Ich bin nicht Charlie Hebdo

21 Jan 2015 Von Kommentare: 3 Gesellschaft, Zeitgeschehen

Trauer in Paris

Letzten Samstag kam die deutschsprachige Ausgabe von Charlie Hebdo in den Zeitschriftenhandel und war binnen Minuten ausverkauft. Neugierde und Sensationslust, waren wohl die Triebfedern jener, sich das Satiremagazin zu Gemüte zu führten. Ein fader Beigeschmack von Hohn und Spott für alle, die beim furchtbaren Anschlag in Paris in irgendeiner Form mit beteiligt waren, bleibt jedoch. Das Satiremagazin gibt es schon seit 1970(!) und kaum jemand interessierte sich hierzulande dafür und wurde zwischenzeitlich in Deutschland lediglich durch die umstrittenen Mohamed-Karikaturen bekannt. Die katholische Kirche übrigens führte insgesamt 14 Prozesse gegen die Zeitung, die sie alle verlor. Und auch die Politiker Frankreichs bekommen regelmäßig ihr Fett ab.

Gotteslästerung?

Ist es Gotteslästerung, wenn Mohammed-Karikaturen abgebildet werden? Gibt es überhaupt sowas wie Gotteslästerung? Gibt es überhaupt einen Gott? Die Empörung und Wut in Teilen der islamischen Welt um die aus ihrer Sicht beleidigenden und respektlosen Veröffentlichungen über ihre Religion ist groß. Während hier in Europa – und aus unserer westlichen Sichtweise – alles Mögliche aufs Korn genommen wird, vorranging Politiker und Staatsleute, fühlen sich Menschen anderer Kulturen und Religionen persönlich angegriffen, wenn ihre Götter beleidigt werden.

Das Feingefühl in der westlichen Welt in Bezug auf Religion und Gott ist weitgehend verloren gegangen, weil die Menschen zunehmend religionsfremd geworden sind und für sie nur die materiellen Dinge einen Wert darstellen. Pressefreiheit hin oder her, geht es auch im Wesentlichen um Verkaufszahlen, welche dann erhöht werden, wenn auf ein Produkt öffentlich aufmerksam gemacht wird – im Positiven genauso wie im Negativen. Vielleicht haben die Macher von Charlie Hebdo deshalb irgendwann das Maß verloren und es übertrieben, ob beabsichtigt oder nicht.

Meinungs- und Pressefreiheit gehören zu den wichtigsten demokratischen Errungenschaften in Europa und sind absolut schützenswert, aber viele Menschen in den westlichen Ländern täten gut daran, nicht einfach eine andere Religion ins Lächerliche zu ziehen, sondern die eigene Verbindung zur Welt, zum Leben, zu anderen Menschen, und zu Gott (oder zum Universum) zu überprüfen. Natürlich ist es einfacher, im Außen so etwas wie Lustbefriedigung zu erhalten. Diese jedoch hält nur kurzzeitig an und ist schnell vergänglich.

Ich bin nicht Charlie Hebdo BannerIch bin nicht Charlie Hebdo

Ich persönlich würde es mir nicht anmaßen eine Religion zu beleidigen und bin daher nicht Charlie Hebdo. Auf der anderen Seite aber, wenn man seine Religion, der man sich zugehörig fühlt, im Außen beleidigend und respektlos behandelt sieht, ist man jederzeit in der Lage, seine Aufmerksamkeit auf die eigene Spiritualität zu lenken, auf das eigene Gebet und auf die eigene Verbindung zu Gott. Dann spielt es keine Rolle, wo in der Welt, und in welchen Zeitungen welche Karikaturen in welcher Form auch immer erscheinen.

Es ist eher das Problem, dass ein paar einflussreiche Menschen ausreichen, um einen Mob auf die Straße zu treiben, die hasserfüllt Fahnen und Zeitungen verbrennen und sich dabei sogar selbst töten. Größtenteils aus Unwissenheit, um was es eigentlich dabei geht. Wenn so etwas viele Male und jahrzehntelang medienwirksam inszeniert wird, dann wächst bei bestimmten Menschen ein Bewusstsein heran, welches sich dazu leicht verleiten lässt, sich radikalen Gruppen anzuschließen.

Zudem sollte man aufgrund der momentanen Lage auf der Welt nicht vergessen, dass sich derzeit ein großer Graben auftut, zwischen Menschen im eigenen Land, sowie auf der ganzen Welt, und dieser Graben ist vielleicht gewünscht und inszeniert, von den wirklich Mächtigen. Feindbilder sind für sie immer von Vorteil, da sie Angst in der Bevölkerung erzeugen und sämtliche Überwachungs-und Sicherheitsmaßnahmen, die sie dann einführen, „rechtfertigen“ können, wie einst nach den Anschlägen auf das World Trade Center.

Eine Welt

Letztendlich sollten sich die Menschen wieder bewusst werden, dass sie dieselbe Luft atmen, wie „Fremde“, egal ob bzw. wessen Religion sie angehören, welche Hautfarbe haben und wo sie leben. Erst wenn jeder Menschen seinen eigenen Frieden im Inneren gefunden hat, kann es Frieden in der Welt geben. Die Möglichkeiten dafür sind vorhanden, auch wenn es nicht so scheint.

