Die 7 Phasen der Bewusstwerdung

18 Nov 2018 Von Kommentare: 9 Zeitenwandel, Zeitgeschehen

Mann steht jubelnd vor einem Wasserfall

Ich erinnere mich noch genau an jenen Dienstag im Herbst des Jahres 2001. Ich kam von der Arbeit nach Hause und sah meine Mutter wie gebannt vor dem Fernseher sitzen. Mir war sofort klar, etwas Einschneidendes war passiert. Die Bilder, die wir an jenem Nachmittag sahen, schienen unwirklich, so als wären sie der Fantasie eines Drehbuchautors entsprungen. Doch was wir sahen, war kein Actionfilm made in Hollywood! Es war der Tag, an dem zwei Flugzeuge drei Gebäude zum Einsturz brachten. Während die x-te Wiederholung der einstürzenden Türme des World Trade Centers vor unseren Augen ablief, sagte meine Mutter plötzlich: «Irgendwas stimmt hier nicht!»

Dieses vage Gefühl, dass an den Anschlägen vom 11. September 2001 etwas faul ist, hat mich seither nicht mehr losgelassen. 9/11 war für mich – und Millionen Menschen auf der ganzen Welt – zum Katalysator einer umfassenderen Wirklichkeit geworden. Mir – und vielen anderen – war schlagartig klar geworden: Die Welt ist nicht so, wie sie zu sein scheint. Mit diesem Bruch in der Wahrnehmung hatte sich vollzogen, was in der modernen Esoterik als das «große Erwachen» gehandelt wird. Doch dieses Erwachen stellt nur den Antritt einer langen Reise der Bewusstwerdung dar – eine Reise mit vielen Stationen, einigen Irr-, Um- und Abwegen und ungewissem Ausgang. Sie mag sich für jeden Menschen individuell anders gestalten. Dennoch lässt sich die Reise als ein Weg mit sieben Abschnitten darstellen.

Erste Phase: Der Himmel stürzt auf die Erde

Die sechzehnte Karte im großen Arkana des Tarots ist «Der Turm». Das zugehörige Waite-Bild zeigt einen Turm, in den der Blitz einschlägt. Weiters sind in dem Bild zwei Figuren zu sehen, die aus den Luken stürzen, in denen Feuer brennt. Die Symbolik ist offensichtlich. Mit seinem festen Mauerwerk repräsentiert der Turm ein eingefahrenes Weltbild, das durch die Wahrheit in Gestalt eines Blitzes erschüttert wird. Der Mensch, dargestellt durch die ins Freie stürzenden Figuren, wird aus dem Reich der Illusionen verbannt. Damit symbolisiert diese Tarotkarte ein Gefühl, das der Reaktion auf den Einschlag der Flugzeuge in das WTC ähnelt: Der Mensch erkennt, dass er die Welt nicht mehr versteht. Mehr noch, er gelangt zu der Einsicht, dass er die Welt nie verstanden hat. Ihm fällt förmlich der Himmel auf den Kopf!

Doch nicht nur ein Ereignis wie der 11. September kann eine Zäsur in der Wahrnehmung herbeiführen. Die Auseinandersetzung mit den weniger bekannten Hintergründen der beiden Weltkriege oder die Ermordung John F. Kennedys, um nur einige Klassiker zu nennen, können einen ähnlich bewusstseinsverändernden Effekt auf den Menschen haben. Für diese Phase charakteristisch ist das Gefühl der Schockstarre. Man hat den Eindruck, die Welt ist in tausend Teile zersprungen. Sobald jedoch der anfängliche Schock nachlässt, wird einem klar, nicht die Welt an sich ist zersprungen – nur das Bild von der Welt, mit dem man bislang gelebt hat.

Auf die Schockstarre folgt nicht selten das exakte Gegenteil: Man fällt in einen Zustand äußerster Erregung. Zu groß ist der Drang, die Scherben einzusammeln und neu zusammenzufügen. Man liest jedes Buch, das einem Einblick in das große Ganze verspricht – Verschwörungsliteratur in der Art eines Jan van Helsing gehört in dieser Phase genauso dazu wie die Dystopien von George Orwell und Aldous Huxley. Die wussten, in welche Richtung es geht! Darüber hinaus folgt man den Vertretern der Wahrheitsbewegung von Oliver Janich bis Alex Jones, Anonymous wird zur Ersatzreligion und man studiert die Zeitgeist-Trilogie wie andere die Bibel studieren. Auf der Suche nach dem heiligen Gral der Wahrheit gelangt man unweigerlich – und mehr als einmal – an den Punkt, an dem man eigentlich nur dieses kurze Youtube-Video über den Einsturz des World Trade Center 7 ansehen wollte und sechs Stunden später bei einem Video über die reptiloiden Bewohner der inneren Erde gelandet ist und feststellt: Es ist drei Uhr früh, der Magen knurrt und in nicht mal vier Stunden sollte man in der Arbeit sein. Ein Phänomen, das für frisch Erwachte nur allzu typisch ist.

