Der Ausgang ist innen: Ego-Verstand und Bewusstsein (2)

25 Feb 2017 Von Kommentare: 5 Bewusstsein, Spiritualität

Der Ausgang ist innen Bewusstsein 2

Im ersten Teil dieses Artikels ging es vordergründig darum den von Eckhart Tolle so bezeichneten „Ego-Verstand“ in seinen Grundzügen zu charakterisieren. Der nun folgende Teil beschäftigt sich damit, den Ego-Verstand historisch zu verorten – als den roten Faden, der die Aufklärung womöglich zu ihrem spirituellen Abschluss führt. Es soll darum gehen, inwiefern der Ego-Verstand exakt jene Reibfläche darstellt gegen die sich das Bewusstsein herausbildet und so als Widersacher und Geburtshelfer in einem fungiert. Insbesondere wird auf das Bewusstsein eingegangen, das sich zu manifestieren beginnt, wenn die und der Einzelne zu erkennen beginnt, dass die Ereignisflut aus Chaos, Katastrophen und Kriege nichts anderes als Manifestationen des individuellen wie kollektiven Ego-Verstands sind und der Ausgang, wie Traugott Ickeroth sagt, innen ist. Mit anderen Worten: Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht die Überwindung aktueller Kataklysmen durch die Überwindung des Ego-Verstands.

Aufklärung 2.0

Die Aufklärung war eine Zäsur in der Menschheitsgeschichte. Bis zum 18. Jahrhundert war der metaphysische Bereich tonangebend und der christliche Gott das Maß aller Dinge. Mit der Trennung von Kirche und Staat und einer gewissen Skepsis gegenüber religiösen Dogmen rückte der menschliche Verstand mehr und mehr in den Vordergrund – eine Verschiebung, die in Kants „Sapere aude“ („Wage zu denken“) ihren Ausdruck findet. Wo zuvor Gott das Maß aller Dinge gewesen war, war nun der Mensch mit seinem Verstand die oberste Autorität. Das rational-humanistische Paradigma war geboren und damit Werte wie die Freiheit des Einzelnen oder der Glaube an den Fortschritt. Die Errungenschaften des „Zeitalters der Vernunft“ können nicht genug betont werden, zumal sie uns bis ins 21. Jahrhundert prägen. Doch genau hier findet sich auch die Krux.

Zwar hat sich der Mensch von der Herrschaft Gottes befreit, jedoch nur um sich im gleichen historischen Moment der Verstandesherrschaft zu beugen. Was Aufklärung genannt wird ist nichts anderes als ein Putsch, bei dem man Gott gestürzt und den Verstand zum neuen Gott erklärt hat. Die Form mag sich geändert haben, aber die grundlegende Struktur ist dieselbe. Aus spiritueller Sicht stellt die historische Aufklärung die Rationalisierung und Legitimierung der Verstandesherrschaft zu Lasten des Bewusstseins dar, d.h. sie verleiht der Vernunft einen Monopolstatus in Bezug auf die menschliche Wahrnehmung, sodass alles, was sich nicht vom Verstand erfassen und bearbeiten lässt, marginalisiert wird.

Die Abkehr von der christlichen Metaphysik war zweifelsohne eine notwendige und wertvolle Erfahrung für die Menschheit. Allerdings ist sie mit der Aufklärung von einem Extrem direkt in ein anderes verfallen. Das Herz, die Gefühle, die Intuition und Bewusstsein jenseits des Verstandes waren – wie schon im dunklen Mittelalter – wenig geschätzt. Im Sinne der Polarität war aber die Überbetonung des Verstandes (sowie des Egos, das sich nicht zuletzt aufgrund von Darwins Theorien in Wettbewerbs- und Überlegenheitsgelüsten ergießt) ein notwendiges Übel. Mehr noch, die Verherrlichung von Verstand plus Ego war das notwendige Übel, da es dem Menschen im Laufe der letzten drei Jahrhunderte die Grenzen von Verstand und Ego vor Augen geführt und den Weg zu solchen Fragen wie etwa „Ist der Mensch nur sein Verstand?“ oder „Erschöpft sich das Leben wirklich in dem womit der Verstand umgehen kann?“ geebnet hat – wesentliche Fragen, die auf eine Leerstelle in der Evolution des Menschen verweisen.

