Die (Un)wahrscheinlichkeit Berlin – München

22 Mai 2019 Von Kommentare: 2 Mystery, Sonstiges

Sonntagnachmittag: Es mag irgendwann zwischen fünf und sechs Uhr sein, als mir oben an der Decke, entlang des Durchgangs, das große Fenster auffällt, während ich das wunderbare neue Album „A!“ von Alexa Feser auf Spotify höre. Ich nehme wahr, wie ich mich, und wie alle anderen hier, von einem kleinen eckigen Kasten abhängig mache, um die knapp sechs Stunden lange Busfahrt größtenteils per W-LAN zu verbringen. Nach Lesen ist mir nicht zumute, und so ziehe ich wegen der viel zu kühl eingestellten Klimaanlage und der viel zu hoch eingestellten Lüftung meinen Hemdkragen hoch und verkrieche mich mit meiner Musik in den Sitz, die mich behutsam die Fahrt über begleitet. Bis eben zu jenem Augenblick, als mir das große Dachfenster auffällt und mir spontan die Frage durch den Sinn jagt, in was für eine verflixte Situation man geraten muss, um mit dem Hammer, der daneben hängt, das Notfallfenster einschlagen zu müssen (!).

Das ist alles relativ schnell passiert“, berichtet ein 24 Jahre alter Student, der in dem Unglücksbus saß. Er habe Splitter fliegen sehen. Die Passagiere hätten dann sehr schnell zu den Nothämmern gegriffen und die Scheiben eingeschlagen, um ins Freie gelangen zu können. (focus.de)

Angekommen am Busbahnhof laufe ich zügig zu meiner S-Bahn Haltestelle, bis zur Abfahrt habe ich nur noch fünf Minuten Zeit, und registriere den Vibrationsalarm meines Handys. Am anderen Ende ist mein Bruder aus Berlin, den ich an seinem 50. Geburtstag übers Wochenende besucht habe. „Alles OK?“ fragt er mich mit ruhiger Stimme. „Ja, ich bin grad am Hauptbahnhof angekommen und laufe zur S-Bahn rüber“. Nach dem Gespräch wird mir leicht übel…

Eine Frau wurde getötet, 72 Personen verletzt – neun davon schwer. Nach dem Bus-Unglück am Sonntag auf der A9 zwischen den Anschlussstellen Leipzig-West und Bad Dürrenberg ist die Unfallursache zunächst weiterhin unklar. […] Den Polizei-Ermittlungen zufolge kam ein Bus am Sonntag gegen 17.30 Uhr ohne Beteiligung eines anderen Fahrzeuges von der Autobahn ab, fuhr eine Böschung hinauf und krachte schließlich auf die Seite. Der Flixbus war auf dem Weg von Berlin nach München.

Ich befand mich am selben Tag auf der Rückreise von Berlin nach Nürnberg in einem Flixbus, auf der exakt selben Strecke wie der Unglücksbus, nur etwa zwei Stunden früher, und erfuhr erst abends von meinem Bruder was geschehen war. Dieses Ereignis war keines von jenen immer wieder vorkommenden, bei dem jemand die ursprünglich gebuchte Fahrt aus mysteriösen Umständen verpasste, um später zu erfahren, nur deshalb einem schrecklichen Unglück entgangen zu sein.

Aus dem FlugzeugEs war eher ein Ereignis wie bei Flug MH 370

Flug MH 370 der Malaysia Airlines von Kuala Lumpur nach Peking mit einer Boeing 777 verschwand am 8. März 2014 um 1:21 Uhr Ortszeit aus unerklärlichen Gründen von der Überwachung der Flugverkehrskontrolle. Seitdem gilt das Flugzeug als vermisst. Exakt drei Wochen zuvor, am 15. Februar 2014, ging mein Rückflug im Rahmen meiner bisher einzigen Reise außerhalb Europas von Kuala Lumpur nach Istanbul mit Malaysia Airlines, mit einer Boeing 777.

Sind solche Katastrophen aus dem vermeintlichen Blickwinkel der Unglücksopfer Zufall, karmisches Resultat oder vorherbestimmtes Schicksal? Oder gibt es vielleicht eine simple mathematische Wahrscheinlichkeit, in bestimmte Situationen zu geraten, unabhängig davon, ob wir diese als gut oder als weniger gut definieren? Die Wahrscheinlichkeit ist ein Maß dafür, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Ereignis eintrifft, gemessen an der Anzahl möglicher Ergebnisse. Wahrscheinlichkeiten zu berechnen erlaubt es uns, trotz eines gewissen Grades an Ungewissheit, Logik und Verstand zu benutzen:

Beispiel: (wikihow.com)

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit einem sechsseitigen Würfel zweimal hintereinander eine fünf zu würfeln? Die Wahrscheinlichkeit der beiden unabhängigen Ereignisse beträgt 1/6.

