Der Ausgang ist innen: Ego-Verstand und Bewusstsein (1)

22 Feb 2017 Von Kommentare: 5 Bewusstsein, Spiritualität

Ego 1

In seinen Büchern erzählt Eckhart Tolle gerne von der Ente mit dem Menschenverstand. Zwei Enten geraten aneinander. Doch schon nach kurzer Zeit trennen sie sich wieder, schlagen ein paarmal kräftig mit den Flügeln, um die überschüssige Energie loszuwerden, und schwimmen – jede für sich – friedlich umher, so als ob nie etwas geschehen wäre. Würde eine der Enten über menschlichen Verstand verfügen, so Tolle, hätte sie die Auseinandersetzung wohl gedanklich am Leben erhalten: »Ich glaub’s einfach nicht, was er da gerade gemacht hat. Er ist bis auf 15 Zentimeter an mich herangeschwommen. Er denkt wohl, der Teich gehört ihm! Meine Privatsphäre ist ihm völlig schnurz. Ich werde ihm nie wieder vertrauen. Nächstes Mal probiert er wahrscheinlich etwas anderes aus, nur um mich zu ärgern. Bestimmt führt er schon etwas im Schilde. Aber ich lasse das nicht mit mir machen. Ich werde ihm eine Lektion erteilen, die er nie vergessen wird.«

Die Ente mit dem Menschenverstand würde den Vorfall über Tage, Wochen, Monate oder Jahre aufrecht und präsent halten. Der Gedankenstrom würde unangenehme Emotionen auslösen, die wiederum neue negative Gedanken befeuern, sodass das Vorgefallene nie zu einem Ende finden kann. Die Ente mit dem Menschenverstand hat es in der Tat nicht leicht.

Was im anthropomorphen Federkleid daherkommt ist für viele Menschen Alltag. Statt wie eine Ente mit den Flügeln zu schlagen und ungetrübt weiter zu schwimmen, hören sie auf die Stimme in ihrem Kopf, die eine vergangene Geschichte gedanklich und emotional weiterspinnt. Sie geben sich dem hin, was Eckhart Tolle den „Ego-Verstand“ nennt. Er meint damit nicht so sehr den Inhalt unseres westlichen Denkens, da dieser austauschbar ist, sondern die dem Denken zugrundeliegende Struktur – ein Modus, der unpersönlich ist, aber alles persönlich nimmt, der uns schimpfen lässt, sich an negativen Gefühlen labt, uns aus der Gegenwart herausreißt und uns zu mechanischen Maschinen-Menschen degradiert, solange sein Wirken unreflektiert bleibt. Der Ego-Verstand ist das falsche Ich, das uns vom Bewusstsein, das kein Ich kennt oder dessen Ich alles umfasst, ablenkt, aber nur solange funktioniert wie wir unbewusst kooperieren.

Am Anfang war die Identifikation…

Die Identifikation bildet die Grundlage des Ego-Verstands. Sie ist gleichermaßen das, was den Ego-Verstand ins Leben ruft, und der Motor, der den Ego-Verstand antreibt. Dabei ist es unerheblich, ob man sich mit Objekten, Besitztümern, anderen Menschen, Autoritäten und Institutionen identifiziert; es spielt auch keine Rolle, ob die Identifikation mit Meinungen, Weltanschauungen, Ideologien oder nationalen, kulturellen und religiösen Phänomenen stattfindet – Anhaftung ist immer Ausdruck des Ego-Verstands. Egal, ob man sich mit seiner Herkunft oder seinem Geschlecht, seinem Alter oder seiner Rolle in der Familie, einer Ausbildung oder einer Position in der Firma identifiziert, der Mensch ist immer schon das gewesen und wird auch immer das sein was abseits dieser Kategorien liegt; er war, ist und wird stets sein, was der Ego-Verstand nicht zur Gänze erfassen kann.

Es ist auch nicht wesentlich, ob sich der Mensch mit einer sexuellen Orientierung oder einer politischen Gesinnung identifiziert, dem eigenen Körper, (s)einer Sprache, seinem Auto, Haus oder dem örtlichen Fußballverein – all diese Zuschreibungen und Dinge sind Form und als solche vergänglich. Sie berühren den Menschen in seinem raum- und zeitlosen Sein nicht. Der Ego-Verstand hingegen benötigt Identitätskategorien; er braucht Möglichkeiten zur Identifikation, weil er sich nur auf ihrer Basis beschäftigt halten und so den Menschen von seiner Notwendigkeit überzeugen kann. Jedoch überlagert er mit jeder Identifikation das eigentliche Wesen des Menschen mit einer uneigentlichen Natur.

