Das Drama des ungeborenen Zwillings

28 Mai 2018 Von Kommentare: 10 Heilung, Ratgeber, Seelenpartnerschaft

Zwillinge im Mutterleib

Ein bisher kaum wahrgenommenes Phänomen ist ein im Mutterleib heranwachsener Zwilling, der jedoch vor der Geburt stirbt. Für „Überlebende“, die ihr Zwillingsgeschwisterchen vor der Geburt verloren haben, kann dieses frühe schockartige Erlebnis tragische und traumatische Folgen haben. Die rastlose Suche nach irgendetwas, Schuldgefühle (am Leben zu sein?), Verlustängste, Identitätskrisen, Dualseelenproblematiken, ein Leben für „zwei“, Todessehnsucht und weitere Blockaden, welche die Lebensqualität deutlich einschränken, sind für sie oftmals eine Qual. Unbestätigten Schätzungen zufolge geht man davon aus, dass ca. 10% aller Menschen im Mutterleib nicht alleine waren – die Angaben variieren jedoch sehr stark! Stirbt ein Zwilling als Embryo oder als Fötus, verwächst der winzige Körper meistens spurlos mit der Plazenta, oder es gibt eine von der werdenden Mutter kaum zur Kenntnis genommene Blutung. Hin und wieder bleiben von einem verlorenen Zwilling aber sogar mumifizierte Körperteile oder Härchen übrig, die bei der Geburt des überlebenden Zwillings von Hebammen und Ärzte verschwiegen werden, um die Eltern nicht zu verunsichern.

Was sich im Mutterleib abspielt, wenn einer stirbt, ist für den Überlebenden eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes. Ein lautloses Drama mit schlimmsten Folgen. Erst die Erkenntnisse der pränatalen Psychologie lassen ahnen, wie schwer manchmal der Verlust eines Zwillings erlebt wird. […] Die Menschen, die einen Zwilling in der frühen Schwangerschaft verloren haben, reagieren häufig ähnlich wie ein Erwachsener, der sein Zwillingsgeschwister verliert. „Das Drama im Mutterleib – Der verlorene Zwilling“ Austermann, Königsweg Verlag ISBN 978-3-9812471-2-1

Babys im Mutterleib nehmen alles wahr!

In den letzten Jahren änderte sich die Erkenntnis der Wissenschaft grundlegend dahingehend, dass Embryos und Föten ihre Umgebung, Emotionen und äußere Einflüsse eben doch viel deutlicher wahrnehmen, als vormals angenommen wurde. Bereits den Tod hautnah miterlebt zu haben, muss allerdings ein schwerwiegendes Erlebnis gewesen sein, was Konsequenzen auf das spätere Leben haben kann. Wenn das kleine Leben des einst munteren Zwillings plötzlich aufhört und als toter „Klumpen“ im Mutterleib zurückbleibt, neben dem Lebenden, kann man heute aufgrund zahlreicher therapeutischer Erfahrungen von einem langanhaltenden Schockzustand sprechen. Die Mutter indes spürt so eine Katastrophe in den wenigsten Fällen. Kinder können sich oftmals ganz genau an ihre kleine Welt vor der Geburt erinnern; und so erzählt eine Mutter im Buch „Der verlorene Zwilling“ von Evelyne Steinemann, Kösel Verlag, ISBN 978-3-466-30717-3:

Ich habe meine sechsjährige Tochter gefragt, ob sie allein war. „Ja klar!“, kam sofort als Antwort. Dann fragte ich meinen elfjährigen Sohn, so ganz nebenbei dasselbe. Seine Antwort war: „Nein, natürlich nicht, der kleine Hans war auch mit dabei. Wir haben zusammen herumgeturnt und das war unglaublich lustig, jetzt fehlt er mir sehr“. Dann erinnerte ich mich, dass ich damals kurz vor Ablauf der zehnten Schwangerschaftswoche eine kleine Zwischenblutung gehabt hatte. Als mein Sohn, der etwas zur Korpulenz neigt, wieder einmal sein Essen in sich hineinschlang, sagte ich ihm: „Du musst nicht mehr für zwei essen“. Er schaute mich an und nickte.

