Die Geschichte, die mein Leben veränderte

08 Jan 2015 Von Kommentare: 1 Allgemein, Sonstiges

Tunnel

Es war der Tag X, als ich alles zu hinterfragen begann. Alles. Und von da an gab es kein Zurück mehr. Einmal den ersten Schritt getan, gibt es kein Entrinnen mehr. Die Wahrheit verfolgt mich Schritt auf Tritt. Umkehren? Fehlanzeige. Die Wahrheit steht mit weit ausgebreiteten Armen im Weg und signalisiert mir unmissverständlich, dass Wenden oder gar Vergessen der Wahrheit, schlichtweg nicht möglich ist. Und so verfolgt mich die Wahrheit Tag für Tag und wenn ich mal des zu langsamen Schrittes gehe, sie mich sanft und leise schubst und voran treibt.

In Rente wird alles gut

Wie oft doch beobachte ich Menschen, wie sie sich Tag für Tag zur Arbeit schleppen mit nur einem Ziel: Endlich in Rente gehen zu können. Erstmal in Rente, werden sie Zeit haben für all die Dinge, die sie des Lebens nie getan. Ebenso oft und tragisch aber, konnte ich auch schon beobachten, dass, als der Tag der Rente kam, sie mit einem Feuer in den Augen gingen, welches alsbald erlosch und manchmal tragisch im verfrühten Tode endete. 50 Jahre gearbeitet und dann innerhalb eines halben Jahres dahingerafft. Ebenso oft das andere Szenario eines Ehepaares, welches 30 Jahre verheiratet war, die Ehefrau die Rolle der Hausfrau mit Stolz trug und der Ehemann das Geld nach Hause brachte. Die Rollen waren gut eingespielt, doch mit dem Tag der Rente, zerbrach die Ehe wie eine marode Sandburg. Sie war es sich nicht mehr gewohnt, dass er, einst ihre große Liebe, nun plötzlich wieder Tag für Tag zu Hause war und in ihr Territorium eindrang. Tragisch, aber wahr. Und so verfolgt mich wie erwähnt die Wahrheit und drängt sich mir auf. „Willst du so enden? Ist es dein Ziel? Wohin führt es dich? Lebst du? Jetzt?“

Befinden wir uns alle in Warteposition?

Leben wir, oder warten wir darauf, dass das Leben beginnt? Hoffen wir auf ein bestimmtes Ereignis, welches uns dann endlich Glück und Zufriedenheit, mehr Zeit und vor allem Geld bringt? Warten wir darauf? Verfallen wir der Illusion, dass dann alles besser sein wird? Dann, wenn wir in Rente sind und endlich Zeit haben nur für uns?

Die Geschichte, die mein Leben veränderte

Kürzlich wurde mir eine Geschichte eines Fischers erzählt, die mich so nicht mehr losgelassen hat und die ich hier gerne sinngemäß und in meinen Worten wiedergeben möchte:

Alter Mann aus dem MittelalterEin Mann kam einst an einen schönen Fischerhafen, wo ein Fischer mittleren Alters gerade sein Schiff zum Ablegen bereit machte. Der Mann war äußerst neugierig auf sein Tun und wollte wissen, wie viele Fische er denn täglich so fange. Der Fischer war wenig beeindruckt von dieser Frage und antwortete, dass er gerade mal soviel fange, dass er seine Frau und seine beiden Kinder ernähren könne. Dies reiche ihm. So bliebe ihm genügend Zeit, jeden Morgen mit seiner Familie zu frühstücken, seiner Frau beim Malen zuzuschauen und abends jeweils zusammen an den Strand zu gehen, wo die Kinder im Sonnenuntergang schwimmen würden. Der Mann verstand nicht, wie man so unbekümmert leben konnte und fragte den Fischer, wieso er nicht mehr arbeiten würde. Er könnte doch täglich ganz viele Fische fangen und diese dann auf dem Markt verkaufen. Mit dem Geld könnte er sich ein zweites Schiff kaufen und damit noch mehr Fische fangen, womit er wieder mehr Geld verdienen könne. Irgendwann hätte er soviel Geld, das er dann mal nicht mehr arbeiten müsse und er sich zur Ruhe setzen könne. Der Fischer schaute ihn lächelnd an und fragte ihn folglich, was er denn gedenke zu tun, sobald er dies alles erreicht habe gemäß seinem Plan. Der Mann erwiderte dann stolz, er könnte dann jeweils jeden Morgen mit seiner Familie frühstücken, sofern seine Frau ihn bis dahin nicht verlassen hat und abends, dann könnten sie jeweils mit ihren Kindern am Strand schwimmen gehen, vorausgesetzt, dass diese dann überhaupt noch bei ihnen wohnen würden, weil sie dann ja schon älter seien. Der Fischer blickte ihn wortlos an und ging lächelnd davon…

Der Tag X wird nie kommen

Dies mag nur eine Geschichte sein, aber wer ehrlich zu sich ist – und mit Verlaub, dies ist so verdammt schwierig – der muss sich eingestehen, dass wir oft genau so funktionieren, wie es der Mann dem Fischer so dargelegt hat. Wir arbeiten auf ein Ziel hin und ist das Ziel erst mal erreicht, können wir es nicht mehr geniessen. Sei es, weil wir kurz danach versterben, uns der Partner verlassen hat, die Kinder längst aus dem Haus sind oder uns eine Krankheit heimsucht.

Was hält uns also davon ab, bereits jetzt so zu leben, als würden wir schon in Rente gehen? Ist es das Geld? Ja, so ist es. Wir müssen arbeiten, um unseren Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Wir wollen uns schliesslich Ferien leisten können, neue Kleider, der schöne Schmuck, die neusten elektronischen Geräte und all die tollen und schillernden Dinge, die uns allabendlich im teuren Flachbildschirm-TV so schön präsentiert werden. Man gönnt sich schliesslich sonst nichts. Wir ackern Tag ein, Tag aus und schliesslich haben wir dann eine Belohnung in Form eines Urlaubs in einem Wellnesshotel, eines schönes Kleidungsstückes, einer schönen Uhr, Auto, Smartphones… verdient. Für dies alles benötigen wir aber auch Geld. Und genau dieses Geld erarbeiten wir uns in einem Job, der uns bestenfalls, jedoch seltenst wohl, erfüllt.

Bräuchten wir all diese Kompensationsmittel, wenn wir einen Beruf ausüben würden, der uns erfüllt? Müssten wir uns dann noch mit anderen Dingen auffüllen? Und wenn nicht, würde dies doch bedeuten, dass wir weniger Geld bräuchten… Die weiteren Gedanken dazu überlasse ich nun euch.

Beitragsbild Tunnel: Gehvoran.com, Bild Unten Alter Mann: Fotolia.de

1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. 1
    tom sagt:

    gefällt mir. habe darüber auch schon oft nach gedacht. Ich, für mich, werde einen andere Pfad einschlagen. Aber natürlich kann das nicht jeder so wie ich machen….

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