Das Böse in uns

09 Feb 2015 Von Kommentare: 11 Bewusstsein, Spiritualität

Hexendenkmal Bamberg

Wenn mich meine Arbeit etwas gelehrt hat, dann dies, dass in jeder dunkelsten Ecke, doch noch Raum für ein Licht ist. Es gab Tage, da sah ich vor lauter Dunkelheit, vor lauter Bösem das geschieht in jeder Sekunde der Nacht, kaum noch den Tag, kaum noch das Licht. In finsterster Stunde jedoch, wenn ich umgeben war von all den dunklen Mächten, der Kriminalität und des Bösen, begleitete mich stets ein feines Lichtlein, welches mir den Weg wies aus dieser Dunkelheit. Es gab Zeiten, da dachte ich vor lauter Krieg, gäbe es keinen Frieden mehr, denn da wo ich herkam, war nur noch Hass und Streit zu sehen und zu spüren. Doch bei aller Dunkelheit, war da stets eine Kraft, dir mir eines vermittelte: eine tiefe Geborgenheit in all der Nacht.

Ein tiefer Frieden, zu allem was ist. Liebe, die nie gebrochen werden kann. Durch die Dunkelheit konnte ich erst wahrhaftig erkennen was Licht ist. Durch den Zorn, den Hass, den ich in den Augen der Menschen sah, konnte ich erst die Liebe in den Augen eines anderen Menschen erkennen und zu schätzen wissen. Und somit hat das Böse auch sein Gutes.

Gut und Böse

Wir klassifizieren oft die Menschen in gut und böse. Ein Mörder ist böse. Ein Dieb ist böse. Ein Räuber auch. Ein guter Mensch, würde nie morden, nie stehlen, nie einen Raub begehen. Wirklich? Sind die Gutmenschen wirklich so gut, können keinem ein Haar krümmen, retten jede Mücke und würden nie eine Spinne töten? Und was ist, wenn dem eigenen Kind etwas böses angetan würde vor unseren Augen, wie würden wir reagieren? Würden wir nicht bis zum Letzten gehen, zum Wohle des Kindes? Und was ist, wenn wir hungern, würden wir dann nicht irgendwoher Nahrung beschaffen?

Schrei nach Liebe

Ein in unseren Augen guter Mensch kann also plötzlich aufgrund der Umstände, und die sind selten vorhersehbar, zu einem in unseren Augen bösen Menschen, mutieren. Es gibt also grundsätzlich nicht böse und nicht gute Menschen. Es gibt einfach Menschen. Jeder Mensch trägt gute wie auch böse Anteile ins sich. Begreiflich, dass man, wenn man einem Vergewaltiger in die Augen sieht, es einem ziemlich schwer fällt, das Gute darin zu erkennen. Man projiziert natürlich auch seine eigene Abscheu für die Tat in die Augen hinein. Doch wenn man lange genug hinsieht, wenn man durch den Müll und Schutt hindurchschaut, erkennt man einfach eine tiefe Traurigkeit, ein Hilflosigkeit, man erkennt den Schrei nach Liebe. Und doch wurde die Tat begangen. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Denn auf der anderen Seite steht das Opfer. Und diesem wurde durch die Tat etwas genommen. Das was dem Täter fehlte. Liebe. Liebe und Vertrauen.

Make pwace not war cristini artUrsache von Gewalt

Man muss sich die Frage stellen, wieso es so viel Gewalt gibt auf dieser Welt. Was treibt den Menschen an, der sich durch Gewalttaten ein Ventil verschaffen muss, damit er nicht implodiert? Wieso schafft er es nicht, mit den angestauten Gefühlen umzugehen? Wieso kann er seine Gefühle und Emotionen nicht genügend regulieren? Wieso versagen all seine Alarmsysteme, die Schlimmeres verhindern würden?

Herkunft, Familie und Sicherheitsempfinden

Jeder Mensch trägt theoretisch das Potenzial in sich, gewalttätig zu werden. Ob wir diesem Potenzial Raum lassen, liegt einerseits an unserer Herkunft, unserem Elternhaus und unserem Umgang untereinander. Haben wir Liebe und Frieden erfahren dürfen in unserer Kindheit oder sind wir gar im Krieg aufgewachsen? Mussten wir Not leiden oder hatten wir stets genug zu essen?

Das Urteil

Oft wird ja bei einem Gerichtsurteil auf mildernde Umstände plädiert aufgrund der Vorgeschichte des Täters oder aber aufgrund der Vorgehensweise. Das Strafgesetzbuch enthält daher auch eine Reihe von mildernden Umständen, aus denen das Gericht vom gesetzlichen Strafrahmen abweichen kann. Wenn wir davon in der Presse vernehmen, rümpfen wir oft die Nase, wollen wir doch jeden Täter auch ordentlich bestraft sehen. Doch aus psychologischer Sicht ist es durchaus sinnvoll, jeden Täter einzeln anzuhören und auch deren Herkunftsgeschichte. Dennoch sehe ich den Täter-Menschen nicht einfach seiner Herkunftsfamilie und deren Marotten ausgeliefert, denn wenn der Mensch die Kraft und das nötige Bewusstsein hat, kann er sein Leben einerseits selbst in die Hand nehmen und vor allem sich aus den Prägungen und Muster befreien, die ihn fremdprogrammiert haben. Dazu muss man aber zu seinem eigenen kritischen Beobachter werden, einen Schritt zurücktreten und sich selbst begutachten. So könnte dieser weise Spruch nicht besser hier hin passen:

Was du bist hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast. (Aldous Huxley)

Ich weiss nicht, wie Täter rehabilitiert werden. Für dies gibt es andere fachlich ausgebildete Personen. Aber ich denke, wenn man einem Menschen vorzeigen kann, dass er nicht Marionette und nicht Spielball seiner Prägungen und Herkunft ist, wenn er jederzeit die Macht hat, sein Leben in neue und eigene Bahnen zu lenken, dann gibt man ihm vielleicht das erste Mal in seinem Leben ein Rüstzeug in die Hand, das ihm Halt gibt, Selbstvertrauen und zeigt ihm somit die Kraft der Liebe.

Beitragsbild: Gehvoran.com (Hexendenkmahl von Bamberg), crissi-wonderland.com (Make pewace not war)


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