Mit den germanischen Göttern das Licht erkennen

16 Okt 2018 Von Kommentare: 2 Altes Wissen, Germanen und Kelten

Während in südlichen Kulturen hauptsächlich Planeten und Sterne gottähnlich verehrt wurden, waren bei unseren Vorfahren, im oftmals nebligen und regnerischen Bereich nördlich der Alpen, Naturgewalten und die mit ihnen verbundenen Götter immens wichtig für deren Identifikation. Das germanische Heidentum war eine polytheistische Religion,‭ ‬in deren Mittelpunkt die Verehrung persönlicher Götter und Göttinnen stand,‭ ‬die wir auch heute noch in der Natur und im Mythos erfahren dürfen. Wie bei allen indigenen Völker üblich, baten die Germanen sie um Hilfe und dankten für ihre Gaben. ‬Als verkörperte Wesenheiten verschiedenster Art sind sie weder austauschbar noch gleichzusetzen mit anderen.‭ Dafür ergeben sie als Ganzes eine allumfassende universelle Einheit, welche die Erkenntnisse des Lebens in zahlreichen Metaphern spielerisch darzustellen vermag.

Auch die Götter haben Schwächen

Der Begriff Heidentum bedeutet nichts anderes als „nicht-christlich“, wenngleich er mit der Zeit durch die Christianisierung schleichend in ein im Mainstream düster dargestelltes Gewand schlüpfen musste. In Zeiten der grenzenlosen Informationen, wie wir sie heute durch das Internet erleben dürfen, lässt sich jedoch so manche Unwahrheit über die germanische Götterwelt schnell entmystifizieren, und die so lange als offizielle Wahrheit deklarierte (christliche?) Moral eine meist gegenteilige Erkenntnis entfalten. Lässt man sich auf die germanischen Götter in Menschengestalt ein, laden ihre Stärken und Schwächen uns in fantasievoller Weise ein, Inspiration und Innenschau zu entfalten:

Odin oder auch Wodan/Wotan, der Allvater, opferte sich, um Weisheit zu erlangen, und bezahlte diese mit einem Auge. Neben seiner Frau Frigg unterhielt er auch Affären mit anderen Göttinnen, beispielsweise mit Freya, der Wanengöttin der Fruchtbarkeit und der Liebe. Gerade den Göttinnen, also dem weiblichen Aspekt der Welt, kommt in der germanischen Götterwelt eine ganz besonders wichtige Bedeutung zu. Denn Göttinnen ermöglichen über ihre Liebesenergie, der stärksten Energieform im Universum, den direkten Weg zur Schöpfung. Und auch die Göttinnen hatten neben ihren Ehemännern verschiedene Liebschaften mit anderen Göttern. Was allerdings nicht so verstanden werden sollte, dass Polyamorie gut oder schlecht ist!

Loki, der mit Sicherheit missverstandenste Gott der Germanen, hatte entgegen der meist abwertend beschriebenen Texte der meisten Autoren germanischer Mythologie, nicht nur durchwegs negative Absichten. Loki zeigte sich als Freund auch als Feind der Götter. Er hatte Hödur dazu gebracht hatte, unabsichtlich seinen Bruder Baldur, den sanftesten aller Götter, zu töten. Allerdings war Loki es auch mit einer List, Donnergott Thor bei der Wiederbeschaffung seines Hammers „Mjölnir“, der von den Riesen gestohlen wurde, wieder zu beschaffen.

Sind wir Menschen nicht alle auch irgendwie in der Lage, einerseits zu schöpfen UND andererseits gleichzeitig zu zerstören?

Mit den germanischen Göttern zu Selbsterkenntnis

Bei all den menschlichen Schwächen der germanischen Göttinnen und Götter ist es verständlicherweise ein Leichtes mit dem moralischen Zeigefinger auf sie zu deuten und die offensichtlichen schweren moralischen Fehler aufzuzeigen. Und dabei mit monotheistischen (Welt-)Religionen auf den ersten Blick „fehlerfreie“ Alternativen anzubieten! Die Schöpfung muss jedoch einen Grund gehabt haben, dass wir Menschen Möglichkeiten bekommen, unser Licht mithilfe des Schattens zu erkennen und so erstrahlen lassen zu können. Dies machen uns die Mythen der germanischen Götter sehr schön deutlich. Was wir als Gut oder Böse definieren, ist jedoch immer eine Sache der Wahrnehmung! Unserer eigenen. Milliardenfach.

