Zeit für Utopien

07 Apr 2018 Von Kommentare: 3 Filme, Medien

Wie es gelingen kann, den ökologischen Fußabdruck von uns Menschen so klein wie möglich zu machen, wird im Film „Zeit für Utopien“ an verschiedenen Beispielen in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Niederlande und Südkorea wunderbar wertungsfrei aufgezeigt. Dem Zuschauer wird schnell bewusst, dass Dinge wie Identifikation, Kooperation, Bewusstheit und Wertschätzung wichtige Merkmale für die Basis des dringend benötigten ökonomischen Wandels sind. So erkennen auch immer mehr Firmen, dass sie nur dann eine Zukunft haben, wenn sie den Konsumenten wieder respektieren. Der Trend geht eindeutig weg vom Künstlichen. Zurück zum Natürlichen. Und die Erkenntnis, dass der Verbraucher es ist, der entscheidet, ob eine Marke oder ein Firmenkonzept überlebensfähig ist.

Eine der wichtigen Botschaften, die der Film „Zeit für Utopien“ transportiert, lautet, dass der notwendige ökonomische Wandel zu einem bewussten Umgang mit der Natur und den Menschen gelingen kann, wenn die mentale und emotionale Grenze zwischen Produktion und Konsum verschwindet, wenn sich Konsumenten mit den Produkten und deren Herstellung identifizieren können. Dies möglich machen beispielsweise Genossenschaften, wo der Verbraucher selbst auch Teilhaber ist. In Südkorea ist die Idee von fairem Handel und nachhaltiger, meist lokaler, Produktion so weit gediehen, dass bereits hunderttausende Menschen davon profitieren. Teurer als in den großen Supermärkten sind die Nahrungsmittel dort hingegen nicht.

Mut zur Veränderung

Der Weg gegen die eingetretene Entfremdung in den Produktionswegen setzt aber auch Mut zur Veränderung und Flexibilität voraus, wie es das Beispiel der ehemaligen Mitarbeiter von Unilever in Frankreich zeigt:

Im Jahr 2011 wollte Unilever die Produktionsstätte der bekannten Teemarke Lipton Elephant von Frankreich nach Polen verlagern. Die Arbeiter kämpften um ihre Arbeitsplätze, besetzten die Fabrik und forderten die Rücknahme des Schließungsbeschlusses. Zunächst wurden sie vom Management und der französischen Politik belächelt, doch nach 1336 Tagen waren es die Arbeiter, die lachen konnten. Der Konzern gab nach, zahlte den „Rebellen“ mehrere Millionen Euro und die Belegschaft konnte als Genossenschaft in Eigenregie weiter produzieren. Es entstand daraus eine eigene Marke, der Name: 1336.

Für den Ökonom Niko Paech (im Bild) reicht es für eine nachhaltige Entwicklung nicht aus, Müll zu trennen oder kontrolliert ökologische Nahrungsmittel einzukaufen. Für ihn bedeutet eine nachhaltige Entwicklung, dass wir die Ökologie grundlegend verändern müssen: „Wenn wir es ernst meinen mit einer nachhaltigen Entwicklung […] dann müssen die Industrieökonomien zurückgebaut werden. Das heißt, wir brauchen nicht nur eine Wirtschaft ohne Wachstum, sondern einen Prozess der Schrumpfung des industriellen Outputs.“

Dass es möglich ist, elektronische Produkte mit einer längeren Lebensdauer herzustellen und dennoch dabei Geld zu verdienen, macht der Smartphone-Hersteller Fairphone vor. Die wichtigen Rohstoffe, die für die Produktion dabei benötigt werden, stammen aus Afrika, wo „seltene Erden“ und Gold mit teils bloßen Händen geschürft werden. Obwohl Länder wie Kongo oder Uganda reich an Rohstoffen sind, sind die Menschen dort sehr arm. „Wir glauben, dass man mit der Zulieferkette zusammenarbeiten sollte, anstatt den Problemen aus dem Weg zu gehen, um die derzeitige Situation zu verbessern“, so Laura Gerritsen, Fairphone Produktmanagerin.

