Filmtipp: Die Rückkehr der Wölfe

23 Aug 2020 Von Kommentare: 5 Filme, Medien

Der Wolf ist wieder da und bringt Unordnung in unser System. Ist ein Zusammenleben mit Raubtieren möglich?

Während Wölfe in der kollektiven Menschenseele Ängste auslösen, üben sie für viele Menschen eine große Faszination aus, verkörpern Wölfe doch das Gefühl von Freiheit wie kaum ein anderes Tier. Die Rückkehr des Wolfes nach Mitteleuropa beeindruckt und polarisiert die Menschen. So magisch ihr unwiderstehlicher Blick mit den hell-gelben Augen auf uns Menschen wirkt, so zutiefst verschrecken kann dieser uns, sollten wir dem einst in den Alpen ausgerotteten Tier über den Weg laufen. Was allerdings sehr unwahrscheinlich ist. Mit „Die Rückkehr der Wölfe“ wagt sich der Schweizer Filmemacher Thomas Horat an ein höchst brisantes und aktuelles Thema heran, das er wunderbar wertungsfrei auf die Leinwand transportiert. Ein überfälliger Dokumentationsfilm über ein heikles und zugleich spannendes Thema, der ab 17. September 2020 in den deutschen Kinos zu sehen ist.

Ähnlicher, als wir glauben

Der Mensch neigt dazu „etwas“ weghaben zu wollen, was er nicht kontrollieren kann. Der Wolf lässt sich nicht kontrollieren, gar zähmen, niemals. Der Mensch auch nicht. Der Wolf ist dem Menschen in seinem sozialen Verhalten viel ähnlicher als wir glaubten, dies belegen eindrucksvolle Verhaltensstudien von Kurt Kotrschal, die in dem Film unter anderem thematisiert werden, er sagt:

Ich finde es unglaublich unverständlich, dass wir Europäer von den Afrikanern und Asiaten verlangen, unter relativ grossen Opfern die Elefanten für uns zu schützen. Oder auch die Löwen. Aber wir Mitteleuropäer wären nicht in der Lage, mit ein paar Wölfen und Bären zu leben. Das ist einfach lächerlich.

Daher lohnt sich ein wertungsfreier Blick über das Verhalten von Wölfen, Anforderungen und Chancen. Gibt es einen Mittelweg zwischen existierendem Konfliktpotenzial der Betroffenen und wilder Wolfsromantik der Nichtbetroffenen? Die Vorstellung der endlosen Weite, die der Wolf ausstrahlt mag uns in seinen Bann ziehen. Der wirtschaftliche Schaden von Almhirten ist dabei nur als ein ärgerlicher Kollateralschaden zu betrachten? Als Teil der Schöpfung hat der Wolf ein Lebensrecht, genauso wie wir Menschen auch. Und so stellen sich Fragen, beispielsweise wie eine Koexistenz zwischen Wolf und Mensch möglich werden kann und welche „Opfer“ dafür nötig wären. Oder zieht der Mensch gar Nutzen aus der Wiederbesiedelung der Wölfe wie dies in den letzten 20 Jahren im Yellowstone Nationalpark beobachtet werden konnte?

Der Wolf ist dort, wo die Menschen Toleranz gezeigt haben. Die braucht er vor allem. Und nicht nur der Wolf heutzutage. Gudrun Pflüger in „Die Rückkehr der Wölfe“

Der Dokumentationsfilm „Die Rückkehr der Wölfe“ zeigt wunderschöne Landschaften, lässt viele unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen zu Wort kommen. Die Aufnahmen der Begegnungen zwischen Wölfen und Menschen sind eindrucksvoll! Ebenso die Geschichten und Erfahrungen mit Wölfen, die Einsiedler, Förster, Forscher und Almhirten mit dem ZuschauerIn teilen. Erfrischend ist die neutrale sachliche Betrachtungsweise, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. „Die Rückkehr der Wölfe“ ist ein top recherchierter Dokumentationsfilm, den man nicht nur gesehen haben sollte, wenn man sich für die „Faszination Wolf“ interessiert.