Das dialektische Prinzip besagt, dass wer den einen Pol stärkt auch den anderen Pol bestärkt. Das Forcieren des Ego-Verstands (als der eine Pol) hebt automatisch auch das Bewusstsein (als der andere Pol) an. Die Überbetonung von Vernunft und Ego im Zuge der Aufklärung bringt daher jene Leerstelle, die wir Bewusstsein nennen, als den anderen Pol hervor. Letztlich ist die Synthese aus Ego und Verstand nichts anderes als jene Reibfläche gegen die sich das Bewusstsein in dialektischer Manier herausschält. Je mehr Verstand plus Ego an ihre Grenzen stoßen, umso eher zeigt sich, dass das noch nicht alles ist und es in der Tat noch etwas anderes gibt. Je nach Sichtweise ist damit die Aufklärung noch gar nicht abgeschlossen und wir befinden uns mitten im dritten Akt oder die wahre Aufklärung ist der Prozess, in dem wir uns derzeit befinden – der Prozess, bei dem wir uns von der Vorherrschaft des Egos lösen und den Verstand ins rechte Lot rücken, sodass er wieder uns dient – und nicht umgekehrt. Interessanterweise verweist „Enlightenment“ auf einen ähnlichen Umstand, wird es im Englischen sowohl für die Aufklärung im historischen wie für die Erleuchtung im spirituellen Sinn verwendet. Dies legt den Schluss nahe, dass die wahre Aufklärung die Erleuchtung in Folge der Bewusstwerdung des Menschen meint.

Revolution oder spiritueller Aufstand?

Die historische Aufklärung mündete bekanntlich in der Französischen Revolution (1789 – 1799). Diese stellte zwar eine große Umwälzung dar, die bis zu einem gewissen Grad mit einem Bewusstseinswandel („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) einherging; jedoch äußerte sich diese Umwälzung vordergründig im Umsetzen von Menschenrechten sowie im Sturz der Monarchie und der Errichtung einer Republik – kurzum, in der Veränderung sozialer und politischer und somit äußerer Umstände. Geht man, wie oben angeführt, davon aus, dass die Aufklärung nicht mit dem 18. Jahrhundert endete, da sie erst mit dem Bewusstwerdungsprozess des Menschen, so wie er derzeit stattfindet, ihren Höhepunkt findet, wird einem auch bewusst, dass die wahre Revolution ein innerer Vorgang ist – ein ‚Aufstand‘ im Stillen, der keine Jakobiner, keinen Robespierre und keine Guillotine erfordert.

In diesem Kontext ist Max Stirner, einer der weniger bekannten Denker des Egos, hilfreich. Er unterscheidet zwischen „Revolution“ einerseits und „Aufstand“ andererseits. Während die Revolution den Umsturz des Status Quo sucht und stets ein sozialer bzw. politischer Akt ist, verweist der Aufstand im Sinne Stirners auf eine Wandlung, die nicht bei den äußeren Verhältnissen ansetzt, sondern ihre Wurzel in der Unzufriedenheit des Menschen mit sich selbst hat. Im Zuge der Revolution werden Waffen erhoben – beim Aufstand, wie Stirner ihn sieht, erhebt sich der Mensch selbst. Die Revolution zielt darauf ab eine neue Ordnung herzustellen während dem Aufstand daran gelegen ist, dass die Rahmenbedingungen nicht mehr von außen oktroyiert werden, sondern aus einem selbst kommen. Stirners Aufstand meint nicht den Kampf gegen das Etablierte in der Welt, da sich dieses von alleine ändert, ist der Aufstand im Innen gelungen; sein Aufstand meint jenen Vorgang, kraft dessen sich der Einzelne aus dem Etablierten herausentwickelt.

