Ein Besuch in Tschernobyl

13 Sep 2015 Von Kommentare: 4 Gesellschaft, Zeitgeschehen

Endlich, im zweiten Anlauf klappte es mit meinem 2-tägigen Besuch von Tschernobyl und seiner gesperrten Umgebung. Aus verschiedensten Gründen war ich gespannt, was ich dort antreffen, spüren und wohl auch erleben sollte, doch ebenso wollte ich möglichst unbefangen dieser Gegend einen Besuch abstatten und wie es sich bei Besuchen ziemt, man tritt rücksichtsvoll und dem Anlasse entsprechend auf, bringt etwas Kleines hin und nimmt nichts mit. Das Kleine sollten meinen guten Gedanken sein; schwierig für mich der eher andere hat. Nun denn, dieser Bericht soll nicht voll von Effekt haschender Bilder sein, wie wir sie aus den Medien gemeinhin kennen, sondern soll mit dreien meine Impressionen in Kurzform erzählen.

Unglücksreaktor

Ukraine verlassenes SchulzimmerHinten ersichtlich ist der neue Schutzmantel, der 2017 seine Funktion aufnehmen soll, in Bildmitte der Doppelblock 3 und 4, letzterer (hinten auf dem Bilde) explodierte 1986. In Bildmitte erinnert eine Prometheus Statue, dass das Thema Feuer/Fremdenergie schon seit jeher dem Menschen wohl mehr Probleme brachte denn löste. Es empfiehlt sich daher eingehend, diese Sage wieder einmal zu lesen. Ganz links ein Denkmal für die zu Tode gekommen Menschen (mehrheitlich Feuerwehrleute) der ersten Stunde und Tage.

Schulflur

Niederschmetternd, aber nicht weil hier Bücher am Boden liegen, sondern weil dies nicht durch die ohnehin schon grosse Tragödie der Havarie Kernschmelze verursacht worden ist, sondern weil sie durch gedankenlose Kreaturen wahllos oder gezielt dorthin geworfen und teilweise auch als Erinnerung mitgenommen worden sind. Zweifach wurde/wird hier die Kultur des Menschen mit Füssen getreten.
So sieht es übrigens an vielen Orten in der Sperrzone Tschernobyl aus, das was man mehrheitlich sieht, sind meistens nur sekundäre Folgen menschlicher Ignoranz und Dummheit.

Menschen

Zum Abschluss durfte ich noch ein altes Ehepaar besuchen, das aufgrund des Reaktorunglücks umgesiedelt werden musste. Bei schönstem und warmem Herbstwetter wurde ich ebenso empfangen und durfte ein paar Fragen stellen; rechts meine Dolmetscherin und stete Begleiterin, die mich sicher durch die geschundene Landschaft rundum Tschernobyl führte und mich auch nie aus den Augen verlor.

Menschen in TschernobylFazit

Es gibt keines für mich oder mindestens kein gutes. Die Menschheit war gesamthaft noch nie sich selbst zuträglich; wieso soll sich dies nun plötzlich ändern? Überbevölkerung und immer mehr technische Möglichkeiten selbst für einzelne Kreaturen, jedoch mit sehr weitreichenden Folgen für alle, lassen nur noch Hoffnung zu, jedoch auch diese ist doch eher naiven Ursprungs. Die Büchse der Pandora hat übrigens sehr viel mit der Geschichte Prometheus zu tun, daher erneut: Lesen Sie sie! (siehe unten)

Meine Gedanken werden – wie üblich – während und nach jeder Reise bei den Menschen und ihrer Orte sein. Ob diese meine Gedanken dann doch eher palliativer Art sind oder gar dem Genius loci wieder auf die Beine helfen, weiss ich nicht und werde es auch nie erfahren.

Prometheus bringt den Menschen das Feuer (Anhang der Red.)

„Himmel und Erde waren geschaffen: im Wasser spielten die Fische, in den Lüften sangen die Vögel, der Erdboden wimmelte von Tieren aller Art. Aber noch fehlte das Geschöpf, das dem Geist als Wohnung dienen sollte und das dereinst die Welt beherrschen konnte. Da betrat Prometheus die Erde, ein Nachkomme des alten Göttergeschlechtes, das Jupiter entthront hatte; er war kluger Erfindung voll und wußte wohl, daß im Erdboden der Same des Himmels schlummere. Darum nahm er einen Klumpen Ton, befeuchtete ihn mit dem Wasser des Flusses, knetete ihn und machte daraus ein Gebilde nach der Gestalt der Götter. Um diesen Erdenkloß zu beleben, entlehnte er allenthalben von den Tierseelen gute und böse Eigenschaften und schloß sie in die Brust des Menschen ein. Athene, seine Freundin unter den Göttern, bewunderte die Schöpfung des Titanensohnes und blies dem Bilde den Atem ein.

