich hinsagen:

    P`taah´s Morning Song:

    Danke für die Liebe in meinem Leben-
    Danke für die Liebe, die mich umgibt.
    Danke für das Wunder des Lebens, das ich bin, und
    Danke für das Wunder des Lebens, dass ich überall
    um mich herum reflektiert sehe.
    Danke für das Geschenk, das ich bin.
    Danke für meinen perfekten Körper, meine
    Gesundheit und Vitalität.
    Danke für den Überfluss, der ich bin.
    Danke für den Reichtum meines Lebens.
    Danke für das Geld, das mir zufließt.
    Danke für die Aufregung und das Abenteuer der
    Millionen Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten.
    Danke für das Staunen und danke für die Freude.
    Danke für die Schönheit und die Harmonie. Danke für
    die Ruhe und den Frieden.
    Danke für das Lachen und das Spielen.
    Danke! Danke ! Danke!

    Ich habe ihn auf einem meiner P`taah Seminare gelernt und empfinde diese Worte jeden Morgen als ganz wundervoll und erhebend!

    Liebe Grüße von Lumina

  4. 4
    Eumel sagt:

    Ich frage mich oft, wenn ich dem Weltgeschehen folge: Hat uns Gott verlassen? Nein! wir haben Ihn verlassen.
    Ich bin kein Christ,kein Moslem,kein Jude oder wer weiß was, ich bin ein Mensch mit Seele und frage mich,wie kann Gott die Menschen lieben?Eine Spezies die derart destruktiv und zerstörerisch auf dieser Erde wütet und trotzdem liebt er uns.
    Ich weiß jetzt warum: Weil er,sie,es Gott ist und kein Richter oder Mensch oder oder oder…….Es ist die Quelle von Allem.
    Wer zur Quelle zurück will,muss gegen den Strom schwimmen! und das bedeutet leben in allen Fassetten,aber nicht das wir es nicht ändern könnten.Wir müssen uns nur bewusst machen,das wir aus der Quelle kommen und Quelle sind.
    Das Ziel ist der Weg.

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