Stirners Definition des Aufstands ist von der anarchistischen Subjektivitätstheorie aufgegriffen und für den Zweck der radikalen Abkehr vom Staat und seinen Institutionen ideologisch missbraucht worden. Die ideologische Verwendung kann aber auch positiver Natur sein, indem man Stirners Aufstand als spirituelle Praxis betrachtet – spirituell, da der Aufstand still und im Inneren sowie ohne Gewalt und Widerstand stattfindet und praktisch, weil er die Loslösung vom Ego-Verstand realisiert. Als die Ablösung vom Etablierten meint dieser spirituelle Aufstand keineswegs das Bekämpfen von Herrschaftsformen und Autorität, sondern die Abkehr von mentalen Konstrukten, Identifikationen und den damit einhergehenden Emotionen. Der Aufstand im spirituellen Sinn bezieht sich mit anderen Worten auf das Lösen vom Ego-Verstand als jene Struktur, die den Identifikationen, gedanklichen Konzepten und negativen Emotionen eine Bühne bietet; jene Ego-Struktur, die sich besonders seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert als integraler Teil der conditio humana ausgegeben und uns fälschlicherweise in dem Glauben genährt hat, sie wäre ein natürlicher Bestandteil des Mensch-Seins.

John Lennon hat es auf den Punkt gebracht, als er sagte, wie viel bequemer es doch sei „Revolution!“ zu schreien und als Masse auf die Straße zu gehen, anstatt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Revolution als das Aufbegehren gegen äußere Umstände ist schließlich wieder nur ein Ausdruck des Ego-Verstands, besonders dann, wenn diese Revolution nicht von einer tiefgreifenden inneren Veränderung der Menschen motiviert ist. Der spirituelle Aufstand hingegen überträgt sich zwangsläufig ins Außen. Das Auflösen des eigenen Ego-Verstands hilft die Manifestationen des Ego-Verstands in der Welt aufzulösen; genauso trägt die Abkehr vom individuellen Ego-Verstand dazu bei, den kollektiven Ego-Verstand in den Ruhestand zu schicken.

Ego-Porno und aperspektivisches Bewusstsein

Das Auflösen des Ego-Verstands stand noch nie so sehr im Vordergrund wie in den letzten zwei Jahren. Egal, ob wir uns mit der Flüchtlingskrise in Europa auseinandersetzen, den Krieg in Syrien näher betrachten oder mit Anschlägen auf deutschem wie französischem Boden konfrontiert werden, immer wird dabei der Ego-Verstand getriggert. Dasselbe gilt für den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, die westliche Anti-Russland-Propaganda oder den ‚War on Fake News‘: Immerzu wird der Mensch qua Ego-Verstand interpelliert, d.h. er wird zum Subjekt, das sich durch die Positionierungen zu den Ereignissen definiert. Der Ego-Verstand ist also jener Teil, der uns erst in das Geflecht aus Krisen, Anschläge und Chaos verwickelt und so die Geschehnisse energetisch versorgt – ohne ihn hätte das Gesendete keinen Empfänger. Es ist der Ego-Verstand, der uns verleitet, in den vorgekauten Erklärungshäppchen eine trügerische Zuflucht zu suchen; es liegt am Ego-Verstand, dass wir uns mit ideologischem Fingerfood zufriedengeben und es ist der Ego-Verstand, der uns in das Geschwurbel US-lizensierter Deutungshoheiten hineinzieht. Der effektivste Weg, diese energetische Anbindung zu unterbrechen, findet sich in dem was Thomas Nagel den „View from Nowhere“ nennt – den Blick aus einer ‚höheren‘ Perspektive oder besser noch, eine Wahrnehmung ohne spezielle Verortung im Geschehen.

Jean Gebser bezieht sich auf das Bewusstsein, in dem eine derartige Wahrnehmung stattfindet, als „aperspektivisches Bewusstsein“, d.h. ein Bewusstsein frei von Perspektive. Diese ‚Perspektivenlosigkeit‘ lässt einen erkennen, dass es der Ego-Verstand ist, der uns in den flüchtlings-industriellen Komplex verstrickt, indem man sich mit einer Pro- oder Kontra-Haltung identifiziert und sich mit nationalen Interessen oder humanitären Werten gleichsetzt. Das ‚Bewusstsein ohne Perspektive‘ hilft auch dabei zu erkennen, dass Russenhetze wie Trump-Bashing über den Ego-Verstand operieren, da er so seine Struktur des Bewertens und Verurteilens in Gang setzen und sich über andere Positionen erheben kann; genauso lässt sich mittels Aperspektivität erkennen, dass der Terror uns in negative Gedankenströme und Emotionsschleifen hineinzieht und der mediale Kampf um die Wahrheit unsere Aufmerksamkeit beansprucht und uns vom gegenwärtigen Augenblick entfernt.

