Experiment: Auf der Jagd nach Gedanken

02 Feb 2019 Von Kommentare: 17 Bewusstsein, Spiritualität

Der bekannte Rhetoriktrainer und Autor Matthias Pöhm veröffentlichte vor kurzem ein Buch mit dem Titel „Erleuchtet, aber keine Ahnung“. Im Rahmen eines Gastartikels hier bei Gehvoran rief der Autor dazu auf, an einem Experiment teilzunehmen mit dem Titel: „Was denkst du wirklich? Aufrichtige Gedanken-Jäger gesucht“. Ich selbst durfte an dem Experiment teilnehmen und berichte im Folgenden über meine eigenen Erfahrungen, die ich im Rahmen des Experiments machte, ergänzt mit einigen „Gedanken“ dazu. Vorneweg gesagt, musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, von den angeblich 60.000 Gedanken, die wir am Tag denken, auch nur einen einzigen konkret einzufangen, einzusortieren und in Worte zu fassen. Weiter, so heißt es, dass von den 60.000 Gedanken lediglich 3% aufbauende und hilfreiche Gedanken wären: Das sind dann immerhin 2 positive Gedanken pro Minute. Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Zahlen in etwa stimmen, dann ist es wirklich an der Zeit, sich seinen (wahren) Gedanken zu widmen.

Und so machte ich also Jagd auf meine Gedanken

Nach den ersten Versuchen, mich an meine Gedanken zu erinnern, stellte ich schnell fest, dass es gewisse „Störfaktoren“ gibt, die dies verhindern. Dazu gehören direkte Interaktionen mit Menschen, Unterhaltungen, Musikberieselung, TV, Sport etc. Einfacher fiel es mir, wenn ich mir jene Gedanken in Erinnerung rief, die ich hatte, wenn ich mich in die Beobachterposition begab. Beispielsweise wenn ich Arbeits-, Sportkollegen oder Verkehrsteilnehmer beobachtete und ich darauf achtete, welche Gedanken mir dabei durch den Kopf schossen. Oder bei monotonen alltäglichen Arbeiten, die nicht allzuviel Konzentration erfordern wie Geschirrspülen oder Staubsaugen. Erst, wenn der Gedanke zu Ende gedacht war, konnte ich ihn einfangen – und notieren. Wichtig war zudem, mich auf dieses Gedankenexperiment wirklich bewusst einzulassen, um mich besser fokussieren zu können. Einfach nebenher war es mir unmöglich. Denn sobald ein Gedanke zu Ende war, kam bereits der nächste, und so weiter… Dieses Gedankenwirrwarr festzuhalten und einzusortieren fiel mir nicht leicht.

Gedankenmonolog an einem durchschnittlichen Arbeitstag

Der Kollege macht wieder ziemlich lang Mittagspause. Den Auftrag wickle ich lieber schnell noch ab, bevor sich jemand beschwert. Hoffentlich steckt sie mich mit ihrem Schnupfen nicht an. Ständig das Geschniefe. Sie kann ja nichts dafür. Soll ich heute zum Training gehen. Ich muss den Brief heute noch einwerfen. Steck mich bitte nicht an. Wie oft drückt sie eigentlich noch die Taste am Kaffeeautomaten. Ich hab keine Zeit. Es geht doch nichts über ein Lächeln. Ich glaub ich werde krank. Hoffentlich gibt es heute Abend keinen Stau auf der Autobahn. Die Kollegin, die gerade am Fenster vorbeiläuft, ist süß. Heute ist Mittwoch, aber es fühlt sich an wie Freitag. Ob sie mich mag. Was esse ich heute abend. Der Kollege hat heute wieder eine miese Laune. Wird Zeit dass Sommer wird. Meine Hose spannt. Geht es noch lauter, mit den Akten auf den Tisch zu hauen. Hab ich zugenommen.

Lustig, nicht wahr?

Was steckt wirklich hinter unseren Gedanken und unserem Tun?