Biologisch gesehen ist der weibliche Körper nur für ein Kind vorgesehen je Schwangerschaft, so Peter Pharoah, Leiter einer entsprechenden Studie zum Thema, die im Fachmagazin „Human Reproduction“ veröffentlicht wurde. Dass ein Samenkorn überlebt, das andere nicht, ist der normale Lauf der Dinge, den wir in der Natur täglich milliardenfach beobachten können. Schon alleine deshalb sollte die Erkenntnis eines verlorenen Zwillings keine Schuldgefühle bei Betroffenen mehr auslösen, falls dies zutrift. Auf der spirituellen Ebene war diese Seele, die in den ersten so lebenswichtigen Wochen oder Monaten ständiger Begleiter war, eine Art „Seelenheil“. Vermutlich hatte der Zwilling in seelischer Absprache diese Form der kurzen menschlichen Existenz gewählt, um im Mutterleib dem Geschwisterchen zur Seite zu stehen. Daher darf dieser auch jetzt noch als ein liebevoller Seelenbegleiter wahrgenommen werden. Nachdem erkannt wurde, dass es einen ungeborenen Zwilling gibt, ist dieser oftmals richtig präsent, was auch die Möglichkeit beinhaltet, diesen zu integrieren. Vielleicht als Wissensgeber oder als Schutzengel. Für viele ist es auch einfach nur sehr beruhigend, wenn der verstorbene Zwilling seinen Platz im Leben bekommt, beispielsweise fühlen sich Betroffene gut und geborgen, wenn sie ein Kuscheltier oder ein Kuschelkissen nachts bei sich haben.

Schwierige Liebesbeziehungen: Es gibt keine Verschmelzung

Paarbeziehungen können sich mitunter schwierig gestalten, da manche die totale Verschmelzung anstreben, was jedoch in der Dimension des Menschseins schlicht nicht möglich ist. Der Partner wird in diesem Fall irgendwann mit Überforderung reagieren und sich zunehmend abgrenzen (müssen). Wiederum andere verschließen sich total, um keine (unbewusst erwartete) Trennung mehr erleben zu müssen. Vielleicht hat man immer irgendwie das Gefühl, dass irgendetwas an einem zieht, festhält. Beziehungen werden als anstrengend empfunden, als Belastung.

Man stelle sich vor, beide Partner einer Paarbeziehung erlebten ein ähnliches Trauma im Mutterleib, und beide suchen unbewusst nach ihrem Zwilling. Der Wunsch nach Verschmelzung und Einheit lässt Parallelen zu komplizierten Dualseelenbeziehungen erahnen, und bei genauerem Hinsehen könnte die Dualseelenthematik im Hinblick auf im Mutterleib verstorbene Zwillinge eine völlig neue Dimension annehmen. Da sich beide Partner permanent „unvollständig“ fühlen, ist diese Beziehung früher oder später zum Scheitern verurteilt – wie wahrscheinlich schon viele Beziehungen vorher. Die vermeintliche Dualseele ist in vielen Fällen eine verkörperte Projektion des verstorbenen Zwillings, der so innig geliebt wurde. Diese Suche und das vermeintliche Finden des vermeintlichen (Dualseelen)partners kann nur irgendwann als eine tragische Desillusion enden. Denn kein Mensch kann jemand anderem das Gefühl der Einheit vermitteln, so wie man einst im gemeinsamen Gefühl der geschützten ozeanartigen Fruchtblase die Zwillinge im embryonalen Stadium verbunden war. Ehe der Tod des einen die Zweisamkeit schockartig beendete. Eine körperliche und seelische Verschmelzung mit einem Partner ist nicht möglich. Wenn jedoch das Zwillingsthema erkannt und beleuchtet wurde, und alleine schon das Wissen darüber kann als sehr befreiend wahrgenommen werden, kann eine Beziehung auf Augenhöhe durchaus gut funktionieren, wenn jedem genug Freiraum eingeräumt wird. Also genau das Gegenteil von Verschmelzung! Dann wird auch die Liebe zwischen beiden eine echte Bereicherung und keine emotionale Qual mehr, die sich oftmals selbst nicht eingestanden wird.