Kurzum: Der Großteil der Ereignisse, die momentan auf der Weltbühne auftauchen, zielen direkt auf den Ego-Verstand ab. Massenmigrationen, Stellvertreterkriege, Terrormanagement, Handelsabkommen, Hacker-Narrative – sie allesamt aktivieren die Viererkette aus Identifikation, Struktur, Negativität und psychologischer Zeit und manipulieren den Menschen so, dass er in der Illusion der Ich-Perspektivität gefangen und vom Bewusstsein getrennt bleibt. Die Ereignisse sollen uns aufregen und sie sollen dafür sorgen, dass wir streiten, einander ins Unrecht setzen und uns im Besitz der einen unumstößlichen Wahrheit wähnen. Sie sind darauf ausgelegt, uns in Schuld und Angst zu halten, da Schuld, gleich ob finanzieller oder moralischer Natur, immer auf die Vergangenheit rekurriert und Angst stets auf die Zukunft abzielt. Das Geschehene soll Widerstand auslösen, weil Widerstand letztlich den Ego-Verstand stärkt und wo die Bindung an den Ego-Verstand stark ist, ist die Unbewusstheit groß. Wenn der Ego-Verstand den Ton angibt, wird der Reiter zum Pferd. Dieser Kreislauf wird niemals enden, außer wir beenden ihn. Das energetische Angebot wird nie aufhören, es sei denn wir stoppen die Nachfrage und kehren zu unserem Status als Reiter zurück.

Walhalla DonauSeinem Wesen nach ist der Ego-Verstand wie ein Ouroboros – die Schlange, die sich selbst verschlingt. Er ernährt sich von genau den Problemen, die er selbst geschaffen hat. Er kann auch nicht bekämpft werden, weil das wieder nur ein Ausdruck seines selbstbezüglichen Wesens ist. Einstein hat gemeint, dass Probleme nicht auf derselben Ebene gelöst werden können, auf der sie entstanden sind. Der Ausweg aus dem Bann des Ego-Verstands ist daher so einfach wie einleuchtend: Die Schlange nicht füttern und nicht reizen, sondern schlechterdings sich selbst überlassen.

Wer hat Angst vorm Bewusstsein?

Die Meinungen zum Status Quo gehen auseinander. Die einen meinen, dass wir uns mitten im Bewusstseinsanstieg befinden und die dichten Energien der dritten Dimension zunehmend hinter uns lassen; andere glauben, dass es sich bei dem viel zitierten Kompressionsdurchbruch in den ätherischen Bereich der vierten Dimension nur mehr um Tage handeln kann. Doch auch abseits spiritueller Kreise und diverser Friedens- und Truther-Bewegungen sind nur die allerwenigsten der Auffassung, dass die Dinge so weiterlaufen sollen (und können) wie bisher. Die meisten spüren, dass eine umwälzende Transformation ins Haus steht. Manche begreifen auch, dass die Veränderung kaum von außen kommen wird; dass uns weder ein Erlöser, Außerirdische oder ein anderer Deus ex machina den kritischen Blick auf uns selbst ersparen wird. Und manchen ist sogar bewusst, dass es die Kombination aus Verstandeskult und den Exzessen des Egos ist, die uns an genau jenen Punkt gebracht hat, an dem wir uns jetzt befinden, ohne dass ein Bewusstsein für den Ego-Verstand als Begriff vorherrscht. Warum also das Klammern an etwas, von dem man spürt oder gar weiß, dass es einem nicht gut tut?