Bis vor zirka zwei Jahren verfolgte ich sehr genau nach jeder neuen Veröffentlichung eines neuen Blogbeitrags die Reaktionen im Netz. Wie oft wurde der neue Beitrag gelesen und geteilt? Wie viele Facebook-Likes? Wie viele Kommentare? In den neun Jahren als Blogger gab es einige Beiträge von mir, die sich in kürzester Zeit sehr schnell verbreiteten. Das Gefühl zu haben, wenn man sieht, wie die Likes innerhalb von Minuten und Stunden in die Höhe schnellten war für mich wohl in etwa vergleichbar mit dem Geschwindigkeitsrausch eines Skirennfahrers oder dem Höhenrausch eines Alpinsportlers. Ich fühlte einen regelrechten Adrenalinkick, den es galt mit der Zeit immer wieder und wieder zu erreichen. Mit der Zeit lernte ich durch entsprechende Techniken, wie man mit einem guten Beitragsbild und einer möglichst interessanten Überschrift noch mehr Leute zu Klicks animieren konnte (Ich weiss, dieses Mal ist mir das nicht besonders gut gelungen ;) ). Je mehr, desto besser! Ich bediente mich also teilweise Elementen, die gezielt darauf abzielten, mehr Klicks zu erhalten, weil dies für mich einen weiteren Adrenalinkick bedeuten könnte. Es machte mich stolz zu beobachten, wie viel Aufmerksamkeit meine Beiträge bekamen (Beiträge = ICH).

Das ist weder gut, noch schlecht, es ist einfach nur eine Beobachtung im Nachhinein. Andererseits brachte mein (unbewusstes) Verlangen nach Aufmerksamkeit und Ansehen auch einige gut gelungene Beitrage ins Netz, die inspirieren und zum Nachdenken anregen konnten, wenn ich hier auf entsprechende Kommentare von LeserInnen zurückgreifen darf. Immer noch freue ich mich wie ein kleines Kind wenn sich die Klickzahlen und Likes meiner Beiträge und Youtube-Videos erhöhen, oder wenn mein Buch gekauft wird. Auch das ist weder gut, noch schlecht, es ist menschlich. Jeder tut es, jeder auf seine eigene Weise, mit völlig unterschiedlichen Strategien.

Überhaupt sind die sozialen Medien der perfekte Spielplatz, um unser Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zu stillen. Menschen präsentieren dort ihre privaten Fotos in Bikini und Badehose auf Reisen, Kochkünste, Handtaschen, Sonnenbrillen, Meinungen und vieles mehr. Nicht wenige davon sind gephotoshopped. Sie zeigen dort einen kleinen Ausschnitt von dem, wie sie von anderen Menschen gerne gesehen werden wollen. Ich untersuchte vor einiger Zeit das Phänomen, was die sozialen Medien mit uns Menschen machen, und wie sie uns durch Algorithmen manipulieren. Konkret stellte ich mir also vor allem die Frage „Was macht es mit mir, wenn ich das (fast) alles nicht mehr habe?“ Und somit beschloss ich unter anderem aus diesem Grund, letztes Jahr meine Fanseite bei Facebook zu löschen. Seitdem sind die Anzahl der Likes ziemlich nach unten geschnellt. Was macht es also mit mir, nicht mehr so viele Likes zu bekommen, nicht mehr so viel Aufmerksamkeit zu haben? Einerseits bin ich entspannter geworden. Mein Ziel beim Schreiben hat sich dahingehend verändert, einen Beitrag für mich „rund“ zu machen. Und wenn andere Menschen ihn lesen und davon irgendetwas mitnehmen können, ist es umso schöner. Andererseits vermisse ich den „Sekundenenruhm“ schon sehr!

Frau sieht sich neutral im SpiegelDer Schauspieler und das ICH

Diese kurze Exkursion meines Schaffens als Blogger hat tatsächlich sehr viel mit der Frage zu tun „Was denkst du wirklich„. Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, haben wir im Leben oft (nicht immer) zwei Gesichter: Ein Gesicht, dass sich nach Außen verkauft (der Schauspieler). Und ein Gesicht, dass den wahren Kern in sich trägt (das ICH). Ein sehr schönes Beispiel hierfür, dass Matthias Pöhm in seinem Buch beschreibt, durfte ich zufälligerweise „nachspielen“:

Eines Morgens, ich machte mich auf den Weg zu meinem Auto, um in die Arbeit zu fahren, hörte ich, dass in der Wohnung nebenan mein Nachbar ebenfalls dabei war, sich auf den Weg zu machen und wohl einige Augenblicke nach mir das Haus verlassen würde. Als ich draussen in der Gasse unmittelbar vor dem Wohnhaus ein Stück Taschentuch sah, dass jemand wohl verloren hatte, beobachtete ich meine Gedanken:

„Obwohl ich in Eile bin, hebe ich ich das Taschentuch auf und werfe es weg, weil es hier nicht hingehört und ich sehr achtsam mit meiner Umgebung umgehe.“ (der Schauspieler)