Ist der Mensch also erst einmal aus dem Turm geflogen, folgt die Neuorientierung. In Bausch und Bogen bezweifelt er alles, was sich den Anstrich von Normalität und Alternativlosigkeit gibt. Dabei gilt: Alles muss raus, was nicht Miete zahlt! Schul- und Mainstreamwissen wird radikal neu bewertet. Manches wird revidiert, doch vieles fliegt raus und macht Platz für neue Erkenntnisse. Hat sich die Schockstarre gelegt, saugt man jede neue Information wie ein Schwamm in sich auf und integriert diese in ein Puzzle, dessen Umfang man zu diesem Zeitpunkt bestenfalls erahnen kann. Allerdings fällt man im Verlauf dieser Neuausrichtung auch auf die eine oder andere gezielt gestreute Desinformation herein (Stichwort: flache Erde). Insgesamt ist die Phase, in der der Himmel auf die Erde stürzt, eine Standortbestimmung, die sich überwiegend auf der materiell-irdischen Ebene bewegt. Spirituelle wie energetische Aspekte des Formentraums kommen erst später hinzu.

Zweite Phase: Die Evangelismus-Phase

Wanderer vor WasserfallNun, wo man die Scherben des alten Weltbilds neu arrangiert hat, versteht man sich als Eingeweihter in die Mysterien der Welt hinter der Scheinwelt. Entsprechend wähnt man sich auserwählt, diese offenbarte Sicht an notleitende Menschen weiterzugeben. Denn eins ist in dieser Phase klar: Alle, die noch nach dem alten Weltbild leben, sind Menschen in Not – sie wissen es nur noch nicht. Der Erwachte fühlt sich daher dazu berufen, den vielen notleidenden Menschen zu helfen. Er tut das, indem er nach Kräften predigt, missioniert und andere zu bekehren versucht.
So werden auf dem Kreuzzug der Wahrheit Eltern und Verwandte mit Büchern von David Icke beglückt. Auf dem Post-It dazu steht: «Es gibt keine Zufälle!» Daneben ein Smiley. In den sozialen Medien flutet man den Newsfeed von Wildfremden mit Truth-Bombs und aufklärerischen Memes. Beim Filmabend mit Freunden laufen jetzt Aufklärungsvideos zu den Anschlägen vom 11. September 2001. Zur ‚Mission Veritas‘ gehört aber auch, dass man Bekannte zu Vorträgen schleift, in denen das zinsbasierte Schuldgeldsystem dargelegt wird, und man den Arbeitskollegen wieder und wieder erklärt, warum Matrix mehr Dokumentation als Spielfilm ist. Selbst die schwerhörige Großmutter im Altenheim wird mit jedem Besuch darauf gedrillt, auf Pyramiden und das allsehende Auge in Musikvideos zu achten.

Auch wenn er bester Absicht ist, schießt der erwachte Mensch in dieser Phase weit übers Ziel hinaus. Er bleibt in den Zusammenhängen, die er erkannt hat, hängen und nimmt sich und das neue Bild von der Welt furchtbar ernst. Dadurch haftet ihm eine Schwere an, die auf andere Menschen, selbst wenn diese für vermeintliche Randthemen offen sind, abschreckend wirkt. Genauso verschreckend ist der Umstand, dass sich der Duktus des Erwachten ändert. Seine Erkenntnisse kommen nicht selten in der Verpackung des Matrix-Sprech daher, was sein Umfeld nur noch mehr befremdet. Wer lässt sich schon gerne als «hirngewaschenes Schlafschaf» bezeichnen?