Weil das Lösen vom Ego-Verstand Mut erfordert. Nachdem er die Menschheit jahrhundertelang dahingehend geprägt hat sich mit Gegenständen, Eigentum, Menschen, Vorstellungen, Konzepten, etc. zu identifizieren, mag es verrückt erscheinen, sich in einen Seinszustand ohne derlei Identifikationen zu versetzen. „Identifikation gibt Sicherheit“, so der Sirenengesang des Ego-Verstands. Was Hinduismus und Buddhismus „Nicht-Anhaftung“ nennen mutet dem egoisierten, vernunftzentrierten westlichen Menschen zwangsläufig absurd an, dabei ist es die Anhaftung an alles und jeden, die absurd ist. Die Lossagung vom Ego-Verstand macht Angst, da sich mit seinem Verschwinden auch die Sicherheit auflöst bzw. als das entblößt, was sie immer war: eine Illusion. Dieser ins Auge zu schauen erfordert Mut. Daher ziehen viele Menschen die Sicherheit vor; denn auch wenn sie noch so illusorisch sein mag, ist sie doch wenigstens vertraut. Statt sich also in das ‚Abenteuer Bewusstsein‘ zu stürzen, nehmen viele die Versklavung durch den Ego-Verstand in Kauf – immerhin spendet die Versklavung den Trost der Sicherheit.

Nun kann man die These vertreten, dass es Teil der Evolution ist, dass der Mensch imstande ist sich an widrige Umstände anzupassen; dass es ihn auszeichnet selbst mit noch so negativen Faktoren einen passenden Umgang zu finden. In diesem Sinn mag das Klammern am Ego-Verstand durchaus verständlich erscheinen. Man könnte sogar meinen, das Anhaften am Ego-Verstand sei menschlich. Zum Problem wird dieses menschliche Verhalten allerdings dann, wenn man sich in den Ego-Verstand verstrickt und zugleich darüber empört, dass die Dinge nicht besser werden – das wäre so wie im Kinderkarussell sitzen und sich wundern, dass man keinen Millimeter vorankommt. Sich vom Ego-Verstand abzunabeln stellt den Austritt aus dieser Kinderwelt dar. Erwachsenwerden meint demnach das Ende des individuellen und kollektiven Stockholm-Syndroms, demgemäß wir uns an den Ego-Verstand klammern, ihn verehren, so als wäre er unser Beschützer während er von Anfang der Wärter unseres unsichtbaren Gefängnisses war. Erwachsenwerden meint Erwachen – das Erwachen des Bewusstseins.

Der Supergau des Ego-Verstands

Die Zahl der Menschen, die aus freien Stücken beginnen sich vom Ego-Verstand zu verabschieden, wird täglich mehr. Für die Menschen, die noch eher von Verstand und Ego angetrieben leben, hat das Universum eine Hilfestellung parat, die man als „kosmische Dialektik“ bezeichnen könnte. Wie zuvor erwähnt verweist Dialektik auf den Umstand, dass man nicht einen Pol stärken kann, ohne dabei auch den anderen zu forcieren. Im Zuge dieses dialektischen Prinzips versorgt der Kosmos den Ego-Verstand dermaßen mit Impulsen, dass er pathologisch wird. Pathologisch setzt sich aus ‚pathos‘ (Leiden) und ‚logos‘ (Vernunft) zusammen und verweist auf das Leiden am Verstand. Die kosmische Hilfestellung sieht daher wie folgt aus: Menschen, die sich nicht aus eigenem Antrieb vom Ego-Verstand lösen können (oder wollen) werden mit einer stetig zunehmenden Anzahl an Ereignissen im Außen konfrontiert, die der Ego-Verstand immer weniger erfassen und verarbeiten kann. Diese Ereignisse kommen in immer kürzeren Abständen und mit einer zunehmend höheren Intensität daher, sodass der Ego-Verstand irgendwann überfordert ist und schlichtweg den Geist aufgibt.