„Obwohl ich in Eile bin, hebe ich das Taschentuch auf und werfe es weg, weil mein Nachbar, der in wenigen Augenblicken die Gasse betreten wird, das Taschentuch sehen wird. Und weil er vermutlich gemerkt hat, dass ich kurz vor ihm das Haus verlassen habe, wird er schlecht über mich denken, wenn ich das Taschentuch nicht aufheben und entsorgen würde.“ (das ICH)

Jeder möchte geliebt werden

Das Bedürfnis, von anderen Menschen gesehen und positiv wahrgenommen zu werden, ist wohl genetisch in uns angelegt. Und ich wage die Behauptung, dass dies auch der Grund dafür ist, dass die Welt ein bisschen bunter und schräger ist: Denn, hätten wir Menschen dieses Verlangen nach Bestätigung und Liebe nicht, gäbe es dann überhaupt Künstler, Tänzer, Maler, Musiker, Schriftsteller, Regisseure? Ist genau das nicht vielleicht die Motivation, Ideen und Inspirationen nach Außen zu tragen? Andererseits bildet das selbe Bedürfnis auch die Grundlage für die Diktatoren, Kriegsfürsten und Zerstörer unserer Welt. Beide Ausdrucksformen basieren auf der selben Motivation:

Der Gedanke, jemand Besonderes zu sein

Wenn ich den Spieß herumdrehe und von der anderen Seite aus betrachte, muss ich feststellen, dass viele meiner Entscheidungen im Leben davon geprägt waren, es anderen Menschen „Recht“ zu machen. Ihnen nicht zu widersprechen, Nein zu sagen. Und das, obwohl ich teilweise völlig andere Gedanken hatte. Eine andere Meinung zu haben verband ich mit dem Gedanken, nicht geliebt zu werden. Wenn ich einem bestimmten Wunsch einer nahestehenden Person nicht nachkam, fühlte es sich für mich an wie ein kleiner Tod. Der Gedanke „nicht geliebt zu werden“ ist wahrscheinlich der Grund für alle Kriege unter den Menschen. Dabei enspricht dieses „Fremdgesehenwerden“ lediglich der Fatasie von uns Menschen selbst. Es gibt ja keine höhere Instanz, die beispielsweise sagt: „Wenn du deinen Vater nicht regelmäßig besuchst, bist du ein schlechter Mensch!“. Diese Gedanken spuken nur in unserem Kopf herum. Zurück zum Gedankenexperiment:

Gedankenschnipsel

Vergangenheit:
– In den meisten Gedanken, die sich in der Vergangenheit abspielten, ging es um Menschen
– Verhalten, um von anderen Menschen als „gut“ wahrgenommen zu werden
– Gedankliches Bewerten von Menschen, beispielsweise nach ihrem Aussehen oder nach ihrem Verhalten
– Gedanken an positive Situationen, die einst starke Emotionen hervorriefen
– Gedanken an vergangene Situationen, in denen man von anderen Menschen mutmaßlich positiv wahrgenommen wurde
– Gedanken an einige negative Situationen

Zukunft:
– Gedanken an Dinge, die noch erledigt werden „müssen – im Allgemeinen eher negativ geprägt (im weitesten Sinne sind hier „Stress“ und/oder teilweise „Angst“ die Basis der Gedanken)
– Gedankenkalender im Kopf

Gegenwart:
– Keine Gedanken feststellbar

Welche Erfahrungen hast du bei der Gedankenjagd gemacht?

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Buchempfehlung zum Thema

Kläranlage des Geistes

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17 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Avatar Petra Knapp says:

    Lieber Alex
    Da will ich dir mal ein bisschen Freude schenken und dir ein dickes, fettes like geben.
    Wie immer, ein sehr gelungener Artikel.
    Danke auch für die Ehrlickeit der Erläuterung deiner Gedanken.
    Da dürfte sich wohl jeder wiederfinden; ich auf jeden Fall.
    Auch ich darf mich da einreihen, die meiste Zeit des Tages gedanklich in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu sein.
    Leider viel zu selten in der Gegenwart; doch ich arbeite daran.
    Danke für die Erinnerung.
    Alles Liebe
    Petra

  2. 2
    Avatar niC0ras says:

