Der Weihnachtsmann und die Sehnsucht

23 Dez 2014 Von Kommentare: 0 Allgemein, Sonstiges

Winter in Franken

Die Sehnsucht schaut dem Weihnachtsmann tief in die Augen, lehnt sich müde an seine breiten Schultern und seufzt leise. Es ist doch ein schwierig Ding, jeden Tag die Wünsche, Hoffnungen und Träume all der Menschen zu hören und zu prüfen. Welche sollen der Erfüllung zugeführt werden, welche nicht. Weisst, mein guter Weihnachtsmann, fährt die Sehnsucht leise fort, sind sie nämlich bei der Erfüllung gibt es kein Zurück mehr, es ist dann wie es ist. Ich weiss, sagt der bärtige Mann, ich kenne dies, bin ich doch in der etwas einfacheren Situation, diese einfachen und gerade deswegen so schweren Entscheidungen nur einmal im Jahr erledigen zu müssen. Dazwischen habe ich jeweils viel Zeit, um mich von den Strapazen des Wechselspiels „Hoffnung und Enttäuschung“ zu erholen, du bist wirklich nicht zu beneiden.

Was hat nur Zeus weiland gedacht, als er mit des Schwertes scharfer Schneide trennte, was eigentlich stets zusammengehört, schluchzte nun die Sehnsucht dergestalt, dass es dem Weihnachtsmann schon fast unheimlich wurde.

Ich weiss es auch nicht, sagte er tröstend in der Hoffnung, die Sehnsucht möge seine langsam aufkommende Verzweiflung nicht spüren. Siehe, flüsterte er leise und wohl wenig überzeugend, das Helle braucht das Dunkle, sowie der Tod das Leben, um als solches sein zu können. Unser Sein wiederum, auch wenn uns solches mehr Pein denn Einsicht verschafft, ist es das richtige Mass zu finden, damit nicht alles im Schlunde der Erfüllung endet und sich somit ins Nichts auflösen wird. Mag sein, mag sein, sagte die Sehnsucht weinend.

Ach könnte ich doch dies alles nur zur Zufriedenheit aller erledigen, ohne Wunden der Enttäuschung in die Seelen der Menschen zu schlagen, ich bete jeden Tag darum, sagte die Sehnsucht sehnsüchtig, weinte leise und schlief schliesslich neben dem Weihnachtsmann ein, welcher seiner steten Begleiterin das Haar der Zeit sanft berührend und küssend zur Seite strich, nicht ohne etwas nachdenklich in die Weite der eisigen Nacht zu blicken. Plötzlich erblickte er in der Ferne ein warmes Licht. Sanft – wie mit Geisterhand – hob er die immer noch schlummernde Sehnsucht mit seinen starken Armen auf, sagte dass es des Elends nun genug sei und schritt so durch den tiefen Schnee der Realität gen das immer magischer leuchtende, ja gar flirrende Licht.

Er konnte bald das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden, spürte jedoch eine starke Kraft, die ihn immer rascher und fester gehen ja bald fliegen liess. Eine wohlige Wärme liess ihn alle Bedenken der Einhalt, der Umkehr vergessen. Wie viel Zeit er so verbrachte, ward ihm nicht gewahr, es hätte ihn ohnehin nicht mehr interessiert, nur weiter dem Lichte entgegen. Plötzlich hörte er eine weitere traurige Stimme,die ihm säuselnd zurief:

Willkommen ihr beiden; ich habe lange auf euch gewartet, auch wenn dies für mich ein ganz entscheidender Moment sein wird, den ich ertragen muss, ob ich es möchte oder nicht.

Der Weihnachtmann sah, einem Spiegel gleich, eine alte Person, dessen Gesichtszüge von tiefen Spuren eines wohl langen Lebens gezeichnet war. Neben dieser schlief eine nicht minder erhabene Gestalt tief und fest, so wie jemand von schweren Lasten befreit in einen tiefen Schlaf gesunken ist. Kommt her und nehmt Platz, sagte also die Erfüllung, und bat die beiden Reisenden zu sich und der neben ihr schlafenden Enttäuschung, worauf einem Brausen gleich das Helle ins Dunkle schoss und alles vom Strudel des Nichts eingesogen wurde.

Bild: Gehvoran.com

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