Lieber nackt als in falschen Kleidern

22 Jan 2015 Von Kommentare: 4 Bewusstsein, Spiritualität

Über den Wolken

Auf die Frage hin, wer jemand sei, bekommt man häufig folgende Antwort: „Ich bin Anwalt. Ich bin Einzelhandelskauffrau. Ich bin Arzt. Ich bin Automechanikerin.“ Würde man nachhaken und klarstellen, dass man nicht den Beruf meine, würden die meisten folgendes sagen: „Ich bin Vater oder Mutter von zwei Kindern.“ Würde man wiederum anmerken, dass man dies auch nicht meine, würden uns die meisten mit einem Fragezeichen ansehen und die Antwort bliebe wohl gänzlich aus und würde durch betretenes Schweigen ersetzt.

Wer sind wir?

Es ist für uns ein absolut normal gewordener Gedanke, dass wir uns hinter Bezeichnungen jeglicher Art verstecken. Hinter dem Beruf, hinter unseren Kindern, hinter unseren Errungenschaften und dem was wir erreicht zu haben scheinen. „Ich bin Millionär, Yachtbesitzer, Villenbesitzer, CEO eines Grosskonzerns und Vater von zwei Kindern.“ Gerade Letzteres wird oft als Leistung dargestellt. Wer Kindern das Leben geschenkt hat und sich Vater oder Mutter nennen darf, der ist wer und entsprechend anerkannt in der Gesellschaft. Mir fallen diesbezüglich immer auf Wahlplakaten die Steckbriefe zu den Wahlkandidaten auf. Da steht neben dem Beruf auch immer der Familienstand. Als wäre dies wichtig. Ist ein Mann mit drei Kindern ein besserer Mann als ein kinderloser? Wohl kaum. Er hat sich lediglich für eine andere Art zu leben entschieden. Und keiner von uns weiss, was den Kinderlosen dazu bewegt hat, keine Kinder in die Welt zu setzen. Wir wissen es nicht. Ich bin selbst kinderlos. Und auch ich habe meine Gründe. Aber bin ich deswegen weniger Wert?

Noch immer kreisen wir um die ungelöste Frage, was unser Wesen ausmacht, den Kern, der nichts mit dem gemein hat, was wir haben oder tun, also weder mit unserem Beruf, noch mit der Anzahl unserer Kinder, dem was wir besitzen und wie viel Geld wir haben.

Kostümball

Wir stülpen uns eine Menge Kostüme und Masken über und spielen je nach gewünschtem Programm unsere Rollen. Wir tun dies in so einer Selbstverständlichkeit und Perfektion, dass wir gar nicht merken, dass wir nur noch aus Rollen bestehen. Unsere Berufe mögen schön und recht sein, uns auch bereichern und ja, sie können uns eine Art Halt und Identität geben und auch einen Sinn im Leben. Doch irgendwann, spätestens in der Rente, fällt dieser Halt und Sinn weg. Spätestens dann müssen wir erkannt haben, dass wir eine Maske tragen. Erst wenn die Maske an Farbe verliert, verlieren wir allmählich unser falsches Gesicht und plötzlich stehen wir nackt da und schämen uns. Spätestens im Angesicht des Todes werden wir erkennen müssen, dass wir uns alle hinter Masken versteckt haben.

Grüner Baum im WasserLieber nackt als in falschen Kleidern

Wer sind wir also, wenn wir weiter der Frage nachgehen, wer wir wirklich sind und nicht unseren Beruf, unseren Zivilstand und die Anzahl Kinder als Antwort geben können? Wer sind wir? In erster Linie sind wir mal ordentlich nackt. Und plötzlich wissen wir keine Antwort auf die Frage, wer wir wirklich sind. Wir fühlen uns plötzlich ertappt, peinlich berührt, denn jeder kann uns nun direkt ins Herz sehen, in den Kern, in den Motor, der uns antreibt und am Leben hält.

Fühle es

Hörst du dein Herz schlagen? Spürst du es und fühlst du den Puls, der dir fast die Stimme raubt, weil er immer lauter pocht in deiner Halsschlagader? Spürst du den kalten Schweiss, der dir nun über die Stirn rinnt und merkst du, dass dein Gesichtsfeld eingeschränkt ist und du nur noch eine Art Tunnelblick hast? Deine Hände, sie waren einst trocken und nun nass, deine Schritte sind unsicher, deine Beine zittern, du drohst den Halt zu verlieren. Du hast Angst. Gut! Nun bist du dort, wo du wohnst.

Sei dein eigener Engel

Und nun greift dir ein sanfter Flügel unter die Arme, hüllt dich ein und gibt dir Wärme und verdeckt deine Nacktheit. Eine Welle der Liebe erfasst dich, wiegt dich sanft hin und her, so als seist du wieder ein Kind in den Armen deiner Mutter, deines Vaters. Du fühlst dich geborgen, geliebt und angenommen. Und urplötzlich hast du die Gewissheit, wer du wirklich bist. Du, in all deiner Nacktheit. Du, ohne deinen Beruf, ohne all dies, was du immer meintest, das es dir Halt gibt im Leben. Du, ganz pur, rein und ohne Maske. Das bist du. Hallo! Es freut mich, dich kennenzulernen.

Bilder: Gehvoran.com

4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Andreas sagt:

    Grüss Gott: Zur Frage wer bin Ich, ist meine Antwort:
    Ich bin Seele, und damit eigentlich ein Mitarbeiter Gottes, zum lernen auf der Erde.
    Ich lerne hier z.B. Verlassensein, Mord, Diebstahl um die Liebe danach richtig zu verstehen.
    Denn in reiner Liebe kenne Ich die andere Seite nicht und kann die anderen ja auch nicht verstehen.
    Mehr dazu über Eckankar.de.
    Für mich funktionierts und Ich lerne die Menschen´besser zu verstehen.

  2. 2
    spiritshiva58 sagt:

    Wer bin ich..

    Ich bin….

    Wahrnehmendes Bewusstsein, jenseits aller Grenzen von zeit und Raum. .

    Wer möchte es gibt auf YouTube Videos von
    Moojiji
    Einem voll erleuchteten Menschen. .ich liebe seine frage/Antwort Videos. ..

  3. 3
    Anja sagt:

    Wer ich bin?
    Ich bin Mensch! (z.Z.)

  4. 4
    Karin sagt:

    Liebe Silvia, danke für deine Erzählung. Er ist wunderschön und hilfreich.

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