Die Krafttiere der Germanen

14 Aug 2018 Von Kommentare: 6 Altes Wissen, Germanen und Kelten

germanische Frau und Wolf im Wald

In den schamanischen Traditionen spielen die Seelen der Tiere als Begleiter, Beschützer und Vorbilder eine bedeutende Rolle. Totemtiere kennen wir von den indigenen Völkern Nordamerikas. Weniger bekannt allerdings ist die Tatsache, dass auch bei unseren unmittelbaren Vorfahren hier in Mitteleuropa Krafttiere besonders wichtig waren. Die Germanen riefen mit Hilfe ihrer Schamanen ihre persönlichen Krafttiere sowie deren Geister herbei. Manche Krieger trugen Wolfspelze, sogenannte Wolfshäuter („Ulfhednar“), die Berserker Bärenfelle, um ihre Identifizierung mit den Tieren zu verstärken und dem Gegner Angst einzujagen. Aber auch eher unscheinbare Tiere wie das kleine Eichhörnchen waren bei Germanen und Kelten gleichermaßen bedeutend.

Eichhörnchen

In der germanischen Mythologie ist von einem roten Eichhörnchen namens Ratatösk die Rede. Wie alle roten Tiere, so war auch Ratatösk dem Feuergott Thor geweiht. Es lebt der Edda nach in den Zweigen des Weltenbaumes und springt ständig zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Deshalb steht auch heute noch das Eichhörnchen gleichzeitig mit den Elementen Erde und Luft in enger Verbindung. Des Weiteren entfacht das Eichhörnchen Ratatösk den Streit zwischen dem Adler Orn, der auf den Zweigen des Weltenbaumes sitzt und dem Drachen Niddhöggr, welcher an den Wurzeln wohnt, immer wieder neu. Daher symbolisiert das Eichhörnchen für die Germanen eine Art Schelm, der Andere gerne auf den Arm nimmt. Bei den Kelten ist das Eichhörnchen auf Grund seiner rötlichen Färbung der keltischen Erd- Und Fruchtbarkeitsgöttin Mebd zugeordnet. Seine rötliche Farbe symbolisiert dabei die Verbindung der Elemente Erde und Feuer und somit auch Erdverbundenheit, Fruchtbarkeit und Liebe zugleich.

Rabe

Der Rabe genießt in vielen Kulturen ein hohes Maß an Bewunderung auf Grund seiner überragenden Intelligenz, seiner magischen Ausstrahlung und seines pechschwarzen und gleichzeitig leicht bläulich schimmernden Gefieders. Das Rabenpärchen Hugin und Munin fliegt täglich Botengänge für den Göttervater Odin. Sie fliegen bei Sonnenaufgang fort, kehren bei Sonnenuntergang wieder und setzen sich auf Odins Schulter, um ihm die Neuigkeiten zuzuflüstern. Hugin bedeutet „der Gedanke“, Munin „das Gedächtnis“. Aus kulturanthropologischer Sicht geht man davon aus, dass das Rabenpärchen Hugin und Munin das fehlende linke Auge von Odin ersetzen soll, das Odin einst geopfert hatte, um Weisheit zu erlangen.

Ein Braunbär im BaldBär

Der Bär ist ein heilkundiges Tier, Bären nehmen neben Fleisch auch Beeren und Kräuter als Nahrung zu sich. Der Bär gilt als Beschützer. So zogen sich die germanischen Krieger gerne Bärenfelle über, um den Geist des Tieres zu beschwören und Eigenschaften wie Schutz, Kraft und Stärke mit in den Kampf zu nehmen – und um den Gegner von vornherein abzuschrecken. In alten Sagen ist von Bärenkriegern und vom keltischen Bärenkult die Rede.

Pferd

Das achtbeinige Pferd, auf dem Odin sitzt, ist Symbol dafür, dass es in der Lage ist, sich unter der Erdoberfläche, unter Wasser, auf der Erde sowie in der Luft zu bewegen. Die Germanen spießten einen Pferdekopf auf einer Stange auf, um Flüche und Unheil von Feinden abzuwehren und zurückzuschicken. Das Pferd als Krafttier steht für Freiheit und Reichtum. Wie den Menschen vergangener Zeiten erleichtert es die Arbeit und nimmt deine Lasten ab.