Bilder: Valentina Calà (Beitragsbild „Je_suis_Charlie-18“ Flickr creative commons 2.0)

3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Doris sagt:

    Hallo Alex,
    bin hier eine stille Leserin doch möchte ich heute gern ein paar Zeilen dazu beitragen.
    Deine Überschrift „Ich bin nicht Charlie Hebdo“ lese oder höre ich heute zum erstenmal……seit diese wirklich tragischen Ereignisse sich in Frankreich abspielten, konnte man nur die vielen Menschen überall auf den Staßen sehen die öffentlich zum Ausdurck brachten „Ich bin Charlie Hebdo“……auch hier bei uns gab es eine Anlaufstelle wo man das Satiremagazin kaufen konnte, normalerweise kann man da genau drei Exemplare bekommen wovon wohl zwei immer zurück gehen, was dieses mal war kann sich hier wohl jeder denken!!!!
    Was ich eigentlich sagen will, steht man mit diesen Worten deiner Überschrift in der Menge ist das Unverständnis groß, ich stelle außer Frage das man weder für das noch für etwas anderes Menschen Gewalt antun darf, ich denke nur, im Menschlichen miteinander sollte Mitgefühl und Respekt in der Eigenverantwortung liegen, und dann gibt es auch sicherlich bei freier Meinungsfreiheit Grenzen die nicht überschritten werden.
    Liebe Grüße Doris

  2. 2
    Ich bin sagt:

    Einer der überlebenden Karikaturisten des besagten Magazins sagte einst sogar selbst, dass er die vielen Menschen nicht verstehen kann, wo nun plötzlich solidarisch für Charlie sind. Bis dato interessierte kaum jemand, was das Magazin trieb und dann der grosse Aufschrei und plötzlich tun sich alle Menschen zusammen und sind plötzlich Charlie. Heute Charlie…morgen….

    Anderes Gerücht: Hebdo wurde kürzlich aufgekauft von….. und was passierte durch das Attentat? Ganz viele Menschen kauften plötzlich dieses Heft, was ordentlich die Kassen füllte. Würde dies stimmen, so wären wieder tausende Menschen verar….t worden zum Zwecke eines Grösseren…. furchtbarer Gedanke, aber weder neu noch unbekannt. Alltag.

    Egal was geschieht in der Welt, der Mensch lässt sich zu oft und zu schnell wie ein Fähnchen im Wind hin- und herreissen und immer wieder laufen sie wie gehorsame Schafe der Masse nach. Selten aber ist das gut, was die Masse möchte. Wo sind die Individualisten? Wo sind die Menschen, die an sich selbst glauben? Der Mensch tötet für seine Religion, für seinen Glauben…auch da läuft er doch wieder einem Ideal nach….wieso rückbesinnt er sich nicht auf sich selbst?

    Andere Theorie: jeder Mensch trägt ein Gewaltpotenzial in sich. Jeder könnte zum Täter werden. Lediglich unsere Prägung, Erziehung und was wir daraus machten, hält uns eventuell davon ab. Manche aber tun es und verkaufen ihre Gewaltlust unter dem Deckmantel einer Religion. Nicht die Religion aber hat getötet, sondern der Mensch.

    Wir können wohl nicht verhindern, dass solche Dinge geschehen, aber wir können lernen damit sinnvoll umzugehen, bei uns zu bleiben, uns selbst zu stärken.

  3. 3
    Lee B. sagt:

    Im Grossen und Ganzen eine gelungene Demonstration von Massenhypnose (googelt oder YouTubt mal „Psychologie der Massen“)
    Bei Charlie Hebdo sind Karikaturen über Juden Antisemitismus, über Moslems ist es Meinungsfreiheit!
    Frage mich wo bei diesen Millionen Schlafschafen und ihren Vertretern die Betroffenheit bleibt, wenn es um Gaza, Odessa, Donbass, Syrien, Irak, Lybien, Afgahanistan geht.???
    Im übrigen kann man es nicht deutlicher sagen wie es Freeman tut:

    Ich sage es jetzt laut und deutlich, der Anschlag auf das Satire-Magazin am 7.1.2015 in Paris war eine Operation unter falscher Flagge durch Geheimdienste die im klassischen Stiel ablief. Man inszenierte einen abscheulichen Mordanschlag, verbreitete gleich von Anfang an wer die Täter sind, in diesem Fall schon wieder Muslime, dann kamen die designierten Sündeböcke ins Spiel mit gefälschten Beweisen, die man dann jagte und anschliessend ermordete, damit es keine Zeugen gibt. Die Beschreibung des ganzen Ablaufs und wer die Schurken sind wurde über die gleichgeschalteten Medien gesteuert, damit alle die Lüge ins Gehirn implantiert bekommen. So lief es bei der Ermordung von JFK, bei 9/11, 7/7 und in Boston ab.
    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2015/01/ich-bin-charlie-trieft-vor-heuchelei.html

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