Viele Menschen kennen auch Beziehungen von sich, oder auch von anderen, die mehr an Geschwisterpaare erinnern. Bei ihnen spielt Sexualität beispielsweise kaum eine Rolle, dafür harmonieren sie als WG-Partner hervorragend. Und viele davon, oder auch nur einer von beiden, empfindet dies auch gar nicht weiter schlimm. Auch kann das Phänomen eines im Mutterleib verstorbenen Zwillings der Grund für die eher auf Harmonie als auf Spannung ausgerichtete Beziehung sein.

Mögliche Verhaltensweisen des „Überlebenden“

Nicht wenige leben den toten Zwilling auf die eine oder andere Weise unbewusst aus. Mancheine(r) verfällt hin und wieder in kindliches Verhalten, andere wiederum verfallen vorübergehend in Verhaltensweisen, die eher für das genau andere Geschlecht „typisch“ sind – falls der verstorbene Zwilling das jeweils andere Geschlecht hatte. Das bedeutet, dass der verstorbene Zwilling nach wie vor sehr präsent ist, jedoch eben nur unbewusst, und Betroffene daher teils große Identitätskrisen durchleben.

Viele betroffene Menschen haben das Gefühl unsichtbar zu sein und werden tatsächlich in vielen Situationen, sei es im Job, in der Familie oder bei Freizeitaktivitäten von ihrem sozialen Umfeld schlicht übersehen. Dafür sind sie sensitiv, hochsensibel und sehr hilfsbereit. Sie haben die Tendenz, immer mehr zu geben als zu nehmen. Das Geben und Nehmen ist nicht in der gesunden Balance, was dazu führen kann, dass sie sich aufgrund der einseitigen energetischen Belastung oft ausgelaugt, energielos und kraftlos fühlen. Sie empfinden erdrückende Schuldgefühle, die sie nicht zuordnen können, da sie ja derjenige sind, der überlebt hat, was sie aber (bewusst) nicht wissen können. Manche mögen ihre eigenen Geburtstage nicht und verbringen diesen einen Tag am liebsten im Bett. Angst vor Einsamkeit führt oftmals dazu, sich allzu gerne jedem Liebhaber/in hinzugeben, ohne klare Gefühle dabei empfinden zu können, nur um nicht alleine zu sein. Scheinbar grundlos depressive Zustände, völlig unvermittelt, können von einem Moment auf den nächsten auftreten.

Frau liegt im Bett mit BurnoutEin Leben zu führen für zwei, oftmals noch in zwei „Geschlechterrollen“, zehrt an Kraft und Energie, und wird als hohe Belastung empfunden. Nicht wissend, wo diese unbewusste Identifikation als „zwei“ Personen ihren Ursprung hat. Der manipulierte innere Antrieb kann zu exzessiven Aktivitäten führen oder auch zu Lethargie. Manche spüren ihr ganzes Leben einen Druck um den Hals oder den Nacken, haben ständig Rückenprobleme. Symbolisch legt sich die Nabelschnur um den Hals, noch verbindend – aber erdrückend, verschnürend. Auch ein mögliches Versprechen oder ein Gelübde, das man auf ewig zusammen bleibt, füreinander da ist, sich unterstützt, darf friedlich beendet werden. Denn jeder muss irgendwann seinen eigenen Weg gehen, die Liebe zueinander darf selbstverständlich trotzdem bestehen bleiben, im Herzen, im Gleichklang. Ein verstorbener Zwilling würde es sicher wollen, dass es dem Überlebenden gut geht und er keine Schuldgefühle hat.

Zu Erkenntnis und Klarheit

Ein Hinweis, dass man im Mutterleib eine gewisse Zeit lang nicht alleine war, kann die Erinnerung an die eigene Kindheit verraten, etwa wenn man sich damals ein Geschwisterchen gewünscht hatte, vielleicht auch ganz konkret eine Schwester oder einen Bruder. Vielleicht können die Eltern befragt werden, wenn man sich an die frühe Kindheit nicht mehr erinnern kann. Familienaufstellungen und der kinesiologische Muskeltest können hervorragend dazu beitragen um festzustellen, ob man einen ungeborenen Zwilling hatte. Klarheit ist notwendig, um mit dieser möglichen Tatsache seinen Frieden zu finden und mögliche Schuldgefühle abzulegen, ohne Spekulationen. Und um zu reflektieren, was das eigene Verhalten, dass möglicherweise eher zu negativen Erlebnissen im Leben bislang führte, mit dem toten Zwilling zu tun haben könnte. Eingefahrene irritierende Verhaltensweisen werden sicher nicht von heute auf morgen verschwinden, aber mit der Erkenntnis über die Existenz des ungeborenen Zwillings kann zumindest der eigene Seelenfrieden hergestellt werden.