Die Evangelismus-Phase zeichnet sich also dadurch aus, dass der wache Mensch ein Truther-Ego ausbildet. Ein solches Ego entsteht dann, wenn man sich mithilfe von Einsichten in die Wahrheit vom Ego löst, sich dabei jedoch so sehr mit der Wahrheit identifiziert, dass sie zur Grundlage eines neuen Egos wird. Der König ist tot, lang lebe der König! Die Themen, mit denen man sich über andere Menschen erhebt, mögen sich geändert haben, doch der Charakteristik des Egos entsprechend setzt sich der wache Mensch nach wie vor ins Recht und andere ins Unrecht. Selbst wenn der Erwachte auf jemanden trifft, der ebenfalls erwacht ist, geht es in vielen Fällen darum, wer von den beiden die Wahrheit für sich gepachtet hat. Wird der Erwachte vom Truther-Ego beherrscht, stößt er Menschen oft vor den Kopf oder geht ihnen schlicht auf die Nerven. Er hat noch kein Gespür, dafür, dass man nur denjenigen abholen kann, der bereits an der Bushaltestelle steht.

Dritte Phase: Die Pumpernickel-Phase

In der dritten Phase findet sich der Erwachte in einem Teufelskreislauf. Aufgrund seiner Mission, die Welt zu erleuchten, hält ihn so mancher Arbeitskollege für einen Spinner. Vielleicht geht ein Familienmitglied auf Distanz. Und möglicherweise hat sich sogar der eine oder andere Freund verabschiedet. Der Erwachte wiederum fühlt sich von seinem Umfeld zunehmend unverstanden. Dies kann zur Folge haben, dass er sich noch mehr dem Finden der Wahrheit widmet, sich in noch mehr Bücher und YouTube-Filme versteigt und dabei weitgehend von der Außenwelt isoliert.
An diesem Punkt der Bewusstwerdung fährt der Erwachte nochmal einige Stockwerke tiefer in den Kaninchenbau und kommt so zum ersten Mal mit den energetischen und okkulten Hintergründen des irdischen Formenspiels in Berührung. Er beginnt, die System(at)ik satanischer Rituale, Magie und Menschenopfer sowie den Einfluss nicht-stofflicher Wesen auf die Erde zu begreifen. Ist der Charakter des Erwachten nicht gefestigt, besteht an dieser Stelle allerdings die Gefahr, dass sich der Erwachte ein Stück weit selbst verliert. Paranoide Züge sind ebenfalls nicht auszuschließen. Kommen dann noch die Prophezeiungen von Sehern wie Nostradamus oder Alois Irlmaier dazu, herrscht schnell Weltuntergangsstimmung.

Von dem Verdacht erfüllt, der 3. Weltkrieg könnte mit jedem Tag ausbrechen, mutiert der Erwachte zum sogenannten Prepper. Der Begriff geht auf das englische «prepare» (vorbereiten) zurück und bezieht sich auf Menschen(gruppen), die vom nahenden Weltuntergang überzeugt sind und sich entsprechend vorbereiten. Mit einem derartigen Angstporno im Kopf deckt sich der Erwachte mit ganzen Monatsvorräten an Reis und Bohnen, dutzenden Konservendosen und kiloweise Pumpernickel ein. Die Garage wird dermaßen mit Wasserfässern vollgestopft, dass man damit locker das Becken im nächstgelegenen Freibad befüllen könnte. Hinzu kommt ein Vorrat an Medikamenten, Kerzen und Taschenlampen im Überfluss. Der 3. Weltkrieg tritt natürlich nie ein, sodass der Pumpernickel dazu verdammt ist, ein trauriges Dasein jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums zu fristen.

Vierte Phase: F*ck this sh*t!

Die vierte Phase der Bewusstwerdung ist eine Phase des Umbruchs, die sich jedoch anfänglich durch Ernüchterung auszeichnet. Niemand nimmt einen ernst, der Weltuntergang fällt aus wegen «Is‘ nicht!» und ein Wandel zum Positiven scheint auch nicht in Sicht. Der Erwachte gelangt zu dem Schluss, dass die anderen recht haben: Er hat sich in etwas verrannt und ist zu dem Spinner geworden, von dem manche unter vorgehaltener Hand reden. Resigniert packt er darauf sämtliche Bücher, die er verschlungen hat, in Kartons und verstaut sie im Keller. Zudem werden alle Truther-Filme von der Festplatte gelöscht, die Abos zu Blogs und YouTube-Kanälen der Wahrheitsbewegung gekündigt und die Verbindung zu Gleichgesinnten in den sozialen Netzwerken gekappt. Was über Monate oder Jahre der Lebensinhalt des Erwachten war, wird nun innerhalb weniger Stunden entfernt. Schluss mit dem Mist!