Wolf

Der germanische Göttervater Odin wird oft mit einem Wolfskopf dargestellt. Keltische Druiden verehrten den ausgeprägten Familiensinn des Wolfs als Beschützer und Anführer seiner Sippe. Wie auch sein Gebieter und Gottvater Odin hat der Wolf eine Verbindung zur Anderswelt und zu den verschiedenen Bewusstseinsbereichen. Er steht für das Wachstum und die Lernbereitschaft der Menschen. Dem Wolf wohnt eine große spirituelle Kraft inne, die er weitergibt, so dass auch der Mensch, der dem Krafttier Wolf im Geiste entspricht zum Lehrer für andere werden und sie führen kann („Leitwolf“).

Der Wolf verkörpert die Urkraft von Freiheit und Abenteuer. Der Wolf ist sehr stark verbunden mit seiner Umgebung. Er nimmt den Herzschlag der Erde wahr. Der Mond verleiht ihm Kraft, daher oft auch das symbolische Bild eines heulenden Wolfes unter Mondenschein. Der Wolf symbolisiert aber auch die Schattenseiten unseres Daseins und lässt sie den Menschen erkennen. Als Krafttier kommt er, wenn man Kraft für Auseinandersetzungen braucht oder wenn man die Stärke einer Gemeinschaft anerkennen musst, ohne dabei sich selbst oder seine Träume zu verleugnen. Der Wolf bringt spirituelle Energie und Intuition.

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Bilder: Fotolia.com


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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Kleinschorschi says:

    Lieber Alex,
    Für deinen Text bedanke ich mich sehr. Krafttiere sind was wunderbares. Bei mir taucht regelmäßig der Fuchs auf und hingezogen fühle ich mich zum Rotmilan, welcher oft über mir kreist.
    Sei lieb gegrüßt
    Kleinschorschi

  2. 2
    Alex Miller Alex Miller says:

    Liebe Kleinschorschi,
    danke, freut mich sehr :) Ja, Krafttiere sind was sehr wunderbares und KRAFTvolles.

    „Alle rothaarigen Tiere waren Thor, dem germanischen Wettergott, auf Grund Ihrer Färbung heilig, denn sie trugen die rote Farbe seines Blitzes. Ebenfalls heißt es im deutschen Volksmund, dass der Fuchs hin und wieder verirrte Wanderer und Reisende wieder auf den rechten Weg zurück oder sicher ans Ziel führt.“

    Herzliche Grüße
    Alex

  3. 3
    Kleinschorschi says:

    Danke, Alex… Das mit der Farbe Rot ist mir nun erst durch deine Worte bewußt geworden. Und der verirrte Wanderer… Ja, manch Irrwege gabs und gibts. Aber wie heisst es so schön : Abenteuer geschehen selten auf asphaltierten Strassen. Keiner dieser Irrwege möchte ich missen, waren sie gar sehr schön zwischendurch und lehrreich und spannend.
    Schönen Abend
    Kleinschorschi

  4. 4
    Alex Miller Alex Miller says:

    …dazu der Rotmilan, passt doch! ;)
    Vielleicht meinen wir ja manchmal nur wie beschreiten Irrwege. Vielleicht spüren wir hinterher in unserem tiefsten Innern, dass es ein Teil unseres Seelenweges war, und wir um eine Erfahrung (und Erkenntnis?) reicher geworden sind.
    Schönen Sonntag :)

  5. 5
    Peter says:

    Hi Alex, mir kam letztens der Rabe wieder in den Sinn. Meine Mutter erzählte mal dass, als ich gerade geboren war (1. Januar), vor ihrem Fenster in der Frauenklinik der ganze Baum voller Raben war. Sie hatte erst Angst, sagte sich dann aber, es wird schon ein gutes Zeichen sein… Ich finde, sie hatte Recht… Also mit Letzterem ;-)
    Danke für deine regelmäßigen Inspirationen :-)
    Peter

  6. 6
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hallo Peter,
    auch für deine Mutter scheint dies ein ganz beeindruckendes Erlebenis gewesen zu sein, der Baum voller Raben an diesem besonderen Tag :) Klar war das ein gutes Zeichen ;)

    Herzliche Grüße
    Alex

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