Dieser Vorgang ähnelt einer DDoS-Attacke, bei der ein Server dermaßen mit Anfragen bombardiert wird, dass er schließlich den Dienst verweigert. Erste Indizien dieser konzentrierten Überflutung des Ego-Verstands sind bereits sichtbar: institutionalisierter Kindesmissbrauch (Pizzagate, Pedogate), satanistische Praktiken der Eliten, Aufklärung der Anschläge vom 11. September 2001, Spuren einer älteren Zivilisation in der Antarktis, Dokumente der CIA, die den Kontakt mit nicht-irdischen Rassen belegen, etc. Informationen wie diese und die vielen widersprüchlichen medialen Repräsentationen des Weltgeschehens generieren das, was man den „Entropie-Effekt“ nennen könnte. Entropie kommt aus dem Bereich der Thermodynamik und meint ua. jene Unordnung, die entsteht, wenn einem geschlossenen System mehr Energie zu- als abgeführt wird. Wenn nun Energie in den Ego-Verstand eingespeist wird, ohne dass diese im selben Maß wieder nach außen abgegeben wird, dann geschieht das, was man in der Thermodynamik den „Hitzetod“ nennt: Der Ego-Verstand verbrennt.

Tunnel EgoWenn sich die Ereignisse in der Welt mit anderen Worten überschlagen und von einer Qualität sind, die mit dem Ego-Verstand allein nicht mehr zu verstehen ist (bzw. sich dem Verstand gänzlich entzieht), geht der Mensch notgedrungen auf eine andere Ebene. Der Entropie-Effekt meint also, dass der Ego-Verstand lahmgelegt wird, sodass etwas Anderes auftauchen kann. Das ist auch was der verstorbene Maya-Experte Ian Xel Lungold meint, wenn er davon spricht, dass der Verstand mit der Außenwelt irgendwann nicht mehr Schritt halten kann und der Mensch ‚den Verstand verliert‘ – nicht insofern, dass er verrückt wird, sondern in dem Sinn, dass er zu seiner Intuition, seinem Herzen und dem Bewusstsein zurückfindet.

Renaissance des Bewusstseins

Ob sich der Mensch aus freiem Willen vom Ego-Verstand löst oder der Ego-Verstand in Folge kosmischer Hilfestellungen aufgelöst wird, ist letztlich einerlei. Beides sind Facetten desselben transformatorischen Prozesses, den wir „Bewusstseinsanstieg“ nennen. Dieser Anstieg, der ein bewusstes Sein ohne Identifikationen, Ego und Polarität mit sich bringt, ist das spirituelle Pendant zu dem, was man in der Wissenschaftstheorie einen „Paradigmenwechsel“ bzw. einen „Quantensprung“ im naturwissenschaftlichen Bereich nennt. Das neue Paradigma kann mit den Begrifflichkeiten des alten kaum noch erfasst werden. Beispiele für derartige Umbrüche sind Einsteins Relativitätstheorie, die man mit den Begriffen der Newtonschen Physik alleine ebenso wenig verstehen kann wie die kopernikanische Wende aus der Sicht des geozentrischen Weltbilds zu verstehen ist.

Analog dazu stellt Bewusstsein das neue Paradigma dar, das aus der Warte des alten Paradigmas „Ego-Verstand“ kaum noch begriffen werden kann – ihm fehlen schlichtweg die Möglichkeiten Zugang zum Bewusstsein zu finden. Der Rahmen, in dem sich der Ego-Verstand bewegt, ist zu eng gesteckt, sein Modus Operandi zu mechanisch, als dass er sich das Bewusstsein wahrhaftig erschließen könnte, ohne sich dabei selbst zu reproduzieren. Würde der Ego-Verstand das Bewusstsein erfassen, würde er sich im selben Augenblick auflösen. Im Paradigma der egoisierten und verstandeszentrierten Rezeption bleibt das Bewusstsein notwendig unverständlich und der Versuch, einem Menschen das Bewusstsein innerhalb der Möglichkeiten dieses Paradigmas näher zu bringen, muss so enden, als wollte man jemandem aus dem 14. Jahrhundert erklären, was ein Fernseher ist: Er würde uns mit großen, ungläubigen Augen ansehen, da er allein die Worte, mit denen wir den Fernseher in seinen Bestandteilen und Funktionen beschreiben, nicht kennt und somit auch keine Ahnung hat, worauf die Worte verweisen.