Zurück zum seelischen Ursprung

Jene Schwächen der Götter werden in unserem Leben beispielsweise symbolisiert durch Neid, Missgunst oder Krankheit. Wir sind nicht gefeit vor Schicksalsschlägen, auch nicht vor manch vermeintlicher böser Absichten anderer. Das Spiel Gut gegen Böse begleitet die Menschheit schon seit sehr langer Zeit und inspirierte zahlreiche Künstler wie Schriftsteller. Aber wir können uns selbst entscheiden, wie/ob wir dieses Spiel bewerten. Fühlen wir uns als Opfer oder betrachten wir uns als ein interagierendes Fragment jener Situationen, die uns Unbehagen verursachen? Nur so kommen wir in unsere wahre Schöpferkraft und legen das über Jahrhunderte konservierte Opferbewusstsein der Menschheit in uns ab. Nicht selten sind es auch festgefahrene Glaubenssätze, die wir zunächst nicht imstande sind zu identifizieren. Erst eine Krankheit vermag uns vielleicht aufzuwecken, damit wir verstehen, uns alte Verhaltensweisen bewusst zu machen, die uns nicht mehr dienlich sind. Mit Bequemlichkeit und Routine hätten wir diese neue Erkenntnis, die einen großen Schritt zur Heilung bedeuten kann, niemals freiwillig bekommen. Und so wie Loki vermeintlich gegensätzliche Aspekte in sich vereint, die er auch exzessiv auslebt, so fordert er uns auch dazu auf, dass wir uns hinterfragen ob unser Verhalten mit unseren eigenen Überzeugungen übereinstimmt. Oder ob wir nur eine Maske aufgesetzt haben, um etwa anderen zu gefallen?

In der heutigen Zeit der medialen und politischen Täuschung stellt sich zudem die Frage, was wir aus den alten Mythen für uns persönlich mitnehmen? Vor allem auch in gesellschaftlicher Hinsicht in Zeiten des Wandels? So unterschiedlich die germanischen Götter, so unterschiedlich die Menschen. Wenn jeder seine Stärken in die Gesellschaft mit einbringt, unter Akzeptanz und Heilung der Schwächen, kann die Welt in eine neue Zeit eintreten, in der der Mensch sich selbst frei entfalten kann und zurück zu seinem seelischen Ursprung findet. All die Künstlichkeit der heutigen Fassade kann dann der Natürlichkeit der indigenen Völker weichen, ohne dabei in technischer Hinsicht in die Steinzeit zurück zu fallen. Die „wilden“ Geschichten der Germanischen Götter können uns dabei helfen, uns selbst zu erkennen und besser zu verstehen.

© Alex Miller / gehvoran.com

Bilder: Fotolia.com


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* Wussten Sie, dass die Musik der Germanen archaisch und ekstatisch war?
* Wussten Sie, dass der Glaube an das Übersinnliche und an Wiedergeburt allgegenwärtig war?
* Wussten Sie, dass heute noch Dengelegeister im Schwarzwald an die Hauswände klopfen?

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Petra says:

    Sehr schöne Analogie in Bezug auf das Mensch sein.
    Leider sieht man oft den Splitter im Auge des anderen eher und lieber als die eigenen Schatten.
    Vielleicht fällt es ja ab sofort leichter, erst mal bei sich zu schauen, bevor man mit dem Finger auf andere zeigt, wenn man im Hinterkopf hat, dass selbst Göttet nicht ohne Fehler waren.
    Nicht zu vergessen, dass dabei immer mehr als die Hälfte der Finger (was einem zu denken geben könnte), auf die verurteilende Person zeigt.

  2. 2
    Alex Miller Alex Miller says:

    Liebe Petra,
    schön gesagt… :)

    Lg Alex

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