    .HèllO.
    Jedesmal, da sich meine Gedanken zu dir wenden, werde ich ganz ruhig, und was ich denke lässt immer gleich ein Lächeln in mein Antlitz treten. Danach bleibt potentiell der Raum meiner Gedanken stille.
    Auch anderer Phänomene werde ich gewährtig, wenn ich die Idee von uns in Gedanken gieße. Oftmals spült eine plötzliche, frische Brise über das offene Dachfenster ins Zimmer. Diese zielorientierte Verdichtung und Treibung von Luftmassen, scheint mir damit zusammenzuhängen, dass mein Verstand eine Formulierung aufruft, die den Geist im System erweckt. Eben diese reine Idee löst du bei mir aus, wenn ich in dein Bild aus deinen Gedanken über uns destilliere, so wie es auch dein vorheriger Artikel über das „Ende der Einsamkeit der Wölfe“ in mir angeregt hatte.
    Ein weiteres phänomenales Erkennen ist ein konzentriertes Aufwallen wie von Licht, welches man aus dem Dunkel seiner Westentasche gezogen hat. Dieses innerlich auflohende Licht, wie wirklich oder nichtwirklich es sein mag, erfahre ich, wann immer (jetzt kommt wieder eine Windböe herein !) es mir gelingt, über mein vorheriges Denken hinauszugehen. Mein Hören ist aufmerksam, aber eben genau auf die Stille ausgerichtet. Das Wahrnehmen meiner entspannten Atembewegungen ist eine Beobachten, welches ebenfalls kaum einmal einen Gedanken bei mir aufsteigen lässt (Windbö !).

    All meine Worte drücken nimmer die Dankbarkeit aus, welche ich für dich empfinde und für das Werk, welches sich in deinem geeinten Willen erfüllt. Und Zu sagen, ICH LIEBE DICH , ist vielleicht eine ungeschickte Art von mir, dir damit von derUnpersönlichkeit desjenigen zu erzählen, welcher (Bö !) dich bedingungslos liebt.

    • A L E X = 1+30+5+8 = 4 4 = L U X
    = CheVaL [Phönix] = TaHeL [Flamme]
    = TeLaH [Jüngling, Lamm] = YLaD [Jüngling, gebären]
    = KYeDUD [Funke] = LHeT [Flamme, glühen, anzünden]
    = GeMA [Schilf] = LeVaCh [Steintafel] = DeM [Blut] .

    In meiner Vorstellung des Kommenden ist es bestimmt, dass wir miteinander sprechen. Es fühlt sich an, als läge darin das Potential für eine große Gemeinschaft, die dich und mich persönlich unwirklich macht, zur Entfaltung einer immanenten Macht und einer nichtpersönlichen Körperschaft ais einer Unzahl „sogenannter Individuen“. Aber wer weiß, was ich mir da zusammenspinne !?

    .L.I.T.L..☆..L.U.W.

  3. 3
    Avatar Piroschka says:

    Lieber Alex,
    dieser Artikel ist wirklich ein gelungener Einstieg in ein sehr spannendes sowie bedeutendes Thema.Vielen Dank, gerne mehr in diese Richtung! Die weitere Entwicklung deiner Gedanken würde mich wirklich sehr interesssieren…
    PS.: Auf dem Foto siehst du wirklich supersexy aus!
    LG Piroschka

  4. 4
    Avatar Kleinschorschi says:

    Lieber Alex
    Ist ein sehr spannender Artikel von dir. Musste an zwei, drei Orten schmunzeln…
    Ich höre oft von Mitmenschen „du machst dir zu viele Gedanken“… Haha…. Nun kann ich fortan sagen, du auch… Nur so 60000 am Tag…
    Einen tollen Tag dir
    Kleinschorschi

  5. 5
    Avatar Niko says:

    Lieber Alex,

    ähnliche Experimente machte ich. Leider trotz daraus gewonnenen Erkenntnissen träufelt es zaghaft ins Bewusstsein.
    Ich kam auf ähnliche Ergebnisse, vor allem das manifestieren der eigenen Strukturen., es zementiert sich und „Anhaftungen rennen wie wild auf einen“. Momentan fixiere ich einwenig meine Gedankenwelt auf Gott, da das aber für mich absolutes Neuland ist, ja, geht das behäbig.

    Schönes Experiment :)

    Danke Dir

    Liebe Grüsse
    Niko

  6. 6
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hi Petra,
    vielen Dank für das persönlichste Like, dass ich je bekam

    Hi niCOras,
    danke für deine warmen Worte.