In der Folge spielt so mancher mit dem Gedanken, einen auf Thoreau zu machen und in einer Hütte im Wald fernab jeglicher Zivilisation zu leben. Andere hauen überhaupt ab und leben für längere Zeit in Südamerika. Und manche wiederum kehren in ihr altes Leben, ihren alten Job oder ihr altes Umfeld zurück. Der Eskapismus mag unterschiedliche Formen annehmen, doch ihnen allen ist gemein, dass der Erwachte so tun möchte, als hätte sein Erwachen niemals stattgefunden. Das mag eine bestimmte Zeit lang gut gehen. Doch dann schlägt der Blitz erneut ein – diesmal allerdings nicht in den Turm, sondern in den Erwachten selbst!

Plötzlich ist da die Erkenntnis, dass das gesammelte Wissen sowie die Einsicht in die größeren Zusammenhänge keineswegs umsonst war – es war lediglich einseitig. Der Erwachte macht einen persönlichen Quantensprung, indem er sich selbst aus der Vogelperspektive betrachtet und versteht, dass jede Form von Einseitigkeit stets ein Ausdruck von Dualität ist, während das Leben – oder die menschliche Wahrnehmung des Lebens – polar ist. In der Dualität sind Gegensätze nicht miteinander vereinbar – in der Polarität hingegen ergänzen sich vermeintliche Gegensätze. Mehr noch, nur wenn beide Pole versorgt werden, fließt das Leben. Der Erwachte begreift mit anderen Worten: Im Wald oder einer Hütte in den Bergen kann jeder erwachen; die Kunst besteht darin, seine Bewusstwerdung mitten in der Gesellschaft und im Alltag zu leben. Nochmal anders formuliert: Er realisiert, dass ein Leben in der Matrix möglich ist, ohne notwendig mit ihr zu verschmelzen.

Wie der Phönix aus der Asche geht der Erwachte aus der resignativen Phase hervor. Mit neuem Elan geht er in die zweite Hälfte des Bewusstwerdungsprozesses über. Zeichnete sich die erste Hälfte zum größten Teil durch die Tiefenbeschäftigung mit den irdischen Erscheinungen aus, geht es in der zweiten Hälfte stärker in die spirituelle Richtung. Zum Interesse für das vordergründige Geschehen kommt nun das Interesse am spirituellen Hintergrund. Es geht fortan nicht mehr nur darum, was im Einzelnen und kollektiv geschieht, sondern zudem um die Frage, warum die Dinge so geschehen wie sie geschehen und wieso sie nicht nicht geschehen können.

Fünfte Phase: Die große Ent-Egoisierung

Der Erwachte könnte fortan Bäume ausreißen. Revitalisiert aber nicht mehr fanatisch wie in den ersten Phasen sammelt er nun neues Wissen und macht neue Erfahrungen. So beschäftigt er sich mit östlicher Philosophie und liest die Unterweisungen Krishnas an Arjuna in der Bhagavad-Gita. Er schwebt im abgedunkelten Salzwassertank oder sinniert über Tao-Te-King genauso wie er sich von Konfuzius inspirieren lässt oder bei einem Schwitzhüttenritual einen Blick in höhere Sphären des Seins erhält. Und irgendwo zwischen Alphawellen, Brahma und Copal trifft ihn erneut der Blitz! Diesmal in Form der buddhistischen Einsicht, es erwacht, wer sich vom Leid befreit. Mehr noch, der Erwachte erkennt das Ego als die Ursache des Leidens.

Das Ego ist weit mehr als diese Stimme im Kopf, die unentwegt «Me, me, me!» schreit. Es ist die illusorische Struktur, die dem Menschen suggeriert, er zu sein. Der Veda spricht an dieser Stelle vom «ahankara», dem Ich-Macher, der im Menschen das Gefühl der Getrenntheit auslöst. Dieses Fake Self bindet den Menschen an Identifikationen aller Art – Name, Geschlecht, Alter, Beruf, Status, etc. – und hält ihn so davon ab zu erkennen, dass er das Bewusstsein ist, das abseits der Identifikationen liegt. Im Zuge der Ent-Egoisierung erkennt der wache Mensch die Facetten des Egos – an anderen wie an sich selbst. Zu diesen Facetten gehört das zwanghafte Denken sowie das Verstricken in Emotionen und Dramatisieren. Vergleichen, Werten und Urteilen sind ebenso Ausdruck des Egos wie das Klammern an Vergangenheit und Zukunft. Und je mehr sich der Erwachte dieser Facetten bewusst wird, desto eher verliert das Ego seinen Einfluss und das Bewusstsein rückt in den Vordergrund. Er versteht, dass er das Ego nicht bekämpfen muss; sich seiner gewahr werden, reicht völlig aus, damit sich das Bewusstsein entfalten kann und er das erreicht, was Jean Gebser die «Ich-Freiheit» nennt.

