Mit den Augen des Tieres die Welt erkunden

16 Mai 2015 Von Kommentare: 0 Auszeit!

Schäferhund

Aus Zeit- und Arbeitsgründen halte ich keinen eigenen Hund, aber ich bin mit Hunden aufgewachsen. Ich habe aber einen Patenhund. Ja. Ich hole ihn manchmal zuhause ab und dann verbringen wir einen tollen Tag zusammen. Ich suche mir zuvor jeweils eine tolle Wanderroute heraus und dann geht’s los. „Cäsar“ sein Name. Genaugenommen, „Cäsar aus der Königshöhle“. So stolz sein Name erklingen mag, so stolz auch seine Haltung. Kurz und gut, er ist ein fantastisch schöner Kerl. Und dies weiss er auch. Und so gehe ich also manchmal gefühlt mit einem Hündinnen-Aufreisser oder Macho spazieren, was nicht immer ganz einfach ist, vor allem zu Beginn der Wanderung, wenn seine Batterien noch voll sind. Gerade kürzlich wurde er flotte sieben Jahre alt.

So sind wir, wenn die Jahreszahlregelung bei Hunden stimmt, in etwa gleich alt. Während ich aber mir entgegenkommende Männer total cool grüssen kann, kann er selbiges eben nicht bei anderen Weibchen. Typisch Mann, oder Hund, muss ich mir doch da glatt denken und vernehme dies jeweils mit einem Schmunzeln. Markieren da, markieren dort, diese Parallelen sind einfach köstlich.

Wenn es mit der Zeit etwas gemächlicher zu und her geht, seine Batterien also langsam halb leer werden, lässt sich so eine Wanderung richtig geniessen, völlig entspannt, geruhsam, ja fast meditativ durchwandern wir dann zusammen Berg und Tal und alles wird still, in mir und um uns herum. So wie Cäsar an jedem Blättchen riecht und bestimmt an jedem Stamm ein Düftchen wahrnimmt, fange auch ich an, mir alles etwas genaue anzuschauen. Die frischen Triebe der Tannen, gerade jetzt im Frühjahr leuchten sie so wundervoll in hellem Grün. Man könnte sie sogar essen, sie enthalten ganz viel Vitamin C, doch ich lasse davon ab, sie sollen gedeihen und ihren ganz eigenen Sinn und Zweck in ihrem Dasein erfüllen. Plötzlich wird Cäsar aufmerksam, seine linke Vorderhand angehoben, die Ohren nach vorne gespitzt. Nun gilt es gut die Leine festzuhalten, denn der gute Herr hat eine Witterung aufgenommen. Ein Reh? Ein Hase? Ah, ein Eichhörnchen sollte es sein. Dieses schlängelt sich geschickt den alten Stamm der Rottanne hoch, während Cäsar nur unten dumm schauend stehen bleiben kann.

Cäsar Schäferhund Nun sind also die jungen Bäumchen dran. Keine Ahnung welche Rechnung Cäsar mit ihnen offen hat, aber er versucht oft diese kleinen Bäumchen, welche dann doch auch schon 2 Meter hoch sind, mit den Zähnen zu packen und zu entwurzeln, doch er verliert immer. Um diese Unsitte zu unterbinden, werfe ich ihm einen Stock vor die Füsse, aber dieser ist ihm zu klein. Lieber nimmt er den brach liegende Riesenast seitlich des Weges. Gute drei Meter lang, schmutzig und schwer. Das ist genau seins. Und er pirscht dann von hinten an mich ran mit eben diesem Knebel in seinem Fang und reisst mich fast zu Boden. Einen Bluterguss mehr in der Kniekehle und meine Hose wollte ich so oder so waschen, nein, wirklich.

Der Weg ist noch weit und die Sonne hat schon eine ordentliche Stärke erreicht. Und so hat auch Cäsar mächtig Durst und ich auch. Ein alter Holzbrunnen naht, so ein länglicher, herausgearbeitet aus einem alten Baumstamm. Der soll es sein. Ich wollte eigentlich gerade einen Schluck Wasser zu mir nehmen, als es neben mir grad mal ordentlich spritzt. Klar, wie konnte es auch anders sein. Cäsar kann nicht wie ein normaler Hund aus dem Hahn trinken, nein, er muss den Brunnen als Wanne benutzen und liegt sich geradewegs hinein. Zu meiner Unfreude macht er dies auch im Winter, im Herbst, im Frühling und Sommer und auch wenn es regnet und alles sumpfig ist. Ob er schlecht erzogen ist? Nein, im Gegenteil, er ist ein ausgebildeter Schutz- und Rettungshund. Aber wenn er frei hat und bei seiner Patentante ist, dann darf er eben wieder Welpe sein und die Welt wieder aus Kinderaugen betrachten, so wie ich, wenn ich mit ihm unterwegs bin.

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Bilder: Silvia Cristini / Gehvoran.com

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