Wohlstand hängt nicht vom Konsum ab, sondern es ist viel mehr: Wohlstand bedeutet Zeit, Ideen und das gemeinsame Erschaffen von Visionen und Projekten zum Wohle aller.

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Offizielle Filmbeschreibung

Wie 1,5 Millionen Menschen mit regionaler, frischer Biokost versorgt werden, wie urbanes Wohnen mit einem Bruchteil der Energie möglich ist, wie ein Smartphone fair produziert wird und wie eine ehemals dem Unilever-Konzern gehörende Teefabrik in Selbstverwaltung funktioniert: Eine filmische Entdeckungsreise zu den Einsteigern in eine neue Gesellschaft. Gibt es nach dem Zusammenbruch des „realen Sozialismus“ neben dem Kapitalismus, der global immer polarisierender Reichtum und Armut produziert, ein Gesellschaftsmodell, über das nachzudenken und um das zu streiten sich lohnt? Vier Menschen und Initiativen sagen: Ja! Sie haben sich entschlossen, Wege jenseits von Gier und Profitstreben zu gehen und dabei viel gelernt. Sie sind keine Aussteiger, sondern Einsteiger in eine neue Gesellschaft.

Österreich 2018
Regie: Kurt Langbein
Buch: Kurt Langbein, Anna Katharina Wohlgenannt
Länge: 95 Min.
Verleih: Langbein & Partner

Kinostart: 19. April 2018

Webseite und Bilder:
www.zeit-fuer-utopien.com/

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Birgit says:

    Vielen lieben Dank Alex,

    das ist so ein toller Artikel und jetzt wissen wir auch, was es bedeutet: WIR sind diejenigen, auf die WIR gewartet haben.
    Jeder Einzelne kann unsere Welt verändern durch sein Verhalten im Umgang mit Menschen und im Umgang mit dem, was
    Mutter Erde uns zur Verfügung stellt. Wir dürfen dafür einstehen und uns bewusst machen, was gut für uns ist. Unser Kaufverhalten entscheidet, ob die Firmen weiterhin Produkte zu unserem Schaden anbieten oder sich umstellen.
    Diese Zeit des Wandels ist jetzt. Und ich freue mich riesig darauf ;-)))

    Ich umarme Euch herzlich
    Birgit

  2. 2
    Nicola says:

    Hallo Alex,
    ich war schon fast wieder fertig mit dem Artikel, als ich mich als Konsument und Verbraucher angesprochen gefühlt habe…
    Da wird von Wertschätzung geredet und im gleichen Atemzug, wird man als Verbraucher bezeichnet…. ich finde diese Entwicklung (Prozess der Schrumpfung des industriellen Outputs) grundsätzlich nötig….aber auch nur mit dem Respekt, als Mensch mit Bedürfnissen gesehen zu werden. Und Verbraucher klingt, alles würden wir nichts zurück geben wollen würden! Dem ist nicht so, denke ich.
    „Wohlstand hängt nicht vom Konsum ab, sondern es ist viel mehr: Wohlstand bedeutet Zeit, Ideen und das gemeinsame Erschaffen von Visionen und Projekten zum Wohle aller“……ja da gehe ich wieder mit, denn das heißt für mich auch, dass wir bereit sind, etwas zurück zu geben!!!! :)
    Liebe Grüße an alle Menschen die vernünftig mit uns, mit sich selbst und der einzigen Erde, die wir haben, umgehen möchten…in Wort und Tat! :)
    Nicola
    http://www.lebe-doch-endlich.de

  3. 3
    Alex Miller Alex Miller says:

    Liebe Birgit,
    genauso ist es! Wir sind der Wandel, und der kommt von uns selbst, von jedem Einzelnen.

    Liebe Nicola,
    für mich ist das Wort Verbraucher nichts Negatives. Klar verbrauch ich Dinge, die ich mir gegen Geld „eintausche“. Warum auch nicht… Jeder kann für sich selbst entscheiden, was und wie viel er „verbraucht“… oder auch nicht.

    Herzliche Grüße
    Alex

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