Diese Vereinnahmung spiegelt sich auch im lateinischen Ursprung des Wortes wieder: „Identifikation“ setzt sich zusammen aus ‚identitas‘ (Wesenseinheit) und ‚facere‘ (machen) und trägt zudem die Implikation von ‚idem‘ (das Gleiche). Identifikation meint also eine Art Gleich-machen. Indem ich mich mit X identifiziere, werde ich zu X. Der Mensch in seinem Wesen muss jedoch weder ‚gemacht‘ noch einer Sache ‚gleich-gemacht‘ werden – er ist einfach. Anders formuliert: „Ich bin“ ist Ausdruck des Menschen in seinem Wesen, das Bewusstsein ist. Alles was auf „Ich bin“ folgt ist zwangsläufig eine Identifikation, die das Wesentliche überlagert. Mittels dieser Überlagerung (oder Vereinnahmung) legitimiert sich der Ego-Verstand; er erschafft über Identifikation Inhalt und stellt sich so nicht nur seine Existenzberechtigung aus, er trennt den Menschen vom Bewusstsein als seine eigentliche Natur.

Struktur

Ego-Verstand: Struktur, nicht Inhalt

Von diesem ‚Zwang zur Identifikation‘ leiten sich einige der wesentlichen Charakteristika des Ego-Verstandes ab. Eines davon zeigt sich darin, dass der Ego-Verstand Struktur und nicht Inhalt ist; er kommt also mehr in der Art und Weise des Denkens zum Ausdruck als in dem, was gedacht wird. Wenn man sich beispielsweise als Mann über Frauen erhebt, weil man sich mit einer speziellen Haltung identifiziert, sich als Mensch mit heller Hautfarbe über Menschen mit dunkler Hautfarbe stellt, weil man sich mit dieser oder jener Ideologie identifiziert; wenn sich der CEO für etwas Besseres hält als die Reinigungskraft oder die rechte Partei sich allen anderen überlegen fühlt – in all diesen Fällen ist der Ego-Verstand am Werk, weil es auf die eine oder andere Weise zu einer Identifikation gekommen ist, deren konkreter Gehalt unwesentlich ist. Frauen, die sich über Männer erheben, so selten das auch der Fall sein mag, agieren genauso aus dem Ego-Verstand heraus wie jemand mit dunkler Hautfarbe, der sich über einen weißen Menschen stellt, oder Reinigungskräfte, die auf Führungskräfte herabsehen.

Sexismus, Rassismus und Klassismus sind nur drei der historisch hartnäckigsten Artikulationen des Ego-Verstands – ihnen und anderen ‚-ismen‘ liegt das (Be-)Werten und (Ver-)Urteilen als struktureller Mechanismus zugrunde. Unabhängig von den konkreten Inhalten ist es das Einordnen, Kategorisieren und Konstruieren von Hierarchien, das dem Ego-Verstand zum Ausdruck verhilft. Wenn Menschen oder Anschauungen in Schubladen gesteckt oder mit Etiketten versehen werden, lässt sich das häufig auf den Ego-Verstand zurückführen. Er ist die Struktur, auf deren Basis sich der Mensch, im Einzelnen wie im Kollektiv, privilegiert wähnt, sich selbst ins Recht und andere(s) ins Unrecht zu setzen bzw. sich über andere(s) zu stellen. Der Ausdruck, mit dem der Akt des sich über andere(s) Erhebens erfolgt, ist einmal dieser, einmal jener – einmal ist es diese Meinung, dann jene Haltung, diese Ideologie oder jene Perspektive. Doch gleich womit die Identifikationen erfolgen, sie sind austauschbar und bloß ein Mittel zum Zweck, um die Erhebung als Grundstruktur des Egos fortzuführen.