Im Modus der Ich-Freiheit sind Mensch und Ego nach wie vor verbunden. Doch anstatt sich von ihm beherrschen zu lesen, dient es ihm als Motor zur Bewusstwerdung. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt! Das Projektionstheater in drei bis fünf Akten endet und der Erwachte realisiert: Nicht die anderen sind schuld – es gibt gar keine Schuld, nur die eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit Unrat und Unbewusstem. Der wache Mensch versteht jetzt: Er kann die Welt nicht ändern, er kann nur sich selbst ändern. Doch gerade dadurch verändert er die Welt.

Sechste Phase: Alles ist eins?

Zu Beginn der sechsten Phase hat sich das Ego in die zweite Reihe zurückgezogen und das Bewusstsein bringt den inneren Raum des Erwachten zum Leuchten. Dieser Zustand ist ein Vorgeschmack darauf, was im Buddhismus «Satori», also Erleuchtung, genannt wird. Auf dem Weg zur Erleuchtung ist der Mensch immer öfter in der Non-Dualität. Er lässt sich weder in die eine Erscheinung verwickeln noch identifiziert er sich mit ihrem vermeintlichen Gegenteil. Zugleich offenbaren sich ihm neue Einsichten in die ‚Spielregeln‘ des Formentraums. Er erkennt, dass alles auf dem freien Willen basiert.

Wolkenhimmel mit BergspitzeIn der satori-nahen Non-Dualität begreift der wache Mensch, dass die Hüter der Matrix unsere Zustimmung brauchen, um ihr über Jahrtausende angelegtes Versklavungsprojekt zu realisieren. Der freie Wille gilt aber auch für die Hüter, sprich sie dürfen unsere Einwilligung erlügen, ergaunern und durch Desinformation erschleichen. Die Wahrheit darf mit anderen Worten bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Jedoch müssen die Schlupflöcher, Hintertüren und Notausgänge im Design immer berücksichtigt werden. Die Schlupflöcher dürfen verdeckt, die Hintertüren mit Brettern zugenagelt und die Notausgänge nicht ausgeschildert werden, doch sie müssen ausnahmslos vorhanden sein. Ohne deswegen erneut in die Falle des Missionierens zu tappen, erkennt der Erwachte, dass wir selbst die unbewussten Schöpfer des geistig-spirituellen Gefängnisses sind, in dem wir uns bewegen. Da sich die Hüter von der Quelle getrennt haben, verfügen sie über keine eigene Schöpferkraft. Sie haben allerdings die Möglichkeit, unsere Energie dergestalt zu manipulieren, dass wir eine Welt erschaffen, die in ihrem Sinn, aber unserem eigenen Wohlergehen diametral entgegengesetzt ist. Die Ironie des Bewusstwerdungsprozesses ist, dass erst mit der Einsicht in den eigenen unbewussten Schöpferakt ein Bewusstsein für die eigene Schöpferkraft entstehen kann. 1984 und Schöne neue Welt sind eben nicht nur Mittel, uns zu zeigen, in welche Richtung die Reise gehen soll; sie sind das Werkzeug, mit dem die Hüter dafür sorgen, dass wir die Reise im Sinn einer selbsterfüllenden Prophezeiung manifestieren.

Bei dieser Metamorphose vom unbewussten zum bewussten Schöpfer spielt nicht selten die Quantentheorie eine wichtige Rolle. Der Erwachte begreift, dass sämtliche Varianten der Realität in Form von Quanten immer vorhanden sind und erst durch den Akt der Beobachtung ein Quant aktiviert wird und ein anderes Potenzial bleibt. Unsere Gedanken, Gefühle und Überzeugungen kreieren mit anderen Worten, welche Realität wir wahrnehmen. Was lange als Binsenweisheit galt, weicht nun einem tiefen Verständnis: Die Welt ist in der Tat so, wie wir sie sehen. Die Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem ist Illusion. Denker und Gedachtes sind eins.