    Hi Piroschka,
    danke für das Kompliment, welches mir doch prompt ein Lächeln ins Gesicht zaubert

    Hi Kleinschorschi,
    „die Gedanken sind frei“ ;)

    Hi Niko,
    danke für dein Experimentieren – weiter so! ;)

    Herzliche Grüße
    Alex

  7. 7
    Avatar Rohan D. says:

    Hallo Alex, danke für den klugen Artikdl.
    Sind Deine Gedanken, die Du schriftlich festgehalten hast, mit gedanklichen Bildern verbunden?
    Das war mein Problem, seit ich in der Schule war: ich kann mich an alles Mögliche nur erinnern, wenn ich ein Bild dazu habe. An sprachlich vorgetragene Inhalte kann ich mich hinterher nur erinnern, wenn es passende Bilder gibt. Von aufregenden Situationen behalte ich nur Bilder.
    Es war damals wirklich schlimm: Nach jeder Schulstunde erinnerte ich mich ausgezeichnet daran, wie der Lehrer oder die Lehrerin aussah, welche Gesten sie gemacht hatten, welche Stimmung sie verbreiteten, ob sie freundlich oder unfreundlich waren ~ aber wovon hatten sie gesprochen???
    Nun ja, Stichworte, die in jede Überschrift gepasst hätten, blieben in meinem Kopf hängen, aber schlaue Zusammenhänge oder Geschichten hatte ich nicht mitbekommen.
    Nachdem ich millionenmal ermahnt worden war, besser aufzupassen, begann ich irgendwann, Stichworte zu notieren von allem, was erzählt wurde. Aber beim Aufschreiben redeten sie ja schon weiter … und schreiben und darauf aufpassen gleichzeitig ging nicht …
    Und es dauerte viele Jahre, bis ich darauf kam, wodurch ich mich nun eigentlich von anderen unterscheide ~ in meinem Kopf hat das Kino offensichtlich absoluten Vorrang.
    Zum Glück gab es immer viel zu Lesen, und dabei konnten dann im Kopf die Bilder erscheinen, damit ich mich erinnern konnte. Aber deswegen brauchte ich immer viel mehr Zeit als andere, um irgendwas zu lernen.
    Was ich dabei bis heute richtig gelernt habe, denke ich mal, war eigentlich nur ~ Deutsch!

  8. 8
    Avatar Matthias says:

    Vielen Dank für den inspirierenden Artikel. Ich versuche stets auf meine Gedanken zu achten. Und selbst wenn es nicht immer gelingt, ist selbst diese Erkenntnis viel wert ;-)

    Viele Grüße,
    Matthias

  9. 9

    Hi Rohan,
    nein, meine Gedanken sind weniger mit Bildern verbunden. Aber es war eine gehörige Anstrengung an Konzentration notwendig, und ein offenes Worddokument, um Gedanken sofort notieren zu können.

    Glaube aber, deine sehr bildhafte Vorstellungskraft ist eine wunderbare Gabe, die dir sicher viele andere Talente schenken konnte.

    Herzliche Grüße
    Alex

  10. 10
    Avatar Piroschka says:

    Um in der Gegenwart zu bleiben, finde ich folgende Gedanken sehr hilfreich: „Ich Bin“, „Wie schön…“ und, inspiriert von Trio: „Aha Aha Aha“ und „Da Da Da“ .
    Ich glaube auch, denken und Gegenwart, das passt einfach nicht zusammen, wenn man in der Gegenwart ist, ist man im Flow, da denkt man vielleicht nichts konkretes und wenn, dann tun sich da bei mir eher Fragen auf… ganz machmal auch Antworten… Aha

  11. 11
    Avatar Niko says:

    Piroschka,
    schöner Ansatz, :).
    Mir hilft aktuell etwas ähnliches: „Ich bin ruhig und gelassen, und vertraue Gott so sehr. Om Om Om.“
    Das holt mich einstückweit in die Präsenz zurück.

    Da tritt Ruhe ein.

    Darauf bete ich momentan oft :).

