Die mysteriösen Höhlenmalereien der vergessenen Seelen

24 Jun 2016 Von Kommentare: 3 Mystery, Sonstiges

Chauvet Höhle Fluss Ardeche Frankreich Höhlenmalereien

Ein Wissenschaftler wurde nach dem Besuch der Chauvet-Höhle im Traum immer wieder von Höhlenlöwen besucht und gepeinigt. Derart eindrücklich scheinen die verbliebenen Seelen im kalten, dunklen Höhlenlabyrinth auf ihre über 35000 Jahre alten Kunstwerke Acht zu geben. Die damalige Zeit markiert einen jener wichtigen Wendepunkte in der Geschichte der Menschheit, der wohl den Übertritt in einen neuen Zyklus bedeutete. Es war der Zeitpunkt, als sich das Bewusstsein des Menschen höchstwahrscheinlich einen entscheidenden Schritt weiterentwickelte und sich unsere Vorfahren erstmals die Frage stellten, wer sie sind und was das Menschsein ausmacht. So sind die ca. 35000 Jahre alten Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle, gelegen im Flusstal der Ardèche / Frankreich, in gewisser Weise der Beginn der heutigen menschlichen Seele.

Zeitloch

Die Urzeit-Künstler drückten vielleicht ihre Träume und Fantasien aus, malten in das unebene Felsgestein der Chauvet-Höhle Tiere wie Pferde, Mammuts, Nashörner, Höhlenlöwen, Auerochsen und Bisons. Aber auch Handabdrücke in den verschiedensten Formen sowie der halbe (untere) Körper einer Frau im Bezug zu einem Stier wurden dort malerisch festgehalten. Eine künstlerische Symbiose, die viel später unter anderem von Pablo Picasso noch große Bedeutung bekommen sollte. Die Kunstwerke der Chauvet-Höhlen wirken auf den Betrachter, als würden die Bilder zu ihm sprechen, und als könnte man die beiden Bisons hören, wie sie miteinander kämpfend ihre Hufe aneinander schaben. Einige der Kunstwerke sind im Durchmesser über zwei Meter groß und wirken wie visuelle Darstellungen, was bei bestimmten Lichtverhältnissen im Licht- und Schattenspiel durch Fackeln fast wie ein 3D-Film anmutet:

Ein Tanz mit dem Schatten, der die melodramatische Aura der Höhle gekonnt in Szene setzt.

Der Urzustand der Höhle ist nahezu komplett erhalten geblieben, da der ursprüngliche Eingang durch einen Steinabbruch vor rund 22.000 Jahren fast vollkommen verschüttet wurde. Dadurch konnte die Höhle nur noch von Kleintieren betreten werden. Durch die natürliche Versiegelung entstand eine Art „Zeitloch“ und kein Mensch konnte über zigtausende Jahre hinweg seine Fußabdrücke dort hinterlassen. Erst im Jahr 1994 wurde sie entdeckt. Und so ist die Höhle durch deren Unberührtheit von besonders großer archäologischer und kunsthistorischer Bedeutung.

