Fernwandern, ein spirituelles Abenteuer

07 Jul 2016 Von Kommentare: 1 Allgemein, Sonstiges

Panorama Davos Schweiz

Je weiter und mühsamer der Weg, desto authentischer erlebe ich mich selbst. Ich höre meine Seele und kann ihren feinsinnigen Impulsen sehr leicht folgen. Fernwandern ist eine Art von Meditation, aber dynamischer und kraftvoller. Man achtet auf seinen Körper weitaus mehr, als man das gewohnt ist und spürt ihn spätestens am Ende des Tages sehr deutlich. Ich lerne meinen Körper wieder besser kennen, höre ihn, fühle ihn und weiß genau, ob heute ein Tag ist Grenzen zu überschreiten oder ob es an der Zeit ist, ihm eine Pause zu gönnen. Endlich einmal aus dem Alltag ausbrechen und für eine Weile nicht erreichbar sein, kombiniert mit dem grandiosen Gefühl von Freiheit. Hier schwebt mein Geist geradezu, inmitten der teils malerischen, teils schroffen, teils unberührten Natur. Das ist es, wonach sich mein Geist sehnt, Tag für Tag, auf dem Weg ins Büro, kurz vorm Schlafengehen, eigentlich immer. Doch die Alltagsverpflichtungen sind jetzt weit entfernt.

Ich laufe, atme, rieche und spüre. Ich nehme die Natur wahr, und die Natur nimmt mich wahr. Ich werde eins mit der Natur und spüre den wohligen beiderseitigen Energieaustausch. Die Bäume mögen es, wenn man ihnen Beachtung und Bewunderung schenkt. Wenn ich im Wald unterwegs bin, fühle ich mich tatsächlich irgendwie beobachtet, aber ich weiß nicht, ob es die vielen Naturgeister sind, die sich hinter Büschen und hohen Wurzeln verstecken oder die mächtigen Bäume, die von oben herab auf meine kleine Menschenseele blicken. Vielleicht trifft beides zu.

Fernwandern ist die beste Gelegenheit, festzustellen, was man wirklich braucht

Meistens sieht man keine Menschenseele, ab und zu trifft man ein paar wenige Mitstreiter während des Weges. Sich eins zu fühlen mit dem Leben und der Natur, sich selbst näherkommen und spüren, sind zwei meiner Grundbedürfnisse, die es jetzt endlich zu er-leben gilt. Weg vom Computer, weg vom Handy, weg von all den Dingen, wo man mir weiß macht, sie würden mein Leben einfacher machen. Das Gegenteil ist der Fall, doch auf subtile Weise hat sich der technologische Fortschritt natürlich auch in mein Leben hineingeschlichen. Man könnte auch sagen, eine Fernwanderung ist das Bedürfnis, endlich nicht erreichbar zu sein.

Kleiner Wanderweg SchweizBei der Planung meiner ersten Fernwanderung wird mir wieder bewusst, was ich wirklich brauche zum Leben, um für eine lächerlich kurze Zeit über die Runden zu kommen. Und es ist anfangs sehr ungewohnt und schwierig, Dinge, die ich eigentlich als wichtig erachte, nun doch aussortieren muss. Loslassen ist mitunter nicht einfach, wenn es zur Normalität geworden ist, Dinge anzuhäufen, die man lediglich ein paar Mal braucht, um sie dann im Schrank verschwinden zu lassen oder gleich wegwirft. Insofern schenkt einem so eine Wanderung wieder den Blick auf das Wesentliche. Denn alles muss in einem 50-Liter-Rucksack verstaut werden können, das Nötigste, was ich für sieben Tage benötige. 130 Kilometer erwarten mich und ich habe keinen blassen Schimmer, wie es wird. Aber die Vorfreude steigt von Tag zu Tag auf das kleine Abenteuer. Zwar ist es nicht der berühmte Jakobsweg, aber ich freue mich auf sinnliche Reize, Natur, Ruhe und Entschleunigung. Und auf viel Zeit.

Jakobsweg – der Klassiker

Wandern ist pure Therapie, der Wald mein Arzneimittel. Flüsse und Seen schenken mir Klarheit, die Berge geben mir Kraft. Die Einsamkeit bringt mich zur Besinnung, der Wind gibt mir den Blick auf das Wesentliche im Leben. Alles, was ich so oft aus den Augen verliere, so wie ich mich selbst so häufig verliere. Nun erfahre ich Stärkung für den Körper, das Immunsystem und die Seele. Die Natur darf nun in Demut und Dankbarkeit wahrgenommen und genossen werden.

Ich bin dann mal wegAuch was Wanderungen auf dem Jakobsweg betreffen, ist es erstaunlich, dass die vielen Geschichten, die mittlerweile erzählt, geschrieben und verfilmt wurden, so viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Ansteckend sind die vielen authentischen Berichte über Sinnsuche, Chaos, Einsamkeit, Gemeinschaft und Abenteuer.

Hape Kerkeling ´s „Ich bin dann mal weg“ ist sicher der Klassiker im deutschsprachigen Raum und ich muss zugeben, dass er mich regelrecht verzaubert und angesteckt hat, der Virus des Fernwanderns. Keineswegs poetisch oder meditativ geschrieben, dafür authentisch und aus dem Herzen heraus. Gerne empfehle ich es denjenigen, die es noch nicht kennen – besonders spannend, inspirierend und humorvoll als Hörbuch.

Filmtipps Fernwandern
– Dein Weg (mit Martin Sheene)
– Into The Wild (mit Emile Hirsch und Catherine Keener)
– Der Weg war sein Ziel – Zu Fuß von München nach Venedig
– Der große Trip (mit Reese Witherspoon)

Copyright Text und Bilder: © Alex Miller / www.gehvoran.com

1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. 1
    Kartud says:

    Ich habe jetzt das Fahrradfahren entdeckt, also weite Strecken fahren. An der Ruhr entlang. Wunderbare Natur. Es erfrischt die Bewegung den Geist!

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie uns! (Kommentare, die sich nicht auf das Thema beziehen, werden gelöscht)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.