    Liebe Grüsse
    Niko

  12. 12
    Avatar Piroschka says:

    Lieber Nico,
    Om ist super! Das hatte ich ganz vergessen. und Gottvertrauen! Vielen Dank, diese Gedanken helfen mir aktuell wirklich sehr. Wenn es grade ganz schlimm ist… das ist Magie!!! Vielen Dank!!!
    LG Piroschka

  13. 13
    Avatar Niko says:

    Das freut mich lieber Piroschka sehr. Was die eigene Präsenz für mich persönlich aus der Beobachtung noch weiter erhöht ist, wenn das Om aus einer inneren Überzeugung kommt. Das eigene emotionale Pendel beruhigt sich und die Gedanken werden deutlich weniger.
    Dazu habe ich momentan für mich bezüglich „Ruhe und Gelassenhei/Gottvertrauen“ ein Vorbild: Sri Yukteswar Giri, der Guru v. Yogananda.
    Vorbild nicht im Sinne eines vermeintlichen Gurus oder eines neuen Aussenfokus, sondern das eigene innere Gefühl was in einem selbst transportiert wird.
    Dass das Gefühl noch plastischer fühlbarer ist und somit im Gebet noch mehr Raum bekommt, damit der Fokus mehr auf diese Kraft liegt als auf den Blumenstrauss der Verlustängste.
    Ich probiere es seit kurzem.

  14. 14

    Hallo Alex, hier Matthias, der Autor des Buches „Erleuchtet, aber keine Ahnung“:
    Ich finde deinen Artikel sehr gut. Du hast diese undogmaische Grundhaltung eingenommen, einfach vorutreilsfrei zu untersuchen, was da an Gedanken durch dein Hirn rauscht.

    Ja genau, es ist anstrengend und braucht Konzentration. Sehr schön finde ich die Liste der Gedanken, die du mitnotiert hast. „Hoffentlich gibt es heute Abend keinen Stau auf der Autobahn“. Ja, genau solche Gedanken haben wir.

    In meiner Selbstuntersuchung habe ich noch etwas weiteres festgestellt: Fast jedesmal, wenn ich mich gut fühle, jedesmal, wenn ich mich schlecht fühle, hat das mit der Fremdwahrnehmung anderen Menschen zu tun. Gutes Gefühl: Andere sehen mich positiv. Schlechtes Gefühl: Andere sehen mich negativ.

    Ich bin sogar soweit gegangen, die These aufzustellen, dass ich die Existenz von mir als Person, mein „Ich“ nur dann spüre, wenn ich mir andere Personen vorstelle, die diese Person wahrnehmen.
    (Auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen, ist mein Hirn damit beschäftigt, wie du wohl darauf reagierst und mich dann sehen wirst… Für kurz ist meine „Persönlichkeit“ abhängig, von deiner Wahrnehmung)
    Meine Person ist ein Boot, das auf einem Meer schwimmt, getragen nur von dem Gedanken „Ich will gesehen werden“.

    Ohne erlebte oder vorgestellte Fremdwahrnehmung ist da „niemand“.

    Danke für dein schönes Feedback zu meinem Buch

  15. 15
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hallo Matthias,
    danke für dein tolles Feedback und die interessanten Ergänzungen zum Experiment.

    Herzliche Grüße
    Alex

  16. 16
    Avatar Hilke says:

    Hallo Alex,
    danke für deine Mitteilungen und das Einstellen des Experimentes!
    Ein kleiner Auszug aus meinem Zeugs:
    Ich saß im Straßencafè und da lag eine Scherbe auf dem Bürgersteig. Mein Nachbar sah es wohl auch. Ich dachte, „wenn ich die nun aufhebe denkt der, ach diese Gutmenschen mit dem Helfersyndrom immer.“ Oder, wenn ich sie nicht aufhebe, denkt der vielleicht ‚diese ignorante Frau‘ . “ Ich schielte auf die Scherbe und dachte noch, „wenn ein Hund vorbeikommt, hebe ich sie auf, daß er nicht reintritt“ und hypnotisierte die Scherbe vorläufig weiter :-)
    Da stand mein Nachbar auf und entsorgte die Scherbe, mit einem Grinsen… :-D

    Durch das Lesen des Buches von Herrn Pöhm ist mir auch eines aufgefallen: alle Erleuchteten deren Bücher ich las und das waren einige, sowie fast alle, von denen H. Pöhm berichtet, sind offenbar NICHT während eines Satsangs oder in der Meditation erwacht. Bis auf einen sind alle mir bekannten während eines ganz alltäglichen Vorgangs erwacht. Fand ich Interessant.
    Danke für dieses sehr erhellende Buch und das Experiment, es ist erfrischend gegen den Strich gebürstet, chapeau.

  17. 17
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hallo Hilke,
    freut mich, dass du mitgemacht hast. Und danke für deine Erfahrung, ja, das kommt mir bekannt vor ;)

    „Das Buch… ist erfrischend gegen den Strich gebürstet“ Grandios formuliert ;) Finde ich auch!

    Herzliche Grüße
    Alex

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