Die Erkenntnis ist wie eine absolute Befreiung, kann bestehende Bremsen lösen und den Samen für ein neues Leben bereiten. Es fühlt sich an wie ein Nachhausekommen und ergibt viele Antworten auf das bisherige Leben. Wenngleich für die hier im Artikel aufgeführten Symptome nicht alle unbedingt Begründungen für einen verstorbener Zwilling abliefern müssen. Gründe können auch woanders liegen, dies ist im Einzelfall abzuklären, beispielsweise mit den hier genannten Techniken.

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

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10 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
  2. 2
    annmaria56 says:

    Wow Alex du weisst ja gar nicht wie ich deinen Beitrag jetzt gerade verschlungen habe . Er ist für mich deshalb so interessant da ich einen Sohn habe der Autist ist und angeblich das Asperger-syndrom hat ? Doch mein Sohn Anton spricht seit er Schreiben und Lesen kann in drei verschiedenen Stimmsprachen . Und wenn ich in Frage dann sagt er . Das sind seine Fantasygeschichten . Jetzt habe ich eine Familienaufstellung in der nächsten Zeit . Ich hoffe das wir damit etwas klarer sehen können .Vielen Dank für deinen Bericht ! Ich sende dir einen Kommentar was dabei heraus gekommen ist ! LG. Anna

  3. 3
    Gabriele says:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel! Genau diese beiden Bücher empfehle ich auch weiter an Menschen mit dem Lebensthema des Alleingeborenen Zwillings. Da es auch zu meinem Leben gehört durfte ich mich intensiv damit beschäftigen.

  4. 4
    Ein Nutzer says:

    Ich glaube ich habe auch einen ungeborenen Zwilling…
    Ich musste bei dem Beitrag sofort weinen und es hat sich angefühlt als würde ein Teil von mir fehlen…
    Ich habe mir davor nicht wirklich Gedanken darüber gemacht. Ich habe es auch das es sich anfühlt als könnte ich fast nicht atmen, als wäre mein Hals „zugeschnürt“ von etwas…
    Und ich habe es auch oft das ich aufeinmal traurig werde und Weine und ich nicht weiß Wieso, ich bin auch ziemlich sensibel und hilfsbereit, aber lasse mir nicht anmerken das ich sensibel bin.
    Ich hoffe ich werde es irgendwann herausfinden.

    LG

  5. 5
    Rohan D. says:

    Liebe Leute, Lieber Alex,

    Der Artikel dort oben erinnert mich stark an eine furchtbare Geschichte, die aber gottseidank ein Happy-End hatte, jedenfalls für mich.

    Als ich noch ein kleiner Dotz von 6 oder 7 Jahren war, erzählten mir meine Eltern, ich hätte einen Bruder gehabt, der mit drei oder so Jahren an einer tbc-Infektion gestorben sei. Das war kurz vor meiner Geburt passiert. Ich schnappte die Trauer meiner Eltern auf und fing furchtbar an zu flennen. Von da an überschattete dieser entsetzliche Verlust mein Dasein wie eine schwarze Wolke. Das Leben ging zwar irgendwie weiter, auch für einen kleinen Kerl wie mich, ich weiß aber nicht, wie ich die Tage nach dieser schrecklichen Enthüllung überstanden habe.

    Kurz darauf wollten meine Eltern, wie sie es schon oft getan hatten, an einem Tag vom Wochenende zu meinen Großeltern nach Münster fahren. Ich war selbstverständlich immer dabei gewesen, und das Besondere an diesen Besuchen war, dass meine Omi einen fabelhaft leckeren Apfelkuchen backen konnte. Opa hatte in beiden Weltkriegen als tapferer Soldat mitgemacht und hatte bei jedem Besuch interessante und spannende Geschichten für mich parat.

