Du langweilst mich!

29 Jan 2015 Von Kommentare: 5 Allgemein, Sonstiges

Undercover

Wenn wir etwas zum ersten Mal sehen, zum Beispiel einen wundervollen Sonnenuntergang, dann kommen wir kaum aus dem Staunen raus. Wir fühlen uns eins mit dieser gesamten Schöpfung, mit diesem Geschenk der Natur, wir werden wieder zum Kind. Am nächsten Tag ist dieses Spektakel immer noch sehr schön und am dritten Tag, schaut man zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs lieber eine TV-Sendung, denn am nächsten Tag gibt es den Sonnenuntergang ja sicher immer noch zu bestaunen. Und so verliert alles im Leben an Zauber und Magie, wenn man es zu oft sieht. Ob es sich dabei um das neue Auto handelt, die neue Wohnung, die neuen Kleider, den Haarschnitt oder den Partner.

Heisses Eisen

Ein ganz heisses Eisen, die Thematik Partnerschaft. Die ersten drei bis sechs Monate einer Partnerschaft kann man im Grunde genommen gar nicht wirklich für bare Münze nehmen, denn was da geschieht, was da wahrlich abgeht , ist lediglich das Programm „Arterhaltung“, welches durch den von der Natur perfekt ausgetüftelten Hormoncocktail im Hirn, bedingt ist. Da finden sich zwei Menschen und das Programm übernimmt die Führung, um ans Ziel zu kommen. Eigentlich müsste es den Straftatbestand des Lenkens eines Fahrzeugs in liebestrunkenen Zustand geben. Wir verhalten uns in diesem Zustand ähnlich fusselig, dusselig, so schön neben den Schuhen, so richtig schön verklärt, die rosa Brille lässt alles Negative in den Hintergrund treten.

Die Partnerschaft beginnt im nüchternen Zustand

Die richtige Partnerschaft fängt aber erst viel später an, nämlich dann, wenn dieser ganze Hormonmix abgeflacht und der Mensch wieder nüchtern und bei Sinnen ist und sich nicht mehr im Liebestaumel befindet. Dann sieht man den Partner plötzlich klar und man erkennt plötzlich gewisse Dinge an ihm, die so gar nicht gefallen und welche garantiert nichts mit uns selbst zu tun haben. Nie im Leben. Nie.

Einen Menschen zu lieben, wenn er so ist, wie ich ihn mir vorstelle, wenn er Dinge tut, die ich mag, wenn er mich stets auf Händen trägt und an mir nie etwas auszusetzen hat, ja dann liebe ich ihn von ganzen Herzen. Die Partnerschaft ist dann wunderschön, harmonisch, so lichtvoll und ohne Probleme. Tagein, Tagaus herrscht „Friede, Freude, Eierkuchen“ und man lebt in einem Traum von einer Partnerschaft. Es ziehen Monate und Jahre ins Land und es ist wie mit dem eingangs erwähnten Sonnenuntergang, es wird alles normal. Bald zieht die Monotonie mit ein und die Bequemlichkeit nimmt ebenso auf dem Sofa Platz. Man hat sich aber so an diesen leblosen Zustand gewöhnt, dass man vermutlich auch nichts verändern wird über die Jahre. Der Aufschrei wird dann natürlich besonders gross sein, wenn sich plötzlich herausstellt, dass der Partner fremdgegangen ist, er sich ausserhalb etwas Abwechslung und Action besorgt hat. Der betrogene Partner fällt aus allen Wolken, denn es war so gar nicht vorhersehbar, es war doch stets alles in bester Ordnung.

Verliebtes Pärchen am StrandDie Leichen befreien

Später wird man erkennen müssen, dass man neben sich her gelebt hat, sich nicht miteinander auseinander gesetzt hat. Etwas, was aber meines Erachtens absolut von Nöten ist, will man den Partner und vor allem sich, in Anlehnung an das allseits bekannte Spiegelgetz, richtig kennenlernen und vor allem die Leichen der Vergangenheit endlich aus dem Verliess befreien. Eine Partnerschaft wird an Tiefe gewinnen, wenn man sich mit den Schattenseiten des Partners und somit gleichzeitig mit den eigenen Schattenseiten auseinandersetzt. Und dies kann ganz schön heftig werden. Da kommen Gefühle hoch, welche von „versagt zu haben“ bis hin zu“ ich bin nicht fähig zu lieben“ reichen. Und am heftigsten schmerzt das Gesicht, denn die Maske wird schonungslos heruntergerissen, ungefragt und es wird auch keine neue Maske mehr toleriert. Es stehen sich dann zwei Menschen gegenüber, die sich vielleicht das erste Mal richtig begegnen und das erste Mal im Leben vielleicht so etwas wie annähernd Liebe empfinden können. Für sich und auch für den anderen.

Mit jedem Schatten, der angeschaut wird und mit jeder Leiche, die befreit wird, gelangt man in eine neue, noch unbekannte Landschaft, die jeweils wieder neue Lernaufgaben mit sich bringt und die nur darauf wartet, erkundet zu werden. Es wird Ländereien geben, die einer Wüste gleich sind und das Wasser fern und es werden Landschaften kommen, die fruchtbarer nicht sein könnten und alle Dinge im Einklang sind. Und es werden Weggabelungen kommen, wo keine Wegweiser stehen, und Türen, die keine Schlösser besitzen.