• Dadurch erhalten wir 1/6 x 1/6 = 1/36 bzw. 0,027 oder 2,7%

Un(wahrscheinlichkeiten)

QuantenphysikIst die Wahrscheinlichkeit auch nahezu ausgeschlossen, in eine Situation zu kommen, die statistisch gesehen gen Null tendiert, so ist sie dennoch möglich. Aber auch eine Berechnung unter der Berücksichtigung vieler Komponenten bringt im Voraus letztendlich keine Gewissheit, ob oder wann ein bestimmtes Ereignis eintritt. Bezogen auf Deutschland mit 82 Mio. Einwohnern liegt die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden bei etwa 1:6.000.000. Die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen liegt bei: 1:14.000.000 (bei einmaligem Versuch). Ein Kanadier erlebte beides! Im Alter von 14 Jahren wurde McCathie vom Blitz getroffen, Jahrzehnte später gewann er gemeinsam mit seiner Kollegin eine Million Dollar im Lotto. Wie selten es ist, dass einem Menschen beides in einem Leben passiert, hat ein Mathematikprofessor der Universität Moncton für „CTV News“ ausgerechnet (stern.de):

1:2.600.000.000.000 (oder: Eins zu 2,6 Billionen) – eigentlich völlig unmöglich, und dennoch ist es jemanden passiert!

Bei durchschnittlich 36,5 Millionen Flügen und vier tödlichen Flugzeugabstürzen (jeweils pro Jahr) ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 1:9.125.000 (das entspricht einer prozentualen Wahrscheinlichkeit von weniger als einem Hunderttausendstel), an einem Flugzeugabsturz beteiligt zu sein (flugangstlos.de). Der Fernbus gilt übrigens als sehr sicheres Verkehrsmittel. Im Jahr 2017 waren von den 5873 Unfällen aller Busse (inkl. Nahverkehr- & Schulbusse) mit Personenschaden nur 3,7 Prozent in einem Reisebus (Nordbayern.de). Ohne es explizit ausgerechnet zu haben, ist wohl die Wahrscheinlichkeit an einer Herzkrankheit zu erkranken weitaus höher, sie beträgt satte 1:5!

Können wir zwar unsere Gesundheit so gut es geht, positiv beeinflussen, um möglichen Herzkrankheiten oder anderen Krankheiten vorzubeugen, so liegt in einem ganzen Leben vergleichsweise nur wenig in unserer Macht, das eine oder andere wirklich bewusst zu verhindern (oder vielleicht doch??), was bedeutet:

„Das Selbstverständliche ist dann nicht mehr selbstverständlich, wenn wir es nicht mehr haben. Daher Danke jedem Tag, an dem du morgens gesund aufwachst“!

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Bilder: Adobe Stock (Beitragsbild „Berlin“ und Bild „Gehirn“), Gehvoran.com („Aus dem Flugzeug“)

Empfehlung: Musik für die Seele „A! von Alexa Feser“

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Avatar Thorsten says:

    Interessant, einfach mal darüber nachdenken. Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Z.B. vor unserer Inkarnation als Mensch arbeiten wir, mit verknüpften Seelen einen Plan aus. Dieser beinhaltet für alle Beteiligten, die zu erfahrenen Gefühle und Erlebnisse. Also führt ein roter Faden durch das Leben an dem es sich vom höheren Selbst zu orientieren gilt. Das Ich hat aber keine Ahnung davon, meistens.
    Andere Möglichkeit, alles passiert zufällig und ohne System. Wir möchten es nur nicht als Wahr empfinden, deswegen erfinden wir die Möglichkeit des Schicksals.
    Damit fühlen sich die Betroffenen nicht so ausgeliefert und ein Sinn entsteht. Quasi als Seelentröster.
    Ähnliches gilt für die Mathematiker unter uns. Mit der Möglichkeit eine Situation theoretisch unwahrscheinlich werden zu lassen, versucht der Berechnende es nicht als große Bedrohung zu sehen.
    Egal wie es gedreht und gewendet wird. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass etwas passiert oder nicht. Wir müssen uns damit abfinden, zu leben. Mit allem was dazu gehört. Wer versucht aus diesem Spiel auszusteigen, wird zwangsläufig „verrückt“ auf dem Spielfeld des Lebens. Endet vielleicht mit Angststörungen oder Depressionen im „Aus“?
    Bewusst durch das Jetzt gehen, mögliche Gefahren erkennen oder erahnen. Aber auch sich fallen lassen und einen positiven Gegenpol bilden. Auf diese Mischung kommt es für mich an. Warum meine kostbare Zeit mit Angst vor dem Leben vergeuden?
    Jetzt passiert mir nichts. Wie meistens .

  2. 2

    Lieber Thorsten,
    danke für deine interessanten Gedanken. Dem schliesse ich mich dir gerne an:

    „…Aber auch sich fallen lassen und einen positiven Gegenpol bilden. Auf diese Mischung kommt es für mich an….“

    Schönes Wochenende und LG
    Alex

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