Auf der rationalen Ebene drückt sich der Ego-Verstand also über eine Logik des Trennens und Spaltens aus während er sich affektiv durch das Bedürfnis nach Überlegenheit und Herrschaftsgelüste artikuliert. Dieter Broers bringt es auf den Punkt, indem er den Ego-Verstand als ein Konzept versteht, welches besagt, „dass das Ich als abgegrenzte Einheit mit dem Umfeld nicht wesenhaft verbunden ist, sondern ihm bloß dialogisch, als Rivale und Handelspartner, entgegentritt“. Der Ego-Verstand braucht mit anderen Worten ein ‚konstitutives Außen‘, mit dem er in Konkurrenz treten und interagieren kann, weil er sich in der Reibung mit diesem Außen abgrenzt und nur so die eigene Identität ins Leben rufen kann. Er braucht die Trennung von Allem-was-ist. Zu diesem Zweck generiert er das Andere und den Anderen über die er sich sodann erhebt und in der Folge definiert. Der Ego-Verstand ist nichts anderes als ein Denk- und Wahrnehmungsapparat, der ausschließlich in Begriffen der Identifikation und Spaltung operiert und dem Menschen suggeriert, er wäre von der Welt getrennt. Sobald sich jedoch die Abgrenzung des Ego-Verstands gegenüber dem Umfeld und dem/den vermeintlich Anderen auflöst, kollabiert der Ego-Verstand. Eine tiefe Verbundenheit und ein Eins-Sein-Mit-der-Welt bedeuten das Ende seiner Vorherrschaft.

Grimm und Groll

Die Einsicht, dass alle Spaltungen künstlich sind, ist die Antithese zum Ego-Verstand. Er selbst ist künstlich und muss diesen Umstand um jeden Preis verschleiern. Das Ich, das der Ego-Verstand installiert, funktioniert nur solange wie es für normal und natürlich gehalten wird, als Instanz, die immer schon da war – in dem Moment, wo die Illusion erkannt wird, verschwindet sie. Ein Bewusstsein für die Einheit von allem (anstelle unzähliger Ich-Fragmente) stellt daher eine existenzielle Bedrohung für den Ego-Verstand dar. Dieser Bedrohung entgeht er beispielsweise dadurch, dass er den Menschen in ein Geflecht aus Negativität verwickelt.

Das zeigt sich besonders in Konfliktsituationen. Anstatt eine Auseinandersetzung als das zu sehen, was sie ist, vergänglich und ohne Substanz, finden Identifikationen statt; es werden Positionen eingenommen, Fronten verhärten sich und am Ende will jeder nur mehr Recht haben, d.h. dem Ego-Verstand gerecht werden. Anstatt eine Meinungsverschiedenheit oder ein Missverständnis als eine Chance zum Dazulernen zu sehen, entsteht ein reißender Fluss aus Gedanken und Emotionen, die sich in ihrer Negativität gegenseitig aufschaukeln, und sogar in Gewalt enden können, aber in jedem Fall Ausdruck des Ego-Verstands sind. Kurzum: Statt den Konflikt in etwas Positives zu verwandeln oder – wie die Ente ohne Menschenverstand – kurz mit den Flügeln zu schlagen, die Situation zu verlassen und seiner Wege zu gehen, verwickelt sich der Mensch in eine negative Rückkopplungsschleife. Er lamentiert und ärgert sich und kreiert so ein Drama aus absurden Hypothesen und Zukunftsszenarien; je mehr er das macht, umso eher bereitet er den Boden für noch mehr Verdruss. Und das alles dank dem Ego-Verstand. Er klagt darüber, dass die Dinge so sind und nicht anders und wenn sie dann anders sind, dann findet sich der nächste Mangel und der nächste, usw.

Der Ego-Verstand sorgt also dafür, dass sich der Mensch mit seinem illusorischen Ich ständig beklagt und ärgert. Wenn er das nur lange genug tut und es ihm zur zweiten Natur wird, dann entsteht aus der Anhaftung am Negativen eine pervertierte Form von Freude; in der Folge entsteht eine Abhängigkeit von Negativität, die wiederum ein latentes Unglücklichsein begünstigt und dem Ego-Verstand als Nahrung dient, um den begonnenen Kreislauf (und somit die Existenz des Ego-Verstands) am Laufen zu halten. Eine negative Wahrnehmung begünstigt noch mehr Negativität, genauso wie ein Gefühl des Unglücklichseins einem anderen Gefühl mit einer ähnlichen Prägung die Hand gibt und ehe man sich’s versieht hat sich die ganze Verwandtschaft negativer Gefühle in Körper, Geist und Seele niedergelassen – getreu dem Motto: Gekommen, um zu bleiben.

