Authentizität oder Anpassung? – Ein Plädoyer für mehr Selbstliebe und Eigenheit

04 Nov 2015 Von Kommentare: 0 Bewusstsein, Spiritualität

Kinder der Neuen Zeit

Als Kind versuchte ich mal kleine Dreiecke in Viereck-Formen reinzuwürgen. Vielleicht habe ich damals bereits gespürt, wie auf unserer Welt gesellschaftlich der Wind weht: Anpassung an die äußeren Gegebenheiten! Wir alle kommen als kleine verschiedenartige Sternchen auf die Welt; jede und jeder in ihrer Schöpfung einzigartig. Eigentlich kleine, wertvolle Geschenke an diese Welt. Innert kürze werden unsere Stern-Zacken geschliffen und gestutzt, damit wir fähig werden, in die rechteckigen Formen zu passen. Wir geben große Teile unserer spezifischen Form auf und passen uns, soweit wie’s geht, vorgegebenen unauthentischen Formen an. Dabei würden gerade unsere „Zacken“ doch ausdrücken, was und wie wir wirklich lieben, und dadurch auch „wer“ wir sind.

Liebe – nur wenn wir brav sind

So lernen wir indessen, nicht authentisch zu lieben, sondern geliebt zu werden. Unsere echten Beweggründe (Motive, Motivation) stellen sich immer mehr hinten an und wir passen uns dem an, was von uns (vermeintlich) erwartet wird. Wir werden geliebt, wenn wir brav sind, wenn wir folgen, wenn wir uns angleichen, wenn wir eine gute Leistung erzielen, wenn wir knuddelig und putzig sind, wenn wir korrekt sind, wenn wir den Konventionen entsprechen und Regeln und Normen einhalten. Und im Verlauf des Erwachsenwerdens lernen wir, daß wir auf diese Weise wiederum auch Forderungen stellen können. „Ich erfülle dies, Du erfüllst das… Ich bin für Deine Liebe zuständig, Du für meine… und wehe, wenn Du mir meine mir zustehende Liebe nicht gibst…! Dann gibt’s Sanktionen“. Vorwürfe und aussichtslose Ansprüche entspringen wie aus dem nichts und werden sehr dringlich dargeboten. Und dieses Spiel geht über Generation hinweg weiter und weiter.

Es ist nicht besonders verwunderlich, daß demzufolge Menschen geradezu Anerkennungssüchtig sind oder an mangelnder Anerkennung leiden. Die Anerkennung müssen wir uns letzten Endes jedoch selber geben, indem wir uns selbst lieben, indem wir „bedingungslos“ lieben. Kein anderer Mensch wird dies ausreichend und nachhaltig für uns tun. Niemals!

Kein Kampf nötig

GanseblümchenDer Weg raus aus diesem Spiel ist das Wiederentdecken Deiner authentischen Form, dementsprechend dann das bedingungslosere Lieben zu lernen sowie das Loslassen des Verlangens, geliebt zu werden.
Ich bin dennoch nicht der Ansicht, daß wir unsere Eigenheiten nicht sowieso auf irgendeine Weise in diese Welt einbringen täten! Es müßten einfach nicht so viele negative Gefühle dabei entstehen und wir könnten uns entspannter auf unsere liebenswerteren Tätigkeiten fokussieren.

Durch die Prägung der Anpassung wird außerdem mehr die Individualität des Egos gefördert, anstatt der feinen Eigenart des Selbst, denn irgendwo findet der Mensch trotzdem seine Ventile, wo er „sich“ einbringen kann. Interessanterweise sind ja die großen Durchbrüche in unserer Gesellschaft gerade nicht die, von Menschen, die sich strikte an Konventionen gehalten haben. Wenn hier grundsätzlich noch ein bißchen weniger Ego, dafür mehr Selbst, am Werke wäre, könnten diese Prozesse möglicherweise sogar mit mehr Selbstliebe und weniger Anerkennungsdrang, Widerstand und Kampf genossen werden.

Es tut dem eigenen Wohlbefinden gut, seinem Ego immer wieder zu vergeben und dankbar zu sein, für was es auch Wertvolles bringt. Erkenne Dich dabei als das Selbst, und daher als Beobachter des Egos. Unser wahres „Ich“ – das Selbst – hat die Autorität, das Ego zu beobachten und ihm zu vergeben.

Die gute Nachricht

Je näher Du Deine Persönlichkeit aus Deinem Selbst entstehen lassen hast, desto authentischer wirst Du als Mensch sein. Je mehr sich Deine Persönlichkeit durch Prägung (Erziehung, Sozialisierung etc.) gebildet hat, desto künstlicher und aufgesetzter wird sie sein und sich Dir fürs Wohlbefinden, für die Lebenskraft und den inneren Frieden als potentielle Hürden präsentieren.
Die gute Nachricht: Du kannst Dich jederzeit wieder für Dein authentisches Selbst, also für Dich, entscheiden; indem Du Dich auf einen bewußten Weg begibst, herauszufinden, was und wie Du „wirklich“ liebst. Denn nur das wird Dir verraten, wer Du tatsächlich bist. Du bist, wie und was Du liebst. Und das ursprüngliche Geschenk an diese Welt – Du in Deiner ganz eigenen Sternform – leuchtet wieder mit voller Kraft!

Copyright: © Adrian-John Hak, November 2015

Bilder: Fotolia.de

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