    Oma und Opa wohnten in einem Reihenhaus in einer Straße, die Schleswiger Straße hieß. Direkt hinter den Häusern war eine Bahnlinie, und viele Male am Tag donnerten schwere Güterzüge vorbei.

    An diesem Sonntag also saßen die Omi und meine Eltern im Wohnzimmer und tranken Kaffee und aßen Kuchen, während mein Opa und ich auf dem Balkon auf der Rückseite des Hauses an einem kleinen wackeligen Tischchen saßen, Kakao tranken und Apfelkuchen verputzten, und dabei auf das Vorüberfahren des nächsten Güterzugs warteten. Opa wollte wissen, warum ich denn so elend aussah. Ich erzählte ihm die tragische Geschichte über meinen Bruder, den ich schon vor meiner Geburt verloren hatte. Opa verschluckte sich betroffen an seinem Kakao und machte ein nachdenliches Gesicht, während ich ein weiteres Mal begann, Tränen zu vergießen.

    Nach einer Weile bestätigte Opa die Geschichte und erzählte vorsichtig, was er aus seiner Sicht davon mitbekommen hatte. Normalerweise fand ich alles, was Opa berichtete, immer ganz toll, aber was nun kam, war noch besser als alles andere, was er vorher je gesagt hatte.

    „Sag‘ mal, Ro, du futterst doch schon dein drittes Stückchen Apfelkuchen ~ hab‘ ich da richtig mitgezählt?“ fragte er.

    „Ja, Opa.“ ~ Trotz des ganzen Kummers hatte ich die ganze Zeit Kuchen gegessen.

    „Wo wäre denn dein großer Bruder, wenn er noch lebte?“ wollte Opa wissen.

    Über solch eine schwierige Frage musste ich erstmal nachdenken. Opa gab die Antwort selbst: „Er wäre hier mit dir bei uns zu Besuch und würde Kuchen futtern.“

    „Ja, Opa.“ ~ Opas Gedanke war einleuchtend, fand ich.

    „Aber dann wäre es doch so, dass für dich nur zwei Stückchen Kuchen dagewesen wären, oder sehr wahrscheinlich nur eins, denn große Brüder haben immer viel mehr Hunger als ihre kleinen Brüder !!!“ erklärte Opa.

    Ich war sprachlos.

    „Und sowieso müssen kleine Brüder immer alles ganz toll finden, was ihre großen Brüder tun, und sie müssen auch toll finden, was ihre großen Brüder erzählen. Sonst passiert es nämlich zu leicht, das die Kleinen mal verhauen werden, ganz einfach nur deswegen, weil sie so gut zu erreichen sind!“

    Da ging mir ein Licht auf. In dem Augenblick näherte sich eine dieser fauchenden Dampflokomotiven, die damals in Betrieb waren, sie stampfte an uns vorbei, und ein kilometerlanger Güterzug rollte donnernd über die Schienen. Eigenartig: Dieser schwere Güterzug schien an der schwarzen Wolke zu zerren, die mich tagelang im Griff gehabt hatte, und riss sie mit sich fort.

    Ich staunte sehr, weil mein Opa ohne Frage ein Zauberer war. Als der Güterzug in der Ferne verschwunden war, war meine Trauer auch fort. Obwohl ich viel zuviel Apfelkuchen gefuttert hatte, fühlte ich mich leicht wie eine Feder ~ ~

    ***

    Dieser Opa (mütterlicherseits) starb 1980 im Alter von 94 Jahren. Fast bis zum Schluss hatte er allen, die zuhören konnten, seine spannenden Geschichten erzählt.

  6. 6
    Hilke says:

    Boah, Rohan,
    ich habe deine Geschichte geradezu inhaliert, so toll hast du die erzählt! Danke! Und deinem Zauber-Opa werfe ich einen Kuß zu, so einen Opa zu haben muß ein Geschnek gewesen sein.