Chauvet Höhle Löwen ReplikatDie Höhle der vergessenen Träume

Ein Wissenschaftler wurde nach dem Besuch der Chauvet-Höhle von lebhaften, wilden Träumen gepeinigt. Nacht für Nacht wurde er von Löwen besucht. Die Träume waren so real, dass er während seiner Forschungszeit eine tagelange Pause einlegen musste, um sich von den Träumen zu erholen. Vor 35000 Jahren gab es nicht nur Höhlenbären, die auch in vielen anderen Höhlen nachgewiesen werden konnten, sondern auch Höhlenlöwen, die heute ebenso längst ausgestorben sind. So verarbeiteten die Urzeitkünstler mit ihren Höhlenmalereien möglicherweise ihre eigenen Träume. Sie mussten sich dessen sehr bewusst gewesen sein, dass es neben der materiellen auch eine geistige und feinstoffliche Welt gibt. Auf künstlerische Weise wurden erstmals Informationen und Erinnerungen festgehalten, was für die damalige Zeit einem Quantensprung gleichkommen musste. In einem eher lebensfeindlichen Umfeld, als Europa von Gletschern überzogen war, auch wenn durchaus die Sonne schien. Dennoch lebte man in einem Umfeld, in der es vor Artenvielfalt nur so wimmelte. Und so ist es nur allzu gut möglich, dass die damaligen Menschen oft von Tieren träumten, vor allem von jenen, zu denen sie einen besonders großen Bezug hatten. Tiere waren nicht nur ihre Beute, sondern auch Begleiter, Beschützer und Ratgeber. Über die vielen Jahrtausende hinweg konnten sich die naturverbundenen Völker über ihre Dankbarkeit und ihren Respekt der Tiere gegenüber die schamanischen Be-Deutungen der Krafttiere heraus kristallisieren.

Sie sind immer noch dort

Replikat Chauvet Höhle Pferde und BisonsViele Menschen, die die Höhle besuchten, wie zum Beispiel ihr Entdecker Jean-Marie Chauvet sowie der deutsche Filmemacher Werner Herzog „Die Höhle der vergessenen Träume“ (siehe unten) berichten von einem merkwürdigen Gefühl des „beobachtetwerdens“. Betritt man die Höhle, soll man sich permanent beschattet fühlen, von den einstigen Künstlern streng ins Visier genommen, und man glaubt, als wären sie immer noch dort um auf ihre Kunstwerke aufzupassen. Nicht genau zu wissen, was in der mysteriösen Höhle wirklich geschah, vor einer Ewigkeit, fasziniert die Menschen heute ganz besonders. Das Unwissende treibt in gewisser Weise an, motiviert zum forschen, aktiviert alle Sinne, erweitert unser Bewusstsein und bewegt unsere Fantasie.

Die Chauvet-Höhle gehört zu den weltweit bedeutendsten archäologischen Fundplätzen mit Höhlenmalereien. Bisher wurden über 400 Wandbilder mit rund 1000 gemalten und gravierten Tier- und Symboldarstellungen erfasst. Für Besucher ist sie gesperrt, da die Malereien wie auch die zahllosen Tropfsteine (Stalagmiten und Stalatiten) und mit Gesteinen überzogenen Felsen und anderes archäologisch wertvolles Erbe der Menschheit geschützt werden sollen. Aus diesem Grund wurde die Chauvet-Höhle spektakulärerweise für Besucher einige Kilometer entfernt nachgebaut und die Höhlenmalereien dort 1:1 nachgezeichnet.

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Beitragsbild „Ardeche – Pont dArc“: #101028803 © David – Fotolia.com
Löwen: Lions painting,Chauvet Cave (museum replica) von EOL Learning and Education Group, Flickr creative commons BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten
Pferde / Bisons: Etologic horse study, Chauvet´s cave von Thomas T. Flickr creative commons BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

DVD-Empfehlung zum Thema

3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Sigrid Rupp says:

    Alles was ich hier lese, ist für mich hochinteresant ! Werde die Beiträge und Bücher weiterhin verfolgen. DANKE

  2. 2
    Susanne Glandien says:

    Vielen Dank für diesen interessanten Bericht. Ich habe die Nachbildung der Chauvet-Höhle, die Caverne du Pont d’Arc, vor drei Wochen besichtigt. Selbst dort war diese besondere Atmosphäre zu spüren. Es war ein Besuch in einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Die Präsenz der Künstler war spürbar. Eine unglaublich intensive Erfahrung.

  3. 3
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hallo Susanne,
    das ist sehr interessant, was du schreibst.
    Danke für die authentischen Eindrücke! 🙂

    Herzliche Grüße
    Alex

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie uns! (Kommentare, die sich nicht auf das Thema beziehen, werden gelöscht)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.