So entstanden die ersten Menschen, sie vermehrten sich und erfüllten bald einen großen Teil der Erde. Lange aber wußten sie nicht, wie sie sich ihrer Gliedmaßen und des göttlichen Geistes bedienen sollten. Unbekannt war ihnen die Kunst, Steine auszugraben und zu behauen, aus Lehm Ziegel zu brennen, Balken aus dem Holze des Waldes zu zimmern und mit allem diesem sich Häuser zu bauen. Sie lebten in Höhlen unter der Erde, und planlos war alles, was sie verrichteten. Da lehrte Prometheus sie den Auf- und Niedergang der Gestirne zu beobachten, erfand ihnen die Kunst zu zählen und die Buchstabenschrift, er lehrte sie Tiere ins Joch spannen und sie zur Arbeit zu gebrauchen. Die Pferde gewöhnte er an Zügel und Wagen und erfand Boote und Segel für die Schiffahrt. Auch in anderer Hinsicht sorgte er für das Leben der Menschen. Wenn früher einer krank wurde, wußte er nicht, was für Speise und Trank ihm zuträglich sei, kannte kein Salböl zur Linderung seiner Leiden; sondern in Unkenntnis der Arzeneien starben viele elend dahin. Darum zeigte ihnen Prometheus, wie Sie Heilmittel mischen konnten. Ferner richtete er ihren Blick auf die Schätze unter der Erde, ließ sie hier Eisen, Silber und Gold entdecken; kurz, er führte sie in alle Verrichtungen und Künste des Lebens ein.

Im Himmel herrschte zu dieser Zeit Zeus mit seinen Kindern, der seinen Vater Kronos entthront und das alte Göttergeschlecht gestürzt hatte, von dem Prometheus abstammte. Die neuen Götter wurden bald auf das soeben geschaffene Menschengeschlecht aufmerksam, und Jupiter haßte Prometheus und seine Geschöpfe. Deshalb versagte er den Sterblichen die letzte Wohltat, deren sie noch zu höherer Gesittung bedurften, das Feuer. Doch auch hier wußte Prometheus Rat. Er selbst brachte das Feuer zur Erde herab, und bald loderte der erste Holzstoß gen Himmel. Mit dem Feuer hatte Prometheus den Menschen den Anfang der gesamten Kultur und der technischen Kultur im besonderen gegeben.

Damit hatte aber der Wohltäter der Menschheit den Zorn des höchsten Gottes zur Wut entfacht, und Zeus ersann ihm eine entsetzliche Strafe. Er übergab den Unbotmäßigen dem Feuergott Hephaistos und seinen Dienern. Diese mußten ihn in eine ferne Einöde schleppen und mit unauflösbaren Ketten über einem schauderbaren Abgrund an eine Felswand des Kaukasus schmieden. Hier mußte Prometheus an dem Berge hangen, aufrecht, schlaflos, niemals imstande, das müde Knie zu beugen. Um seine Qualen noch zu steigern, sandte Zeus dem Gefesselten täglich einen Adler, der ihm mit spitzem Schnabel die Leber aus der Brust hackte, die sich dann bis zum nächsten Tag wieder erneuerte. So duldete der Gepeinigte dreißig Jahre, bis Herakles des Weges gezogen kam und sich seines grausamen Geschickes erbarmte. Er erlegte den Adler mit Pfeil und Bogen, löste die Fesseln und führte den Befreiten mit sich fort Damit aber das Urteil des Zeus, das den Prometheus für immer an den Felsen gefesselt hatte, nicht unvollzogen blieb, mußte dieser fortwährend einen eisernen Ring tragen, an dem sich ein Stückchen von dem Kaukasos befand. So konnte sich Zeus rühmen, daß sein Feind noch immer an den Stein geschmiedet sei.“ (Quelle: http://www.sagen.at/texte/sagen/sagen_technik/prometheusbringtfeuer.html)

Bilder: Peter Schenk

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Silvia / Gehvoran.com Silvia / Gehvoran.com says:

    Lieber Peter
    Ganz lieben Dank für deinen Bericht und das Ausführen des Auftrages zu Gunsten von Mutter Erde.

  2. 2
    Möchtestern Ohne says:

    Danke
    Sehe vieles genauso wie Du.

  3. 3
    Lilly says:

    Lieber Peter,
    dein Bericht hat mir sehr geholfen als es darum ging eine kleine Berichterstattung für meinen Physikunterricht zu schreiben,weil ich mich freiwillig gemeldet habe um das Leben in Tschernobyl zu beschreiben.
    Vielen Dank!
    Mit freundlichen Grüßen deine Lilly

  4. 4
    Alex Miller Alex Miller says:

    Liebe Lilly,
    das freut uns 🙂

    Viele Grüße
    Alex / Gehvoran.com

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