Copyright: © Alex Miller / www.gehvoran.com

Bilder: Mythenfilm / Die Rückkehr der Wölfe

Deutscher Kinostart: 17. September 2020 | Dokumentationfilm | 90 Min. | ab 6 Jahren | Verleih: mythenfilm | Vertrieb: Die Filmagentinnen | Drehzeit: Sommer 2016 bis Sommer 2019 | Drehorte: Ernstbrunn AT, Salzburgerland AT, Rila Gebirge BG, Vlahi BG, Lausitz DE, Calanda CH, Eritztal CH, Valle Morobbia CH, Wallis CH, Ely MN, Minneapolis-St.Paul MN, Schlesien PL, Warschau PL

Offizielle Filmbeschreibung

Der Wolf polarisiert und fasziniert, und er bringt Unordnung in unser System. 150 Jahre nachdem der Wolf in Mitteleuropa ausgerottet wurde, erobert er sich unaufhaltsam seinen Platz zurück. Sind Wölfe gefährlich für den Menschen; ist ein Zusammenleben möglich? Der Wolf spaltet die Meinungen, seine Rückkehr lässt die Ablehnung des Menschen neu aufleben. Ausgehend von der Rückkehr der Wölfe in die Schweiz begibt sich der Film auf Spurensuche nach Österreich, nach Deutschland in die Lausitz, nach Polen, Bulgarien und nach Minnesota (USA), wo frei lebende Wolfsrudel keine Seltenheit sind.

Trailer / Youtube

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. 1
    Avatar Gewitterhexe says:

    Hallo Alex,

    Hat jetzt nichts mit diesem Film zu tun.
    Ich habe gerade zufällig bei Facebook gesehen, dass Lars Köhne einen Film über die Queros gedreht hat.
    Er hat das alles selbst gemacht, no-pudget Film.
    Mein Kommentar deswegen, weil du ja eine gute Reichweite hast, über Filme auch schreibst und ich mir dachte, ich könnte dir davon mal erzählen, vielleicht magst du ja drüber schreiben.
    Sich gegenseitig helfen und unterstützen.

    Nur so, wenn du magst natürlich

  2. 2
    Alex Miller Alex Miller says:

    Hallo Gewitterhexe,
    danke für den Tipp, der Film ist verfügbar auf YT:

    https://youtu.be/tp2w30WJ784

    Herzliche Grüße
    Alex

  3. 3
    Avatar Gewitterhexe says:

    Ich weiß, dass er verfügbar ist auf YouTube.
    Hab ihn mir auch schon angesehen.

    Es ginge mir eher darum, einen Artikel, Filmrezension, dass mehr Leute auf ihn aufmerksam werden.
    Da es auch um Hilfe für die Qeros geht.

    Naja war nur ein Impuls.

  4. 4

    Achso, ok. Ich hab den Film noch nicht angesehen, bin gespannt… :)

  5. 5
    Avatar Gewitterhexe says:

    Spannend auch, dass es im Film um die weiblichen und männlichen Energien geht.
    Das wäre so schön.

    Hier noch ein paar Worte von Lars die mich dazu bewegten, hier die Kommentare zu schreiben

    Zitate von Lars Koehne – Facebook.

    „11 Jahre nachdem meine letzte längere TV Reportage gesendet wurde ist es heute wieder soweit. Nicht auf einem TV Sender, sondern auf Youtube. Im letzten Jahr im August hatten meine Frau Martina und ich die Einladung erhalten nach Peru zu reisen, um einen Film über die Qéros, die Nachfahren der Inka, zu drehen. Diese Reise haben wir im März dieses Jahres angetreten. Einen 40 min Film zu drehen, zu schneiden, zu texten und zu vertonen ist wie eine kleine/große Geburt. Vor allem, da ich vorher nie als Kameramann gearbeitet hatte. Dieser Film ist mein Geschenk an die Qéros. Mein tiefster Dank gilt allen Qéros, aber auch Ivan Alcca Galdos, der dieses Projekt möglich gemacht hat und seiner gesamten Familie, die uns in den Zeiten des weltweiten lockdowns beherbergt und vor einem Zugriff durch die peruanischen Kontrollbehörden bewahrt haben.
    Der Film steht frei zur Verfügung. Es ist ein NO Budget Projekt. Wir würden uns aus tiefstem Herzen freuen, wenn er fleißig geteilt wird, denn wir sind der festen Überzeugung, dass die Prophezeiung und Botschaft von der Vereinigung der männlichen und weiblichen Kraft am Ende des Films weltweite Bedeutung haben kann.
    Dies ist die Geschichte unserer Reise….
    Aus tiefstem Herzen!
    Lars und Martina“

    Danke. Viel Spaß beim schauen.

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