Eine Weile ist der Erwachte davon überzeugt, dass im spirituellen Monismus «Alles ist eins» die Antwort auf alle Fragen des Universums enthalten sind. Er hat sich in dem eingerichtet, was Heraklit das «Logos-Bewusstsein» nennt, d.h. ein Bewusstsein für den Gesamtsinn der Wirklichkeit. Erst gegen Ende der sechsten Phase relativiert sich auch dieses Bewusstsein und der wache Mensch begreift, dass die absolute Wahrheit seinem Verstand nie zur Gänze zugänglich sein wird. Es ist nämlich sehr wohl alles miteinander verbunden, doch nicht unterschiedslos. «Alles ist eins» gilt zwar für den spirituellen Urgrund hinter den irdisch-materiellen Formen. Doch die Formen selbst drücken sich auf vielfältige Weise aus. Es herrscht daher zugleich Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit. Alle Menschen sind Ausdruck desselben Ursprungs; zugleich bringt jeder Mensch den ihm eigenen Klang, den eigenen Ton und den eigenen Schatten in den Formentraum ein.

An diesem Punkt der Bewusstwerdung gelangt der Erwachte zu einer Einsicht, die Mario Walz wie folgt ausdrückt: Alles, was von Substanz ist, ist paradox. Möchte ich eine Situation ändern, muss ich sie annehmen, wie sie ist. Wer eine harmonische Beziehung mit einem anderen Menschen führen möchte, muss, wie uns Erich Fromm erinnert, die Fähigkeit besitzen, allein sein zu können. Alles ist eins und verschieden. In der Paradoxie stoßen Ego und Verstand an ihre Grenzen, das Mentale gibt auf und öffnet den inneren Raum des Menschen für das Diaphane – das Durchscheinende, das den Rest der Bewusstwerdungsreise bestimmt.

Siebte Phase: Ankunft im Nirwana

***

Selbstredend sind die dargelegten Phasen der Bewusstwerdung ein Modell, also mentale Annäherungen an etwas, das sich nur bedingt auf der mentalen Ebene abspielt. Die Einteilung in sieben Phasen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellt einen roten Faden dar. Was an diesem Faden noch dranhängt, ist wie eingangs erwähnt bei jedem Menschen verschieden. Für den einen mag es drei Phasen geben, der andere hat den Eindruck, zwei Dutzend durchlaufen zu haben und ein anderer wiederum erlebt den Erwachensprozess, ohne sagen zu können, wo eine Phase aufhört und die nächste beginnt. Nicht jeder mietet sich im Kaninchenbau ein oder liest Orwell und Huxley; manche haben nie das Bedürfnis, die Wahrheit in die Welt hinauszuposaunen oder sich auf den Weltuntergang vorzubereiten.

Für viele erwachte Menschen mag der Vorgang der Bewusstwerdung überhaupt nicht linear verlaufen, sondern so wie Dieter Broers sagt, in einer «wellenartigen Bewegung nach der Devise ‚zwei Schritte vor und einer zurück‘.» Demnach ist das Erwachen des Menschen kein dauerhafter Wandel, sondern wiederholt sich, wie Broers ausführt, «viele Male, bis sich ein radikaler, permanenter Wandel einstellt.» Unabhängig davon, wie sich der Bewusstseinswandel im Einzelnen vollzieht, feststeht und zwar felsenfest: Das Erwachen geschieht. Unweigerlich. Für den einen früher, die andere später. Doch unterwegs zur Bushaltestelle Richtung «Reines Bewusstsein» sind wir alle.

Copyright: © Mario Rader

Bilder: Fotolia.com

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9 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Kleinschorschi says:

    Sehr gut beschrieben, Mario. Hab Dank! Und mein geliebter Erich Fromm kommt auch drin vor. Und an der einen oder anderen Passage erkennt ich mich wieder. Nicht nur im positiven Sinne. Und das ist trotzdem gut!
    Graves Level oder Ken Wilbers Spiraldynamics beschreiben auch Stufen der Entwicklung, was auch sehr interessant ist.
    Nochmal lieben Dank für deinen gut leserlichen Schreibstil.
    Kleinschorschi

  2. 2
    Ursula says:

    Ich musste etwas schmuzeln bei der Lektüre des Beitrags, denn ich habe mich an der einen oder anderen Stelle durchaus wieder erkannt. Wenn unsere Reise durch die Phasen erfolgreich verläuft, landen wir spätestens am Ende von Phase sieben bei dem, was uns am meisten dabei unterstützt, die Wahrheit, die Freiheit und schließlich die Liebe zu erlangen, für uns selbst und für die Welt. Für mich funktioniert das am besten über das Studium der Schriften von Rudolf Steiner. Von ihm kann man in Sachen Einweihungsweg eine Menge lernen, z. B. in seinem Werk: „Wie erlangt man Kenntnis von den höheren Welten“. Vielen Dank für diesen erhellenden Text!