    Lieber Alex,
    deinen Artikel habe ich ebenso inhaliert, erstklassig geschrieben u. so wichtig, daß da drüber gesprochen wird, Ich glaube auch, daß es mehr als 10% sind.
    Danke euch

  7. 7
    Kofen says:

    Hallo Alex,
    es gibt ja doch keine Zufälle. Vor ca einem halben Jahr habe ich herausgefunden dass ich eine Zwillingsschwester gehabt hätte, bzw. dass ein Zwilling mit angelegt war. Meine Tochter ist auch ein Alleingeborener Zwilling, und davor gab es einen Abgang in der fünften Woche, ebenfalls Zwillinge. Da ich sehr viel Erfahrung mit systemischen Aufstellungen habe war mir die Tragweite so einigermaßen bewusst. Nun habe ich vor drei Tagen das Buch : Alleingeborener Zwilling von Dr. Michelle Haintz bekommen und bin absolut erstaunt was ich dadurch noch zusätzlich erkennen und auflösen darf.
    Sie schreibt übrigens dass der Prozentsatz der Alleingeborenen wesentlich höher ist als angenommen. Grundlage dafür sind Untersuchungen in Dänemark. Dort werden schon wesentlich früher als in Deutschland Ultraschalluntersuchungen gemacht, daher bekommt man die Anlage eines Zwillings oder Drillings genauer mit.
    Herzliche Grüße und Danke für dein Sein
    Barbara

  8. 8

    Liebe Annmaria (2),
    alles Gute für deinen Sohn. Familienaufstellungen kann ich sehr empfehlen, bei sämtichen Blockaden.

    Liebe Gabriele (3),
    mir geht es ja genauso ;) Und mir haben diese beiden Bücher auch sehr geholfen, daher empfehle ich sie guten Gewissens weiter.

    Liebe EinNuter (4),
    „…es sich anfühlt als könnte ich fast nicht atmen, als wäre mein Hals „zugeschnürt“…“ Das kann darauf hindeuten. Schau es an, fühl in dich hinein. Oder mach mal eine familienaufstellung.

    Lieber Rohan D (5),
    was für eine tolle Geschichte, und so schön geschrieben – Klasse! Danke für das Teilen deine rErfahrung.

    Liebe Hilke (6),
    danke! Ja, das Thema ist wirklich wichtig… für viele…

    Liebe Barbara (7),
    vielen Dank für deine zusätzlichen Informationen. Schön, dass man in DK schon weiter ist.

    Herzliche Grüße
    Alex

  9. 9
    Lutz says:

    Hallo lieber Alex,
    meine liebe Frau R. ist auch ein Zwilling.Ihre Schwester ist bei der Geburt tot zur Welt gekommen.Die Nabelschnur von R. hatte sich bei Ihr um den Hals gelegt und sie ist sozusagen erdrosselt wurden.Meine Frau R. leidet an immensen Todesängsten,die von Jahr zu Jahr schlimmer werden.Sie ist auch noch sehr rechthaberisch und eine Perfektionistin,aber ansonsten ist sie ok.
    Sollte ich ihr das Buch kaufen?
    Danke,schöne Grüße
    Lutz

  10. 10
    Alex Miller Alex Miller says:

    Lieber Lutz,
    das was du schilderst deutet stark darauf hin, dass deine Frau bei ihrer Geburt ein Trauma erlitt.
    Generell halte ich persönlich nichts davon, dem Partner ein Buch zu kaufen, welches gezielt einen therapeutischen Beweggrund enthält, aber es ist völlig verständlich dass du deiner Frau helfen willst. Sprech mit ihr drüber wenn du magst, und erzähle ihr von den Büchern, die es über das Thema gibt. Sie sollte aus eigenem Antrieb entscheiden, sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen. Wenn sie ein Trauma hat, werden Bücher das langfristig nicht lösen können, denn nur der Verstand „liest“. Es sollte dann an der emotionalen Ebene angesetzt werden, um das Trauma zu lösen, am besten mit einem Therapeuten, der mit dem Thema bereits gut vertraut ist. Letztendlich entscheidet deine Frau, inwieweit sie sich heilen möchte. Nicht jeder ist genau jetzt dazu bereit, lass ihr Zeit. Wie schlimm der Leidensdruck ist, kann nur jeder für sich selbst empfinden.

    Alles Gute und LG
    Alex

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