Rauhnächte und die Wilde Jagd

15 Dez 2016 Von Kommentare: 0 Heilung, Ratgeber

Perchten an den Rauhnächten in Österreich

Mit der Wiederkehr des Lichts am 21. Dezember beginnt die magischste Zeit des Jahres. In jener Nacht endet am dunkelsten Tag des Jahres die dunkle Zeit, die Tage werden dann wieder länger. Die Germanen feierten zu Ehren der Muttergöttin Huldr, oder auch bekannt als „Frau Holle, am 21. Dezember das Julfest, später wurde daraus das christliche Weihnachten. Bei Germanen und Kelten gleichermaßen war dieses Fest unter den Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei in Mitteleuropa der Begriff Wintersonnenwende gebräuchlich war. Gleich anschließend beginnen die zwölf Rauhnächte, ein Brauch, der in einigen österreichischen und süddeutschen Gegenden noch immer gepflegt wird. Ja nach Gegend wird ihr Beginn unterschiedlich ausgelegt, sie beginnen ab dem 21. (dann ohne die christlichen Feiertage) oder ab 24. Dezember und enden mit dem Perchtenbrauch in der Nacht vom 5. auf 6. Januar.

Die Weiße Göttin Huldr reitet in den Rauhnächten, halb fliegend, mit ihrem Schimmel über das Land, um es befruchtbar zu machen. Dort, wo ihr Roß den Boden berührt, wird der Erdgrund aufgeworfen und kann zum Hort einer späteren Saat werden. Bezeichnenderweise bedeutet ihr Name Huldr die Huldvolle; alles Huldvolle leitet sich von ihr her. Alexander A. Gronau / Bibliothe Nemeton

Räuchern zum Schutz von Haus und Hof

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und so hat man besonders großen Respekt vor den dunklen Wesen, die sich gerade in dieser Zeit recht gerne unter die Menschen mischen. Denn während der Rauhnächte ist der Übergang von der materiellen zur geistigen Welt fließend. Und so sagt man, die bösen Geister und Hexen hätten „zwischen den Jahren“ besondere Mächte, und man müsse besonders acht- und sorgsam im Alltag sein. Daher auch der Brauch des Räucherns, um mit verschiedenen Kräutern wie beispielsweise Mistel, Eisenkraut, Lorbeer, Schafgarbe, Beifuss, Holunderholz, Fichtenharz, Weihrauch, Weidenholz, Wacholderbeeren, Eibennadeln, Engelwurzwurzeln und Kiefernzapfen Haus und Hof vor unliebsamen Besuchern zu schützen. Auch heute noch ist das Räuchern weit verbreitet und erfreut sich um Weihnachten herum großer Beliebtheit.

Perchten in Österreich traditionell

Die Rauhnächte beziehen sich nicht nur auf die zwölf Nächte an sich, sondern beziehen sich jeweils auf den ganzen Tag. Sie werden deshalb als Nächte bezeichnet, weil sie sich nach dem keltischen Jahreskreis in der Nacht des Jahres befinden. Symbolisch repräsentieren die zwölf Nächte und Tage die zwölf Monate des kommenden Jahres. Je nachdem „wie“ diese Tage dahineilen, kann man den Verlauf des kommenden Jahres in den entsprechenden Monaten für sich selbst deuten. Ist es zuhause oder außerhalb etwa friedlich und harmonisch oder gibt es Verstrickungen oder Streit. Alle Details, selbst wie das Essen schmeckt und welches Wetter herrscht, sind von Bedeutung. Für unsere Vorfahren waren die Rauhnächte eine heilige, ernst zu nehmende Zeit. Überhaupt sind die Rauhnächte eine Zeit, die sich perfekt dazu eignet bewusst in die Stille zu gehen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.

Abschluss der Rauhnächte: Schaurige Perchten

Den Abschluss der Rauhnächte bilden die Perchten. Mit Masken Verkleidete und Lärmende geistern in der Nacht zum 6. Januar wild über das Land und vertreiben die bösen Geister, damit sie im Folgejahr keinen Schaden anrichten können. Eigentlich treiben sie das Böse ja aus, haben aber so eine derbe Art gegenüber Menschen, dass sie selbst auch gefürchtet werden. Es gibt unter anderem Schiachperchten, die Hässlichen, und auch die Schönperchten. Aber auch die Schönperchten sind gruselig anzusehen. Nach einer Überlieferung treibt Perchta (nach einigen Interpretationen soll sie identisch mit „Frau Holle“ sein) mit den Perchten den Winter und die „Wilde Jagd“ ins Land. Am 6.Januar kommt sie dann mit dem großen Besen und den Schönperchten, welche wieder die längeren Tage mitbringen, und kehrt alles Unglück aus den Häusern. So fangen sie die „Wilde Jagd“ wieder ein, damit der Frühling kommen kann.

© Alex Miller / gehvoran.com

Vielen Dank an Joerg Bilban für die Bilder! Diese stellen Perchten dar und stammen aus dem Raum Klagenfurt und St.Veit.

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