Radfahrer in der LuftDabei fällt dem verwickelten Menschen nicht auf, welcher Ironie er zum Opfer gefallen ist, indem er sich von einer unpersönlichen Struktur dazu verleiten hat lassen, alles persönlich zu nehmen. Er ist sich mit anderen Worten nicht bewusst, dass sein Ärgern und Schimpfen, sein Beklagen und Grollen in Identifikationen wurzelt – mal mit Menschen, mal mit Besitztümern, ein andermal mit Institutionen und wiederum ein andermal mit gedanklichen Konzepten und Verortungen in der Welt – und dass erst durch sie jene Dynamik entsteht, auf Basis derer er alles, was sich nicht mit ihnen deckt, persönlich nimmt und so den Eindruck gewinnt, er müsse schon die geringste Abweichung von seinen Identifikationen bewerten und verurteilen, in eine Schublade stecken und mit einem Etikett versehen, um sich in letzter Konsequenz darüber zu erheben oder gar zu bekämpfen, woraus sich automatisch der Gefühlsmorast aus Grimm und Groll ergibt. Die Identifikationen, die Verhaltens- und Wahrnehmungsstruktur sowie die damit einhergehenden Emotionen sind allesamt unpersönlich in dem Sinn, dass sie den Menschen in seinem tiefsten Sein nicht berühren. Es ist lediglich der künstliche Ego-Verstand, der dafür sorgt, dass sich der Mensch mit ihnen verwechselt.

Der gegenwärtige Augenblick

Eine weitere Strategie des Ego-Verstandes hat mit Zeit zu tun. Immer, wenn sich der Mensch in seinem Ich-bin-Modus befindet, wenn er in seinem Sein ist, frei von Identifikationen, Gedankenströmen und Emotionen, dann ist er seiner selbst gewahr und nimmt sich bewusst im Hier und Jetzt wahr. In einem solchen Zustand der Präsenz ist der Ego-Verstand stumm geschaltet. Entwickelt sich aus den Phasen der vollkommenen Gegenwärtigkeit ein anhaltender Bewusstseinszustand, so verliert er nicht nur den Zugriff auf das Bewusstsein des Menschen, sondern er löst sich auf. Der gegenwärtige Augenblick ist, wenn man so möchte, der natürliche Feind des Ego-Verstands.

Aus diesem Grund ist dem Ego-Verstand daran gelegen, uns so oft wie möglich in das ‚konstitutive Außen‘ des gegenwärtigen Moments zu verwickeln. Wir nennen dieses Außen entweder Vergangenheit oder Zukunft. Wenn wir also im Geist Beziehungen neu aufrollen, mental in unserer Kindheit wühlen, vermeintliche Fehler aus der Vergangenheit analysieren, mit unseren Gefühlen mitten im Streit von letzter Woche stecken, Geschehenes stundenlang gedanklich durchspielen und ganz allgemein in Erinnerungen schwelgen, dann ist unsere Aufmerksamkeit nicht im Hier und Jetzt. Dann hat uns, salopp gesagt, der Ego-Verstand am Wickel. Gleiches gilt, wenn wir uns den Partner, die Hochzeit oder das Haus unserer Träume bis ins kleinste Detail ausmalen oder im Geiste das Drehbuch für eine Verhandlung mit dem Chef schreiben; genauso, wenn wir mit unserer inneren Stimme über den Ausgang einer Situation verhandeln, auf die wir ohnehin keinen Einfluss haben, oder absurde Wenn-Dann-Ketten knüpfen. Bereutes und Erhofftes, Erinnertes und Erwartetes, Rückwärts- und Vorwärtsgerichtetes haben – unabhängig von den konkreten Details – eines gemeinsam: Sie liegen alle außerhalb des gegenwärtigen Augenblicks.

Doch dieses Außen der Zeit ist eine Illusion – bloßes Kunstprodukt des Ego-Verstandes. Was wir Vergangenheit und Zukunft nennen hat keine Materialität, sondern ist lediglich Ausdruck dessen, was Henri Bergson und andere „psychologische Zeit“ nennen: Beides sind Gedankenformen, die außerhalb unseres Geistes nicht existieren. Vergangenheit wie Zukunft sind idées fixes, d.h. tief verwurzelte, unhinterfragte Leitvorstellungen, während es in Wahrheit immer nur den gegenwärtigen Augenblick gibt. Auf das Jetzt folgt das nächste Jetzt und das nächste und noch eines und noch eins. Angenehme Erinnerungen (Vergangenheit) und Hoffnung (Zukunft), um nur die offenkundigsten Beispiele zu nennen, sind keineswegs etwas Schlechtes, vorausgesetzt, dass sie mit einem Bewusstsein für ihren illusorischen Status wahrgenommen werden und keine Identifikation mit dem einen oder dem anderen auf Kosten der Gegenwart erfolgt. Der Ego-Verstand hat allerdings kein Interesse an einem Menschen, der mit keinen psychologischen Konzeptionen der Zeit verhaftet ist. Der zeitlose Mensch im gegenwärtigen Augenblick ist ihm regelrecht zuwider. Um existieren zu können, muss er uns von der Präsenz trennen und von einem Bewusstsein für den gegenwärtigen Augenblick im gegenwärtigen Augenblick ablenken; er muss uns dazu verleiten an der psychologischen Zeit anzuhaften, sodass wir uns in ihr verstricken. Gelingt ihm das nicht und wir sind im nie endenden Strom des Jetzt – gewahr und völlig präsent –, geht dem Ego-Verstand rasch die Luft aus.