  3. 3
    Jan says:

    Cool!
    Things are changing
    But nothing changes
    And still there are changes
    Le roi est mort, vive le roi!
    There is no teacher
    Who can teach anything new
    He can just help us to remember
    The things we always knew.

    „Odyssey Of The Mind“

  4. 4
    Flake says:

    Krass sehr treffend und auch selbst Wiedererkennung

    Und irgendwie sehr beruhigend das man auch in der Matrix leben kann ohne mit ihr zu verschmelzen

  5. 5
    Mario Rader says:

    Liebe KommentatorInnen,

    Freut mich, dass der Artikel gut ankommt und die eine oder andere Beschreibung Wiedererkennungswert hat. Danke auch für die Verweise zu Ken Wilber und Rudolf Steiner sowie das Gedicht „Odyssey of the Mind“. Mögen viele andere Leser auf eure Hinweise stoßen und sich damit näher auseinandersetzen.

    @Flake: Ich denke, dass man der Matrix an mehr Stellen Energie entziehen kann, als uns oft bewusst ist. Man kann neben anderem weniger Erwerbsarbeit leisten, bewusst weniger konsumieren, bei Wahlen seine Stimme bei sich behalten, dem betreuten Denken der Leitmedien die Aufmerksamkeit entziehen, sich dem Selbstoptimierungswahn entziehen, den generellen Körperkult nicht mitspielen, sich aus Herrschaftsinstrumenten wie etwa der Schuld oder Angst auskoppeln, den institutionalisierten Religionen die Anhängerschaft entsagen, den wissenschaftlichen Halbwahrheiten adieu sagen, et cetera. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und in der Summe machen all diese Praktiken der Loslösung sehr wohl einen bedeutsamen Unterschied aus. Das Beste ist: All das ist mitten in der Matrix möglich, ohne sich mit der Matrix anzulegen.

  6. 6
    Grabner Willi says:

    Liebe Erwachte!
    Wieder so ein wunderbarer Beitrag von Mario Rader. Auch ich habe mich darin voll wieder erkannt.
    Meine Reise begann mit den Seth-Büchern von Jane Roberts vor 40 Jahren und ich hab sie 20 Mal gelesen, bis ich auch nur einen Teil verstand. Es war aber eine hervorragende Grundlage, wie ich heute weiß, und sowas von wahr, was ich damals noch nicht wußte, aber ahnte. Viele Bücher wie über Edgar Cayce, waren meine Wegbegleiter. Das Internet kam ja erst viel später.
    Leider mußte ich immer ein Doppelleben führen, also mit einem Bein im realen Leben und mit dem anderen in meiner bewußten Welt. Ich habe manchesmal Andeutungen gemacht, aber den Rest für mich behalten. Erst seit ich das Internet nutze, weiß ich, dass ich nicht allein bin und hab natürlich enorm dazugelernt.
    Danke, dass es Euch gibt. Gruß Willi

  7. 7
    Mario Rader says:

    Danke Willi für deine Worte. Mit den Inhalten zu Seth beschäftige ich mich auch gerade, allerdings in Form von Hörbüchern. Diese findet man, wenn man bei YouTube „Kess ZeroGravity“ eintippt. Sind sehr empfehlenswert. Das Internet fördert die vorhandene Schwarmintelligenz („Wir sind alle miteinander verbunden“) enorm und beschleunigt das Erwachen – wäre dem nicht so, würde man es aktuell nicht an allen Ecken und Enden zensieren wollen. Insofern: Ja, das Internet ist auf unserer Seite :)

    Dein Doppelleben verstehe ich recht gut. Seine Wahrheit aussprechen kann durchaus Phasen der ‚Einsamkeit‘ mit sich bringen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, wenn man dazu steht, verabschieden sich zwar ein paar Menschen (oder man verabschiedet sie selbst), dafür kommen richtig tolle Menschen nach. Das Universum kennt kein Vakuum :)

    In diesem Sinn: Alles Liebe!

  8. 8

    Mich beschäftigt seit 1999, als ich begann, einige meiner Gedanken zu veröffentlichen, wieso Leser zu völlig gegensätzlichen Wahrnehmungen gelangen, wenn doch die Worte und der Zusammenhang identisch sind. Der größte Teil einer vermeintlichen Wahrnehmung befindet sich bereits innerhalb der vorhandenen Realität eines jeden einzelnen Menschen. Unglaublich daher, was in der veröffentlichten Meinung alles zum 11. September 2001 aufgetischt wird.