„Wer liebt, muss sich verlieren und sich wiederfinden können.“ (Paulo Coelho)

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Lumina sagt:

    Sehr schön und wahr geschrieben, liebe Silvia !

    Viele Probleme der gescheiterten Partnerbeziehungen bestehen meiner Ansicht nach darin, dass es sich um „abhängige“ Beziehungen handelte. Jeder Partner sah anfangs im Zuge der Verliebtheit im anderen die Befreiung von seinem Gefühl der Angst und des Mangels.
    Diese Gefühle verschwinden während der Verliebtheit für kurze Zeit und jeder fühlt sich „ganz“. Aber da diese Ganzheit nicht auf eigener Entwicklung und Selbstliebe basiert, nutzt sie sich natürlich mit der Zeit ab und dann entsteht, wie Du schon schreibst, Langeweile oder die Partnerschaft mündet in eine Art Hass-Liebe mit all den zerstörerischen Emotionen, Streitereien und Anschuldigungen.

    Aber das hat eigentlich mit wirklicher Liebe nichts zu tun, die ja kein Gegenteil kennt. Wenn nämlich die schmerzhaften Gefühle des Mangels wieder hervorkommen, was ohne eigene Entwicklung unvermeidlich ist, werden sie vielleicht sogar schlimmer als vorher auftreten und dann auf den Partner projiziert. Dann wird ein neuer Partner gesucht .. und das Spiel geht von vorne los.

    Um eine Beziehung lebendig zu erhalten, braucht man meines Erachtens nichts weiter zu tun, als sich ständig bei allen Konflikten selbst zu erforschen, seine Motive, seine Anhaftungen und Wunden, seine Ausflüchte und den anderen als eine Art Spiegel zu betrachten. ( Auch wenn`s weh tut) Vor allem den EIGENEN Schatten ansehen und auch darüber sprechen. Durch diese Offenheit wird der Partner dann auch offen sein können und fähig, wiederum SEINEN Schatten anzuschauen. Das ist die Tiefe in einer Beziehung, von der Du sprichst.

    Dazu muss man aber intensiv in der Gegenwart leben und nicht alte Wunden hervorkramen, den anderen anklagen und sich in Wunschdenken, wie es doch so wunderschön am Anfang war… und warum ist es nun anders….. verlieren. Im Grunde ist das Gelingen einer Partnerschaft eine Frage des Bewusstseins, d.h. wie wach man ist und wie weit man bereit ist , eine Beziehung als spirituelle Aufgabe anzusehen.

    Liebe Grüße von Lumina

  2. 2
    Silvia / 2012Spirit Silvia / 2012Spirit sagt:

    Liebe Lumina
    Herzlichen Dank für deine ganz tollen und ergänzenden Worte. Sehe dies genau so. Die eigenen Schatten zu erkennen und diese anzunehmen, erfordert Mut und absolute Ehrlichkeit mit sich selber. Die Offenheit des einen Partners führt auch zur Offenheit des anderen und somit gemeinsam zur Heilung alter Wunden.
    Einen schönen Tag dir
    Silvia

  3. 3
    Siegelbruch sagt:

    Geist ist, das zu erkennen, was man in einer Beziehung tut, ohne das Erkennen hat nämlich jeder Anfang ein Ende. Der Anfang, an dem man etwas tat, doch ohne wörtliches Erkennen bzw. geistiges Klären, da fehlt die Würze und es schmeckt irgendwann fad. Die Sexualität, als Lebenselixier von Mann und Frau, wurde, durch ihren Mangel an Wissen, zum Kinderkriegen hin manipuliert. Mal sehen, wann jemand das, mit der bewusst schöpferischen Veredelung beider, durch diese, kapiert? Wird dies nicht gesehen, so wird alles immer mehr in der zunehmenden Dunkelheit untergehen.
    Hier das Einsehen: https://upvs.wordpress.com/

    Siegelbruch

  4. 4
    HK sagt:

    Vielen Dank für diese wunderschönen Worte. Ich werde mit meinem Sohn für meine Tochter/seine Schwester eine Hochzeitszeitung gestalten und würde gern dieses Thema auch mit einfügen. Darf ich deinen Text verwenden? Ich hatte mit meiner Tochter schon darüber gesprochen, dass wir diese Zeitung gestalten wollen. Ihre Antwort in der Schnelle war, sie soll nicht zu ernst sein. Meine Meinung ist aber, dass sie auch eine Art Hilfe in schwierigen Zeiten sein soll. Sicher darf Humor nicht zu kurz kommen, er ist die Würze des Lebens. Aber wie soll ich Schwierigkeiten im Leben meistern, wenn ich nur dumme Sprüche drauf hab, die ein Ausweichen und letztendlich Nichtbewältigen dieser Schwierigkeiten zum Ergebnis hat? So richtig hab ich noch keine Rote Linie gefunden. Aber ich hab noch bis zum Sommer Zeit.

  5. 5
    Silvia / Gehvoran.com Silvia / Gehvoran.com sagt:

    Liebe HK
    Natürlich darfst du meinen Text verwenden (mit Quellenangabe bitte) in dieser sicher ganz toll werdenden Hochzeits-Zeitung. Finde es wundervoll, wieviele Gedanken du dir machst und ich finde auch, dass man auch mal ernste und wichtige Themen in so einer Zeitung beleuchten darf….und vielleicht gar für andere Leser der Zeitung auch hilfreich sein könnten… Viel Spass dir/euch bei der Gestaltung und Vorfreude aufs Fest 🙂
    Herzlichst, Silvia

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