Der Ego-Verstand und das größere Bild

Wer jetzt das Gefühl hat, dass der Ego-Verstand ein Eigenleben besitzt, so als würde es sich bei der Kombination aus Ego und Verstand um ein eigenständiges Wesen handeln, befindet sich in guter Gesellschaft. Eckhart Tolle hat ihm die Bezeichnung „Ego-Verstand“ gegeben, um auf genau jenen Umstand zu verweisen, dass dieses künstliche Ich über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügt, das sich eben darin ausdrückt, dass es solange im Verborgenen operiert wie es unbeobachtet bleibt und dem Menschen nicht bewusst ist. Nach Dieter Broers existiert der Ego-Verstand in einem noch umfassenderen Zusammenhang. Er ist der Ansicht, dass die Intelligenz, die wir Ego-Verstand nennen, vor tausenden Jahren von nicht-irdischen Wesen in den Menschen installiert worden ist, damit man sie von innen heraus manipulieren und wie Sklaven halten kann. Broers beruft sich dabei auf den Mythos vom Demiurg wie er in den gnostischen Schriften zu finden ist. Eine andere These, die sich ebenfalls bei Broers findet, bringt die Auffassung vom Ego-Verstand als Parasit auf den Punkt, indem sie seine Wirkungsweisen auf das sogenannte toxoplasma gondii, ein durch Katzen übertragener Erreger, zurückführt. Das vermutlich geläufigste Erklärungsmodell sieht den Ego-Verstand schlicht als den naturalisierten Ausdruck der rationalen, logischen sowie mechanischen Energie patriarchaler Herrschaftsformen, die den Menschen unabhängig von Geschlecht und Gender sozialisiert.

Anstatt sich nun – wie die Ente mit dem Menschenverstand – über die Perfidität des Ego-Verstands zu ärgern, sich eine Opferrolle zuzuschreiben, auf einem geeigneten Erklärungsmodell zu beharren, ihm offiziell den Krieg zu erklären und so nur noch mehr Öl ins Ego-Feuer zu gießen, ist die Einsicht, dass auch der Ego-Verstand bei genauerer Betrachtung einen Zweck erfüllt, wesentlich zielführender. Das Wissen um die Wirkungsweisen des Ego-Verstands und die Beobachtung dieser Wirkungsweisen an einem selbst setzen ihn immer mehr dem Licht der Erkenntnis aus, sodass wir irgendwann einfach mit den Flügeln schlagen, seine niedrig schwingende Energie abschütteln und eine ganz andere Richtung einschlagen. Im Erkennen des Falschen ist immer das Wahre schon angelegt und im Durchschauen des Künstlichen das Authentische bereits mitangeschaut. Paradoxerweise kann der Ego-Verstand der Weg zu diesem Wahren und Authentischen sein.

Fortsetzung: „Der Ausgang ist innen: Ego-Verstand und Bewusstsein (2)“

Copyright: © Mario Rader für Gehvoran.com

Bilder: Fotolia.com (Mountainbiker), Graphicstocks (Rest)

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Katharina K. says:

    Was wissen wir über den Menschen, seinen Verstand, das Ego – den komplexen Menschen?
    Was haben wir selbst konstruiert, von dem was wir für wahr halten + dies in stiller Abstimmung mit der Gesellschaft um allem einen Sinn zu geben?
    In der Hirnforschung, das betonen namenhafte Wissenschaftler, stehen wir gaaanz am Anfang.
    Wie sicher glauben wir zu wissen + darin sicher zu sein?
    Weil das DU + das ICH in Korrelation steht für ein Leben sozial + humanistisch!

  2. 2
    chris says:

    Schöner Artikel.