Bewusstsein wird sich immer in einer Wahrheit ausdrücken, die niemals zur Gänze verstanden werden kann, und der man sich bestenfalls in Paradoxien – als der raumlose Raum, die zeitlose Zeit und das Wesen der Es-senz – annähern kann. Es drückt sich in dem aus, was der Ego-Verstand als Binsenweisheit abtut: Bewusstsein als ‚Alles-was-ist‘ oder ‚Alles, was war, ist und immer sein wird‘. Bewusstsein ist das Gegenstück zum Ego-Verstand, ohne selbst ein Gegenstück zu haben; es ist das, was der Ego-Verstand bekämpft – das Andere, das ihm ein solches Gräuel ist und das er zugleich unbedingt braucht, um sich abzugrenzen. Bewusstsein hingegen kennt kein ‚konstitutives Außen‘ – es nimmt weder eine Position noch eine Perspektive ein; es umfasst alles und hat daher auch keinen Plural. Bewusstsein ist das, was in den Vordergrund tritt, sobald der Ego-Verstand in den Hintergrund rückt, und der Mensch erkennt, dass er das Erkennen und nicht das Erkannte ist, das Wesenhafte hinter dem Ich-bin und nicht die Worte selbst – ein Spiegel im Spiegel des sich selbst bewussten, sich selbst erfahrenden Universums.

Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich. Mit diesem berühmten Satz hat René Descartes nicht nur die moderne Philosophie ins Leben gerufen, sondern – unbewusst – die Wurzel des Ego-Verstands gefunden. Vier Jahrhunderte später wandelt sich jene Unbewusstheit, die mit der Identifikation mit dem Denken einhergeht, in Bewusstsein. Die Aufklärung endet mit dem aktuellen Quantensprung vom kartesianischen Ego zum spirituellen Ego sum (Ich bin). Sie vollendet sich, wenn die Menschheit ein höheres Bewusstsein erlangt hat. Den Weg zu diesem höheren Bewusstsein kann man mit George I. Gurdjieff als den Umzug in ein größeres Haus verstehen – ein Haus, das uns zur Verfügung gestellt wird, ohne dass wir dafür etwas tun müssen. Die einen mögen sich noch im alten Haus aufhalten, wo sie ihr Hab und Gut in Papier einwickeln und in Kartons packen, die anderen mühen sich damit ab ihre Möbel zu Fuß in Richtung des neuen Hauses zu schleppen während wiederum andere sich schlicht einen Transportwagen für den Umzug geliehen haben und an den anderen vorbeirasen. Allen steht jedoch der schönste Teil des Umzugs noch bevor: die Ankunft und das Ankommen im neuen Zuhause. Gurdjieff sagt eben nicht nur, dass wir das größere Haus bekommen, er sagt auch, dass wir uns um die Einrichtung selbst kümmern dürfen.

Copyright: © Mario Rader für Gehvoran.com

Bilder: Graphicstocks (Beitragsbild), Gehvoran (Rest)


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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    T⭐ says:

    Ausgezeichnete Abhandlung!! Sowohl Teil eins als auch Teil zwei ! Erhebend und bereichernd , meinen Dank von en.

  2. 2
    Yvonne says:

    Auch wenn ich es stellenweise zweimal lesen musste um es zu erfassen 😉 möchte ich mich bedanken, es findet meine vollste Bestätigung – super geschrieben

  3. 3
    Flake says:

    Gute Sache. Muss das glaube nochmal in Ruhe lesen

  4. 4
    Mario Rader says:

    Vielen Dank für das Feedback. Es freut mich, dass der Text auf die eine oder andere Art mit Menschen in Resonanz geht. Ich bin mir dessen bewusst, dass meine (Ab-)Satzarchitektur nicht unbedingt immer einfach zu lesen ist. Daher Danke für die Arbeit und fürs Durchhalten. Alles Liebe von mir.

  5. 5
    Petra says:

    Das ist für mich einer der besten Artikel, die ich jemals zu diesem Thema gelesen habe.
    Danke. 🙂

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