    Der Beweis liegt im Staub, aber nicht in irgendwelchem bedrucktem Papier. Stahl, Beton, Glas, Innenausstattung, Wasser und Menschen werden durch Explosionen auseinandergerissen oder schmelzen. Doch alles zerfiel binnen weniger Sekunden zu Staub und nahm nur einen winzigen Bruchteil des Raumes ein. Man sah kein einziges Feuer!

    Wir alle wissen, dass alle Atome überwiegend aus Hohlraum bestehen. Wird die Energie aus Hülle und Kern aufgelöst, dann bleibt fast nichts übrig. Doch immer noch behaupten Millionen, der Kaiser sei wunderbar gekleidet, dabei haben alle Fernsehzuschauer gesehen, wie nackt er ist!

    Nur WTC 7 wurde konventionell gesprengt und hinterließ einen entsprechend großen Haufen Bauschutt, aber keinen Staub von ehemaligen Atomkernen und Atomhüllen!

  9. 9

    Hallo Hans Emik-Wurst,
    in diesem Zusammenhang machte mich vor Kurzem ein Leser (Danke!) auf die neuen veröffentlichten Untersuchungen des Dipl. Physikers Heinz Pommer aufmerksam, die mehr als ein“leuchtend“ sind:

    https://www.youtube.com/watch?v=WDuwNdzrSG0&t=1s

    Hier die Beschreibung des Youtube-Videos:

    „Diplom-Physiker Heinz Pommer verfolgt die verschiedenen Erklärungsmodelle, welche den Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 zu erklären versuchen. Eine Sprengung mit Nano Thermit sei die Ursache, behauptet der emeritierte Chemieprofessor Niels Harrit. Dem widerspricht Dimitri Khalezov, der eine nukleare Explosion als Ursache für den Einsturz der Türme vermutet. Eine jüngere Theorie von Dr. Judy Wood versucht den Kollaps und die Zerstaubung mit Energiewaffen zu erklären.

    Alle haben recht, sagt Heinz Pommer und stellt im Gespräch mit Robert Stein seine einheitliche Ground Zero Theorie vor. Das Ground Zero Modell (GZM) geht dabei von drei wesentlichen Punkten aus: 1. es erfolgte ein langsamer und sehr hoher [nuklearer] Energieeintrag in den Boden (ca. eine Stunde) 2. diese Strahlungsbombe bestand aus einem reaktionsfähigen Element-Mix, mit der Fähigkeit zur Selbstzündung: es erfolgte eine abschließende nukleare Verpuffung (ca. 6 Sekunden, bei vollständigem Einschluss im Granit) 3. nur ein Bruchteil der im Boden gespeicherten Energie trat durch einen Kollimator-Schacht im Granit aus, schoss als nukleares Plasma im Innern der Türme durch die vorab mit Thermit verbundenen Aufzugsschächte auf, und zerstörte die Gebäude auf diese Weise eruptiv von oben nach unten (directed energy) An Hand dieses einfachen Modells lassen sich viele bisher rätselhafte Beobachtungen als einfache Nebenwirkungen der Strahlungsbombe in 25 Schritten erklären…

    Auch wenn es im Internet bereits viele Theorien zur Tätergruppe gebe, sei dies nicht wirklich ausschlaggebend, so Heinz Pommer. Das Ground Zero Modell sollte einen Beitrag zur Befreiung aus einem geistigen Gefängnis sein, keine Schuldzuweisung an Einzelpersonen: wenn wir den schlechten König nur durch einen schlechten Kaiser ersetzen, dann verlieren am Ende alle. Eine positive, nachhaltige Veränderung der Zivilgesellschaft sei nur dann möglich, so Heinz Pommer weiter in dem Interview, wenn genügend Einzelpersonen vernetzt und verantwortungsvoll handeln, ohne nach der Macht greifen zu wollen: nur dadurch werden Machtstrukturen geschwächt bzw. sogar unnötig. Der mit 9/11 verbundene Erkenntnisprozess sei zu Beginn sicherlich schmerzhaft, so die Einschätzung, aber für viele Personen gleichzeitig ein Heilungsprozess, vor dem man keine Angst haben sollte.“

    Auch wenn man die schrecklichen Vorkommnisse nicht mehr ändern kann, so macht es doch Hoffnung, dass immer mehr hinterfragt wird und immer mehr Menschen nach der Wahrheit streben.

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