    Florinda Donner, nicht zu verwechseln mit Florinda Grau, hat ein Interview gegeben.
    http://www.adlerkrieger.de/Traeume.html

    Bei den 2 Gruppen, Nordamerika, ging es darum die Wahrnehmungsmauer zu durchbrechen. Von dem Tonal (Materie/5 Sinne) zum Nagual zu kommen.

    Das Tonal stellt einen gedeckten Tisch dar, alles ist sofort sichtbar, im Vordergrund.
    Das Nagual ist unterm Tisch, versteckter.

    Der Alltag wird dort „soziale Ordnung“ genannt. Ein festgesetzter Montagepunkt/Käfig. Da ist die Aufmerksamkeit/Wahrnehmung ein alltägliches gespeichertes Programm.

    Ein erstes Ziel war dort die Aufmerksamkeit zu verlagern. Es sind viele Prozesse.
    Es geht auch um die berühmte Zwiebel, die geschält wird, abgetragen.

    Die Gruppen (2) hatten 2 Nachnamen. In der Grau-Gruppe bekam die Autorin von der Florinda Grau den Vornamen, da ähnliche Energie-Struktur. Deswegen ähnliche Namen.

    Vielleicht tut sich ja jemand dafür interessieren.

    PS: Am Ende wird noch die sekundäre Aufgabe der Gebärmutter erklärt, die Intuition.

    lg Chris 🙂

  3. 3
    Mario Rader says:

    Vielen lieben Dank für das Feedback und die weiterführenden Gedanken und Ansätze. Wir profitieren alle davon.

  4. 4
    matrixen says:

    Danke Mario,
    ein wirklich interessanter Artikel, genau das was ich gerade brauche …. .danke danke danke.
    LG matrixen

  5. 5
    Niko says:

    sehr guter Artikel, finde ich.
    Genau Katharina davor stehe ich momentan, etwas rätselnd.
    Gestern brannte es im Herzbereich und zugleich auch bei meiner Mutter an der gleichen Stelle, sodass ich neugierig wurde und an der von Walli angegebenen 5. Herzkammer dachte.
    Nachgefragt ergab es, dass alte Emotionen gehen durften und ein Weg freier ist. Heute Nacht sah ich hierzu mein Herz, wo meine Eltern und eine Frau verankert waren, dazu sah ich Bäume und in der Lichtung etwas sehr helles, weich umarmendes.
    Als ich neugierigerweise bei meiner Mutter nachfragte hiess es, dass die Bäume meine alten Ansichten aus dem Ego darstellen, quasi wie Du sagst “ selbst konstruiert, von dem was wir für wahr halten + dies in stiller Abstimmung mit der Gesellschaft „, die Ich Identifikation sozusagen.

    Vielleicht ist genau das von Mario angegebene:
    „Anstatt sich nun – wie die Ente mit dem Menschenverstand – über die Perfidität des Ego-Verstands zu ärgern, sich eine Opferrolle zuzuschreiben, auf einem geeigneten Erklärungsmodell zu beharren, ihm offiziell den Krieg zu erklären und so nur noch mehr Öl ins Ego-Feuer zu gießen, ist die Einsicht, dass auch der Ego-Verstand bei genauerer Betrachtung einen Zweck erfüllt, wesentlich zielführender. Das Wissen um die Wirkungsweisen des Ego-Verstands und die Beobachtung dieser Wirkungsweisen an einem selbst setzen ihn immer mehr dem Licht der Erkenntnis aus, sodass wir irgendwann einfach mit den Flügeln schlagen, seine niedrig schwingende Energie abschütteln und eine ganz andere Richtung einschlagen. Im Erkennen des Falschen ist immer das Wahre schon angelegt und im Durchschauen des Künstlichen das Authentische bereits mitangeschaut. Paradoxerweise kann der Ego-Verstand der Weg zu diesem Wahren und Authentischen sein.“
    die Lösung, aber genau weiß ich es leider nicht.
    Ich merke einfach diese „Opferrolle“ und das innerliche Diskutieren und sich verteidigen, vielleicht kann man Mental- und Emotionalkörper nicht so getrennt betrachten.
    Ich weiß es ehrlich nicht. Aber dieses Wahre und Authentische wäre so schön, unsere Seele, unser Selbst.

    Ein Traum :-)))))))))))))))))))))))))
    Ich weiß, dass mein Ego mich oft in die Niedrigschwingung packen will und das einfach sehr wehtut innerlich, ein immer wiederkehrender Regelkreis.

    Liebe Grüße
    Niko

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